Dr. Martin Lechner, Leiter des Geschäftsbereichs Neue Technologien, Messe München International.

Dr. Martin Lechner, Leiter des Geschäftsbereichs Neue Technologien, Messe München International.Messe München

Zum Rekorjahr 2010 der Messe München haben viele Veranstaltungen weltweit beigetragen. Dazu gehören sicherlich auch die Elektronikmessen, wie z. B. Electronica & Productronica China. Wie kommt es, dass sich die productronica in München trotz aller Globalisierung unbesehen weiter entwickelt und nach wie vor die weltweit größte Messe ihrer Art ist?

Eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale der productronica in München ist die Abbildung der gesamten Wertschöpfungskette der Elektronikfertigung. Das ist weltweit einzigartig. Sowohl Aussteller als auch Besucher profitieren gleichermaßen von diesem umfassenden Marktüberblick. Die Projektleitung arbeitet eng mit Vertretern der Branche zusammen, um Veränderungen und Entwicklungen im Markt in das Messekonzept mit aufnehmen zu können.

Darüber hinaus sind gerade in Zeiten der weltweiten Globalisierung besonders das europäische Know-how und der Ausbildungsstandard der Fachkräfte ein hoher Garant für hoch ausgereifte Technologien und Entwicklungen.

Zudem bietet München als Veranstaltungsort einen großen Anreiz – einerseits mit der zentralen Lage im Herzen Europas mit einer international einzigartigen Verkehrsanbindung andererseits als einer der führenden Technologiestandorte mit einem äußerst reizvollen Umland.

Wie wird die Messe München das Thema Elektronikfertigung weltweit weiter entwickeln? Wird man irgendwann einmal nicht mehr von Leitmessen in München sondern von globalen Veranstaltungen reden? Wie wichtig wird dabei der Standort in Shanghai?

Die Messe München ist bereits jetzt einer der weltweit führenden Veranstalter für Elektronikmessen. Neben den Weltleitmessen electronica und productronica in München finden weltweit vier Veranstaltungen auch in den regionalen Wachstumsmärkten Asiens und Südamerikas statt. München wird aber immer der Standort der Hauptveranstaltungen sein – die hohe internationale Beteiligung bei electronica und productronica belegen das eindrucksvoll.

Um allerdings der großen Nachfrage nach diesen qualitativ hochwertigen Fachmessen auch in den Märkten vor Ort nachzukommen, wird das weltweite Netzwerk der Elektronikmessen stetig erweitert. Shanghai spielt dabei für den asiatischen Raum eine sehr wichtige Rolle. Diese Stadt hat mit Sicherheit die größte wirtschaftliche Bedeutung in China – zudem ist die Messe München als Miteigentümer des SNIEC (Shanghai New International Expo Centre) maßgeblich an der Entwicklung dieses Messestandorts beteiligt.

Welche Rolle spielt das Internet mit umfassenden Recherchemöglichkeiten über Firmenportale? Wie sehen Sie explizit das Phänomen „Online“-Messen? Welche Rolle werden in Zukunft ihrer Meinung nach die Fachzeitschriften mit ihren Onlineaktivitäten spielen?

Das Internet – und die damit verbundene einfache und schnelle Vernetzung weltweit – bietet völlig neue Möglichkeiten für Unternehmen, um Produktinformationen oder Lösungsansätze online aus zu tauschen. Dem Anspruch der klassischen Aussteller und Besucher werden sie jedoch nur bedingt gerecht. Denn eine „klassische“ Messe bedeutet letztendlich viel mehr, als nur Recherchemöglichkeiten.

Der persönliche Kontakt, die Produktpräsentation vor Ort und vor allem das breite Angebot ausstellender Unternehmen bieten einen klaren Vorteil gegenüber so genannten „online“-Messen. Zudem stellen die Rahmenprogramme und Konferenzprogramme parallel zu den Messen einen großen Mehrwert dar. Beispielsweise findet während der productronica ein hochkarätiger CEO Round Table mit führenden Köpfen der Branche statt und zahlreiche Diskussionsrunden, Vorträge und Hands-on Sessions bieten einen Einblick in Produkt- und Marktentwicklungen, neue Lösungsansätze sowie innovative Trends.

Die Online-Aktivitäten der Fachzeitschriften spielen da eine nicht minder bedeutende Rolle. In den Webportalen können ganzjährig sämtliche Neuigkeiten und Entwicklungen tagesaktuell beleuchtet und redaktionell begleitet werden. Eine unverzichtbare Informations- und Kommunikationsplattform für Besucher, Aussteller und auch Messebetreiber.

Wie wichtig ist das, was Fachmessen heute bieten können: Partner kennenlernen, sich mit Kollegen und Fachleuten aus der Branche austauschen, Technik anschauen, verstehen usw. nicht über Veranstaltungen von Herstellerfirmen, sondern auf „neutralem“ Boden? Inwieweit haben da aktuelle Messekonzepte gegenüber dem Trend zu Firmenseminaren eine Chance?

Die klassischen Messekonzepte haben gegenüber Firmenmessen den großen Vorteil, dass sie zu einem fixen Zeitpunkt eine Vielzahl an Unternehmen – von Großkonzernen über Mittelständische Unternehmen bis hin zu Kleinstunternehmen – aus allen Teilen der Erde an einem Messestandort vereinen. Damit erhalten Besucher und Aussteller einen kompletten, internationalen Marktüberblick und können Produkte und Lösungen miteinander vergleichen. Zudem bieten Messen – wie bereits erwähnt – mit ihren umfangreichen Rahmenprogrammen oder begleitenden Konferenzen einen wichtigen Informationsvorteil gegenüber Firmenseminaren.

Die Messe München erweitert ihre bestehende Messekonzepte stetig und passt sie den jeweiligen Marktsituationen an – das sieht man am Beispiel der productronica sehr deutlich, die dieses Jahr unter anderem dem Wunsch der europäischen Leiterplattenbranche nachgekommen ist und die gesamte Halle B1 diesem Segment widmet. Mit der dadurch geschaffenen PCB Community Area können wir einen zentralen Kommunikations- und Netzwerktreffpunkt für die Branche etablieren.

Was erwarten Sie von einer productronica 2013?

Zunächst erwarten wir eine äußerst erfolgreiche productronica 2011. Mit über 15 Prozent Wachstum bei den Ausstellern und der Fläche sind die Voraussetzungen sehr gut und auch besucherseitig gehen wir von einem deutlichen Anstieg gegenüber der Vorveranstaltung aus. Wir sind zuversichtlich, dass dieser Aufschwung auch 2013 anhält und erwarten auch für die nächste productronica einen Anstieg bei Ausstellern und Besuchern.

Die productronica etabliert sich mehr und mehr als Plattform für innovative, zukunftsorientierte Themen. Dieses Jahr findet beispielsweise erstmals die Sonderschau „Batteriefertigung und Leistungselektronik“ statt und mit den vier Highlightthemen – Highlightthemen Electronic Manufacturing Services (EMS), Batterie- und Energiespeicherfertigung, Effizientes Produktionsmanagement und Organic and Printed Electronics – greifen wir im Rahmen der Messe Trends auf, die im Markt momentan und vor allem zukünftig eine hohe Relevanz haben. Mit diesem Fokus auf unterschiedliche Themenbereiche wird die productronica ihrem Leitmessecharakter gerecht – sie bietet als die wichtigste Branchenplattform die Informations- und Austauschmöglichkeiten, um zukünftige Entwicklungen im Markt voranzutreiben – eine ideale Vorraussetzung für alle kommenden productronicas.