EMO Hannover 2019, 16. bis 21. September

Beim Eröffnungsrundgang auf der Messe EMO in Hannover informierte sich der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, über die Werkzeugmaschinenschnittstelle Umati. (Bild: VDW)

Umati schlägt damit ein neues Kapitel in der Produktion auf“, sagte Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenhersteller (VDW), auf der Pressekonferenz des VDW in Hannover. „Die Schnittstelle ermöglicht Werkzeugmaschinenherstellern, ein weiteres Versprechen von Industrie 4.0 einzulösen: den einfachen, schnellen und sicheren Datenaustausch“, so Prokop weiter. Die Verbindung und die einheitliche Sprache von Maschinen, Anlagen und Software seien die wichtigste Voraussetzung, um in der Fertigung Nutzen aus der Digitalisierung zu ziehen. Dass sich die einzelne Firma nicht mehr um eine funktionierende Vernetzung kümmern müsse, sei ein ungeheurer Fortschritt.

Auch international hat diese Standardschnittstelle überzeugt. Drei Konsortien aus wichtigen Werkzeugmaschinen-Herstellerländern haben sich der Schnittstelle angeschlossen, ProdNet aus der Schweiz, Edgecross aus Japan und NCLink aus China. Darüber hinaus unterstützen die Werkzeugmaschinenverbände aus China, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Spanien und Taiwan sowie der europäische Werkzeugmaschinenverband Cecimo das Projekt.

„Die Wahl des OPC UA-Standards für die Entwicklung der Schnittstelle bringt die internationale Verbreitung voran. Sie stellt sicher, dass Umati weltweit kostenlos genutzt werden kann“, erläuterte Prokop. 90 Unternehmen beteiligen sich an der Weiterentwicklung in der so genannten Joint Working Group. Die Veröffentlichung einer Companion Specification Version 1.0, der nächste Meilenstein, ist für Mitte kommenden Jahres geplant.

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Aufbau der Standardschnittstelle Umati für Werkzeugmaschinen. Die Veröffentlichung einer Companion Specification Version 1.0 ist für Mitte 2020 geplant. VDW

Die Vorführungen auf der EMO zeigen bereits jetzt, dass die Schnittstelle funktioniert. Die Maschinen verfügen alle über einen so genannten OPC UA-Server, der die Daten an einen eigens für die Messe eingerichteten Datenhub sendet. Dort können die Software-Mehrwertdienste über OPC UA-Clients auf die Daten zugreifen und zeigen, welchen Mehrwert man aus so zugänglichen Daten erzeugen kann. An einem zentralen Informationsstand in Halle 9 zeigte der VDW auf einem Dashboard live, wie die Daten zusammenfließen.

Der Erfolg entscheidet sich am Markt

Schlussendlich hängt der Erfolg von Umati davon ab, wie die Kunden den Mehrwert der Schnittstelle einschätzen. Die Hersteller ihrerseits müssen diesen Mehrwert zuverlässig bereitstellen. „Dazu benötigen wir verlässliche Partner, die notwendige Bausteine, zum Beispiel Steuerungsarchitektur und Softwarekomponenten zur Verfügung stellen. Das erreichen wir durch enge Zusammenarbeit mit den Steuerungsherstellern und künftig sicherlich auch mit weiten Teilen der Zulieferkette“, sagte der VDW-Vorsitzende.

Bis es soweit ist, hat die Umati-Arbeitsgruppe noch viel vor. Mit der Version 1.0 fällt der Startschuss, um Produkte auf den Markt zu bringen. „Die Marke Umati soll künftig für das Versprechen stehen, dass jeder, der eine Maschine mit Umati kauft und eine Software mit umati-Schnittstelle im Haus hat, den Datenfluss ohne großen Aufwand in Gang setzen kann“, erklärte Prokop.

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Standdardschnittstelle Umati: Mapping und Transformation auf Basis von OPC UA. VDW

Um eine ähnliche Verbreitung zu erzielen, wie sie der USB-Stecker im Konsumgüterbereich hat, arbeitet der VDW daran, neben der Companion Specification eine verbindliche Vorgabe für die Konfiguration der Kommunikationsparameter festzuschreiben, Mindestanforderungen für die Implementierung festzulegen und standardisierte Testverfahren zum Nachweis der Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Darüber hinaus soll die Marke weiter in die Welt getragen, verbindliche Teilnahmebedingungen für ihre Nutzung definiert und eine tragfähige Organisationsstruktur aufgesetzt werden. „Auch eine Version 2.0 zeichnet sich bereits ab, weil es noch viele Themen, etwa das Management von Fertigungsaufträgen auf den Maschinen oder das Werkzeugmanagement, abzuarbeiten gibt“, sagt der VDW-Vorsitzende abschließend.

Hintergrund zu Umati

Die Standdardschnittstelle Umati (universal machine tool interface) ist eine Brancheninitiative des VDW. Sie wurde 2017 von den Firmen Chiron, DMG Mori, Emag, Grob, Heller, Liebherr-Verzahntechnik, Trumpf und United Grinding ins Leben gerufen. Ziel ist ein offener Standard zum Datenaustausch über den zugrundeliegenden globalen Interoperabilitätsstandard OPC UA. Darüber hinaus werden alle notwendigen Rahmenbedingungen definiert, um eine nahtlose und sichere Integration der Maschinen und Software beim Kunden zu gewährleisten. Umati zielt als Marke darauf ab, international übergreifend für Sichtbarkeit zu sorgen und die beteiligten Partner im Marketing und der Qualitätssicherung zu unterstützen. Den Standardisierungsaktivitäten im Rahmen einer Joint Working Group mit der OPC Foundation folgen mittlerweile knapp 100 Unternehmen aus aller Welt. www.umati.info

(dw)

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