Faktenüberprüfung, echtes vs. gefälschtes Produkt. Fälschung Konzept

Im Vergleich zur letzten Studie des VDMA von 2020 hat sich der absolute Unternehmensschaden durch Produktpiraterie um 1,2 Milliarden Euro deutlich verringert. (Bild: Olivier Le Moal – Adobe Stock)

Die Maschinen- und Anlagenbauer sind in der Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie in den vergangenen beiden Jahren einen guten Schritt vorangekommen. Während die jährliche Schadenssumme von 2010 bis 2020 auf einem Niveau von mehr als 7 Mrd. Euro verharrte, ist sie nun auf 6,4 Mrd. Euro deutlich gefallen. Dazu erklärte Steffen Zimmermann, Leiter Competence Center Industrial Security im VDMA: „Umgerechnet in Arbeitsplatzzahlen entspricht das etwa 29.000 Arbeitsplätzen in Europa.“ Laut der aktuellen VDMA-Studie "Produktpiraterie 2022" lag der durch Plagiatoren angerichtete Schaden damit um 1,2 Mrd. Euro niedriger als der zuletzt im Jahr 2020 ermittelte Wert. Dies könnte gemäß dem Verband mit dem gleichzeitig zu beobachtenden starken Anstieg an eingeleiteten Maßnahmen einhergehen, etwa ein besserer Designschutz oder ein geringerer Informationsgehalt in den Bedienungsanleitungen genannt, um die Arbeit der Plagiatoren zu erschweren.

In der aktuellen Studie, die das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC im Auftrag des VDMA erstellt hat, gaben 72 % (2020: 74 %) der befragten Unternehmen an, von Produktpiraterie betroffen zu sein. Nach wie vor stammen die meisten Fälschungen dabei aus China (87 %), auf Platz zwei folgt erstmalig Indien mit 26 %, vor Deutschland auf Platz drei (19 %). 41 % der Unternehmen berichten von Fälschungen, die eine Gefahr für Bediener oder Anwender mit sich bringen. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 %) sieht eine Gefahr für den sicheren Betrieb der Anlage.

Immer mehr professionelle Großplagiatoren

Als Auftraggeber für Plagiate nennen die meisten Unternehmen direkte Wettbewerber (70 %), aber auch Geschäftspartner wie Kunden, Zulieferer oder Joint-Venture-Partner (41 %). Einen deutlichen Zuwachs verzeichnen inzwischen professionelle Großplagiatoren, die 30 % der Unternehmen nannten. Am häufigsten werden dabei einzelne Teile oder das äußere Erscheinungsbild/Design gefälscht (jeweils 60 %). Seltener kommen sogenannte weiche Plagiate vor (Kataloge, Broschüren, Produktfotos), die einen Rückgang um 9 Prozentpunkte auf 29 % verzeichnen. Von Plagiaten von Websites und Online-Shops ist jedes fünfte Unternehmen betroffen.

Diese Maßnahmen gibt es gegen Plagiate

Gegen Plagiate lassen sich verschiedene Maßnahmen ergreifen. In den vergangenen beiden Jahren gab es bei den eingeleiteten Maßnahmen einen deutlichen Zuwachs in allen Kategorien, sodass nur noch in einem von drei Fällen die Entdeckung eines Plagiats folgenlos blieb. Der deutlichste absolute Zuwachs um 20 Prozentpunkte ist bei außergerichtlichen Maßnahmen zu verzeichnen, die dieses Jahr in 58 % der Fälle erstmalig häufiger als bei jedem zweiten entdeckten Plagiat eingeleitet wurden.

Steffen Zimmermann, Leiter Competence Center Industrial Security im VDMA, spricht über die neuesten Ergebnisse der Produktpiraterie Studie 2022.

Schon in den vergangenen Studien zeigte sich, dass kleine und mittlere Unternehmen nicht im selben Umfang tätig werden wie Großunternehmen. Während Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitenden nur in einem von sieben Fällen keine Maßnahmen einleiten, ist dies bei kleinen und mittleren Unternehmen in rund einem von zwei Fällen der Fall. Nicht nur lassen sich Plagiatoren oder Vertriebswege nicht immer zweifelsfrei identifizieren, eine rigorose Verfolgung von Plagiaten kann auch unwirtschaftlich oder nicht mit angemessenem Aufwand umsetzbar sein.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei zivilgerichtlichem Vorgehen. Während mehr als jedes zweite Großunternehmen nach Plagiatsentdeckung ein Verfahren einleitete, ist dies nur bei jedem siebten kleinen und mittleren Unternehmen der Fall. Der VDMA empfiehlt Unternehmen daher, zuerst ein außergerichtliches Vorgehen zu prüfen, beispielsweise Anwaltsschreiben, persönliche Gespräche oder Aufklärungsmaßnahmen beim Kunden. Erfahrungsgemäß stelle sich danach eine erste Besserung ein, da viele Plagiatoren unerkannt agieren und bleiben wollen.

Was Unternehmen gegen Produktpiraterie tun können

Steffen Zimmermann empfiehlt als eine der ersten Maßnahmen Schutzrechte, wie Patente oder Geschmacksmuster, für Produkte anzumelden. Ohne diese hätten Unternehmen keinen rechtlichen Schutz. Insbesondere für KMU sei dies teuer, weshalb er an dieser Stelle zu Investitionen in Innovationen rät. Auch die Digitalisierung sei eine gute Chance – auch wenn dies auf der anderen Seite durch die Möglichkeit, Daten schneller abzugreifen ein Risiko darstellt – das Produkt mit digitalen Dienstleistungen zu verknüpfen. Das erhöhe die Chance, im Kampf gegen Produktpiraterie erfolgreich zu sein.

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