Inteview mit Florian Weig, BMW
Wie BMW seine Elektronik-Beschaffung absichert
Geopolitik, Kosten und Chip-Komplexität setzen die Elektronik-Beschaffung unter Druck. BMW-Manager Florian Weig erklärt im Interview auf dem AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress, warum mehr Transparenz, Standards und neue Kooperationen entscheidend werden.
Florian Weig, SVP Purchasing and Supplier Network Digital bei BMW, erklärt im Interview, warum die Elektronik-Beschaffung künftig mehr Transparenz, gemeinsame Standards und neue Formen der Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette braucht.
BMW / Rainer Haeckl
In seinem Vortrag auf dem AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress 2026 ordnete Florian Weig, SVP Purchasing and Supplier Network Digital bei BMW, ein, wie geopolitische Spannungen, steigende Kosten und technologische Komplexität die Elektronik-Beschaffung verändern. Dabei machte er deutlich, warum OEMs die Elektronik-Wertschöpfungskette heute tiefer verstehen müssen und weshalb Standards, Transparenz und belastbare Partnernetzwerke wichtiger werden.
Im Anschluss haben wir die Gelegenheit genutzt, ihn nach Kontrolle in der Lieferkette, neuen Kooperationsformen und dem Spagat zwischen globaler Skalierung und lokaler Anpassung zu fragen. Warum Weig beim Wort „Kontrolle“ vorsichtig wird und was das chinesische digitale Ökosystem mit der Neuen Klasse zu tun hat, lesen Sie im Interview.
Herr Weig, geopolitische Spannungen, steigende Kosten und
technologische Komplexität machen die Beschaffung automobiler Elektronik
anspruchsvoller. Wie viel Kontrolle braucht ein OEM künftig über die Elektronik-Wertschöpfungskette,
um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben?
Ich bin vorsichtig mit dem Wort Kontrolle. Damit rutschen
wir sehr schnell in eine Denkweise, alles selbst machen zu müssen. Das darf
nicht unser Ansatz sein. Wir brauchen starke Partner, und wir brauchen
selbstbewusste Partner. Was wir aber ebenfalls brauchen, ist ein gemeinsames
Verständnis der Herausforderungen. Eine der großen Herausforderungen für die
gesamte Automobilindustrie ist aktuell die Wettbewerbsfähigkeit und damit verbunden
das Thema Kosten. Deshalb muss es gelingen, durch Transparenz, Zusammenarbeit
und gemeinsame Standards auf ein neues Level zu kommen.
Zusammenarbeit ist das richtige Stichwort: Software, KI,
Halbleiter und Daten wachsen im Fahrzeug immer enger zusammen. Reichen
klassische Zuliefererbeziehungen dafür noch aus, oder braucht die Branche neue
Rollen und Formen der Kooperation?
Aus meiner Sicht dürfen wir nicht mehr nur in klassisch
linearen Lieferketten denken, bei denen ein Automobilhersteller nicht in die
Tiefe seiner Lieferkette involviert ist. Es gibt Bereiche, in denen das nach
wie vor hervorragend funktioniert. Aber gerade bei Halbleitern oder KI erleben
wir derzeit so einen tiefgreifenden Wandel, dass wir nicht mehr auf „stille
Post“ vertrauen können. Wir müssen Wege finden, in neuen Konstellationen
entlang der Wertschöpfungskette zusammenzuarbeiten. Die Chiplet-CHASSIS-Initiative
ist dafür ein herausragendes Beispiel. Dort sehen wir: Wir sind genau dann
stark, wenn wir auch in der Tiefe der Wertschöpfungskette an einem Strang
ziehen und gemeinsam an neuen Standards für die Autoindustrie arbeiten.
Die Automobilindustrie sucht derzeit in vielen Bereichen
nach der richtigen Balance zwischen globaler Skalierung und lokaler Anpassung.
Das gilt für Produktion und Entwicklung, aber auch für Beschaffung und Supply
Chain. Wie gelingt BMW dieser Ausgleich?
Ich glaube, dass uns das als BMW Group momentan sehr gut
gelingt. Die Neue Klasse erfüllt diesen globalen Anspruch und lässt uns trotzdem
die Freiheit, regional bevorzugte Lösungen einzusetzen. Ein Beispiel ist das
chinesische digitale Ökosystem, das sich komplett vom westlichen unterscheidet.
Dort gibt es kein Spotify, sondern QQ Music. Dort gibt es WeChat und nicht
WhatsApp. Es gibt andere Player und andere Kundenerwartungen. Mit der Neuen
Klasse behalten wir eine globale Plattform bei und können trotzdem auf der
Applikationsebene die Spezifika einzelner Märkte abbilden.