all-electronics hat eine Umfrage bei einer Reihe von Elektronik-Unternehmen zum Thema Umgang mit der Corona-Krise gestartet. Die Unternehmen berichten, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, wie sie sich auf das Hochfahren der Geschäftstätigkeit vorbereiten und was sie von der Politik erwarten. In diesem Übersichtsbeitrag fassen wir die wichtigsten Aussagen zusammen.

Wie haben Sie sich beziehungsweise ihr Unternehmen mit den Corona-Einschränkungen arrangiert? Welche Maßnahmen wurden getroffen, um mit der Situation zurecht zu kommen?

Bayern Innovativ: Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bisher zum Glück gesund. Durch unsere leistungsfähige digitale Infrastruktur haben wir den Wechsel ins Home Office hervorragend geschafft. Im Headquarter in Nürnberg arbeitet bereits seit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen am 16.3.2020 konsequent nur eine kleine Besetzung, die sich tageweise in Schichten abwechselt. Sollte ein Corona-Fall auftreten, müssten wir nur eine kleine Gruppe in Quarantäne schicken.

Die Corona-Pandemie trifft uns massiv. Wir mussten Anfang März alle für die nächsten Monate geplanten Veranstaltungen absagen beziehungsweise verschieben. Das trifft unser Geschäftsmodell erheblich, denn der Wissenstransfer der Bayern Innovativ beruht zu einem großen Teil auf Workshops, Foren, Kongressen und der dort gelebten Vernetzung. Auch im Mai und Juni werden voraussichtlich keine Veranstaltungen stattfinden dürfen.

Am 16. 04. 2020 hat Bayern Innovativ nochmals alle Mitarbeiter angewiesen, so weit als möglich bis 10. Mai im Home Office zu arbeiten. Besprechungen im Headquarter mit mehr als zwei Personen sind untersagt. Termine mit externen Gästen im Haus sind bis 10.05.2020 nicht gestattet. Auch Dienstreisen jeglicher Art sind ebenso wie Dienstgänge bis 10.05.2020 untersagt. Natürlich gibt es eine Besetzung in der Zentrale vor Ort an kritischen Stellen (z.B. IT).

Logo von Bayern Innovativ

Nach Einschätzung von Bayern Innovativ könnte die Corona-Krise dazu beitragen, dass sich die Globalisierung weiterentwickelt: zu einer noch engeren Vernetzung und globalen Absicherung von Lieferketten. Bayern Innovativ

Wie sieht die Exit-Strategie aus, um zu einem ansatzweise „normalen“ Arbeitsalltag zurück zu kehren, und welchen Zeitraum planen Sie dafür ein?

Bayern Innovativ: Der Blick in die Zukunft gleicht dem Blick in eine Glaskugel! Wir nutzen die aktuelle Situation, in der wir keine klassischen Veranstaltungen anbieten können, als Chance und treiben bereits vor der Krise angestoßene strategische Projekte mit Hochdruck voran. Unser Ziel ist, unseren Kunden und Partnern weiterhin Wissenstransfer und ein starkes Netzwerk zu bieten. Dafür wollen wir unsere Veranstaltungen noch schneller durch digitale Konzepte ergänzen und sie ersetzen, so lange Massenansammlungen verboten sind.

In erster Linie bieten wir Unternehmen die Möglichkeit, sich via Live-Chat Fragen an uns zu wenden.  Das Angebot steht nun vier Stunden täglich zur Verfügung. Unternehmen werden hier passgenau zu Experten der Bayern Innovativ verbunden und an Ansprechpartner in Bayerns Innovations-Ecosystem vermittelt. Außerdem beraten unsere Mitarbeiter telefonisch und über digitale Kanäle über Förderprogramme und Innovationsmanagementtools.

Auf unserer Website und über unsere Social-Media-Kanäle teilen wir Informationen zu relevanten Soforthilfeprogrammen von Bund, Ländern und interessanten Initiativen. Des Weiteren können interessierte Unternehmen über uns und unsere Partnerorganisationen vom Experten Netzwerk Bayern profitieren. Das Experten Netzwerk Bayern ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, starke Partner zu finden, die mit Rat und Tat zur Seite stehen Die digitale Plattform identifiziert kompetente Fachleute für Innovationsvorhaben und sorgt für den gemeinsamen Austausch.

Werden die Corona-bedingten Einschränkungen ihren Arbeitsalltag und -organisation auch nach Ende der Pandemie nachhaltig verändern? Inwiefern?

Bayern Innovativ: Wie erwähnt, versuchen wir bei Bayern Innovativ die Corona-Krise als Chance zu sehen und zu nutzen. Auch wenn die Krise uns alle maximal fordert, bietet sie eine Gelegenheit, eine „Neue Normalität“ anzugehen. Die Corona-Krise beschleunigt viele Entwicklungen der Digitalisierung, zum Beispiel bei „New Work“ im Homeoffice. Hier haben wir, wie viele andere Unternehmen, die Umsetzung von Konzepten beschleunigt. Corona ist quasi eine Feuertaufe dafür, wie sich die Zusammenarbeit mit Kollegen und externen Kunden über digitale Plattformen organisieren lässt. Dasselbe gilt für Onlineberatungen, Kongresse und Weiterbildungsformate.

Wir versuchen, auch unsere Kunden dafür zu sensibilisieren, diese Krise als Chance verstehen. Denn Innovation bedeutet Veränderung! Dies gilt ganz besonders für radikale und disruptive Innovationen, also solche, die zu vollkommen neuen Produkten und Geschäftsmodellen führen. Gerade jetzt sollten sich die Unternehmen Zeit nehmen, an solchen Themen zu arbeiten.

In der Automobilindustrie könnte die Corona-Krise zu einer erheblichen Veränderung der globalen Wertschöpfungsketten führen. Der Begriff Globalisierung wurde bisher – vereinfacht ausgedrückt – im Sinne einer internationalen Arbeitsteilung verstanden. Die Corona-Krise könnte dazu beitragen, dass sich die Globalisierung weiterentwickelt. Zu einer noch engeren Vernetzung und globalen Absicherung von Lieferketten. Eine Lösung könnte eine global noch stärker vernetzte Wertschöpfungskette sein, die bei einem Ausfall einzelner Netzwerkknoten oder Netzwerkregionen diese Aufgaben temporär übernimmt.

Letztlich dürfen wir natürlich die künftige internationale Zusammenarbeit nicht aus dem Auge verlieren. Die (Auto)mobilen Wertschöpfungsketten sind von Forschung bis Endprodukt global aufgestellt – und werden dies auch bleiben. Die aktuelle Tendenz zu nationalen Alleingängen und der Abschottung zur Eindämmung von Infektionsketten darf die künftige Zusammenarbeit nicht erschweren – EU- und weltweit.

In der Mobilität könnte die Corona-Krise bestimmte Trends beschleunigen. „Wir erleben gerade einen klassischen Routinebruch. Viele Menschen denken jetzt darüber nach, wie sie sich bisher verhalten haben und was sich verändert hat. Sie stellen fest, dass das Leben in der Stadt angenehmer ist, wenn weniger Autos fahren. Die meisten sind sich einig, dass das gut für sie und die Stadt ist“, so Mobilitätsexperte Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin. Andererseits kann die Corona-Pandemie zu einer Rückbesinnung auf den Individualverkehr mit dem PKW führen, da sich viele Menschen scheuen werden, Massentransportmittel zu benutzen.

Welche Unterstützung seitens der Politik würden Sie sich dabei wünschen, beziehungsweise welche Maßnahmen sind nötig, um wieder einen normalen Arbeitsalltag zu gewährleisten?

Bayern Innovativ: Die Politik ist unserer Ansicht bereits mit einem überaus umfangreichen Maßnahmenpaket dabei, die Wirtschaft zu unterstützen. Wer hier noch weitere Fördermaßnahmen fordert, darf die finanz- und steuerpolitischen Konsequenzen nicht aus dem Auge verlieren.

Wichtige Einblicke verleiht eine im April 2020 im Zuge der Corona-Krise durchgeführte Blitzumfrage unter den bayerischen Automobil(zuliefer-)unternehmen. Auf die vom Cluster Automotive der Bayern Innovativ GmbH im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsministeriums durchgeführte Umfrage haben sich rund 200 Firmen, vorwiegend KMU, zurückgemeldet und die erwarteten Einflüsse der Corona-Krise auf Ihre Unternehmen sowie ihre Wünsche und Bedarfe an die Politik formuliert.

Betrachtet man ihre an die Politik gerichteten kurz- und mittelfristigen Maßnahmen, steht bei nahezu allen Antworten der Wunsch nach unbürokratischer, schneller finanzieller Hilfe im Vordergrund, z.B. Überbrückungskredite, Steuererleichterungen, Entlastung bei den Abgaben sowie Investitionsanreize für Bürger und längerfristige Konjunkturprogramme. Besonders bei der Kreditvergabe hakt es noch, so sollen Banken und Versicherungen nach Möglichkeit zu pragmatischem und hilfsorientiertem Handeln verpflichtet werden.