ZF Friedrichshafen hat nach Vorliegen aller behördlichen Freigaben die Akquisition des Nutzfahrzeugzulieferers Wabco abgeschlossen. Künftig wird der Zulieferer als eigenständige Division Commercial Vehicle Control Systems der Technologiekonzerns agieren und damit die zehnte Division des Unternehmens.

Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender des Vorstands der ZF Friedrichshafen AG, und Fredrik Staedtler, der die neue Division Commercial Vehicle Control Systems leiten wird.

Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender des Vorstands der ZF Friedrichshafen AG, und Fredrik Staedtler, der die neue Division Commercial Vehicle Control Systems leiten wird. ZF Friedrichshafen

ZF kann sich durch die Übernahme Kompetenzen für Nutzfahrzeug-Bremssysteme sichern, die das Unternehmen für das automatisierte Fahren benötigt. „Mit der Übernahme eines führenden Spezialisten für Nutzfahrzeugbremsen gewinnen wir ein stabiles und wachsendes Geschäftsfeld hinzu und ermöglichen zudem unserem bestehenden Nutzfahrzeugbereich den Ausbau der Kompetenzen in der komplexen Fahrdynamikregelung dieser Fahrzeuge“, sagte Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender des Vorstands von ZF, bei Ankündigung der Übernahme vor einem Jahr. Damit schafften sie für ZF die Voraussetzungen, um ihren Kunden umfangreiche Systemlösungen für den sicheren und automatisierten Transport von Personen und Gütern zu bieten.

Wabco ist ein Zulieferer von Bremsregelsystemen, Technologien und Dienstleistungen zur Verbesserung der Sicherheit, Effizienz und Vernetzung von Lkw, Bussen und Anhängern. Das Unternehmen bietet integrierte Bremssysteme und Stabilitätsregelungen, Luftfederungen, Getriebeautomatisierung und Aerodynamik-, Telematik- und Flottenmanagementsysteme. Der Zulieferer erzielte 2018 einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro und beschäftigt rund 16.000 Mitarbeiter.

Das Produktprogramm von ZF im Nutzfahrzeugmarkt umfasst nach der Übernahme nun konventionelle und elektrische Antriebe, Fahrwerkkomponenten, eine Reihe von Sensoren sowie integrierte Brems-, Lenk- und Fahrerassistenzsysteme für Fahrzeughersteller, die eine technische Differenzierung über ihre neuen Fahrzeugplattformen anstreben. Darüber hinaus bietet ZF digitale Flottenmanagement-Lösungen und ein globales Netzwerk von Aftermarket-Dienstleistungen für Nutzfahrzeuge an.

„Mit der Akquisition setzen wir die Transformation im Antriebssystem und im Feld der Digitalisierung konsequent fort“, sagte Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender des Vorstands von ZF Friedrichshafen, bei Abschluss der Übernahme.

Jacques Esculier, Chairman und CEO von Wabco, wird das Unternehmen verlassen. Geleitet wird die Division von Fredrik Staedtler, der neu in diese Funktion berufen wurde. Staedtler verfügt über Erfahrung in der Nutzfahrzeugindustrie, zuletzt als Leiter der ZF-Division Nutzfahrzeugtechnik.

Die neue Division Commercial Vehicle Control Systems beschäftigt rund 12.000 Mitarbeiter an 45 Standorten weltweit und soll eng mit der bestehenden Division Nutzfahrzeugtechnik, der Division Aftermarket und dem globalen Entwicklungsteam zusammenarbeiten.

„Die Akquisition fällt in die Zeit einer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ausnahmesituation“, sagte ZF-Chef Scheider mit Blick auf die Corona-Pandemie und ihre Folgen. „Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt gegenwärtig darauf, unsere Mitarbeiter zu schützen, die Produktion nach den Stopps wieder hochzufahren und die Liquidität unseres Unternehmens zu sichern. Langfristig hilft uns diese sorgfältig vorbereitete Akquisition, gestärkt in die Zukunft zu gehen, wenn wir die unmittelbaren Auswirkungen der Pandemie bewältigt haben.“

Scheider hatte in einem Brief den Abbau von 15.000 Stellen bis zum Jahr 2025 angekündigt. Davon sollen Medienberichten zufolge rund 3000 Arbeitsplätze im Raum Stuttgart betroffen sein.