Prototyp des Brennstoffzellen-Systems (Fuel Cell Power Module) von Bosch

Prototyp des Brennstoffzellen-Systems (Fuel Cell Power Module) von Bosch für den chinesischen Markt. Die dafür benötigten Komponenten wie zum Beispiel Brennstoffzellen-Stack, Luftkompressor mit Leistungselektronik sowie Steuergerät mit Sensoren kommen von Bosch überwiegend aus dem Werk in Wuxi. Der Marktstart ist für 2022/2023 geplant. (Quelle: Bosch)

Mit den Worten „Bosch ist bereits H2-ready“ unterstrich Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch, seine Ankündigung, in den Jahren 2021 bis 2024 in Summe 1 Milliarde Euro in die Brennstoffzellen-Technologie zu investieren, um dann 2024 unter anderem mit der Serienfertigung stationärer Brennstoffzellen (SOFC) zu beginnen.

Bosch will seine Saat bei der Elektromobilität ernten

Im Bereich Elektromobilität will Bosch sein Geschäft bis 2025 auf etwa fünf Milliarden Euro verfünffachen. Die Gewinnschwelle werde dabei ein Jahr zuvor erreicht, denn das Unternehmen hat für das Elektromobilitätsgeschäft hohe Vorleistungen erbracht – bislang insgesamt 5 Milliarden Euro, erklärte Bosch-Chef Denner. Allein in diesem Jahr wird der Konzern dafür 700 Millionen Euro aufwenden. Der Umsatz mit elektrischen Antriebskomponenten wächst bei Bosch derzeit mit nahezu 40 % doppelt so stark wie der Markt, so dass der Bosch-Chef die Erntezeit kommen sieht: „Die Elektromobilität ist längst keine Wette mehr auf die Zukunft, wir verdienen die Vorleistungen zurück“, sagte Denner.

Bei der Vorstellung des Geschäftsberichts 2020 konstatierte Dr. Denner nicht nur „Bosch hat das Corona-Jahr 2020 gut gemeistert“ sondern auch „Wir gehören zu den Gewinnern der Elektrifizierung und bauen unser Softwaregeschäft durch Vernetzung mit künstlicher Intelligenz deutlich aus“.

Schwächelnde Automobilproduktion schlägt auf den Umsatz von Bosch

Der Umsatz im Unternehmensbereich Mobility Solutions entwickelte sich 2020 sogar besser als der Markt insgesamt – allerdings brach die weltweite Automobilproduktion 2020 um 16 % ein. Davon blieb der Umsatz des weitaus wichtigsten Unternehmensbereichs nicht verschont: 42,1 Milliarden Euro, 10 % niedriger als im Vorjahr, wechselkursbereinigt ein Rückgang von 8,2 %. Die operative Ebit-Rendite betrug -1,3 %; sie war zudem von der Neuausrichtung des Geschäfts belastet. Zahlen zum Vergleich: Der Gesamtumsatz der Bosch-Gruppe mit ihren vier Unternehmensbereichen im Jahr 2020 betrug 71,5 Milliarden Euro, das sind 6,4 % weniger als 2019 (bereinigt um das verkaufte Geschäft mit Verpackungsmaschinen).

Für die Zuversicht bei Bosch gibt es guten Grund: In das 1. Quartal des Jahres sei das Unternehmen insgesamt gut gestartet. In der Bosch-Gruppe stieg der Umsatz in den ersten drei Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahr um 17 %. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Bosch mit 6 % Umsatzwachstum. Allerdings sei dies abhängig von den schwer abschätzbaren Auswirkungen der Halbleiter-Engpässe. Auf Dauer hält es Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, Finanzchef und stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, allerdings für erforderlich, die Lieferketten in der Automobilindustrie insgesamt resilienter zu gestalten. Auch von „schwer abschätzbaren Auswirkungen der Halbleiter-Engpässe“ war dann die Rede.

Das zukünftige Kerngeschäft von Bosch in der Antriebstechnik sind Systeme und Komponenten für die Elektromobilität wie Ladestationen, eAchsen und SiC-Halbleiter.
Das zukünftige Kerngeschäft von Bosch in der Antriebstechnik sind Systeme und Komponenten für die Elektromobilität wie Ladestationen, eAchsen und SiC-Halbleiter. (Quelle: Bosch)

Brennstoffzellen – ein kommender Milliardenmarkt

Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff als Energieträger für Brennstoffzellen sieht Bosch einen weiteren großen Wachstumsmarkt. So beziffert das Unternehmen das Marktvolumen für grünen Wasserstoff in der EU bis 2030 auf nahezu 40 Milliarden Euro – mit jährlichen Wachstumsraten um 65 %. Im Markt für Brennstoffzellen ist Bosch mit stationären und mobilen Lösungen aktiv und will in den kommenden Jahren, von 2021 bis 2024, insgesamt 1 Milliarde Euro in die Brennstoffzellen-Technologie investieren.

Für mobile Brennstoffzellen-Komponenten umfasst das Marktvolumen bis Ende der Dekade nach Schätzung von Bosch rund 18 Milliarden Euro. Bosch-Chef Denner sieht den Konzern dafür gut aufgestellt und bescheinigt ihm dazu die Kraft, „um auch auf diesem Markt vorn zu sein“. So gründete Bosch mit der chinesischen Qingling Motor Group vor wenigen Tagen ein Gemeinschaftsunternehmen für Brennstoffzellen-Antriebe, das alle chinesischen Fahrzeughersteller mit Brennstoffzellen-System beliefern soll. Noch in diesem Jahr soll eine Testflotte mit 70 Trucks über die Straßen rollen und die Kleinserienfertigung beginnen. Prognosen der China Society of Automotive Engineers (China-SAE) zufolge könnten in China bereits 2030 mehr als eine Million Fahrzeuge mit Brennstoffzellen-Antrieb zugelassen werden.

Im Geschäft mit stationären Brennstoffzellen ist Bosch bereits etwas weiter: Für dieses Jahr ist der Betrieb von 100 Anlagen mit stationären Brennstoffzellen vorgesehen, etwa um Rechenzentren, Industriebetriebe und Wohnquartiere mit Strom zu versorgen. Seit Ende März 2021 befindet sich eine stationäre Festoxid-Brennstoffzelle in Bamberg im Real-Betrieb; den Stromerzeuger hat Bosch gemeinsam mit den Stadtwerken Bamberg erstmals realisiert.

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