all-electronics hat eine Umfrage bei einer Reihe von Elektronik-Unternehmen zum Thema Umgang mit der Corona-Krise gestartet. Die Unternehmen berichten, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, wie sie sich auf das Hochfahren der Geschäftstätigkeit vorbereiten und was sie von der Politik erwarten. In einem Übersichtsbeitrag haben wir die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Wie haben Sie sich beziehungsweise ihr Unternehmen mit den Corona-Einschränkungen arrangiert? Welche Maßnahmen wurden getroffen, um mit der Situation zurecht zu kommen?

Vitesco Technologies errichtet ein FE-Zentrum China

Um eine pandemiesichere Produktion sicherzustellen, hat Vitesco Technologies ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das eine Gefährdungsbeurteilung aller Arbeitsplätze und der sich daraus ergebenden, vielfältigen Schutzmaßnahmen vorsieht. Vitesco Technologies

Vitesco Technologies: Seit Ausbruch des Coronavirus gilt unser Hauptaugenmerk der Gesundheit unserer Mitarbeiter sowie darüber hinaus der Aufrechterhaltung unserer Lieferfähigkeit.

Wir unterstützen betroffene Standorte zum Beispiel soweit verfügbar mit der Lieferung von geeigneter, persönlicher Schutzausrüstung für unsere Mitarbeiter. Zudem werden in unseren Werken die dort Arbeitenden auf vielfache Weise geschützt (zum Beispiel massive Erhöhung der Reinigungsintervalle und Intensität, verstärkte Information und Schulung von Mitarbeitern zum Thema Händewaschen oder die richtige Warenannahme, um das Infektionsrisiko deutlich zu reduzieren).

Darüber hinaus haben wir das mobile Arbeiten ausgeweitet. Zum Schutz der Mitarbeiter und in Reaktion auf Nachfragerückgänge haben wir seit Mitte März schrittweise weltweit die Produktion vorübergehend für die Dauer von wenigen Tagen bis einigen Wochen eingestellt. Teilweise laufen Werke aber schon wieder hoch bis nahezu 90 % – zum Beispiel an unseren Standorten in China. Auch Maßnahmen wie Kurzarbeit oder vergleichbare Instrumente werden in Anspruch genommen.

Zur Aufrechterhaltung der notwendigen finanziellen Liquidität müssen aber auch Kosten gesenkt werden. Dafür verschieben wir nicht dringend erforderliche Projekte und Investitionen bis auf Weiteres. Wichtige Entwicklungsprojekte sowie Vorbereitungen für bevorstehende Serienanläufe treiben wir allerdings mit voller Kraft weiter voran, wie beispielsweise das neue F&E-Zentrum in China, welches wir am 21.4 kommuniziert haben.

Wie sieht die Exit-Strategie aus, um zu einem ansatzweise „normalen“ Arbeitsalltag zurück zu kehren, und welchen Zeitraum planen Sie dafür ein?

Vitesco Technologies: Aktuell planen wir den Wiederanlauf unserer Werke. Dabei stehen die Sicherheit und die Gesundheit aller Mitarbeiter an erster Stelle und bilden die Grundlage unseres Handelns. Wo immer es möglich ist, bitten wir unsere Mitarbeiter, weiter im Home Office beziehungsweise mobil außerhalb unserer Räumlichkeiten zu arbeiten, um die Zahl der persönlichen Kontakte so niedrig wie möglich zu halten.

Um eine pandemiesichere Produktion sicherzustellen, haben wir ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das eine Gefährdungsbeurteilung aller Arbeitsplätze und die sich daraus ergebenden, vielfältigen Schutzmaßnahmen vorsieht, wie zum Beispiel die Installation von Plexiglasabtrennungen, massive Erhöhung der Reinigungsintervalle an allen Standorten, verkürzte oder versetze Schichten, Schichtübergaben ohne persönlichen Kontakt oder verlängerte Kantinenzeiten und größere Sitzabstände in Kantinen und Pausenräumen.

Werden die Corona-bedingten Einschränkungen Ihren Arbeitsalltag und -organisation auch nach Ende der Pandemie nachhaltig verändern? Inwiefern?

Vitesco Technologies: Die Corona-Krise hat der Digitalisierung unserer Gesellschaft einen zusätzlichen Schub verliehen. Unsere Industrie-4.0-Aktivitäten unterstützen bereits heute die berührungslose Zusammenarbeit. Diese werden wir in der Zukunft verstärkt zum Einsatz bringen und damit die Mitarbeiter zunehmend schützen. Und vieles mehr.

Welche Unterstützung seitens der Politik würden Sie sich dabei wünschen, beziehungsweise welche Maßnahmen sind nötig, um wieder einen normalen Arbeitsalltag zu gewährleisten?

Vitesco Technologies: Das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus wird uns noch über 2020 und 2021 hinaus beschäftigen. Wir benötigen in Deutschland und Europa eine sinnvolle, übergreifende Strategie für den dauerhaften Umgang mit dem Infektionsrisiko: Denn nicht jedes Jahr ist bei einer erneuten Infektion mit Wirkung über das vom Gesundheitssystem hinausschießende Maß ein erneuter wirtschaftlicher Shutdown wie 2020 sinnvoll und verkraftbar. Der erfolgreiche, wirtschaftliche Neustart Deutschlands muss jetzt, noch in der Phase des Krisenmanagements, vorbereit und konzertiert geplant werden, bevor der derzeit angerichtete Schaden in der Wirtschaft zu groß für dessen Reparatur und eine Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen Stärke geworden ist und uns andere Regionen den Rang abgelaufen haben werden.