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Die deutschen Industrieunternehmen sind bisher zu zwei Dritteln ‚schlecht‘ bis ‚sehr schlecht‘ durch die Corona-Krise gekommen, ein Viertel ‚eher gut‘ und 7 % ‚sehr gut‘. (Quelle: Bitkom)

| von Dieter Wirth

95 % der befragten Industrieunternehmen gaben in der Befragung durch Bitkom an, dass im Zuge der Corona-Pandemie die Digitalisierung in ihrem Unternehmen an Bedeutung gewonnen hat. 63 % geben an, dass ihnen digitale Technologien helfen, die Corona-Pandemie zu bewältigen. Und 77 % der Industrieunternehmen haben festgestellt, dass Unternehmen, deren Geschäftsmodell bereits digitalisiert ist, besser durch die Krise kommen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie zur Digitalisierung der deutschen Industrie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die 551 Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten im Februar und März 2021 befragt wurden. „Die Corona-Pandemie zeigt, dass Digitalisierung nicht nur im Normalmodus Effizienzgewinne und Wettbewerbsvorteile bringt, sondern auch eine hoch wirksame Krisenvorsorge ist“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die Corona-Pandemie muss genutzt werden, den digitalen Umbau der deutschen Industrie voranzutreiben.“

Und die Industrie hat auf die Pandemie reagiert: 81 % der Unternehmen passen bestehende und 49 % bieten neue Produkte und Dienstleistungen an, 29 % nehmen bestimmte Angebote vom Markt. In 4 von 10 Industrieunternehmen (42 %) hat sich das Geschäftsmodell durch die Corona-Krise verändert. Tatsächlich könnte die Corona-Pandemie in den kommenden Monaten für einen anhaltenden Digitalisierungsschub in den Fabriken sorgen. 61 % der Unternehmen wollen als Corona-Folge langfristig die Digitalisierung vorantreiben. 62 % sehen einen Innovationsschub für das eigene Unternehmen.

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Einsatz von Industrie-4.0-Anwendungen in deutschen Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern von 2018 bis 2021. (Quelle: Bitkom)

Mehr als 60 % der Unternehmen nutzen Industrie 4.0

62 % der befragten Unternehmen setzen bereits spezielle Anwendungen wie vernetzte Produktionsanlagen, Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen oder intelligente Roboter ein. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (59 %); vor drei Jahren lag der Anteil bei 49 %. 21 % der Unternehmen planen aktuell die Industrie 4.0-Nutzung. Weitere 16 % der Unternehmen beabsichtigen noch keine konkreten Schritte, können sich das aber für die Zukunft vorstellen. Erstmals gibt kein größeres Industrieunternehmen mehr an, dass Industrie 4.0 kein Thema ist.

IoT-Plattformen und 5G gewinnen an Bedeutung

Aktuell nutzen 40 % der Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern IoT-Plattformen, mit denen Daten von Geräten, Maschinen und Anlagen an zentraler Stelle zusammengeführt und ausgewertet werden können. Weitere 32 % planen die künftige Nutzung. Für 19 % der Industrieunternehmen sind IoT-Plattformen derzeit kein Thema. Eine große Bedeutung kommt dem neuen Mobilfunkstandard 5G für die vernetzte Produktion zu. Inzwischen halten 85 % der Industrieunternehmen die Verfügbarkeit von 5G für wichtig für das eigene Unternehmen, vor einem Jahr waren es erst 72 %. Umgekehrt hat sich der Anteil der Unternehmen, die 5G für unwichtig halten, von 26 auf 13 % halbiert. Nach Einschätzung von Rohleder ist 5G ist eine Schlüsseltechnologie, gerade für die Industrie: „5G ermöglicht Übertragungen in Echtzeit, eine höhere Netzwerk-Kapazität und eine praktisch unbegrenzte Zahl an Geräten und Bauteilen, die miteinander kommunizieren können.“

Industrie 4.0 wird zugleich auch die Arbeit in den Fabriken verändern. So erwarten 57 % der Unternehmen, dass neue Arbeitsplätze für gut ausgebildete Fachkräfte entstehen. Zugleich gehen aber auch 68 % davon aus, dass Arbeitsplätze für gering Qualifizierte wegfallen werden. Auf diesen Wandel stellt sich die Industrie bereits heute ein. Ebenfalls 68 % der Industrieunternehmen investieren bereits in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter rund um Industrie 4.0.

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Die Investitionen in Industrie 4.0-Technik werden durch die Corona-Pandemie in deutschen Industrieunternehmen zunehmen – schließt Bitkom aus diesem Umfrageergebnis. (Quelle: Bitkom)

Überwiegend steigende Investitionen in Industrie 4.0

Unternehmen, die bereits Industrie 4.0-Anwendungen einsetzen oder dies planen, haben ihre Aktivitäten in der Corona-Krise tendenziell verstärkt. 18 % haben in der Zeit ihre Investitionen in Industrie 4.0 deutlich und weitere 24 % etwas erhöht. Nur 14 % haben die Ausgaben etwas gesenkt und 9 % deutlich gesenkt. In jedem dritten Unternehmen hat sich nichts geändert.

95 % sehen in Industrie 4.0 eine Chance für das eigene Unternehmen, nur 4 % halten sie für ein Risiko. Die entsprechenden Möglichkeiten werden allerdings noch lange nicht ausgeschöpft: Nicht einmal jeder dritte Industriebetrieb in Deutschland (31 %) sieht sich aktuell als Vorreiter bei Industrie 4.0. Mehr als jeder Zweite (54 %) bezeichnet sich dagegen als Nachzügler, jeder Neunte (11 %) meint sogar, den Anschluss verpasst zu haben. „Digitalisierung entwickelt sich auch in der Produktion exponentiell. Das heißt, wer später anfängt, muss sich umso mehr anstrengen. Jetzt heißt es: schnell sein“, sagt Rohleder.

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(4) Die vielfältigen Hemmnisse für Investitionen in Industrie-4.0-Technik – an erster Stelle: Kein Geld. (Quelle: Bitkom)

Hemmnisse für Investitionen in Industrie 4.0

Die Unternehmen erleben aktuell eine Vielzahl von Hemmnissen, die den Einsatz von Industrie 4.0-Anwendungen erschweren. So würden 77 % gerne mehr investieren und klagen über fehlende finanzielle Mittel. 61 % fühlen sich durch Datenschutz-Anforderungen behindert, 57 % von Anforderungen an die IT-Sicherheit. In 55 % der Unternehmen fehlt es an Fachkräften, ähnlich viele (52 %) fühlen sich durch die Komplexität des Themas überfordert, 48 % bemängeln die Störanfälligkeit der Systeme. 29 % fehlt es am Austausch mit anderen Unternehmen und jedes vierte Unternehmen (25 %) hat nicht genügend Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Nur eine geringe Rolle spielen demgegenüber ein Mangel an externer Beratung (14 %), fehlendes Wissen über Best-Practice-Lösungen (12 %), fehlende Standards (11 %) oder eine zu geringe Verfügbarkeit von marktfähigen Lösungen (10 %). Nur 9 % beklagen eine zu geringe Akzeptanz in der Belegschaft. Überhaupt kein Hinderungsgrund sind ein zu geringer Automatisierungsgrad im eigenen Unternehmen, um Industrie 4.0-Anwendungen einsetzen zu können oder eine Unsicherheit über den wirtschaftlichen Nutzen.

Entsprechend formulieren die Industrieunternehmen sehr konkrete Wünsche. Jeweils 8 von 10 plädieren für einen Abbau von rechtlichen Unsicherheiten beim Datenaustausch mit anderen Unternehmen (84 %), die Förderung von Investitionen (80 %) und einen beschleunigten Breitbandausbau (78 %). Rund zwei Drittel (63 %) erwarten mehr und bessere Informations- und Beratungsangebote, jedes Zweite (53 %) eine Integration von Industrie 4.0 in Ausbildung und Studium. 48 % würden Aus- und Weiterbildungsprogramme für die Mitarbeiter helfen, 47 % Förderprogramme für Forschung und Entwicklung und 34 % die Etablierung von Standards.

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(5) Welche Nutzung von Gaia-X können sich deutsche Industrieunternehmen, die zumindest schon etwas von Gaia-X gehört haben, vorstellen? Allerdings haben annähernd 40 % der befragten Unternehmen noch nie etwas von Gaia-X gehört. (Quelle: Bitkom)

Gaia-X ist zu wenig bekannt

Gaia-X ist ein europäisches Projekt, um das größte Industrie-4.0-Hemmnis zu überwinden: für den sicheren Datenaustausch mit anderen Unternehmen zu sorgen. Bislang haben jedoch nur 39 % der Industrieunternehmen davon etwas gehört und wissen, was sich dahinter verbirgt. 20 % haben zwar schon den Begriff gehört, haben aber keine konkrete Vorstellung davon. 37 % haben noch nie von Gaia-X gehört oder gelesen. Wer bereits von Gaia-X gehört hat, entwickelt oft ein hohes Interesse an dem Projekt. So kann sich jedes zweite Unternehmen (46 %) vorstellen, auf Basis von Gaia-X sicher Daten und Datennutzungsrechte zu teilen. 41 % würden Gaia-X nutzen wollen, um einfache und unkritische Geschäftsprozesse in die Cloud zu migrieren, 28 % können sich das für geschäftskritische und sicherheitsrelevante Prozesse vorstellen. 32 % hoffen, so ein sicheres und einfaches Identitätsmanagement umsetzen zu können. 28 % erwarten, dass durch die Gaia-X-Infrastruktur Lock-In-Effekte bei der Cloud-Technologie vermieden werden, 22 % hoffen, Cloud-Anbieter einfacher wechseln zu können. 28 % derjenigen Unternehmen, die Gaia-X kennen, können sich aber in keiner Weise vorstellen, es auch zu nutzen. „Gaia-X kann bei Cloud- und Dateninfrastrukturen eine Schlüsselrolle zukommen. Ganz offensichtlich gibt es dafür großen Bedarf in der deutschen Industrie“, so Rohleder. „Europa hat mit Gaia-X die Möglichkeit, in einer gemeinsamen Anstrengung von Wirtschaft und Politik zu den führenden Standorten aufzuschließen.“

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