all-electronics hat eine Umfrage bei einer Reihe von Elektronik-Unternehmen zum Thema Umgang mit der Corona-Krise gestartet. Die Unternehmen berichten, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, wie sie sich auf das Hochfahren der Geschäftstätigkeit vorbereiten und was sie von der Politik erwarten. In diesem Übersichtsbeitrag fassen wir die wichtigsten Aussagen zusammen.

Wie haben Sie sich bzw. Ihr Unternehmen mit den Corona-Einschränkungen arrangiert? Welche Maßnahmen wurden getroffen, um mit der Situation zurecht zu kommen?

Thomas Rudel: Generell gilt, dass Rutronik sich bei allen Maßnahmen an den behördlichen Vorgaben orientiert. Um entsprechende Maßnahmen zu erarbeiten und umzusetzen, haben wir bereits Ende Januar eine Corona Taskforce eingerichtet. Hier verfolgen wir stets vor allem zwei Ziele: einerseits das Ansteckungsrisiko zu minimieren und die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu schützen, und andererseits die Betriebsfähigkeit aufrecht zu erhalten, um unsere Kunden möglichst auf gewohntem Niveau zu unterstützen und zu beliefern. Wobei wir Unternehmen der kritischen Infrastruktur – wie beispielsweise Kunden aus dem Medizinbereich – derzeit mit einer gewissen Priorität behandeln, wenn es die Situation erfordert und das direkten Einfluss auf die Versorgung von Erkrankten haben kann.

Rutronik-CEO Thomas Rudel

„Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Politik mit ihren Entscheidungen immer einen Schritt hinter der aktuellen Entwicklung hinterherhinkt“, sagt Thomas Rudel, CEO von Rutronik. Rutronik

Weltweit haben wir Home-Office-Lösungen umgesetzt, abhängig von den jeweiligen nationalen Regelungen. In Deutschland ist das ein rollierendes System, d.h. alle Teams sind in zwei Gruppen geteilt, die in zweiwöchigem Rhythmus wechselnd im Home Office bzw. im Büro arbeiten. So reduzieren wir die Ansteckungsmöglichkeit im Unternehmen, bei einer möglichen Erkrankung können wir sofort die Teams austauschen, so dass der Betrieb für unsere Kunden bestmöglich aufrechterhalten bleibt.

Im Rutronik Logistikzentrum Eisingen wird in einem nicht überlappenden Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet, zudem ist jede Schicht in zwei separate Pausengruppen unterteilt. Alle Mitarbeiter in den Logistikbereichen müssen eine zertifizierte Schutzmaske tragen, die Rutronik täglich an die Mitarbeitenden ausgibt.

Natürlich erwarten unsere Kunden auch von uns als großem Breitband-Distributor erhebliche Flexibilität in der Auslieferung der Auftragsbestände. Wir bitten aber auch um Verständnis, dass Rutronik nicht jedem Verschiebe- und Stornowunsch in diesem Umfang nachkommen kann.

Darüber hinaus halten wir uns selbstverständlich an die Empfehlungen. Keine Meetings mit Besuchern, interne Meetings nur via Telefon oder Video, Fiebermessungen sowie Informationen für die Mitarbeitenden über Hygienemaßnahmen und überall ausreichend Desinfektionsmittel.

Damit alle Mitarbeitenden alle Informationen zu Corona und den ergriffenen Maßnahmen strukturiert und gebündelt finden, haben wir zudem einen neuen Bereich im Intranet aufgebaut.

Wie sieht die Exitstrategie aus, um zu einem ansatzweise „normalen“ Arbeitsalltag zurück zu kehren, und welchen Zeitraum planen Sie dafür ein?

Thomas Rudel: Auch bei der Exit-Strategie orientiert sich Rutronik an den Vorgaben der Behörden. Ein Exit-Szenario wird deshalb erst dann zum Tragen kommen, wenn die zuständigen Behörden eine Neubewertung der Pandemie-Lage vornehmen und eine Rückkehr zum Arbeitsalltag empfehlen. Deshalb haben wir die jetzt implementierten Prozesse auch darauf ausgerichtet, dass sie über Monate hinweg funktionsfähig sind.

Wenn die behördlichen Auflagen gelockert oder aufgehoben werden, passen wir die Corona-spezifischen Prozesse einzeln unter Sicherstellung der Funktionsfähigkeit daran an bzw. heben sie wieder auf. Bei allen Schritten beobachten wir die Entwicklungen genau, um gegebenenfalls schnell darauf reagieren zu können. Denn der Fokus liegt natürlich auch in Zukunft darauf, die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen, indem Infektionen vermieden werden.

Werden die Corona-bedingten Einschränkungen Ihren Arbeitsalltag und -organisation auch nach Ende der Epidemie nachhaltig verändern? Inwiefern?

Thomas Rudel: Nach dem Leitspruch „In jeder Krise steckt auch eine Chance“ prüft Rutronik bereits, inwiefern wir die aktuellen Erfahrungen nutzen können, um unsere Prozesse zu optimieren und unsere Marktposition auf die neuen Gegebenheiten nach Abklingen der Pandemie anzupassen. Sicher wird die Krisenvorsorge eine größere Rolle spielen als bisher, wo eine Gesundheitsbedrohung in diesem Ausmaß praktisch nicht vorstellbar war.

Welche Unterstützung seitens der Politik würden Sie sich dabei wünschen, und welche Maßnahmen sind nötig, um wieder einen normalen Arbeitsalltag zu gewährleisten?

Thomas Rudel: Wünschenswert wären klare Vorgaben zur Dauer von Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Politik mit ihren Entscheidungen immer einen Schritt hinter der aktuellen Entwicklung hinterherhinkt. Selbstverständlich ist  uns bewusst, dass wir uns alle in einer Sondersituation befinden, die es so noch nie gegeben hat, und dass noch immer vieles zu Sars-CoV-2 unbekannt ist.

Jedoch gibt es momentan zu viele Pauschalentscheidungen auf Bundes- und Landesebene, die zu wenig auf die lokalen Gegebenheiten abgestimmt sind. Es muss beispielsweise die Frage erlaubt sein, ob es zielführend ist, dass in Mecklenburg-Vorpommern, wo landesweit weniger als 700 Corona-Fälle (Stand 21.04.) erfasst wurden, fast die identischen Maßnahmen verhängt werden wie in Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, wo es jeweils über 30.000 Corona-Fälle gibt.

Durch die immer noch sehr dynamische Entwicklung der Pandemie ist es momentan noch verfrüht, eine abschließende Bewertung des Umgangs der Regierungen (weltweit) mit der Pandemie durchzuführen – dafür ist nach deren Abklingen der richtige Zeitpunkt. Nun ist es erst einmal an der Zeit, überlegt und schrittweise zu agieren und sich nicht populistischen und überhasteten Handlungen hinzugeben. Wenn dies gelingt und insbesondere der Mitarbeiterschutz gewährleistet werden kann, bin ich optimistisch, dass Deutschland die Corona-Situation meistern wird und wir zu gegebener Zeit auch zu einem normalen Arbeitsalltag zurückkehren können. Bis dahin tun wir weiterhin alles dafür, in dieser Krisensituation unseren Partnern als kompetenter und verlässlicher Distributor zur Seite zu stehen.