Smart Home

MIt Smart-Home-Anwendungen lassen sich verschiedene Funktionen im Haus fernsteuern oder automatisieren. (Bild: HQUALITY @ AdobeStock)

Der stetig wachsende Markt für Smart-Home-Produkte erfährt durch die Energiekrise in Deutschland neue Aufmerksamkeit. Insgesamt ist der Markt für Smart Home-Produkte in Deutschland zwischen 2017 und 2021 von knapp 2,4 Milliarden Euro auf über 5,5 Milliarden Euro gewachsen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Plus von rund 22 Prozent. Leicht überdurchschnittlich wuchs die Produktkategorie Energie mit 24 Prozent auf zuletzt 644 Millionen Euro. Während 27 Prozent der deutschen Haushalte über smarte Haustechnik verfügen, haben erst elf Prozent ein Gerät zum intelligenten Umgang mit Energie im Einsatz.

Es mangelt auch nicht an vielseitigen Szenarien für Smart-Home-Technologien nicht. Dominierten bei der Suche nach smarter Technik bisher vor allem intelligente Entertainmentsysteme, fernsteuerbare Türschlösser oder Sprachassistenten, so steigt nach einer aktuellen Studie das Interesse am Thema Energie rapide an. Experten der Strategieberatung Oliver Wyman und des Smart-Home-Experten tink erwarten einen deutlichen Nachfrageschub. Denn in Folge steigender Energiepreise suchen Anwender zunehmend nach Wegen, um ihre Strom- und Heizkosten zu senken.

Gleichzeitig scheint das Interesse an Smart Home vielschichtig zu sein: Zwar besitzt mittlerweile fast jeder Zweite in Deutschland ein Smart-Home-Produkt. Jedoch gibt rund ein Drittel der Käuferinnen und Käufer an, dass die smarte Funktionalität gar nicht das Kaufkriterium war. Das ergab eine repräsentative Konsumentenumfrage der Strategieberatung Oliver Wyman und des Smart-Home-Händlers tink. „Viele Verbraucher scheinen sich der Vorteile von Smart-Home-Produkten noch nicht vollends bewusst zu sein und kaufen Geräte daher aus ganz unterschiedlichen Gründen“, konstatiert Martin Schulte, Partner und Konsumgüterexperte bei Oliver Wyman. „Aus Sicht der Hersteller ist das teilweise ernüchternd.“

Als denkbare Einstiegsprodukte für potenzielle Nutzer stoßen laut Studie vor allem Beleuchtungslösungen auf Interesse. So interessieren sich auch 55 Prozent der bisherigen Nichtkäufer für Lichtsteuerung, 45 Prozent nennen eine vernetzte Heizungssteuerung als ihr Hauptinteresse für einen möglichen Kauf. Mit Abstand folgen Jalousiensteuerung (39 Prozent), Überwachungstechnik (38 Prozent) und vernetzte Steckdosen (33 Prozent). „Wenn es gelingt, mit eher einfachen Einstiegsprodukten für ein positives Nutzererlebnis zu sorgen, wächst das Interesse an komplexeren Themen“, ist Marius Lissautzki, Mitgründer und CEO der Smart-Home-Plattform tink, überzeugt. Für einen zusätzlichen Schub könnten die steigende Inflation und vor allem das Energiedilemma sorgen, glaubt Schulte: „Beim Einsparen von Strom und dem effizienteren Gebrauch von Wärmeenergie können Smart Home-Produkte wie intelligente Thermostate ihren Nutzen unter Beweis stellen.“

Smart Home Hürden Treiber
Preis, Nutzen und Datenschutz zählen zu den wichtigsten Treibern, aber auch zu den größte Hürden bei Smart-Home-Anwendungen. (Bild: Oliver Wyman / Tink)

Beratung überzeugt Smart-Home-Interessenten

Die Untersuchung zeigt nicht nur die wesentlichen Kaufanreize, sondern offenbart auch Gründe für einen Nichtkauf. Als Haupthindernisse entpuppen sich der als zu hoch empfundene Preis (40 Prozent), ein nicht einleuchtender Nutzen (21 Prozent) und Datenschutzbedenken (19 Prozent). Auch die vermeintlich komplexe Installation und die mangelnde Kaufberatung werden als Hürden empfunden. Bisher halte vor allem Unwissenheit hinsichtlich der Vorteile und Installationsoptionen viele potenzielle Interessenten vom Kauf ab. Das liegt auch an den dominierenden Vertriebsstrukturen, die auf eine eher geringe Beratungsintensität schließen lassen. Zu mehr als 70 Prozent werden Smart Home-Produkte online gekauft. Laut Studie dominiert Amazon mit über 40 Prozent Marktanteil, wobei sich gerade Ältere hier bevorzugt bedienen, um zumeist einfachere Geräte zu erwerben. Meist bieten stationäre Händler (22 Prozent) oder Spezialisten (9 Prozent) eine deutlich umfangreichere Beratung. Ihnen folgt der Direktvertrieb der Hersteller mit nur sechs Prozent Marktanteil.

Die vereinfachte Steuerung von Geräten und die Fernbedienung von unterwegs werden von den Käufern als wichtigste Kriterien genannt. Konnektivität ist daher ein wesentlicher Wunsch der Anwender. Der Wunsch nach bequemerem Wohnen erweist sich in der Studie als größter Kaufanreiz, ein wesentlicher Anteil der Käufe erfolgt aus Neugierde und genereller Innovationslust. Die Studie zeigt, dass die Interessengruppen deutlich breiter geworden sind.

Smart-Home-Potenzial bei kleinen Wohnungen

Laut Untersuchung geht die Hauptnachfrage vor allem von jungen, kinderreichen Familien mit viel Wohnraum aus. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Vor allem ältere Verbraucher sowie Singles und Pärchen, die in einer eher kleinen Wohnung leben, bieten aus Anbietersicht noch Potenzial. Mit Blick auf die Energiekrise und Inflation habe sich die Nachfrage nach energiesparenden Lösungen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Insgesamt ist der Markt für Smart-Home-Produkte in Deutschland zwischen 2017 und 2021 von knapp 2,4 Milliarden Euro auf über 5,5 Milliarden Euro gewachsen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Plus von rund 22 Prozent. Leicht überdurchschnittlich wuchs die Produktkategorie Energie mit 24 Prozent auf zuletzt 644 Millionen Euro. Während 27 Prozent der deutschen Haushalte über smarte Haustechnik verfügen, haben erst elf Prozent ein Gerät zum intelligenten Umgang mit Energie im Einsatz.

Kaufkriterien Smart Home
Nutzer wollen vor allem Smart-Home-Anwendungen, die die Bequemlichkeit erhöhen wie etwa die (Fern-)Bedienung. (Bild: Oliver Wyman / Tink)

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