Flexibel angepasst

Multi-Funktions-Frequenzumrichter für kleine Stückzahlen

Der Multi-Funktions-Frequenzumrichter von Syko zeigt, wie sich zertifizierte Leistungselektronik trotz kleiner Stückzahlen kundenspezifisch realisieren lässt. Eine flexible SiC-basierte Plattform ermöglicht unterschiedliche Ein- und Ausgangskonfigurationen für Bahn-, Marine- und Defence-Anwendungen.

3 min
Frequenz-Umrichter für Bahn-Anwendungen.

Wer Märkte mit kleinen Stückzahlen bedienen und zugleich zertifizierte Leistungselektronik nach kundenspezifischen Pflichtenheften liefern will, braucht ein hohes Maß an technischer Flexibilität. Der Lieferant muss deshalb bereits im Vorfeld einen Frequenzumrichter entwickeln, der eine breite Funktionspalette abdeckt. Nach Auftragseingang kann dieses Grundgerät durch überschaubare Anpassungen an der Hardware und durch speziell konfigurierte Software als kundenspezifische Lösung bereitgestellt werden.

Frequenzumrichter als flexible Plattform

Ein solcher Frequenzumrichter (FUR) wandelt in typischen Anwendungen eine dreiphasige Eingangsspannung mit konstanter Frequenz, etwa 60 Hz oder 16,7 Hz, in eine dreiphasige Ausgangsspannung mit f/U-Regelung um. Diese Ausgangsspannung dient dem Motoranlauf und der Drehzahlregelung. Die f/U-Regelung stellt dabei das Verhältnis von Frequenz und Spannung so ein, dass der Motor über einen weiten Drehzahlbereich kontrolliert betrieben werden kann.

In der Bahntechnik kann die Eingangsspannung beispielsweise aus Betriebsumrichtern stammen. Je nach Anwendung steht sie mit oder ohne Neutralleiter zur Verfügung und deckt einen weiten Spannungsbereich ab, etwa 330 bis 560 VAC bei drei Phasen und 60 Hz. Alternativ kann am Eingang des Frequenzumrichters auch eine einphasige Spannung anliegen, die über Transformatoren aus dem 15-kV-/16,7-Hz-Fahrdraht der Deutschen Bahn abgeleitet wird. Das Eingangs-Frontend muss daher sowohl einphasige als auch dreiphasige Einspeisungen beherrschen und als Leistungsfaktorstufe arbeiten können.

SiC-Halbleiter senken die Schaltverluste

Besonders hohe Anforderungen gelten der Reduzierung der Verlustleistung. Im Fokus stehen dabei unter anderem spannungsabhängige Schaltverluste, die näherungsweise proportional zu C·U²·f sind. Sie hängen also von der wirksamen Kapazität, dem Quadrat der Schaltspannung und der Schaltfrequenz ab. Syko setzt deshalb grundsätzlich auf SiC-Einzelhalbleiter oder SiC-Module. Beim hier beschriebenen Frequenzumrichter mit 10 kW Dauerleistung, 15 kW Kurzzeitleistung und einer beherrschbaren Kurzschlussbegrenzung oberhalb von 18 kW kommt hinzu, dass dreiphasige SiC-Module mit offenen Anschlüssen inzwischen zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen verfügbar sind. Dadurch lassen sich Anwendungen in der Bahntechnik, im Marinebereich und in Defence-Systemen mit einer gemeinsamen technischen Plattform adressieren.

Die dreiphasigen Eingangs- und Ausgangsstufen des Frequenzumrichters werden als dreistufige Transistortopologie mit Schwebekondensator aufgebaut. Diese Technik ist in der Bahntechnik seit vielen Jahrzehnten bekannt. Zum Einsatz kommen 1200-V-/50-mΩ-Module; insgesamt werden vier dreiphasige Module verwendet. Bei dreiphasigem Eingang und Wechselspannungen bis 600 V effektiv lässt sich durch die Halbierung der Schaltspannung ein deutlicher Wirkungsgradvorteil erzielen, weil die C·U²·f-Verluste entsprechend sinken.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus den Eigenschaften der SiC-Halbleiter. Sie ermöglichen Schaltfrequenzen im Bereich von 60 bis über 100 kHz. Die gewählte Topologie nutzt die Induktivitäten zudem mit einer höheren effektiven Frequenz. Dadurch können die Drosseln kleiner und thermisch stabiler ausgelegt werden. Gleichzeitig ist ein größerer Kupferquerschnitt möglich, wodurch die ohmschen Leitungsverluste, also die I²R-Verluste, reduziert werden.

Einphasige Einspeisung aus dem Fahrdraht

Bei einem einphasigen Eingang mit 460 V oder 230 V und 16,7 Hz, wie er über Transformatoren aus dem 15-kV-Fahrdraht abgeleitet werden kann, reduziert die Topologie ebenfalls die spannungsabhängigen Schaltverluste. In dieser Betriebsart treten allerdings hohe I²R-Verluste auf. Diese lassen sich durch eine geregelte, parallelgeschaltete Stringtopologie etwa um den Faktor drei verringern. Syko kann den dreiphasigen Eingang durch mechanische Anpassungen in einen einphasigen Eingang überführen. Zusätzlich wird der zweite Anschlusspol über eine Halbbrücke geführt. In Verbindung mit einer Totem-Pole-Topologie entsteht so eine einphasige Leistungsfaktor-Korrekturstufe, die die Zwischenkreisspannung auf 850 VDC anhebt.

Der dafür erforderliche Mehraufwand – insbesondere die größere Anzahl an Transistoren sowie die zusätzliche Halbbrücke – dient der Optimierung des Gesamtwirkungsgrads. Durch die Verringerung der I²R-Verluste und die Reduzierung der spannungsabhängigen Schaltverluste sinkt die Gesamtverlustleistung des Wandlers. Gerade bei kleinen Stückzahlen, hoher Funktionsvielfalt, stark schwankenden Eingangsspannungen und anspruchsvollen Umgebungstemperaturen ist dieser technische Aufwand vertretbar, wenn damit die geforderten Qualitäts- und Zuverlässigkeitsziele erreicht werden.

Thermische Auslegung entscheidet über Zuverlässigkeit

Der Nutzen zeigt sich vor allem in der thermischen Auslegung. Bei Wirkungsgraden von über 95 Prozent kann eine weitere Verringerung der Verlustleistung die Erwärmung deutlich reduzieren. Je nach Betriebspunkt und Kühlkonzept kann dies die thermische Belastung erheblich senken und damit die Zuverlässigkeit sowie die MTBF verbessern. Weniger aktive Umluft kann zwar Wartungsaufwand reduzieren, ersetzt jedoch keine sorgfältige thermische Auslegung. Wird die Kühlung zu stark reduziert, können Bauteiltemperaturen steigen und die MTBF entsprechend sinken.

Eine Hardware, mehrere Ausgangsvarianten

Auch auf der Ausgangsseite bietet die Mehrstufen-Transistortopologie große Flexibilität. Möglich sind beispielsweise ein dreiphasiger Ausgang mit 460 V und 0 bis 60 Hz, ein konstanter dreiphasiger Ausgang mit 3 × 230 V und 50 Hz, ein einphasiger Ausgang oder ein variabler DC-Ausgang. Die vorhandene Hardware dient dabei als Plattform und wird an die jeweilige Anwendung angepasst. So kann der dreiphasige Ausgang etwa zum Antrieb eines Synchrongenerators genutzt werden. Durch Umschaltung auf DC-Betrieb lässt sich das Gerät zudem als Erregergerät einsetzen. Ebenso kann die Syko-Systemkomponente als Frontend für hohe Eingangsspannungsamplituden dienen und eine konstante Ausgangsspannung zur Versorgung dreiphasiger Batterieladegeräte bereitstellen.

Ein weiteres Seriengerät von Syko ist bereits auf Lokomotiven im Einsatz. Es verfügt über einen dreiphasigen Eingang und bleibt auch beim Ausfall einer Phase betriebsfähig. In diesem Fall arbeitet der Wandler mit reduzierter Leistung weiter, typischerweise mit etwa 50 Prozent der Nennleistung. (bs)