Désirée Oestreicher: Mit Default-Werten sorgen wir dafür, dass die Safety-Applikation zuverlässig funktioniert.

Désirée Oestreicher: Mit Default-Werten sorgen wir dafür, dass die Safety-Applikation zuverlässig funktioniert. (Bild: Redaktion IEE)

| von kuppingers

IEE: Was gab denn den Anstoß, sich die Konfigurationssoftware vorzunehmen?

Désirée Oestreicher: Unsere Module sind sehr flexibel gestaltet und die Anzahl der Geräte wie auch die Bandbreite an Funktionen steigt stetig. Das gibt den Anwendern einerseits Flexibilität, kann andererseits aber auch weniger erfahrene Kunden mitunter verunsichern.

Gerade im Safety-Bereich wäre Unsicherheit ja kontraproduktiv.

Désirée Oestreicher: Deswegen wurde unsere Software weiterentwickelt, damit AS-i Safety zukünftig noch einfacher zu konfigurieren ist – trotz der vielen Möglichkeiten. Wir wollen, dass jeder AS-i Safety nutzen und implementieren kann.

Wie war denn der Konfigurationsablauf mit der bisher aktuellen Software-Version ASIMON 3 G2?

Désirée Oestreicher: Bislang hat die Konfiguration mit der Auswahl des verwendeten Sicherheitsmonitors beziehungsweise Gateways begonnen. Dazu musste man aber dessen Eigenschaften kennen, beispielsweise, um welche Generation des Safety-Monitors es sich handelte, oder wie viele Ein- und Ausgänge pro Gerät zur Verfügung standen und wie diese genutzt werden sollten. Wer das nicht für jeden Sicherheitsmonitor –  und für jedes weitere verwendete Modul – im Kopf hatte, musste im jeweiligen Datenblatt nachsehen – vor der eigentlichen Konfiguration.

Und das wird durch die neuen Funktionen der Software überflüssig?

Désirée Oestreicher: Nicht nur das. Wird ein Modul in der Konfiguration ausgewählt  – etwa ein Gerät mit vier sicheren Eingängen, zwei sicheren Ausgängen und zwei
Diagnoseadressen – zeigt ASIMON360 alle realisierbaren, sinnvollen Optionen an. Konkret: welche Geräte können angeschlossen werden – ein Not-Halt oder ein Lichtgitter beispielsweise.
Der Anwender sieht sofort, welche Ein- und Ausgänge für welche Safety-Funktion genutzt werden und muss sich um das Adress-Handling nicht mehr kümmern.Nach Abschluss dieser Auswahl generiert das Tool einen Hardware-Katalog dieses Projekts inklusive der Funktionsbausteine für die Hardware sowie eine Art Basis-Setup.

Kann ich auch nur die Artikel vorgeben, die verwendet werden sollen, und Ihre Software generiert daraus die optimale Konfiguration?

Désirée Oestreicher: Teilweise ja. Jeder sichere Ausgang generiert  einen Freigabekreis. Diese Freigabekreise erstellt ASIMON360 automatisch. Auch sind die Toleranzwerte mit empfohlenen Defaults belegt. Einen Not-Halt oder ein Lichtgitter mit einem Abschaltgrund von der Logik her verknüpfen und die Abschaltzeiten vorgeben, das muss der Anwender aber auch in Zukunft selbst erledigen, weil er dabei auch die sicherheitstechnisch relevanten Vorgaben berücksichtigen muss.

Wie ist der typische Projektablauf bei der Konfigurations-Software ASIMON360?

Die Konfiguration mehrkanaliger Module verliert an Komplexität.

Die Konfiguration mehrkanaliger Module verliert an Komplexität. Redaktion IEE

Désirée Oestreicher: Die Software besteht jetzt aus drei Teilen. An der Konfiguration der logischen Verknüpfung der Funktionen als Mittelteil hat sich nichts geändert. Dem haben wir jetzt noch eine Hardware-Konfiguration vorangestellt, mit der künftig begonnen wird. Hier lassen sich die Komponenten über Merkmale oder Artikelnummern auswählen. Gleichzeitig zeigt die Software, welche Funktionen diese Komponente überhaupt zur Verfügung stellt. Zudem generiert das Tool automatisch eine Basiskonfiguration.

Und das dritte Element?

Désirée Oestreicher: Das ist der Inbetriebnahme-Assistent, der nach der Erstellung der Konfiguration die Geräte automatisch adressiert und konfiguriert. Man braucht also kein Handadressiergerät oder zusätzliche AS-i Control Tools mehr.

Welche Vorteile hat das in Summe?

Désirée Oestreicher:  Die Benutzung der Software vereinfacht sich deutlich, besonders bei Modulen mit vielen Ein- und Ausgängen. Bislang waren immer alle Auswahlmöglichkeiten sichtbar und der Anwender musste sicherstellen, dass er die richtige wählt. Jetzt zeigt die Software nur noch die Funktionen an, die in Kombination mit dem Modul einen Sinn ergeben. Allein das reduziert bereits die Fehlerrate. Nicht zu unterschätzen ist auch der Zeitgewinn dadurch, dass das mehr oder weniger häufige Nachschlagen in den Datenblättern wegfällt. Für jedes Modul und jeden Eingang zeigt die Software per Drop-Down-Menü die möglichen Funktionen an.Zudem haben wir die generellen Einstellungen, etwa die Toleranzzeiten eines Not-Halts, mit Default-Werten belegt. So stellen wir sicher, dass die Installation einfach funktioniert. Natürlich lässt sich jede Einstellung bei Bedarf den speziellen Erfordernissen anpassen.

Gibt es auch unterschiedliche User-Level?

Désirée Oestreicher: Wir haben an zwei Stellen weitere Einstellungsoptionen. Die erweiterten Einstellungen und Experteneinstellungen sind im Default aber absichtlich ausgeblendet, damit der Einsteiger nicht von einer Masse an Informationen erschlagen wird, die er in der Regel gar nicht braucht.

Die Markteinführung der Software war auf der SPS IPC Drives. Sind schon sämtliche Module mit allen Funktionen in der Software hinterlegt?

Désirée Oestreicher: Unser komplettes Portfolio ist bereits abgebildet. Es kann also jeder sofort mit der Konfiguration beginnen.

Ist die neue Software kostenlos downzuloaden oder gibt es Lizenzbestimmungen?

Désirée Oestreicher: Kunden, die die Vorgängerversion ASIMON 3 G2 bereits erworben haben, können kostenlos updaten.

Wie verhält es sich mit der Upgrade- oder Updatefähigkeit bestehender Konfigurationen und Projekte?

Retro-Ansicht: Wer will, kann mit dem gewohnten Look-and-feel arbeiten.

Retro-Ansicht: Wer will, kann mit dem gewohnten Look-and-feel arbeiten. Redaktion IEE

Désirée Oestreicher: Die Übertragung alter Projekte in die neue Software-Version ist selbstverständlich möglich. Wir haben dazu ein Plugin programmiert.
Was wir ebenfalls als Option beibehalten haben, ist die Möglichkeit zur Umschaltung auf die bislang gewohnte Darstellung. Für denjenigen, der einfach so weiter­arbeiten möchte wie bisher, ändert sich dann überhaupt nichts.

Wie funktioniert die Konfiguration, wenn AS-i-Komponenten anderer Anbieter verbaut werden, was ja durchaus möglich und üblich ist bei AS-i oder AS-i Safety.

Désirée Oestreicher:  ASIMON360 unterstützt neben unserem eigenen Produktkatalog auch individuell zusammengestellte Anwenderkataloge. Hier lassen sich beispielsweise unsere eigenen AS-i Slaves mit individuellen Default-Werten ablegen, aber auch Fremdprodukte. Dafür sind unsere sogenannten Universalmodule gedacht, mit denen ein Anwender solche Slaves konfigurieren kann.

Sind auch die Standard-E/A-Module von AS-i in der Konfigurations-Software abgebildet?

Désirée Oestreicher: ASIMON360 ist primär für die Konfiguration der sicheren Teilnehmer gedacht. Natürlich gibt es auch Aufgaben, die sich mit Standard-Slaves realisieren lassen. Für einen Startbaustein, zur Fehlerentriegelung und zum Wiederanlauf ist keine sichere Adresse notwendig. Daher lassen sich auch Standard-AS-i-Module mit in den Hardware-Katalog aufnehmen und dann konfigurieren.

Gibt es schon Erfahrungswerte bezüglich Zeitgewinn bei der Konfiguration?

Bei der Inbetriebnahme wird die Konfiguration automatisch eingespielt.

Bei der Inbetriebnahme wird die Konfiguration automatisch eingespielt. Redaktion IEE

Désirée Oestreicher: Wir haben vorab eine Beta-Version veröffentlicht, die Kunden aktiv genutzt haben. Sie empfanden die Inbetriebnahme als wesentlich angenehmer, weil sie sich nicht mehr so sehr auf die Adressen konzentrieren und nicht mehr ständig die Dokumentation parat haben mussten. Auch verringerte sich der Respekt vor den Geräten mit vielen Funktionen, weil die Konfiguration nun wesentlich einfacher ist.

Ist das Tool netzwerkfähig und funktioniert es auch bei Installationen mit mehreren, über Ethernet vernetzten AS-i Mastern?

Désirée Oestreicher: Das ist ein Teil des Inbetriebnahme-Assistenten, den ich persönlich auch sehr angenehm finde. Es können mehrere Master über Safe Link miteinander vernetzt sein. Wenn der Inbetriebnahme-Assistent startet und im Arbeitsbereich mehrere Konfigurationen, also mehrere Gateways abgebildet werden, dann fragt der Assistent, welche er einspielen soll – alle oder nur einen Teil davon. Und wenn man dann mehrere Konfigurationen auswählt, dann lädt der Inbetriebnahme-Assistent zuerst die einzelnen Konfigurationen in die Gateways und spielt danach die Kommunikation über Safe Link ein.

Was sagen TÜV und BGIA zu Ihrer Software? War eine Zertifizierung notwendig?

Désirée Oestreicher: Wir haben im Default  aus unserer Sicht sinnvolle Werte voreingestellt, um logische Fehler von vornherein zu verringern. Inwieweit die sicherheitstechnischen Vorschriften generell eingehalten werden, beispielsweise ob der notwendige Abstand eines Lichtgitters von der gefährlichen Stelle stimmt, das muss der Kunde nach wie vor selbst definieren und dokumentieren. Die Software unterstützt Kunden bei der Inbetriebnahme und generiert ein Konfigurationsprotokoll. Am Grundprinzip der sicherheitstechnischen Auslegung einer Anlage rütteln wir nicht.

Das Interview führte Chefredakteur Stefan Kuppinger.

(sk)

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