elektronik industrie: Herr Peter Straub, bitte stellen Sie den Entwicklungsbereich Geräteschutz vor.

Peter Straub: Wir sind acht Mitarbeiter, die sich mit der Entwicklung von Gerätesicherungen im Bereich Geräteschutz beschäftigen. Schurter entwickelt in Luzern hauptsächlich SMD-Sicherungen (Surface Mount Device) für Anwendungen in der Elektro- und Elektronikindustrie. Der Umsatzanteil von neuen Produkten beträgt 23 Prozent. Das ist ein sehr hoher Wert, vor allem in Anbetracht der sehr langen Produktlebenszyklen, die in diesem Bereich bis zu 20 und mehr Jahre betragen.

Peter Straub, Entwicklungsleiter Geräteschutz bei der Schurter AG, Luzern.

Peter Straub, Entwicklungsleiter Geräteschutz bei der Schurter AG, Luzern.Peter Straub von der Schurter AG, Luzern

Unsere Kunden benötigen hochzuverlässige Sicherungen. Der Trend zur Miniaturisierung ist auch bei den Gerätesicherungen deutlich spürbar. Ziel ist es, bei kleinstem Formfaktor die einschlägigen internationalen UL- und IEC-Normen zu erreichen. In vielen Anwendungen treten im Betrieb oder unter speziellen Bedingungen zusätzlich hohe Stromimpulse auf, die moderne Sicherungen beherrschen müssen. Hightech-Sicherungen ertragen unterschiedlichste physikalische Belastungen, welche beispielsweise in der Raum- und Luftfahrt auftreten. Die Entwicklungsabteilung führt umfangreiche und aufwendige Qualifikationstests durch. Schurter ist weltweit der einzige von der ESA (European Space Agency) und ESCC (European Space Components Coordination) zugelassene Hersteller von Weltraumsicherungen.

SMD-Sicherung UMT-H mit hohem Ausschaltvermögen.

SMD-Sicherung UMT-H mit hohem Ausschaltvermögen.Schurter AG

Sicherungen schützen Menschen und Anlagen vor den Gefahren, welche von zu hohen elektrischen Strömen ausgehen. Die Entwicklung einer neuen Sicherung ist eine multidisziplinäre Tätigkeit. Gute Kenntnisse in Elektrotechnik und Mechanik, Materialwissen, Kenntnisse der modernen Aufbau- und Verbindungstechnik sowie Verständnis für Fertigungsprozesse sind notwendig, um eine wettbewerbsfähige Sicherung zu entwickeln. Kommunikation und Vernetzung mit internen und externen Stellen sind für den Erfolg unverzichtbar. Zunehmend entwickelt Schurter gemeinsam mit den Kunden maßgeschneiderte Produkte für neue Anwendungsgebiete.

Worauf kommt es bei Sicherungen vor allem an?

Ohne Sicherungen könnten wir den elektrischen Strom in unserem Alltagsleben nicht derart intensiv nutzen, das Risiko wäre zu hoch. Sicherungen nach den IEC-/EN-Standards schützen Menschen vor den Gefahren des elektrischen Schocks, jene nach UL-Standard vor Feuer. Im Fehlerfall müssen Sicherungen zuverlässig schützen, im Normalbetrieb sollte man von der Anwesenheit einer Sicherung jedoch nichts spüren. SMD-Sicherungen müssen zudem möglichst klein sein und eine geringe Verlustleistung aufweisen. Sie sind für die automatische Bestückung auf der Leiterplatte designt und überstehen alle gängigen Lötverfahren.

Wer sind die Anwender solcher Sicherungen?

Die Kunden kommen aus allen Bereichen der Elektronik, etwa aus der Medizintechnik, der Telekommunikation, dem Transport und den erneuerbaren Energien. Zu den größeren Kunden zählen unter anderem Automobilkonzerne und alle Weltraumbehörden. Nebst den Standardprodukten setzt Schurter vermehrt auf kundenspezifische Sicherungen. So sind aus der intensiven Zusammenarbeit mit den Kunden schon viele Innovationen entstanden.

Normen sind sehr wichtig. Nach welchen Standardnormen entwickeln und produzieren Sie?

Der Kunde muss die geforderten Vorschriften für seine Geräte erfüllen. Dies erreicht er, indem er nach UL (Underwriter Laboratories) und IEC (International Electrotechnical Commission) approbierte Sicherungen einsetzt. Schurter entwickelt alle Sicherungen nach obigen Normen. Wir analysieren die Produkte und auch die Fertigungsprozesse in den entsprechenden Entwicklungsphasen mittels FMEA (Failure Mode and Effects Analysis). Die Fertigungsprozesse basieren zudem auf der Six-Sigma-Methodik.

Der Schweizer Franken ist sehr stark. Wie behauptet sich die Schurter AG in diesem Umfeld?

Der starke Schweizer Franken hat auch Vorteile, da wir unsere Prozesse dadurch noch stärker auf Effizienz trimmen und uns damit für die Zukunft stärken. Die Kunden schätzen den hohen Innovationsgrad der Schurter-Produkte und die überdurchschnittliche Produkt- und Servicequalität. Der exzellente Markenname Schurter sorgt seit 80 Jahren für erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit mit den Kunden und Partnern.

In der Schweiz fehlen viele Ingenieure. Wie sehen Sie diese Situation bei Schurter?

Schurter hat 2005 den Swiss-Arbeitgeber-Award gewonnen und es in den letzten Jahren immer unter die Top 3 geschafft. Die Firma ist darum als guter Arbeitgeber in der Zentralschweiz bekannt, der seinen Mitarbeitenden sehr viele Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Interne und externe Ausbildung wird stark gefördert. Viele ehemalige Lehrlinge kommen nach einem Ingenieurstudium zu Schurter zurück oder wählen den Weg über ein berufsbegleitendes Ingenieurstudium mit Unterstützung durch Schurter. In der Entwicklungsabteilung besteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen jungen und älteren Mitarbeitenden. Die Sozialkompetenz von erfahrenen Ingenieuren wird sehr geschätzt. Bei der Suche nach neuen Fachkräften hilft der Sitz in der Stadt Luzern mit der Nähe zu höheren Fachschulen, zur Fachhochschule in Horw, zum Bahnhof Luzern und zum See.

Wie war das Geschäftsjahr 2012 und wie beurteilen Sie 2013 bis jetzt, wie sehen Sie die Chancen und Risiken?

Die Schurter-Gruppe hat 2012 einen Umsatzrückgang von 8,7 % auf 173,8 Mio. CHF hinnehmen müssen. Wir konnten das Ergebnis nach Steuern aber trotz des Umsatzrückganges halten, es betrug 7,5 Mio. CHF. Der Cash Flow belief sich auf 16,5 Mio. CHF oder auf im Branchenvergleich gute 9,5 %.

Das Jahr 2013 hat gut angefangen, trotz globalen Unsicherheiten sind wir auf Budgetkurs. Chancen sehen wir in den Bereichen erneuerbare Energien, Medizintechnik und Transportwesen. Als Risiko betrachten wir die ungelösten Finanzprobleme innerhalb der EU, die den Wirtschaftsmotor bremsen könnten.