Globale Elektronik-Lieferketten
Global Electronics Association gründet GEPC
Die Global Electronics Association bündelt ihre industriepolitische Arbeit in einem neuen Global Electronics Policy Council. Ziel ist eine gemeinsame Stimme der Elektronikbranche bei Handel, Investitionen und Lieferketten.
Die Elektronikindustrie ist hochgradig international vernetzt – vom Leiterplattendesign bis zur Fertigung. Genau diese globalen Lieferketten will das neue Global Electronics Policy Council politisch besser koordinieren.
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Die Global Electronics Association hat die Gründung des Global Electronics Policy Council (GEPC) bekannt gegeben. Das neue Gremium soll führende Elektronikunternehmen weltweit zusammenbringen und eine koordinierte politische Agenda für zentrale Themen wie Handel, Investitionen, Exportkontrollen, Lieferketten und industrielle Standortpolitik entwickeln.
Nach Angaben des Verbands entsteht damit erstmals ein formalisierter Rahmen, in dem Unternehmen entlang der gesamten Elektronik-Wertschöpfungskette gemeinsam auftreten können. Dazu zählen Leiterplattenhersteller, EMS-Dienstleister, OEMs, Halbleiteranbieter, Unternehmen aus den Bereichen Kabelbaumfertigung sowie Advanced Packaging.
Warum kommt das GEPC gerade jetzt?
Der Start des GEPC erfolgt in einer Phase wachsender politischer Spannungen für die Elektronikindustrie. Genannt werden unter anderem schwankende Zollregelungen, Exportkontrollen und nationale Vorgaben zur Förderung heimischer Produktion. Die Global Electronics Association verweist dabei auf eigene Handelsdaten: Der globale Elektronikhandel erreichte 2023 ein Volumen von 4,5 Billionen US-Dollar. Zugleich seien die Lieferketten stärker international verflochten als in nahezu jeder anderen Industrie.
Thomas Cetta, Senior Vice President bei Jabil und Vorsitzender des GEPC, betont, dass kein einzelnes Unternehmen und kein einzelnes Land dieses Umfeld allein bewältigen könne. Das neue Council solle der Industrie eine Struktur geben, um mit einer gemeinsamen Stimme gegenüber Regierungen aufzutreten.
Formale Struktur statt loser Branchenrunde
Das GEPC ist nach Angaben des Verbands bewusst als handlungsorientiertes Gremium angelegt. Es verfügt über formale Statuten, eine definierte Führungsstruktur und regionale Umsetzungseinheiten für Nordamerika, Europa, Ostasien sowie Indien/Südostasien. Geplant sind eine abgestimmte globale politische Agenda, ein jährlicher Advocacy-Plan, offizielle Positionspapiere, Stellungnahmen sowie Quartalsberichte zu politischen Aktivitäten.
Zu den Gründungsmitgliedern zählen AT&S, Flex, Jabil, Plexus, TSMC und TTM Technologies. Der Verband sieht darin einen bewusst breit aufgestellten Querschnitt der Elektronik-Wertschöpfungskette.
Matthias Pirs, Director Corporate Affairs & Authorized Officer bei AT&S, verweist auf die Bedeutung komplexer und international vernetzter Mikroelektronik-Ökosysteme. Diese würden durch KI, steigenden Rechenbedarf und den Fokus auf Systemleistung zunehmend verändert. Entscheidend seien deshalb der Zugang zu globalen Wertschöpfungsketten, passende politische Rahmenbedingungen und der Dialog zwischen Industrie und Politik.
Fünf politische Schwerpunkte
Die Arbeit des GEPC orientiert sich an fünf Prioritäten aus der Policy Agenda 2026 der Global Electronics Association. Dazu gehören der verlässliche Zugang zu globalen Märkten, Investitionen in heimische Fertigungskapazitäten, der Aufbau von Fachkräftepipelines, industrienahe technische und Nachhaltigkeitsstandards mit angemessener Regulierung sowie die Stärkung technologischer Führungsfähigkeit durch gemeinsame Forschung und Entwicklung.
Die regionalen Councils sollen diese globale Agenda jeweils in ihren Märkten umsetzen. Chris Mitchell, Vice President Global Government Relations der Global Electronics Association, sieht im GEPC einen Beitrag zu einer stärkeren und enger vernetzten globalen Elektronikfertigung. Das Gremium solle die Resilienz der Lieferketten stärken, Innovationen beschleunigen und den verlässlichen Zugang zu globalen Märkten für die mehr als 3.200 Mitgliedsunternehmen sichern.