Gründungsmitglieder der Nutzerorganisation „Industrial Digital Twin Association“ IDTA

Das (männliche) Who-is-Who für Maschinenbau und Elektroindustrie vereint: DIe Gründungsmitglieder der Nutzerorganisation „Industrial Digital Twin Association“ (IDTA) im Gruppenbild ZVEI / @ZVEIorg

Ziel des Vereins ist es, die parallel verlaufenden Entwicklungsstränge zum industriellen Digitalen Zwilling zusammenzubringen und als Open-Source-Lösung gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen, darunter Siemens und VW, zu entwickeln.

Beispielsweise will das IDTA den Digitalen Zwilling für die Industrie (Asset Administration Shell; deutsch: Verwaltungsschale) in die breite praktische Anwendung bringen. Anwender sollen von den frühen Einblicken in die Digitalisierung der Industrieprodukte profitieren. Dies reduziere Aufwand, Integrationszeit und -kosten in der eigenen Wertschöpfung.

Was ist die AAS/Verwaltungsschale

Die Asset Administration Shell (kurz: AAS, deutsch: Verwaltungsschale) ist das virtuelle Abbild und zugleich die interoperable Kommunikationsschnittstelle einer Hard- oder Softwarekomponente in der Produktion (z. B. einer Maschine): Über die AAS können beispielsweise die Betriebsdaten einer Fräsmaschine gespeichert werden. Gleichzeitig kann die Maschine über die AAS angesteuert oder Daten ausgelesen werden. Damit wird die Basis für die Anwendung von KI und neuer Geschäftsmodelle gelegt – für Fabrikausrüster wie auch für Anwender etwa aus der Fahrzeug- und Prozessindustrie.

Der Digitale Zwilling – Kerntechnologie für Industrie 4.0

Warum Digitale Zwillinge zum Mainstream werden

Mit Digitalen Zwillingen lassen Produkte simulieren und optimieren.

Mit Digitalen Zwillingen lassen Produkte simulieren und optimieren. Ansys

Digitale Zwillinge haben offensichtliche Vorteile. Warum also gibt es bisher so wenige? Die Antwort: zu teuer und kompliziert. Doch das muss nicht sein.

Der Digitale Zwilling dient im Industrie-4.0-Einsatz als Schnittstelle der physischen Industrieprodukte in die digitale Welt. Dadurch lässt sich die durchgängige Datenverfügbarkeit entlang des Lebenszyklus von der Produktplanung und Entwicklung über Produktion und Inbetriebnahme bis zur Nutzung und Recycling abbilden. Damit verbunden sind Potenziale für neue Geschäftsmodelle sowohl für kleine und mittelständische Fabrikausrüster als auch für große Endanwender beispielsweise aus der Fahrzeug- und Prozessindustrie.

Nutzerorganisation IDTA bietet Mehrwert

Die neue Nutzerorganisation IDTA betreibt laut eigenen Angaben aktives Technologiemanagement und koordiniert und stärkt die Interessen sowie die Investitionen der teilnehmenden Akteure. Beispielsweise soll die IDTA die AAS konzeptionell und inhaltlich in einem Open-Source-Ansatz weiterentwickeln – etwa über die Integration von Teilmodellen und Informationsmodellen (z.B. OPC UA Companion Specifications) sowie in Richtung internationale Standardisierung. Gleichzeitig will sie Komponenten- und Systemhersteller, Maschinenbauen, Softwareunternehmen und Anwender unterstützen: Schulungen und Beratung sollen das Implementieren eigener AAS-Anwendungen erleichtern.

Zum Vorsitzenden der IDTA wurde Dr. Matthias Bölke von Schneider Electric gewählt. Stellvertretender Vorsitzender ist Dr. Horst Heinol-Heikkinen, Eigentümer von Asentics. „Die Exzellenz der deutschen und europäischen Industrie bei der Entwicklung industrieller Produkte ist weltweit anerkannt. Nun ist es an der Zeit, das digitale Ökosystem rund um diese Produkte weltweit mit dem gleichen Qualitätsanspruch zu gestalten“, sagt Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA.

IDTA ist ein „Schulterschluss von Maschinenbau und Elektroindustrie“

„Wir stehen vor der einmaligen Chance, durch den Schulterschluss von Maschinenbau und Elektroindustrie die digitale Wertschöpfung in der Industrie für die nächsten Jahrzehnte zu prägen. Und dies zum Nutzen nahezu aller Wirtschaftszweige, vom Produzenten bis hin zum Endanwender“, ergänzt Gunther Koschnick, ZVEI-Fachverbandsgeschäftsführer Automation. „Wir freuen uns, dass wir über VDMA und ZVEI eine neutrale, gleichwohl aber industrieorientierte global durchschlagsfähige Plattform erhalten, die die Kerntechnologie des Digitalen Zwillings für Industrie 4.0 als Open-Source-Lösung in die Welt tragen wird“, betont Frank Melzer, der als Leiter des Lenkungskreises der Nationalen Plattform Industrie 4.0 die Vereinsgründung mitinitiiert hat.

Namhafte Unternehmen unter den Gründungsmitgliedern

Neben dem VDMA und ZVEI gehören zu den Gründungsmitgliedern ABB, Asentics, Bitkom, Bosch, Bosch Rexroth, Danfoss, Endress+Hauser, Festo, Homag, KUKA, Lenze, Pepperl+Fuchs, Phoenix Contact, SAP, Schneider Electric, Schunk, Siemens, Trumpf, Turck, Volkswagen und Wittenstein.

Nicht die erste Organisation für den digitalen Zwilling

Eher aus der IT-Richtung gab es bereits im Mai den Ansatz, die Einführung digitaler Zwillinge in allen Branchen zu beschleunigen. Daher gründeten Ansys, Microsoft, Dell und Lendlease das Digital Twin Consortium. Gemeinsam wollen sie Standards für die Entwicklung und Nutzung digitaler Zwillinge definieren.