Interview mit ASMPT über nachhaltige SMT-Produktion
Der größte Nachhaltigkeitshebel liegt im Betrieb der Maschinen
Langlebige Maschinen, effiziente Software und stabile Prozesse können den Ressourcenverbrauch in der Elektronikfertigung deutlich senken. Im Interview erklärt Andreas Ernst von ASMPT, wie sich Nachhaltigkeit, Produktivität und Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus verbinden lassen.
Andreas Ernst von ASMPT sieht den größten Hebel für mehr Nachhaltigkeit in der langen und effizienten Nutzung von Maschinen und Produktionssystemen.
Silicon Saxony / mit KI bearbeitet
Maschinen für die Elektronikfertigung bleiben häufig 15 Jahre oder länger im Einsatz. Entsprechend groß ist der Einfluss, den ihre Effizienz, Prozessstabilität und kontinuierliche Weiterentwicklung auf den Ressourcenverbrauch haben. Andreas Ernst von ASMPT erläutert im Interview, welche Rolle Software, belastbare Nachhaltigkeitsdaten und weltweit einheitliche Vorgaben dabei spielen.
Wo entsteht bei Maschinen für die Elektronikfertigung der größte Hebel für mehr Nachhaltigkeit?
Ganz klar in ihrer Einsatzphase. Eine Maschine ist innerhalb weniger Monate gebaut, im Einsatz ist sie dagegen oft 15 Jahre oder länger. Dort entsteht der eigentliche Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Ein gutes Beispiel ist unsere SIPLACE SX. Sie ist seit vielen Jahren im Markt und fertigt heute dank neuer Software und Automatisierungsfunktionen sogar moderne KI-Server-Boards mit höchster Präzision. Das zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht automatisch heißt, ständig neue Maschinen anzuschaffen. Viel nachhaltiger ist es oft, bestehende Plattformen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Und noch etwas wird dabei oft übersehen: Jede vermiedene Fehlplatzierung, jeder vermiedene Fehldruck und jede unnötige Umrüstung spart Material, Energie und Zeit. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gehen dabei Hand in Hand.
Welche Rolle spielt Energieeffizienz heute bei der Entwicklung neuer SMT-Anlagen und Produktionssysteme?
Energieeffizienz ist heute natürlich ein wichtiger Aspekt. Aber man darf sie nicht isoliert betrachten. Am Ende geht es immer um das Zusammenspiel von Energieverbrauch, Stellfläche, Bestückleistung und Bestückgenauigkeit. Unsere Kunden achten seit jeher auf den Energieverbrauch ihrer Anlagen, schon allein aus wirtschaftlichen Gründen. Heute kommen die CO₂-Aspekte noch stärker hinzu. Effiziente Antriebe, intelligente Stand-by-Konzepte und eine bedarfsgerechte Kühlung sind deshalb heute selbstverständlich. Entscheidend ist aber, wie effizient die gesamte Linie arbeitet und wie viel Energie sie pro produzierter Baugruppe benötigt. Hier spielt Software inzwischen eine entscheidende Rolle. Sie reduziert Leerlaufzeiten und sorgt dafür, dass die Linie möglichst effizient läuft.
Wie lassen sich ökologische Anforderungen, Produktivität und Total Cost of Ownership in der Elektronikfertigung sinnvoll zusammenbringen?
Für mich ist das eigentlich keine neue Frage. Wir machen das schon immer. Der Unterschied ist nur, dass ökologische Anforderungen heute deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen als noch vor einigen Jahren.
Unterm Strich lassen sich Produktivität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gar nicht sinnvoll voneinander trennen. Hohe Prozessstabilität, kurze Umrüstzeiten und geringe Stillstandszeiten sparen Energie und Material und senken gleichzeitig die Kosten. Deshalb betrachten wir neben dem Anschaffungspreis einer Maschine auch ihre Leistungsfähigkeit und Effizienz über den gesamten Lebenszyklus. Wenn ich mich zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit entscheiden muss, habe ich etwas falsch gemacht. Beides gehört zusammen.
Viele Unternehmen arbeiten mit unvollständigen oder uneinheitlichen Nachhaltigkeitsdaten aus der Lieferkette. Ab wann sind solche Daten belastbar genug, um Entscheidungen zu treffen?
Aus meiner Sicht reicht für den Anfang oft das 80:20-Prinzip. Wir müssen nicht warten, bis jede einzelne Zahl perfekt ist. Wichtiger ist es, die großen Treiber zu identifizieren und zunächst an den großen Stellschrauben zu drehen.
Natürlich sind unvollständige oder uneinheitliche Nachhaltigkeitsdaten heute noch Realität. Das ist für mich aber kein Grund, Entscheidungen aufzuschieben. Ich bin überzeugt, dass wir mit dem digitalen Produktpass in Zukunft standardisierte und vergleichbare Daten bekommen werden, auf deren Basis sich fundierte Entscheidungen treffen lassen. Das ist eine „Long-term Journey“, keine Frage. Aber dass wir dort gemeinsam mit Zulieferern und Kunden hinkommen, ist aus meiner Sicht nur noch eine Frage der Zeit.
Wie verändern globale Nachhaltigkeitsanforderungen aus Europa, Asien und den USA die Rolle von Maschinenbauern und Ausrüstern in der Elektronikindustrie?
Alle wissen es: Wir befinden uns in einem globalen Preiskampf. Nüchtern betrachtet braucht es deshalb weltweit faire Spielregeln, an die wir uns dann alle – notgedrungen – halten. Das Verbot bleihaltiger Lotpasten ist dafür ein gutes Beispiel.
Es müssen überall die gleichen Regeln herrschen. Dann gehen wir auch gemeinsam in die gleiche Richtung. Für uns als Maschinenbauer heißt das, Nachhaltigkeitsanforderungen von Anfang an in die Entwicklung unserer Lösungen einzubeziehen. Schließlich beeinflussen unsere Anlagen die CO₂-Bilanz unserer Kunden über viele Jahre hinweg.
Für uns bei ASMPT ist Nachhaltigkeit deshalb ein fester Bestandteil jeder neuen Lösung, die wir entwickeln.