Daniel Baković, Senior Manager für Steuerungstechnologie und Mechatronische Systeme in der Entwicklung, und Bernd Müller, Industry Manager Robotics, im Gespräch über Roboter, ROS und eine Zukunft mit MRK.

Daniel Baković, Senior Manager für Steuerungstechnologie und Mechatronische Systeme in der Entwicklung, und Bernd Müller, Industry Manager Robotics, im Gespräch über Roboter, ROS und eine Zukunft mit MRK. Redaktion IEE

Die Vorstellung Ihrer Service Robotik Module war mehr, als nur ein neues Produkt vorzustellen. Was war die Triebfeder, sich auf dieses Terrain zu begeben?

Bernd Müller: Pilz ist in der Robotik schon seit vielen Jahren präsent, zum Beispiel mit Sensoren – seien es Schutztürsysteme oder optoelektronische Sensoren wie Lichtgitter, Scanner, Kamerasysteme oder unsere dynamische Schaltmatte. Über Dienstleistungen haben wir uns in den letzten Jahren auch stark in das Thema MRK, also Mensch-Roboter-Kollaboration, hineingearbeitet. Mit den Service Robotik Modulen schließen wir jetzt eine Lücke im Portfolio, um dem Kunden, der auf der Suche nach einer sicheren Roboterapplikation ist, alles aus einer Hand anbieten zu können.

Bei Ihnen ist immer die Rede von ­Servicerobotern. Was verstehen Sie darunter? Sicher nicht den Assistenz­roboter in der Pflege.

Bernd Müller: Das zeigt eine Anwendung sehr gut, die wir auf der automatica präsentiert haben. Dabei war ein fahrerloses Transportsystem (FTS) mit unserem Manipulator- und Steuerungsmodul bestückt und hat eine Pick-and-Place-Anwendung übernommen: Das FTS hat Teile abgeholt und sie einer anderen Maschine zur Verfügung gestellt. Das ist für uns eine typische Service-Robotik-Applikation.­

Natürlich gehören auch die Assistenzroboter im Pflegebereich oder in der Gastronomie dazu. Dabei möchte ich nicht von vornherein ausschließen, dass wir in Zukunft in diesem Bereich tätig sein werden.

Wo haben Sie Ihre Marktlücke im Robotersegment gesehen?

Wenn jemand eine Roboterapplikation umsetzen will, dann soll er bei Pilz alles von einem Anbieter bekommen, inklusive der Service Robotik Module.

„Wenn jemand eine Roboterapplikation umsetzen will, dann soll er bei Pilz alles von einem Anbieter bekommen, inklusive der Service Robotik Module.“ Bernd Müller, Industry Manager Robotics bei Pilz. Redaktion IEE

Bernd Müller: Eine Marktlücke im engeren Sinn haben wir gar nicht identifiziert. Uns ging es wirklich darum: wenn jemand eine Roboterapplikation umsetzen will, dann soll er bei Pilz alles von einem Anbieter bekommen, jetzt eben auch die Service Robotik Module.

Wie haben Roboter-Anbieter, die Sensorik von Pilz einsetzen, auf Ihre Ankündigung reagiert?

Bernd Müller: Wir haben das im Vorfeld entsprechend an diese Partner kommuniziert, um Irritationen zu vermeiden. Aber ich möchte betonen: Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den klassischen Roboterherstellern, denn wir wollen den neuen Markt der professionellen Servicerobotik in den Vordergrund stellen und adressieren.

Und jemand, der seither Pilz-Komponenten kauft, um Roboterapplikationen sicher zu machen, findet jetzt bei uns einfach im Portfolio noch mehr, um die gesamte Lösung zu bekommen. Das geht dann letztendlich bis hin zu unseren Dienstleistungen, also von der Risikoanalyse bis zur CE-Kennzeichnung der ganzen Applikation.

Sie betonen, dass Sie kein Roboterhersteller sind, aber ganz unbedarft: Ich sehe einen Pilz-Roboter, demnach sind Sie ein Roboterhersteller.

Bernd Müller: Uns ist der Aspekt der Modularität wichtig. Wir wollen unseren Kunden in die Lage versetzen, eigene Roboterapplikation umzusetzen oder herzustellen. Und der Kunde hat dann eben die Wahl, welche Module er verwenden möchte. Hardware-seitig bieten wir Manipulator-, Steuerungs- und Bedienmodule an. In Kombination mit unseren Software-Modulen aus dem Bereich des Robot Operating Systems, kurz ROS, kann der Kunde seine individuelle Applikation realisieren. Das heißt, er wählt beispielsweise unser Manipulatormodul im Zusammenhang mit den ROS Modulen. Aber er ist auf die anderen Komponenten, wie Steuerungsmodul und Bedienmodul von uns, gar nicht angewiesen. Diese Entscheidung liegt ganz beim Kunden.

Was sich genau hinter ROS verbirgt

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