Herr Dr. Jöst, wofür steht eigentlich omlox?

Matthias Jöst: omlox ist der Markenbegriff, den wir als Gruppe gewählt haben. Er ist aus dem lateinischen Omni Location abgeleitet. Das X steht zum einen für die Positionsmarkierung auf einer Karte, zum anderen für die Vielfalt an Ortungstechnologien, die wir mit omlox zusammenführen.

Sie sprechen bei omlox bereits von einer fertigen Spezifikation, von einem Standard dessen Internationalisierung jetzt die PNO vorantreiben soll. Wer war denn der Initiator für omlox?

Dr. Matthias Jöst und Karsten Schneider, Profibus International.

Ultraweitband wird in der Industrie an Bedeutung gewinnen. – Dr. Matthias Jöst Redaktion IEE

Matthias Jöst: Die Firma Trumpf hat den Stein ins Rollen gebracht. Wie viele Unternehmen spürt auch Trumpf schon seit Jahren die zunehmende Digitalisierung rund um ihre Bestandsmaschinen in den Fertigungsbetrieben. Das ist die eine Facette. Trumpf hat ebenso erkannt, dass die Performance ihrer Maschinen schon so optimiert ist, dass ein Prozentpunkt mehr im Gesamtprozess ihrer Kunden nicht mehr den Mega-Effizienzgewinn bewirken kann. Dagegen schlummert in den vor- und nachgelagerten Prozessen noch einiges an Wertschöpfung. Diese Prozesse hat sich Trumpf angeschaut und festgestellt, dass es bei ihren Kunden vor allem an der Logistik klemmt. Und eine wesentliche Technologie, die Logistikprozesse verbessern hilft, sind Ortungstechnologien – mit Ultra Wide Band als Favoriten.

Warum gerade Ultraweitband?

Matthias Jöst: UWB hat in metallintensiven Umgebungen mit viel Reflexionen viele Vorteile. Klar, dass Trumpf als Hersteller von Laserschneidanlagen und Biegemaschinen darauf fokussiert. Allerdings gab es bislang nur wenige Anbieter für UWB-Lokalisierung, die noch dazu geschlossene Systeme waren und die UWB-Lokalisierung unterschiedlich umgesetzt hatten.

Im Sommer 2017 hatte sich Trumpf dann an einem UWB-Anbieter beteiligt, der Firma Bespoon, dann aber rasch erkannt, dass der Markt für UWB-Systeme sehr fragmentiert ist und es eine Standardisierung braucht.

Fragmentiert heißt im Zusammenhang mit UWB also unterein­ander inkompatibel?

Matthias Jöst: Heute ist das noch so – von den omlox-kompatiblen UWB-Systemen abgesehen. Bei omlox-Systemen können Sie die Tags unterschiedlicher Hersteller in einer Infrastruktur orten und im Koordinatensystem anzeigen. Das Prinzip ist wie bei WLAN – mein Standardbeispiel zur Erläuterung. Bei WLAN kümmern sie sich auch nicht darum, wer den Access-Point installiert hat. Sie wissen, es ist WLAN da, es geht und sie melden sich an. Unser Ziel ist, dass das mit UWB genauso geht.

UWB ist in der Industrie aber nicht die einzige Lokalisierungstechnik.

Matthias Jöst: Uns war klar, dass es neben UWB, das seine Vorteile in metallintensiven Umgebungen ausspielen kann, unterschiedlichste und bereits etablierte Verfahren für die Indoor-Ortung gibt. Deshalb ist in der omlox-Spezifikation explizit beschrieben, wie man all diese Ortungstechnologien auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Das nimmt den Anwendern die Komplexität. Sie müssen sich nicht mehr darum kümmern, ob die Positionsdaten ein WLAN-System bereitstellt oder ob Bluetooth, GPS, UWB oder 5G genutzt wird. Das ist der Anwendung egal. Er braucht bloß eine verlässliche Ortsinformation und genau das stellt omlox bereit.

Karsten Schneider: Darin liegt auch der Charme der Initiative. Beliebige, auch hersteller-spezifische Systeme lassen sich kombinieren und liefern innerhalb einer Fabrik einheitliche Ortsinformationen – unabhängig von der Technologie. Möglich macht das die Zweistufigkeit des Standards. omlox core zone und omlox hub sorgen für Interoperabilität auf der Hardwareseite und technologie­agnostische Einbindung auf der Softwareseite.

Warum sich Omlox für die Indoor-Lokalisierung eignet

Jede Produktionsstätte besitzt eine unglaubliche Menge an bewegten Objekten, beispielsweise Material-Träger (Paletten, Kegs, Behälter) Werkzeuge, Menschen, Transportausrüstung. Es wäre ausgesprochen hilfreich, wenn sich diese ‚Assets‘ zu vernünftigen Kosten nachverfolgen lassen. Doch dies gelingt nur, wenn ein gemeinsamer Standard existiert, der eine vollständige Interoperabilität ermöglicht und auch investitionssicher ist. Der offene Ortungsstandard omlox, von inzwischen mehr als 60 Unternehmen unterstützt, wird diese Probleme beheben.

 

Stehen Sie auch in Kontakt mit dem AIM, dem Verband für Automatische Datenerfassung, Identifikation (Auto ID) und mobile Anwendungen? Hier sind viele Anbieter von RFID und Barcode-Technologien organisiert.

Matthias Jöst: Das ist genau die Nahtstelle, die wir mit dem AIM klären wollen. Wir haben einen sehr starken Fokus auf UWB sowie alle anderen funkgestützten Ortungsverfahren wie BLE, WLAN, GPS, 5G. Beim AIM gibt es Firmen, die bei RFID einen Schwerpunkt haben. Hier sind wir bislang noch nicht so stark. Das wäre eine Schnittstelle, die wir mit dem AIM klären können und auch sollten.

Trumpf und die bisherigen Mitstreiter haben also die Spezifikation erarbeitet und der PNO übertragen. Liegen damit auch alle Rechte bei der PNO?

Karsten Schneider: Alle Fragen diesbezüglich sind noch nicht abschließend geklärt. Hier hat uns die Pandemie leider etwas ausgebremst. Aber hinsichtlich Markenrechte und Patente erwarte ich keine Schwierigkeiten. Wir sind uns von Anfang an darin einig, dass omlox beziehungsweise Trumpf uns auch die Rechte zur Verfügung stellt. Sonst würde das ja auch gar nicht funktionieren an der Stelle. Grundsätzlich gelten auch bei omlox die IP-Policy und die Philosophie von Profibus International: Wenn eine Technologie gemeinsam entwickelt wird, dann steht sie allen Mitgliedern frei und auch Dritten zur Verfügung.

Und wie haben PNO und omlox überhaupt zueinander gefunden? Ortungstechnologien sind jetzt keine klassische Kommunikations- und IT-Technologie.

Karsten Schneider: Das ist richtig. Letztendlich braucht es für die Entwicklung und globale Verbreitung eines Standards eine gut aufgestellte Organisation mit funktionierenden Strukturen und Prozessen. Das ist zunächst unabhängig davon, ob das Kommunikationstechnologien wie Profinet, IO-Link oder etwas Anderes ist. Wir wurden gefragt, ob wir uns das vorstellen könnten und haben ein Konzept erarbeitet, das letztlich überzeugt hat.

Matthias Jöst: Als wir vor zwei Jahren mit dem lockeren Firmenverbund angefangen haben, waren wir 13 Firmen, die einfach mit einem NDA losgelegt haben, omlox zu konzipieren – ohne im Vorfeld ein großes Vertragswerk auszuarbeiten. Uns war aber von vornherein klar, dass es eine gute Organisation braucht, um das nachhaltig weiterzutreiben.

Wir haben uns umgesehen, wer würde zu uns passen. Die PNO hat mit ihrer großen internationalen Reichweite, der regionalen Präsenz, den verschiedenen Test­centern überzeugt. Dieses weltumspannende Fundament hilft, Themen schnell in die Breite zu tragen.

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