Was tun, wenn der Zeuge lügt? Geschieht ein Unfall und sind mehrere Parteien beteiligt, so eröffnet sich die Frage nach der Schuld. Wenn es Augenzeugen gibt, kann die Polizei diese befragen. Deren Berichte sind jedoch subjektiv und können falsch sein. Die nationalen Behörden entgegnen dieser Problematik mit der gesetzlichen Festlegung, dass Fahrzeuge mit einem Event Data Recorder (EDR) auszustatten sind. Der EDR hat den Zweck, objektiv Unfalldaten aufzuzeichnen, sodass anschließend eine Unfallrekonstruktion möglich ist und diese zur Klärung der Schuldfrage verwendbar ist. Standardmäßig ist der EDR Teil der Airbag-Control-Unit (ACU), weil sich dadurch bei einem Unfall sowohl der mechanische Schutz sowie Spannungsversorgung als auch Nachlaufzeiten und dabei der Zugriff auf die relevanten Crashdaten einfach realisieren lassen. Wer aber stellt sicher, dass der EDR nicht wie jeder andere „Augenzeuge“ womöglich nur einen Teil der Wahrheit aussagt oder gar falsche Informationen liefert?

Bild 1. Ein Einzelereignis beschreibt einen Unfallhergang, der zeitlich alleinstehend ist.  Der Event Data Recorder EDR hilft.

Bild 1: Ein Einzelereignis beschreibt einen Unfallhergang, der zeitlich alleinstehend ist. Continental

Um „Falschaussagen“, also fehlerhafte EDR-Aufzeichnungen, zu verhindern, verwendet Continental eine Testmethode, die der funktionalen Komplexität des EDR Rechnung trägt und bereits in der Serienentwicklung Anwendung findet. Sie soll zeigen, inwiefern die einleitende Frage „Was tun, wenn der Zeuge (EDR) lügt?“ für den EDR relevant ist und wie sich diese Fragestellung im EDR widerspiegelt. Das Ziel des Systemtests ist sicherzustellen, dass die im Steuergerät implementierte EDR-Funktionalität jederzeit und unter allen Umständen die richtigen Unfalldaten vollständig und gesetzeskonform aufzeichnet.

Die EDR-Aufzeichnung

Eck-Daten

Die vom Event Data Recorder (EDR) aufgezeichneten Daten sollen die lückenlose  Rekonstruktion von Unfallhergängen ermöglichen. Hierzu ist es unabdingbar, dass der EDR die „richtigen“ Daten zuverlässig und gesetzeskonform aufzeichnet. Um dies zu gewährleisten, hat Continental eine Testmethode vorgestellt, die es ermöglicht, automatisiert nach Fehlern zu suchen und die Suchräume, nämlich die Unfallhergänge, beliebig und automatisiert zu verändern. Zugleich identifiziert die Methode etwaige Fehlerwirkungen und liefert auf diese Weise eine höhere Testabdeckung als herkömmliche Testfallentwicklungsmethoden.

Gesetze regeln, welche Daten im Falle eines Unfalls aufzuzeichnen sind und wann eine EDR-Aufzeichnung stattfinden darf. Die vorgestellte Testmethode deckt jenen Teilaspekt des EDR-Testens ab, der die zeitliche Abhängigkeit abbildet, also die Aufzeichnung des Unfallverlaufes an sich. Für den EDR gibt es hierfür drei relevante Kriterien: Den Startzeitpunkt der Aufzeichnung, die Entscheidung, ob die laufende Aufzeichnung zu speichern beziehungsweise zu verwerfen ist und schließlich den Endzeitpunkt der Aufzeichnung. Zum Startzeitpunkt friert der EDR die kontinuierlich gepufferten Daten ein, die sogenannten Pre-Crash-Daten. Anschließend zeichnet der EDR weitere Informationen auf, beispielsweise Zündentscheidungen für das Auslösen von Airbags. Dies entspricht den In- und Post-Crash-Daten. Erfolgt während der Aufzeichnung eine Zündentscheidung, so ist dieses Ereignis zu speichern. Erfolgt keine Zündentscheidung und ist auch die Startbedingung nicht mehr erfüllt beziehungsweise der Endzeitpunkt der Aufzeichnung erreicht, so ist das laufende Ereignis nicht relevant und ist zu verwerfen.

Die Aufzeichnungslänge der Post-Crash-Daten ist gesetzlich definiert und legt damit einen fixen Endzeitpunkt fest. Zusätzlich ist gesetzlich festgelegt, dass bei Speicherung eines EDR-Datensatzes auch eine Information durch den EDR selbst abzulegen ist, ob dieser Datensatz „vollständig aufgezeichnet“ ist oder nicht.

Bild 2: Event Data Recorder: Bei einem Parallelereignis finden mindestens zwei sich überlappende Einzelereignisse statt und das Mehrfachereignis beschreibt mindestens zwei aufeinander folgende Einzelereignisse, die maximal fünf Sekunden Zeitunterschied haben. Das zeichnet der EDR auf.

Bild 2: Bei einem Parallelereignis finden mindestens zwei sich überlappende Einzelereignisse statt, und das Mehrfachereignis beschreibt mindestens zwei aufeinander folgende Einzelereignisse, die maximal fünf Sekunden Zeitunterschied haben. Continental

Neben diesen Kriterien gilt es auch die zeitliche Abhängigkeit zu betrachten, das heißt die Kombination von Unfallereignissen. Der EDR unterscheidet dabei zwischen drei verschiedenen Ereignistypen: Einzel-, Parallel- und Mehrfachereignis. Ein Einzelereignis beschreibt einen Unfallhergang, der zeitlich alleinstehend ist (Bild 1).

Bei einem Parallelereignis finden mindestens zwei sich überlappende Einzelereignisse statt und das Mehrfachereignis beschreibt mindestens zwei aufeinander folgende Einzelereignisse, die maximal fünf Sekunden Zeitunterschied haben (Bild 2). Die Wichtigkeit der verschiedenen Ereignistypen liegt darin begründet, dass der EDR ein jeweils unterschiedliches Aufnahme- und Speicherverhalten pro Ereignistyp hat.

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