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Berner&Mattner/Ford

Fahrerassistenzsysteme gehören heute zu den wichtigsten Differenzierungsmerkmalen im hart umkämpften Automobilmarkt. Optische Sensoren und Kameratechnik sind Beispiele für neue elektronische Komponenten, die im Zuge dieser Entwicklungen in die Fahrzeuge und deren Steuersysteme integriert werden müssen. Die Systeme wirken auf das Fahren ein – und zwar unabhängig davon, ob dies durch optische Darstellung/Warnung, durch alternative Signale an den Fahrer (akustische Warnung oder „Rütteln“ in der Lenkung etc.) oder durch einen direkten Eingriff in das Fahrgeschehen, beispielsweise in Form einer Notbremsung erfolgt. Daher ist ein  entsprechend sorgfältiger Test der Funktionen sowie der Integration in das Fahrzeug erforderlich.

„Die Tests der Komponentenzulieferer wollten wir ergänzen – durch eine objektive Prüfung am eigenen Teststand“, erklärt Dipl.-Ing. Dirk Gunia, Supervisor Electrical and Electronic System Engineering bei der Ford-Werke GmbH in Köln, der als Gruppenleiter für die weltweite Entwicklung von kamerabasierten Fahrerassistenzfunktionen im Unternehmen verantwortlich ist. Allerdings gelten Tests von Umfeldsensoriken als aufwendig, während die zu testenden Komponenten und Funktionen sich rasant entwickeln und die Teststände viel Platz einnehmen. Um zusätzlich einen schnellen Ramp-up beim Kamera-Teststand zu erlauben, entschied sich Ford für die Zusammenarbeit mit einem strategischen Entwicklungspartner.

Externes Know-how für den Teststandbetrieb

Beim Aufbau des Teststands nutzte Ford die Erfahrung des Berner&Mattner-Teams; schließlich hat der Dienstleister im Bereich der Testmethodik und -organisation in langjähriger Praxis entsprechendes Know-how aufgebaut. Bei vielen Teststandkomponenten wie dem HiL-Echtzeitrechner oder der Testplattform Messina griff Berner&Mattner auf bewährte Tools und Eigenentwicklungen zurück. Über Messina und das modellbasierte Testen ließen sich sowohl Komponenten- als auch Integrationstests fahren. Zur Auswahl der möglichst optimalen Testfälle diente der Klassifikationsbaumeditor CTE XL Professional.

„Früh entdeckte Fehler in Komponenten oder bei der Integration lassen sich so meist kostengünstiger beheben als wenn dies erst zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise bei teuren Prototypen oder Flottentests, erfolgt“, berichtet Dipl.-Ing. Jürgen Schüling, der als Account Manager bei Berner&Mattner den Kunden Ford in Köln betreut. „Das modellbasierte systematische Testen mit Messina und unseren HiL-Techniken erlaubt uns zudem einen hohen Automatisierungsgrad der Tests. Gerade bei den häufigen Updates im Bereich der Kamerasoftware sorgt dies für effiziente Entwicklungsprozesse.“

Bild 1: Dirk Gunia (am Kameraprüfstand in der Kölner Berner&Mattner-Niederlassung): „Wir bei Ford werden von Organisation und Management des Testbetriebs wirksam entlastet, behalten aber die volle Kontrolle über Prioritäten und Ergebnisqualität.“

Bild 1: Dirk Gunia (am Kameraprüfstand in der Kölner Berner&Mattner-Niederlassung): „Wir bei Ford werden von Organisation und Management des Testbetriebs wirksam entlastet, behalten aber die volle Kontrolle über Prioritäten und Ergebnisqualität.“Berner&Mattner/Ford

Fehlermanagement zahlt sich aus

Sowohl von Ford als auch vom Dienstleister waren Flexibilität und Offenheit gefordert, um Herausforderungen und Hindernisse im Testaufbau und -betrieb zu überwinden. Ein Beispiel hierfür war die vor Testläufen notwendige Kalibrierung von Kameratechnik und vom Prüfstand, um die Ergebnisse der Testläufe wirklich vergleichbar zu halten – ein Verfahrensschritt, der erst im Laufe der Entwicklung in den Prozess der Testvorbereitung einfloss. Ähnlich komplex war die Synchronisierung von Bildgebung und Kameraauswertung für die Analyse der Testergebnisse.

Anfangs kam Kritik von den Komponentenlieferanten, die in der ersten Phase auch auf Verbesserungspotenzial im Testaufbau hinwiesen. Hier zeigten sich dann aber die Synergien der Zusammenarbeit zwischen Ford und Berner&Mattner: „Wir haben den Teststand und die Testverfahren ständig weiterentwickelt und verbessert“, freut sich Ford-Supervisor Dirk Gunia. „Heute fragen die Lieferanten an, ob sie auf unsere Testeinrichtungen zurückgreifen und wir ihre Ergebnisse bestätigen können. Dies ist für mich ein starker Beweis für den Erfolg unseres Outsourcing-Projekts.“ Einen weiteren Beleg für den Erfolg sieht er in der Tatsache, dass der Prüfstand bei Ford auch international bekannt und anerkannt ist.

In Eigenverantwortung testen bringt Mehrwert

Anders als bei der klassischen Dienstleistung stellt Berner&Mattner nicht nur das Team für die Bedienung des Teststands, sondern das Unternehmen übernimmt auch Verantwortung für die Ergebnisse: „Wir testen in unserer Niederlassung mit großer Eigenverantwortung und führen in weiten Bereichen die Regie“, erläutert Jürgen Schüling. „Die Entwicklungsteams von Ford übertragen die Aufgabenpakete an uns, detaillieren aber weder den Betrieb noch Anpassungen oder Weiterentwicklungen am Teststand. Nur in dieser Eigenständigkeit und Eigenverantwortung eines Dienstleisters wird Outsourcing wirklich effizient.“ Dirk Gunia ergänzt: „Man muss sich als OEM erst daran gewöhnen, und die Entwicklung einer solchen Zusammenarbeit braucht etwas Zeit. In der täglichen Praxis aber liegt in dieser Eigenständigkeit, im kritischen Nachfragen und in der eigenen Meinung des Dienstleisters ein erheblicher Mehrwert für den OEM, auf den wir heute nicht mehr verzichten möchten.“

Outsourcing bietet Know-how-Gewinn

Diese pragmatische Projektausgestaltung hat sich nach Aussagen der Beteiligten für beide Seiten bewährt, weil sie es einerseits ermöglicht, die von Ford gewünschte Flexibilität zu wahren, während gleichzeitig die für Entwicklung und Betrieb des Teststands erforderliche Planungssicherheit gegeben ist. Die räumliche Nähe von Entwicklungsteams bei Ford und dem Teststand in der Kölner Berner&Mattner-Niederlassung unterstützt dabei die Abstimmungsprozesse.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor besteht darin, dass neben der Teststandtechnik eben nicht nur einfach externe Personalressourcen zum Einsatz kommen, deren Aussteuerung dann doch interne Managementressourcen bindet. Stattdessen übergibt Ford komplette Aufgabenpakete und Ergebnisverantwortung an das Team von Berner&Mattner. Dirk Gunia sieht hierin sogar einen Zugewinn von Know-how: „Unsere Kooperation funktioniert jetzt seit mehreren Jahren. Wir bei Ford werden von Organisation und Management des Testbetriebs wirksam entlastet, behalten aber die volle Kontrolle über Prioritäten und Ergebnisqualität. Zudem findet eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Prüfstands statt. Dies führt dazu, dass der Prüfstand dem Stand der Technik entspricht und auch intensiv genutzt wird. Genau hierin liegt der große Wert der Zusammenarbeit.“

Außerdem ergänzt Dirk Gunia folgendes: „Den oft zitierten Kompetenzverlust beim Outsourcing sehe ich in der Praxis unseres Projektes nicht. Im Gegenteil – faktisch ist über die Beteiligung von Berner&Mattner das Know-how zum systematischen Testen optischer Systeme, deren Funktionen und Integration gemeinsam weiterentwickelt wurden. Zu Themen wie modellbasiertes oder weitgehend automatisiertes Testen haben wir aus dem Projekt viel Praxiswissen in unsere internen Entwicklungsteams übernommen.“