Zum mittlerweile 51. Mal reisten die Technik-Fans aus aller Welt zur CES, die in diesem Jahr vom 9. bis 12.1.2018 stattfand. Im Vergleich zu den Vorjahres-Veranstaltungen hat der Automotive-Anteil gefühlt zugenommen, und vor allem die Automotive-Demoflächen im Außenbereich waren in diesem Jahr erheblich größer als noch im Jahr 2017.

Insgesamt zeigten über 3900 Aussteller auf der CES ihre Produkte. Die meisten Automotive-Aussteller hatten ihren Stand in der North Hall.

Insgesamt zeigten über 3900 Aussteller auf der CES ihre Produkte. Die meisten Automotive-Aussteller hatten ihren Stand in der North Hall. Alfred Vollmer

Automobilhersteller auf der CES 2018

Die Redaktion sah Stände der OEMs Byton, BMW, FCI, Daimler, Ford, Honda, Hyundai, Kia, Navya, Nissan und Toyota sowie eine dreistellige Zahl von Automobilzulieferern vom Halbleiterhersteller bis zum Subsystemlieferanten, wobei Byton (infoDIREKT 919ael0218) die CES zur Vorstellung seines Elektro-SUVs mit gigantischer Interior-Elektronik nutzte.

Kooperationen queerbeet

Viele Firmen nutzten die CES, um über die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen zu informieren. Gute Beispiele hierfür sind die Kooperationen von Qualcomm mit Ford, BYD und Jaguar Land Rover, von Nvidia mit Volkswagen und Uber (KI für AD), sowie mit Daimler (Infotainment), von NXP mit LG und Hella Aglaia (Maschinelles Sehen), von Infineon mit Baidu (AD-Plattform Apollo), von ZF mit Baidu (automatisiertes Parken), von TTTech mit Dibotics (Augmented Lidar), von Xilinx mit Continental (ECUs für AD), von Green Hills mit Renesas, Ansys, U-blox und Qt (AD, Cockpit und Connectivity), von IAV mit Karamba Security (Security), von Excelforce mit Hella (OTA-Updates) sowie sehr viele mehr.

Bildergalerie
Hereinspaziert! Zahlreiche Unternehmen aus der Elektronikbranche zeigten auf der CES 2018 aktuelle Produkte. Aber die Präsenz der Automobil-Branche steigt.
Dieser Hingucker dient nur als Demonstrator für Aftermarket-Audio-Produkte, war aber von der Art her kein Einzelfall.
Bei BMW auf dem Freigelände roch es permanent nach Gummi, denn professionelle Fahrer fuhren die Gäste quietschend über einen Parcours.
Die Gesamtfläche der CES 2018 betrug etwa 255.000 Quadratmeter, und der Hashtag #CES2018 kam über 450.000 mal zum Einsatz.
Dr. Elmar Degenhart, CEO von Continental, gab auf einer Pressekonferenz einen Überblick über diverse Neuheiten vom 3D-Lidar bis zum 3D-Touch-Display.
Akio Toyoda, CEO von Toyota und Enkel des Firmengründers, präsentierte der Presse persönlich ein recht ungewöhnliches Konzeptfahrzeug.
ZF-Vorstandsmitglied Michael Hankel informierte über ZFs Kooperation mit Baidu sowie über das neue Projekt Car E-Wallet, ein Bezahlsystem.
Herzstück eines adaptiven Frontscheinwerfers ist dieser DLP-Chip, mit dem TI eine Auflösung von über 1 Million Pixel erzielt.
In der Demo-Praxis beeindruckte TIs DLP-Scheinwerfer in punkto Blendfreiheit sowie bei der Projektion von Infos auf die Straße.
Texas Instruments zeigte in einer Demo eine Sitzplatzbelegung per Radar mit einem CMOS-Chip, der bei 76 bis 81 GHz arbeitet.

Smart City als Fokusthema

Großen Raum nahm auf der CES 2018 das Thema Smart City ein, was auch auf den Automotive-Bereich ausstrahlte. So stellte Bosch beispielsweise Smart City völlig in den Mittelpunkt seines Standes, betonte aber auch, dass Bosch „das Auto in eine neue, vollkommen vernetzte Umgebung“ wandeln will.
Ein gutes Beispiel für die Integration des Autos in Smart-City ist die Interior-Studie von Panasonic, die wir auf Seite 31 vorstellen. Gerade für Fahrdienste wie Uber und Lyft (Seite 25) aber auch für das Carsharing sowie für innerstädtische Transportkonzepte gab es immer wieder Lösungsansätze. Ein gutes Beispiel hierfür ist das – natürlich rein elektrisch angetriebene – Konzeptfahrzeug von Toyota, bei dem auch Amazon, Didi, Mazda, Pizza Hut und Uber im Rahmen der „e-Palette Alliance“ mit eingebunden sind.
Eine ähnliche, wenn auch auf den ersten Blick erheblich stärker durchdachte Systemlösung ist das Concept-Car „Snap“ von Rinspeed, bei dem das langlebige Pod (Fahrgast-/Nutzlasten-Zelle) sich minutenschnell von der Skateboard genannten E-Antriebsplattform abtrennen lässt.

Regen, Stromausfall, Widrigkeiten und Kurioses

Besucher der CES brauchten in diesem Jahr besonders viel Geduld. Während beispielsweise am Vortag der Messe (dem Pressetag) noch die Sonne schien, gab es – nach 120 Tagen Sonnenschein, so sagte es zumindest der Taxifahrer – pünktlich zum ersten Messetag ganztägig Regen. Die Wüstenstadt Las Vegas ist auf derartige Naturereignisse jedoch nicht ganz so gut vorbereitet wie eine Stadt im Regenwald, was die Besucher dann auch zu spüren bekamen: So waren – zur Freude der Schuhputzer – überall große Pfützen, sodass diverse Aussteller in den großen Zelten auf dem Freigelände mit Wasser von unten und oben gleichzeitig zu kämpfen hatten. Die Monorail genannte Einschienenbahn blieb dann auch schon einmal hängen und musste zuerst rückwärts in den Bahnhof zurückstoßen, um dann nach einigen Minuten mit Schwung wieder in Gang zu kommen. An diversen (im Kongresszentrum nur an wenigen) Stellen regnete es durch die Dächer durch, sodass Eimer teilweise zur Mangelware wurden. Autonom fahrende Autos hatten zum Teil herbe Probleme mit den Reflexionen auf der Straße und in den Pfützen. Und wer erst morgens mit dem Flieger zur Messe anreiste, stand teilweise über zwei Stunden lang an, um seinen Messe-Batch abzuholen.

 Alfred VollmerAb dem zweiten Tag schien die Sonne wieder in gewohnter Art und Weise, aber am zweiten Tag hatte dann als Spätfolge des Regens ein wasserbedingter Defekt einen Stromausfall zur Mittagszeit zur Folge, sodass die große Central Hall geräumt werden musste. Großräumig durfte niemand mehr in die Hallen, und auf dem Freigelände standen die Menschen teilweise dicht an dicht. Etwa 90 Minuten nach Beginn des Stromausfalls pendelte sich wieder der halbwegs normale Messebetrieb ein.
Am dritten Tag wiederum sorgte der Besuch des US-amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence im Veranstaltungsbereich Venetian/Sands für erhöhte Sicherheitsmaßnahmen, aber auch für einen kompletten Zusammenbruch des Shuttleverkehrs zwischen den verstreuten Messeteilen. Aufgrund der Straßensperrung rund um den Aufenthaltsort des Vice-Presidenten war ein einstündiger Transfer per Pedes auch keine Alternative, sodass viele versuchten, mit der Monorail zu fahren. Vor den Ticketautomaten bildeten daraufhin viele hundert Menschen eine gigantische Schlange: mehrere Polizisten mussten daraufhin für Ordnung sorgen.
Wer sich auch für CES-Neuigkeiten jenseits von Automotive interessiert und einen Einblick in die Welt der dort vorgestellten Gadgets bekommen möchte, findet hier eine kleine, teils sehr skurile Auswahl.

Mehr zu den Connectivity-Lösungen auf der CES 2018 finden Sie hier.