Power für KI-Rechenzentren

Der Umstieg auf Hochspannungs-Gleichstromsysteme

KI-Workloads erhöhen den Strombedarf von Server-Racks über die Grenzen der 48-VDC-Verteilung. Mit Werten von mehreren MW sehen sich Rechenzentren mit herkömmlichen Architekturen hohen Stromverlusten gegenüber, die eine HVDC-Verteilung erfordern.

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Blick auf mehrere beleuchtete Serverracks in einem modernen Rechenzentrum

Der zunehmende Einsatz rechenintensiver KI-Anwendungen führt zu einem drastischen Anstieg der Leistungsaufnahme moderner Server-Racks. Während konventionelle IT-Racks bislang im Bereich mehrerer hundert Kilowatt betrieben wurden, werden für das Ende der 2020er Jahre Leistungen von etwa 1 MW prognostiziert.

Vor diesem Hintergrund wird die Erhöhung der Verteilungsspannung als notwendiger Schritt angesehen. Derzeit werden insbesondere Hochspannungs-Gleichstromsysteme mit +800 VDC oder ±400 VDC (HVDC) diskutiert. Bei konstanter Leistung reduziert eine Spannungsanhebung den erforderlichen Strom proportional. Für eine Versorgung mit 1 MW bei 800 VDC ergibt sich ein Strom von lediglich rund 1,25 kA. Gegenüber einer 48-V-Versorgung sinkt der Strom damit um mehr als eine Größenordnung, die Leitungsverluste sogar um nahezu zwei Größenordnungen. Aus diesem Grund wird erwartet, dass sich die Einführung von HVDC in den kommenden Jahren beschleunigen wird.

Führende IT-Infrastrukturunternehmen, vor allem Big Tech, treiben derzeit ihre Bemühungen zur Kommerzialisierung von 800-VDC- und ± 400-VDC-Systemen voran. NVIDIA ist ein Paradebeispiel für ein Unternehmen, das die 800-VDC-Initiative vorantreibt. Auf der anderen Seite ist das Open Compute Project (OCP) der wichtigste Befürworter von ±400 VDC. Das OCP wurde 2011 von Meta Platforms (ehemals Facebook) gegründet und ist eine gemeinnützige Gemeinschaft, die sich der Open-Source-Entwicklung von Hardware-Designs für Rechenzentren zum Zwecke der branchenweiten Zusammenarbeit widmet.

Umfassendes Leistungshalbleiter-Portfolio für HVDC-Systeme

Mit der Veränderung der Stromversorgungsmethoden wird eine weitere Optimierung der Konfigurationen von Stromversorgungssystemen/-schaltungen unerlässlich. Ob 800 VDC oder ±400 VDC – die Optimierung von Stromversorgungssystemen/-schaltungen ist unverzichtbar. Bei einem Server-Rack mit einem Verbrauch von 1 MW spart eine Verbesserung der Umwandlungseffizienz um nur 2-3 Prozentpunkte 20-30 kW Strom, was eine nicht zu vernachlässigende Marge darstellt.

ROHM bietet ein umfassendes Sortiment, das Leistungshalbleiter, analoge ICs wie IGBT- und GaN-HEMT-Leistungssteuerungs-ICs sowie passive Komponenten wie Widerstände und optische Halbleiter umfasst. Dies ermöglicht eine effiziente Optimierung von Stromversorgungsschaltungen. In der Praxis wurden bereits Prototypen von Stromversorgungsschaltungen für 800 VDC und ±400 VDC entwickelt, die einen hohen Wirkungsgrad und eine hohe Miniaturisierung aufweisen.

ROHM hat außerdem eine strategische Partnerschaft mit dem deutschen Unternehmen Infineon Technologies geschlossen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit bieten sowohl ROHM als auch Infineon SiC-Leistungs-MOSFETs in identischen, standardisierten Gehäusen an. Durch seine führende Rolle bei der Standardisierung von Leistungshalbleitergehäusen sorgt ROHM für eine stabilere Lieferkette. Dies ermöglicht es Anwendern, wie z. B. Herstellern von Stromversorgungen, auf einfache Weise zuverlässige Produkte aus einer zweiten Quelle zu beziehen.

Hohe Effizienz und Leistungsdichte

Schaubild des Energiepfads von Stromversorgung zu Hauptplatine in Serverracks
Von ROHM vorgeschlagenes Stromversorgungssystem für 800 VDC/±400 VDC.

ROHM hat bereits Simulationen von Schaltungen/Systemen durchgeführt, die für HVDC-Stromversorgungen wie 800 VDC und ±400 VDC optimiert sind.

Das Beispiel in Bild 1 ist ein 20-kW- bis 30-kW-Netzteil für Stromversorgungs-Racks. Es wandelt eine dreiphasige Wechselstrom-Eingangsleistung von 230 V bis 430 V in eine 800-VDC-Ausgangsleistung um. Bei dieser Anwendung ist eine hohe Energieumwandlungseffizienz von größter Bedeutung.

ROHM empfiehlt eine Schaltungskonfiguration, die einen Wiener Gleichrichter mit einem isolierten dreiphasigen LLC-Resonanzwandler kombiniert. Im Wiener Gleichrichter werden SiC-Schottky-Barrier-Dioden der 3. Generation (SCS240KE2) als Boost-Dioden verwendet, während SiC-Leistungs-MOSFETs der 4. Generation (SCT4013-Serie/SCZ4008DTB) als Mittelpunktschalter dienen. Darüber hinaus enthält der isolierte dreiphasige LLC-Resonanzwandler ebenfalls diese SiC-MOSFETs der 4. Generation (SCT4013-Serie/SCZ4008DTB). Diese optimierte Kombination erzielt einen hervorragenden Wirkungsgrad von ca. 99 %.

Blockdiagramm einer Stromversorgung vom Powerable Rack zum Server-Rack mit PSU und PDU.
Beispiel für die von ROHM vorgeschlagenen Stromversorgungseinheiten (PSUs) für 800-VDC-kompatible Stromversorgungs-Racks und Server-Racks.

Das Beispiel in Bild 2 ist ein Netzteil für IT-Server-Racks. Diese Schaltung wandelt eine Eingangsspannung von 800 VDC in eine Ausgangsspannung von 50 VDC um. Um in den begrenzten Platz eines Server-Racks zu passen, ist eine außergewöhnlich hohe Leistungsdichte erforderlich. ROHM bietet zwei empfohlene Schaltungskonfigurationen für diese Anwendung an.

Die erste ist ein isolierter dreiphasiger LLC-Resonanzwandler. Durch den Einsatz von ROHMs SiC-Leistungs-MOSFETs der 4. Generation ( SCT4018-Serie /SCZ4006KTA/SCZ4011KTA) auf der Primärseite und Si-Leistungs-MOSFETs (RS7N200BH) auf der Sekundärseite ist es möglich, eine Leistungsdichte von 7,8 W/cc bei einer Schaltfrequenz von 100 kHz zu erreichen.

Der zweite Vorschlag verbessert die Leistung noch weiter, indem der 800-VDC-Eingang in zwei Teile aufgeteilt und isolierte dreiphasige LLC-Resonanzwandler in Reihe geschaltet werden. Durch den Einsatz von GaN-HEMTs (GNP2025TD) auf der Primärseite und die Erhöhung der Schaltfrequenz auf 500 kHz kann die Leistungsdichte auf 15 W/cc verdoppelt werden. Beide Konfigurationen liefern einen Wirkungsgrad von ca. 99 %.

Zusammenfassend zeigt sich, dass der steigende Leistungsbedarf KI-basierter Rechenzentren eine Abkehr von der klassischen 48-V-Stromverteilung erforderlich macht. Hochspannungs-Gleichstromsysteme stellen eine technisch konsistente Lösung dar, um Übertragungsverluste zu reduzieren und die Skalierbarkeit zukünftiger Infrastrukturen sicherzustellen.

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