Milliardenübernahmen der Chipindustrie

Die fünf größten Übernahmen der Halbleiterbranche

Mit der geplanten Übernahme von Lumentum für 115 Milliarden US-Dollar könnte Marvell den größten Deal der Halbleiterbranche ankündigen. Ein Blick auf die teuersten Übernahmen zeigt, welche Transaktionen die Industrie bislang geprägt haben.

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Symbolisches Aufmacherbild zum Thema Milliardenübernahmen in der Halbleiterindustrie. Im Mittelpunkt der querformatigen Darstellung befinden sich zwei grüne Halbleiterchips mit zahlreichen goldfarbenen Kontaktflächen, umgeben von mehreren unterschiedlich hohen Stapeln goldglänzender Münzen. Die Kombination aus Mikrochips und Geld symbolisiert den wirtschaftlichen Wert von Halbleitertechnologien und die hohen Kaufpreise bei Unternehmensübernahmen in der Chipindustrie.

Im Vordergrund liegt ein quadratischer Mikroprozessor nahezu waagerecht auf einer dunklen, glänzenden Oberfläche. Seine grüne Trägerplatine ist mit zahlreichen kleinen, goldfarbenen Kontaktpunkten versehen. In der Mitte befindet sich eine dunkle, rechteckige Fläche. Die Ränder und elektrischen Kontakte des Prozessors sind detailliert ausgearbeitet.

Rechts dahinter steht ein zweiter, größer wirkender Halbleiterchip schräg aufrecht und lehnt an einem hohen Stapel goldfarbener Münzen. Seine dem Betrachter zugewandte Unterseite ist mit einem dichten Raster aus goldenen Kontakten bedeckt. Im Zentrum befindet sich eine dunkle, rechteckige Fläche. Die beiden Chips stehen stellvertretend für die Technologien und Produkte der Unternehmen, die an großen Übernahmen in der Halbleiterbranche beteiligt sind.

Hinter und neben den beiden Halbleiterchips sind mehrere Münzstapel unterschiedlicher Höhe angeordnet. Der höchste Stapel befindet sich ungefähr in der Bildmitte und reicht deutlich über die anderen Münzstapel hinaus. Links davon stehen mittelhohe und kleinere Stapel, während rechts neben dem aufrecht stehenden Chip weitere Münzen aufgeschichtet sind. Einzelne Münzen liegen im Vordergrund auf der Oberfläche. Die geriffelten Münzränder reflektieren das warme, goldgelbe Licht.

Der Hintergrund ist in dunklen Blau- und Anthrazittönen gehalten. Dezent sichtbare Leiterbahnstrukturen ziehen sich durch das Motiv und stellen einen Bezug zur Elektronikentwicklung her. Die Oberfläche im Vordergrund erinnert an eine dunkle Leiterplatte mit feinen, goldfarbenen Leiterbahnen. Die Beleuchtung kombiniert kühles blaues Umgebungslicht mit warmen Reflexionen auf den Münzen und den Kontaktflächen der Chips.

Das Bild ist als fotorealistisch wirkende, symbolische Illustration gestaltet. Es enthält keine Schriftzüge, Unternehmenslogos, Dollarzeichen oder konkreten Kaufpreisangaben. Die Münzen besitzen keine eindeutig erkennbare Währungskennzeichnung.

Die unterschiedlichen Münzstapel verdeutlichen die finanziellen Größenordnungen, um die es bei Übernahmen von Halbleiterunternehmen geht. Das Motiv verbindet die wirtschaftliche Dimension solcher Transaktionen mit der technischen Grundlage der Branche – den Halbleiterchips.
Milliarden für Halbleiter: Große Übernahmen prägen die Chipindustrie seit Jahren. Mit der geplanten Übernahme von Lumentum für 115 Milliarden US-Dollar könnte Marvell den bisherigen Rekord deutlich übertreffen.

Die Halbleiterindustrie ist seit Jahrzehnten von großen Übernahmen geprägt. Unternehmen kaufen Wettbewerber, erweitern ihr Technologieportfolio oder sichern sich Zugang zu neuen Märkten. Die Übernahmepreise erreichen dabei regelmäßig zweistellige Milliardenbeträge. Die zunehmende Bedeutung von Rechenzentren, künstlicher Intelligenz und spezialisierten Chiparchitekturen erhöht den strategischen Druck zu solchen Zusammenschlüssen.

Jüngstes Beispiel ist die geplante Übernahme von Lumentum durch Marvell. Der am 2. November 2026 angekündigte Aktiendeal hat einen impliziten Unternehmenswert (Enterprise Value) von rund 115 Milliarden US-Dollar. Für jede Lumentum-Aktie sollen die bisherigen Anteilseigner 4,5 Marvell-Aktien erhalten. Sollte die Transaktion wie vorgesehen im ersten Halbjahr 2028 abgeschlossen werden, würde sie sämtliche bisherigen Übernahmen der Branche deutlich übertreffen.

Bislang liegt der Rekord bei AMD und Xilinx. Ein Blick auf die fünf größten abgeschlossenen Transaktionen zeigt, welche strategischen Ziele hinter den Milliardeninvestitionen standen und wie sich die Halbleiterindustrie dadurch verändert hat.

Anm. d. Red.: Die Rangliste berücksichtigt abgeschlossene Übernahmen von Halbleiterunternehmen und Anbietern von Halbleiter-IP. Die Dollarbeträge orientieren sich an den veröffentlichten Transaktionswerten beziehungsweise den dokumentierten Kaufpreisen zum Abschluss. Unterschiede zwischen diesen Bewertungsgrößen sind bei den einzelnen Übernahmen ausgewiesen.

Platz 1: AMD übernimmt Xilinx für 48,8 Milliarden Dollar

Mit der Übernahme von Xilinx sicherte sich AMD 2022 den bislang größten abgeschlossenen Übernahmedeal der Halbleiterbranche. Laut AMDs Geschäftsbericht betrug die gesamte Gegenleistung beim Abschluss rund 48,8 Milliarden US-Dollar. In zeitgenössischen Berichten wurde der Deal teilweise mit knapp 50 Milliarden Dollar bewertet. Bei der Ankündigung im Oktober 2020 lag der Transaktionswert noch bei etwa 35 Milliarden Dollar. Da AMD den Kauf vollständig mit eigenen Aktien finanzierte, veränderte sich der Wert mit dem Aktienkurs des Unternehmens.

Technologisch ergänzten sich die beiden Unternehmen. AMD war vor allem für Prozessoren und Grafikchips bekannt, während Xilinx zu den bedeutendsten Anbietern programmierbarer Logikbausteine gehörte. Besonders Field Programmable Gate Arrays (FPGAs) lassen sich nach der Fertigung für unterschiedliche Aufgaben konfigurieren. Sie werden unter anderem in der industriellen Automatisierung, der Kommunikationstechnik sowie in Rechenzentren und eingebetteten Systemen eingesetzt.

Durch die Übernahme erweiterte AMD sein Portfolio um FPGAs, adaptive System-on-Chips und entsprechende Entwicklungswerkzeuge. Damit konnte der Konzern zusätzliche Kunden und Anwendungen erschließen, insbesondere in Bereichen, in denen klassische CPUs und GPUs durch spezialisierte Hardware ergänzt werden. Zwischen der Ankündigung und dem Abschluss vergingen knapp 16 Monate. Unter anderem erforderte der Zusammenschluss die Zustimmung chinesischer Wettbewerbsbehörden.

Infografik mit dem Titel „Die größten Übernahmen der Halbleiterbranche“ und dem Untertitel „Top 5 abgeschlossene Deals plus der geplante Marvell-Lumentum-Deal“. Dargestellt werden die fünf größten abgeschlossenen Übernahmen von Halbleiterunternehmen sowie die geplante Übernahme von Lumentum durch Marvell. Die Grafik vergleicht die Transaktionswerte in Milliarden US-Dollar und nennt die jeweiligen Ankündigungs- und Abschlussdaten beziehungsweise den geplanten Abschluss.

Die Infografik ist im Corporate Design von all-electronics gestaltet. Sie besitzt einen weißen Hintergrund, orange-rote Akzente und das all-electronics-Logo oben rechts. Die Übernahmewerte werden durch sechs unterschiedlich große, stilisierte Mikrochips dargestellt. Die Chip-Symbole besitzen orange-rote Umrandungen und enthalten jeweils den Transaktionswert. Ihre unterschiedlichen Größen veranschaulichen die finanziellen Dimensionen der Übernahmen.

Links befindet sich ein gesonderter Bereich mit der Überschrift „Geplante Übernahme“. Dort steht die geplante Übernahme von Lumentum durch Marvell mit einem Unternehmenswert von 115 Milliarden US-Dollar. Der Chip mit der Zahl 115 ist deutlich größer als alle anderen dargestellten Chips. Darunter stehen die Unternehmenslogos von Marvell und Lumentum. Die Übernahme wurde am 2. November 2026 angekündigt. Als voraussichtlicher Abschluss ist das erste Halbjahr 2028 angegeben. Der Status lautet „geplant“ und ist orange hinterlegt.

Rechts davon befinden sich die fünf größten abgeschlossenen Übernahmen, absteigend nach ihrem Transaktionswert angeordnet.

Platz 1: AMD übernimmt Xilinx für 48,8 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme wurde am 27. Oktober 2020 angekündigt und am 14. Februar 2022 abgeschlossen. Unter dem Chip-Symbol stehen die Logos von AMD und Xilinx. Der Status „abgeschlossen“ ist grün hinterlegt.

Platz 2: Avago Technologies übernimmt Broadcom für 37 Milliarden US-Dollar. Die Transaktion wurde am 28. Mai 2015 angekündigt und am 1. Februar 2016 abgeschlossen. Die Unternehmenslogos von Avago Technologies und Broadcom befinden sich unter dem Chip-Symbol. Der Status lautet „abgeschlossen“.

Platz 3: SoftBank übernimmt Arm für rund 31 Milliarden US-Dollar. Die Ankündigung erfolgte am 18. Juli 2016. Der Abschluss fand am 5. September 2016 statt. Unter dem Chip stehen die Logos des japanischen Technologiekonzerns SoftBank und des britischen Chiparchitekturentwicklers Arm. Die Transaktion ist als abgeschlossen gekennzeichnet.

Platz 4: Analog Devices übernimmt Maxim Integrated für 21 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme wurde am 13. Juli 2020 angekündigt und am 26. August 2021 abgeschlossen. Unterhalb des Chips sind die Unternehmenslogos von Analog Devices und Maxim abgebildet. Der Status lautet „abgeschlossen“.

Platz 5: Intel übernimmt Altera für 16,7 Milliarden US-Dollar. Die Transaktion wurde am 1. Juni 2015 angekündigt und am 28. Dezember 2015 abgeschlossen. Die Logos von Intel und Altera stehen unter dem kleinsten Chip-Symbol der Infografik. Auch diese Übernahme ist als abgeschlossen gekennzeichnet.

Die geplante Marvell-Lumentum-Übernahme ist durch einen eigenen, orange umrandeten Bereich optisch von den fünf abgeschlossenen Transaktionen getrennt. Die fünf abgeschlossenen Deals sind fortlaufend von Platz 1 bis Platz 5 nummeriert.

Unter den Unternehmenslogos befindet sich eine tabellarische Übersicht mit den Zeilen „Angekündigt“, „Abgeschlossen“ und „Status“. Die Datumsangaben sind jeweils den entsprechenden Unternehmenspaaren zugeordnet. Grüne Kennzeichnungen weisen auf abgeschlossene Übernahmen hin, während eine orangefarbene Kennzeichnung den noch geplanten Marvell-Lumentum-Deal hervorhebt.

Der Größenvergleich verdeutlicht den erheblichen Abstand zwischen der bislang größten abgeschlossenen Halbleiterübernahme, AMD/Xilinx mit 48,8 Milliarden US-Dollar, und der geplanten Marvell-Lumentum-Transaktion mit 115 Milliarden US-Dollar. Sollte der Zusammenschluss zustande kommen, würde er den bisherigen Rekord um mehr als das Doppelte übertreffen.
Die fünf größten abgeschlossenen Übernahmen der Halbleiterbranche im Vergleich: AMD/Xilinx führt mit 48,8 Milliarden US-Dollar. Der geplante Marvell-Lumentum-Deal würde mit 115 Milliarden Dollar einen neuen Rekord aufstellen.

Platz 2: Avago übernimmt Broadcom für 37 Milliarden Dollar

Eine der größten Übernahmen der Branche fand 2016 statt. Der Halbleiterhersteller Avago Technologies kaufte die Broadcom Corporation in einer Transaktion, deren Wert bei der Ankündigung im Mai 2015 auf rund 37 Milliarden US-Dollar beziffert wurde. Laut Broadcoms späterem Geschäftsbericht lag die gesamte Gegenleistung beim Abschluss bei rund 35,7 Milliarden Dollar.

Avago brachte unter anderem Technologien für Hochfrequenzanwendungen, optische Kommunikation und industrielle Halbleiter ein. Broadcom war insbesondere für Kommunikationschips, Netzwerkprozessoren sowie Bausteine für drahtlose und kabelgebundene Datenübertragung bekannt. Der Zusammenschluss vergrößerte das gemeinsame Portfolio erheblich. Die Unternehmen ergänzten sich beispielsweise bei der Infrastruktur für Rechenzentren, Telekommunikationsnetze und drahtlose Kommunikation.

Bemerkenswert war auch die Namenswahl: Obwohl Avago der Käufer war, firmierte das kombinierte Unternehmen anschließend unter Broadcom. CEO blieb Hock Tan, der bereits Avago geführt hatte. Der Konzern setzte seine Übernahmestrategie in den folgenden Jahren fort. Dazu gehörten die Akquisitionen von CA Technologies, Symantec Enterprise Security und VMware. Diese Softwaretransaktionen sind aufgrund ihrer Ausrichtung auf Infrastruktursoftware nicht Teil des Rankings.

Platz 3: SoftBank übernimmt Arm für rund 31 Milliarden Dollar

Im September 2016 übernahm der japanische Technologiekonzern SoftBank den britischen Chiparchitekturentwickler Arm. Das ursprüngliche Angebot bewertete Arm mit rund 24,3 Milliarden britischen Pfund. Beim Abschluss bezifferte SoftBank den tatsächlichen Kaufpreis auf rund 24 Milliarden Pfund beziehungsweise damals rund 31 Milliarden US-Dollar. Je nach zugrunde gelegtem Wechselkurs wurde der Deal auch mit etwa 32 Milliarden Dollar angegeben.

Der Kauf unterschied sich von vielen anderen Halbleiterübernahmen. Arm fertigt selbst keine Prozessoren, sondern entwickelt Prozessorarchitekturen und lizenziert diese an andere Unternehmen. Zu den Lizenznehmern gehören zahlreiche Entwickler von Chips für Smartphones, eingebettete Systeme, Automobile und Rechenzentren.

SoftBank setzte mit der Übernahme auf die zunehmende Verbreitung vernetzter Geräte und den wachsenden Bedarf an energieeffizienten Prozessoren. Arm spielte bereits damals eine zentrale Rolle im Smartphone-Markt. Mit der Ausweitung seiner Architektur auf weitere Anwendungen gewann das Unternehmen zusätzlich an Bedeutung.

Der Deal sorgte auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil ein japanischer Konzern einen der wichtigsten britischen Technologieanbieter übernahm. Arm blieb als eigenständiger Anbieter von Prozessor-IP bestehen und führte sein Lizenzgeschäft fort.

2020 versuchte SoftBank, Arm für ursprünglich bis zu 40 Milliarden Dollar an Nvidia zu verkaufen. Der Verkauf scheiterte 2022 an regulatorischen Hürden. Im September 2023 brachte SoftBank Arm schließlich an die Börse und behielt die Mehrheit am Unternehmen.

Platz 4: Analog Devices übernimmt Maxim für 21 Milliarden Dollar

Mit der Übernahme von Maxim Integrated für einen bei Ankündigung angegebenen Wert von rund 21 Milliarden US-Dollar baute Analog Devices (ADI) 2021 seine Position im Markt für Analog- und Mixed-Signal-Halbleiter aus.

Beide Unternehmen entwickelten Bauelemente für die Verarbeitung analoger und digitaler Signale. Dazu gehören Datenwandler, Verstärker, Sensorschnittstellen und Komponenten für das Energiemanagement. Die Produkte werden unter anderem in industriellen Anlagen, Fahrzeugen, Kommunikationssystemen und medizinischen Geräten eingesetzt.

Während sich Analog Devices bereits mit Lösungen für Signalverarbeitung und Datenwandlung etabliert hatte, brachte Maxim zusätzliche Kompetenzen im Bereich Power Management und in verschiedenen Analogschaltungen ein. Dadurch konnte ADI sein Angebot für Kunden erweitern, die zunehmend komplexe elektronische Systeme entwickeln.

Die Übernahme wurde im Juli 2020 angekündigt und gut ein Jahr später abgeschlossen. Sie wurde vollständig durch einen Aktientausch finanziert. Der Zusammenschluss war zugleich Teil einer längeren Konsolidierung im Analoghalbleitermarkt. Bereits 2017 hatte Analog Devices den Wettbewerber Linear Technology für rund 14,8 Milliarden Dollar übernommen.

Die zehn größten Übernahmedeals der Halbleiterbranche – inklusive gescheiterter Übernahmen

Rang Käufer Ziel Jahr Tatsächlicher Dealwert Angekündigter Dealwert Status Hinweis
1 Marvell Lumentum 2026 – 115 Mrd. US-Dollar geplant Abschluss für H1 2028 vorgesehen
2 AMD Xilinx 2020 48,8 Mrd. US-Dollar 35 Mrd. US-Dollar abgeschlossen 2022 vollzogen; höchster abgeschlossener Dealwert
3 Qualcomm NXP 2016 – 47 Mrd. US-Dollar gescheitert 2018 an fehlender China-Freigabe gescheitert
4 Nvidia Arm 2020 – 40 Mrd. US-Dollar gescheitert 2022 wegen regulatorischer Bedenken aufgegeben
5 Avago Broadcom 2015 35,7 Mrd. US-Dollar 37 Mrd. US-Dollar abgeschlossen 2016 vollzogen
6 SoftBank Arm 2016 31 Mrd. US-Dollar ca. 31 Mrd. US-Dollar abgeschlossen 2016 vollzogen
7 Analog Devices Maxim Integrated 2020 28 Mrd. US-Dollar 21 Mrd. US-Dollar abgeschlossen 2021 vollzogen
8 Intel Altera 2015 ca. 16,5 Mrd. US-Dollar 16,7 Mrd. US-Dollar abgeschlossen 2015 vollzogen
9 Intel Mobileye 2017 ca. 14,9 Mrd. US-Dollar 15,3 Mrd. US-Dollar abgeschlossen 2017 vollzogen
10 NXP Freescale 2015 11,6 Mrd. US-Dollar 16,7 Mrd. US-Dollar abgeschlossen Ankündigungswert inklusive Nettoschulden; 2015 vollzogen

Platz 5: Intel übernimmt Altera für 16,7 Milliarden Dollar

Mit der Übernahme des FPGA-Spezialisten Altera für rund 16,7 Milliarden US-Dollar erschloss Intel Ende 2015 ein zusätzliches Geschäftsfeld. Das Unternehmen wollte seine Position im Rechenzentrumsmarkt ausbauen und programmierbare Halbleiter stärker mit seinen Prozessorplattformen kombinieren.

Altera entwickelte vor allem FPGAs und zugehörige Entwicklungswerkzeuge. Die programmierbaren Bausteine können nach der Herstellung an unterschiedliche Anwendungen angepasst werden und eignen sich damit unter anderem für die Beschleunigung spezialisierter Rechenoperationen. Intel sah darin eine Möglichkeit, die eigenen Xeon-Prozessoren durch FPGA-basierte Beschleuniger zu ergänzen. Auch Anwendungen in Kommunikationsnetzen, der Industrie und eingebetteten Systemen spielten eine Rolle.

Die weitere Entwicklung verdeutlicht allerdings, dass auch abgeschlossene Übernahmen strategisch neu bewertet werden können. Intel organisierte das FPGA-Geschäft 2024 wieder als eigenständige Einheit unter dem Namen Altera. Im April 2025 vereinbarte der Konzern den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake. Intel blieb Minderheitsgesellschafter mit 49 Prozent. Die Transaktion wurde im September 2025 abgeschlossen. Damit hatte Intel rund zehn Jahre nach dem ursprünglichen Kauf die Kontrolle über Altera wieder abgegeben.

Infokasten: Diese Milliardenübernahmen kamen in der Halbleiterei nicht zustande

Qualcomm und NXP – bis zu 47 Milliarden Dollar

2016 kündigte Qualcomm die Übernahme von NXP an. Nach einer Erhöhung des Angebots lag der Eigenkapitalwert bei rund 44 Milliarden Dollar. Der ursprünglich kommunizierte Unternehmenswert betrug rund 47 Milliarden Dollar. 2018 scheiterte der Deal an der fehlenden Genehmigung aus China. Qualcomm musste zwei Milliarden Dollar Vertragsstrafe zahlen.

Nvidia und Arm – 40 Milliarden Dollar

Die 2020 angekündigte Übernahme von Arm durch Nvidia für bis zu 40 Milliarden Dollar wurde im Februar 2022 nach erheblichen wettbewerbsrechtlichen Bedenken aufgegeben.

Applied Materials und Tokyo Electron – 29 Milliarden Dollar

2013 vereinbarten die beiden Halbleiterausrüster einen Zusammenschluss, der das gemeinsame Unternehmen mit rund 29 Milliarden Dollar bewertete. Im April 2015 wurde die Fusion abgesagt, nachdem die US-Wettbewerbsbehörden die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Sicherung des Wettbewerbs als unzureichend eingestuft hatten.

Lam Research und KLA-Tencor – 10,6 Milliarden Dollar

2015 kündigte Lam Research die Übernahme des Halbleiterausrüsters KLA-Tencor für rund 10,6 Milliarden Dollar an. Im Oktober 2016 gaben beide Unternehmen den Zusammenschluss auf. Das US-Justizministerium hatte erhebliche wettbewerbsrechtliche Bedenken geäußert.

Intel und Tower Semiconductor – 5,4 Milliarden Dollar

Im Februar 2022 vereinbarte Intel die Übernahme des israelischen Auftragsfertigers Tower Semiconductor. Im August 2023 wurde die Transaktion wegen fehlender regulatorischer Genehmigungen innerhalb der vereinbarten Frist beendet. Intel zahlte Tower eine Vertragsstrafe von 353 Millionen Dollar.

Wie groß sind Halbleiterübernahmen im weltweiten Vergleich?

Die Dimension des geplanten Zusammenschlusses reicht weit über die Halbleiterindustrie hinaus. Mit einem Unternehmenswert von 115 Milliarden US-Dollar würde Marvell/Lumentum in die Größenordnung einiger der größten Übernahmen der Wirtschaftsgeschichte vorstoßen. Zum Vergleich: Verizon zahlte 2013 rund 130 Milliarden Dollar für Vodafones Anteil an Verizon Wireless, inflationsbereinigt entspricht das heute etwa 188 Milliarden Dollar. Die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 wurde damals mit bis zu 203 Milliarden Dollar bewertet. In heutiger Kaufkraft wären das rund 397 Milliarden Dollar. Noch größer erscheint auf dem Papier die 2026 vollzogene Zusammenführung von SpaceX und xAI mit einer gemeinsamen Bewertung von 1,25 Billionen Dollar. Allerdings handelt es sich dabei um eine Transaktion zwischen zwei Unternehmen unter der Kontrolle von Elon Musk und damit um einen Sonderfall, der sich nur eingeschränkt mit klassischen Übernahmen vergleichen lässt.

Wie läuft eine Milliardenübernahme eigentlich ab?

Eine Unternehmensübernahme in der Halbleiterindustrie kann sich über viele Monate oder sogar mehrere Jahre erstrecken. Zwischen den ersten Verhandlungen und dem tatsächlichen Abschluss liegen mehrere Schritte. Insbesondere bei international tätigen Chipherstellern können die regulatorischen Anforderungen umfangreich sein.

1. Verhandlungen und Unternehmensbewertung

Zunächst prüfen die beteiligten Unternehmen, ob die Übernahme strategisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Dabei spielen Umsätze, Gewinne, Patente, Technologien, Kundenbeziehungen und Fertigungskapazitäten eine Rolle. Im Rahmen einer sogenannten Due Diligence werden unter anderem finanzielle, rechtliche und technische Risiken untersucht.

2. Finanzierung und Kaufvertrag

Eine Übernahme kann mit Bargeld, Aktien oder einer Kombination aus beidem bezahlt werden. Bei einem Aktiendeal erhalten die bisherigen Eigentümer des übernommenen Unternehmens Aktien des Käufers. Dadurch kann sich der tatsächliche Kaufpreis zwischen Ankündigung und Abschluss verändern.

Der Kaufvertrag regelt außerdem Bedingungen, Fristen und mögliche Entschädigungen, falls die Transaktion scheitert. Solche Zahlungen werden als Break-up Fees bezeichnet.

3. Zustimmung der Aktionäre

Bei börsennotierten Unternehmen müssen häufig die Aktionäre einer Übernahme zustimmen. Welche Abstimmungen erforderlich sind, hängt von der rechtlichen Struktur und den jeweiligen nationalen Vorschriften ab. Die Zustimmung des Vorstands oder Verwaltungsrats allein reicht daher nicht immer aus.

4. Prüfung durch Wettbewerbsbehörden

Besonders zeitaufwendig kann die kartellrechtliche Prüfung sein. Die zuständigen Behörden untersuchen, ob der Zusammenschluss den Wettbewerb einschränken könnte. Bei international tätigen Halbleiterunternehmen können mehrere Behörden beteiligt sein, beispielsweise in den USA, der Europäischen Union und China.

Zusätzlich können Prüfungen aus Gründen der nationalen Sicherheit erforderlich sein. Das betrifft insbesondere Unternehmen, die sicherheitsrelevante Halbleitertechnologien entwickeln oder fertigen.

Die Behörden können eine Übernahme genehmigen, untersagen oder Auflagen verlangen. Dazu kann etwa der Verkauf bestimmter Geschäftsbereiche gehören. Auch die Verpflichtung, Technologien weiterhin an Wettbewerber zu lizenzieren, ist denkbar.

5. Abschluss und Integration

Sind sämtliche Bedingungen erfüllt, wird die Transaktion offiziell abgeschlossen. Erst dann erfolgt der rechtliche Eigentumsübergang. Anschließend beginnt die organisatorische und technische Integration. Dazu gehören die Zusammenführung von Entwicklungsabteilungen, IT-Systemen, Produktportfolios und Vertriebsstrukturen. Dieser Prozess kann weitere Jahre dauern.

Wie lange dauert eine Halbleiterübernahme?

Für größere internationale Transaktionen können etwa sechs bis 18 Monate zwischen Ankündigung und Abschluss als grobe Orientierung dienen. Dabei handelt es sich um keine feste Regel. Bei umfangreichen kartellrechtlichen Untersuchungen oder nationalen Sicherheitsprüfungen können die Verfahren deutlich länger dauern.

Bei AMD und Xilinx vergingen knapp 16 Monate zwischen Ankündigung und Abschluss. Avago und Broadcom benötigten rund acht Monate, Analog Devices und Maxim gut 13 Monate.

Der geplante Zusammenschluss von Marvell und Lumentum sieht einen Abschluss im ersten Halbjahr 2028 vor. Zwischen Ankündigung und geplantem Abschluss lägen damit rund anderthalb Jahre.

Bei gescheiterten Transaktionen kann die Prüfung sogar länger dauern als bei erfolgreichen Übernahmen. Qualcomm wartete beispielsweise fast zwei Jahre auf die Genehmigung der geplanten NXP-Übernahme, bevor der Konzern das Vorhaben aufgab.

Warum unterscheiden sich die genannten Kaufpreise manchmal?

Bei Übernahmen werden häufig unterschiedliche Größen angegeben. Der Eigenkapitalwert (Equity Value) beschreibt den Wert der übernommenen Unternehmensanteile. Der Unternehmenswert (Enterprise Value) berücksichtigt zusätzlich verzinsliche Schulden und zieht vorhandene liquide Mittel ab. Hinzu kommt, dass sich bei aktienbasierten Transaktionen der Wert durch Kursveränderungen verschieben kann.

Ein Beispiel ist AMD/Xilinx: Während der Übernahmewert bei der Ankündigung im Oktober 2020 auf rund 35 Milliarden Dollar beziffert wurde, wies AMD beim Abschluss 2022 eine gesamte Gegenleistung von 48,8 Milliarden Dollar aus.

Deshalb können sowohl der ursprünglich angekündigte Dealwert als auch der bei Abschluss tatsächlich ermittelte Kaufpreis korrekt sein, obwohl sie sich erheblich unterscheiden. Für einen Vergleich ist entscheidend, welche Bewertungsgröße und welcher Zeitpunkt zugrunde liegen.

FAQ: Halbleiterübernahmen und ihre Folgen für Kunden

Werden nach einer Halbleiterübernahme bestehende Chips abgekündigt?

Eine Übernahme bedeutet nicht automatisch das Ende einzelner Produktreihen. Überschneiden sich die Portfolios, kann der Käufer jedoch Baureihen zusammenführen oder Produkte abkündigen. Für betroffene Kunden sind dann die Abkündigungsmitteilungen mit Fristen für letzte Bestellungen und Lieferungen entscheidend.

Können Halbleiterübernahmen zu höheren Chippreisen führen?

Wenn durch eine Übernahme unabhängige Anbieter wegfallen, kann der Preisdruck im betroffenen Markt sinken. Höhere Preise sind dennoch keine zwangsläufige Folge: Auch Nachfrage, verfügbare Fertigungskapazitäten und alternative Bauteile beeinflussen die Preisentwicklung.

Was bedeutet eine Chipübernahme für eine Second-Source-Strategie?

Wer Bauteile von zwei bislang unabhängigen Herstellern bezieht, kann nach deren Zusammenschluss wirtschaftlich von einem einzigen Konzern abhängig sein. Zwei Bestellnummern oder Marken bieten dann keine vollständige Absicherung gegen gemeinsame Geschäftsentscheidungen. Ob weiterhin eine technische und produktionstechnische Alternative besteht, hängt von den konkreten Bauteilen und Fertigungsstandorten ab.

Was passiert nach einer Übernahme mit Entwicklungswerkzeugen und Software?

Entwicklungsumgebungen, Bibliotheken und Softwarepakete können weitergeführt, zusammengelegt oder schrittweise ersetzt werden. Besonders bei FPGAs und Mikrocontrollern können Änderungen an Werkzeugen und deren Unterstützung zusätzlichen Aufwand für bestehende Designs verursachen. Maßgeblich sind die angekündigten Supportzeiträume und die Kompatibilität mit bisherigen Projekten.

Verbessert eine Halbleiterübernahme die Lieferfähigkeit?

Eine Übernahme schafft für sich genommen keine zusätzlichen Fertigungskapazitäten. Gemeinsame Produktionsplanung und Logistik können die Versorgung verbessern, während Standortverlagerungen oder die Zusammenführung von Abläufen vorübergehend Schwierigkeiten verursachen können. Entscheidend bleibt, wo und mit welchen Kapazitäten die benötigten Bauteile gefertigt werden.