Wenn Licht im Fahrzeuginnenraum zur Emotion wird

Immersives Lichtdesign verändert den Fahrzeuginnenraum

Licht im Fahrzeug wird mehr als nur Funktion: Mit immersiven, emotionalen und biologisch wirksamen Konzepten verändert sich der Innenraum zum individuellen Erlebnisraum. Unterstützt wird dies durch LEDs, Lichtkunst und intelligentes Design.

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Bild 1: Lichtdesign sollte sich daran orientieren, wie Menschen auf Licht in der Natur reagieren.
Bild 1: Lichtdesign sollte sich daran orientieren, wie Menschen auf Licht in der Natur reagieren.

Wenn das Auto heute nach Zuhause und Büro als „dritter Lebensraum“ betrachtet wird, hat die Innenraumbeleuchtung noch Nachholbedarf. Denn die Beleuchtung im Fahrzeuginnenraum berücksichtigt häufig nicht ausreichend die individuellen Bedürfnisse der Insassen. Karl Weinhold, Geschäftsführer von Feno, plädiert für immersives Innenraumlicht und zeigt, wie durchdachtes Design Know-how und der gezielte Einsatz von LEDs dessen Verbreitung in der Serienautomobilproduktion vorantreiben.

Drei Säulen der automobilen Lichtgestaltung

Es ist kein Zufall, dass in der Branche davon gesprochen wird, Licht sei „das neue Chrom“. Seine Wirkung geht jedoch weit über eine bloße Differenzierung zwischen Fahrzeugmodellen hinaus. Die automobile Beleuchtung lässt sich in drei zentrale Säulen einteilen: Markenerlebnis, funktionale Beleuchtung und immersive Beleuchtung.

Markenerlebnis Beleuchtung transportiert die Identität des Fahrzeugherstellers innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs. Funktionale Beleuchtung dient der Sicherheit, der Bedienbarkeit und der klaren Kommunikation. Immersive Beleuchtung hingegen adressiert das emotionale Erleben der Insassen und nutzt biophile sowie biologische Impulse zur Schaffung einer unterstützenden Umgebung.

Immersives Licht passt sich Stimmung und Nutzung an

Man kennt diese Situationen: Man steigt müde, gestresst und unkonzentriert in ein Fahrzeug ein. Es ist dunkel, das Wetter schlecht. Dasselbe Fahrzeug, das werktags den Weg ins Büro übernimmt, wird am Wochenende zum Familienauto. Bedürfnisse und Stimmung ändern sich vollständig, und die Innenraumbeleuchtung sollte diesen Wechsel unterstützen. Genau hier entfaltet immersive Beleuchtung ihre Wirkung.

Ein zentrales Konzept sind Farbassoziationen aus der Natur und deren Wirkung auf den Menschen. Erlebnisse wie ein Waldspaziergang, Kirschblüten im Frühling oder ein klarer Wintertag hinterlassen präzise Eindrücke von Farbe und Licht. Diese Assoziationen werden in immersive Lichtkonzepte für den Fahrzeuginnenraum übersetzt und können beruhigend sowie aktivierend wirken.

Lichtkunst als Inspirationsquelle für Innenraumdesign

Als kreative Inspirationsquelle greift Feno stark auf die Lichtkunst zurück, insbesondere auf die Arbeiten von James Turrell. Die langjährige Zusammenarbeit fördert ein Verständnis von Licht, das über reine Beleuchtung hinausgeht und gezielt das Raumgefühl und die Wahrnehmung beeinflusst.

Das spektrale Mischungsverhältnis, die Stabilität und die Steuerbarkeit der LEDs sind ebenso entscheidend wie das Designkonzept. Hochwertige Lichtquellen mit hohem Farbwiedergabeindex sind essenziell, um Materialien wie Leder oder Holz korrekt darzustellen. Gleichmäßige Farbeffekte über unterschiedliche Oberflächen hinweg ermöglichen harmonische Innenraumkonzepte.

Nichia Innovation Gallery

Anlässlich ihres Jubiläumsjahres veranstaltet Nichia Europe am 10. und 11. März 2026 eine zweitägige, exklusive Innovation Gallery in der Kunstgalerie Bernhard Knaus Fine Art in Frankfurt. Während der Light + Building Woche präsentiert Nichia dort sein gesamtes Optoelektronik-Portfolio von Automotive bis Medizintechnik mit praxisnahen Demonstrationen abseits klassischer Messestände.

Steuerungselektronik für dynamische Lichtfunktionen

Mit zunehmender Dynamik und Personalisierung der Lichtfunktionen müssen auch die Steuerelektroniken Schritt halten. Moderne Fahrzeugnetzwerke erlauben die individuelle und schnelle Ansteuerung großer LED Mengen. Dies ermöglicht fließende Übergänge und koordinierte Lichtszenen im gesamten Innenraum.

Hocheffiziente RGB LEDs mit integriertem Treiber IC sind speziell für automobile Anwendungen verfügbar. Sie bieten konstante Farbwiedergabe bei sehr kompakten Bauformen und eignen sich für enge Einbauräume.

Flache Lichtleiter für komplexe Innenraumgeometrien

Aktuelle Entwicklungen bei flachen Lichtleitern ermöglichen gleichmäßige Lichtverteilung über sehr dünne Strukturen, die nahezu jeder Innenraumkontur angepasst werden können. Gerade in Premiumfahrzeugen mit kleineren Stückzahlen lassen sich damit schnelle Entwicklungszyklen realisieren.

Bild 2: Flacher Lichtleiter von Feno mit 1,2 mm Dicke.
Bild 2: Flacher Lichtleiter von Feno mit 1,2 mm Dicke.

Biophile Beleuchtung und Human Centric Lighting

Human Centric Lighting basiert auf den Eigenschaften natürlichen Tageslichts. Durch die Nachbildung seiner spektralen und zeitlichen Veränderungen können LED Systeme Komfort, Konzentration und Wohlbefinden unterstützen.

In der Praxis wird HCL häufig durch eine zeitabhängige Anpassung der korrelierten Farbtemperatur umgesetzt. Kühles Weißlicht am Morgen wechselt im Tagesverlauf zu wärmeren Lichtfarben am Abend. Tunable White LED Systeme ermöglichen diese Umsetzung vergleichsweise einfach.

Konventionelle Innenraumbeleuchtung ist häufig schwach im Bereich um 480 nm. Dieser Spektralbereich ist eng mit nicht visuellen Wirkungen verbunden. Eine gezielte Verstärkung kann Wachheit, Aufmerksamkeit und zirkadiane Rhythmen unterstützen.

Dynasolis als Beispiel für spektral abgestimmte Beleuchtung

Feno entwickelte ein Beleuchtungssystem auf Basis von Nichias Dynasolis-Lösung, die Azure und H6 LEDs kombiniert. Ziel ist die Unterstützung des Serotoningleichgewichts und der Wachheit der Insassen. Der Ansatz wird zunehmend auch für Fahrzeuganwendungen untersucht.

Mit zunehmender Automatisierung wird der Innenraum verstärkt zum Arbeits- und Entspannungsraum. Präzise gesteuerte Innenraumbeleuchtung könnte künftig auch dazu beitragen, Reisekrankheit zu reduzieren und den Komfort zu erhöhen.

Unabhängig von zukünftigen Antriebskonzepten bleibt der Mensch im Mittelpunkt der Fahrzeuggestaltung. Fortschritte bei LED Technologie und Steuerungselektronik eröffnen neue Möglichkeiten für immersive und biophile Innenraumbeleuchtung. Licht wird damit zu einem aktiven Gestaltungselement des Markenerlebnisses.

Neben Leistung, Reichweite und Effizienz rückt eine weitere Frage in den Fokus: Wie fühlt es sich an, im Fahrzeug zu sitzen? (na)

Autor:

Karl Weinhold, Feno