Bidirektionales Laden erweitert die Einsatzmöglichkeiten von BESS-Systemen deutlich. Es verbessert die Energieeffizienz, reduziert die Systemkomplexität und schafft neue Spielräume für flexible Netz- und Speicheranwendungen.
Frank VondenhoffFrankVondenhoff
3 min
Bild 1: BESS-System zur Speicherung erneuerbarer Energien.BelFuse
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Mit der
Weiterentwicklung von Industrie und alltäglichem Leben hat sich auch die Art
der Energieerzeugung verändert, sodass der Fokus immer stärker auf erneuerbaren
Energiequellen liegt, z. B. Solar- und Windenergie.
Batterien
haben bei der Anpassung an diesen Trend einen entscheidenden Beitrag geleistet.
Für die neuartigen Anwendungen haben sich jedoch ältere Technologien wie
Blei-Säure- und Nickel-Cadmium-Batterien als völlig unzureichend erwiesen. Aus
diesem Grund werden neue Batterietechnologien kontinuierlich
weiterentwickelt. Lithium-Ionen-Batterien haben sich als die derzeit dominierende
Technologie durchgesetzt und überzeugen mit einer verbesserten Energiedichte
sowie einer höheren Lebensdauer und Zuverlässigkeit. Gleichzeitig werden aber
auch kostengünstigere Alternativen zu Lithium-Batterien entwickelt,
beispielsweise Natrium-Schwefel-Batterien.
Batterie-Energiespeichersysteme (Battery Energy Storage Systems;
BESS) sind Systeme, die Batterietechnologie nutzen, um elektrische Energie für
die spätere Verwendung zu speichern. In der Regel bestehen sie aus einer Reihe
von Batterieeinheiten mit der zugehörigen Leistungselektronik plus Steuerungs-
und Sicherheitsanlagen, die insgesamt zur Speicherung, Verwaltung und Abgabe
von Energie verwendet werden. Die genannten Komponenten und Anlagen kommen in
vielen verschiedenen Anwendungen zum Einsatz und werden häufig in das Stromnetz
integriert oder an entfernten Orten genutzt, um bestimmte Funktionen zu
ermöglichen, z. B. Lastenausgleich, Spitzenlastabdeckung,
Notstromversorgung und netzunabhängige Stromversorgung (Off-Grid).
Anwendungsbereiche
von BESS-Systemen
BESS-Systeme
werden in modernen erneuerbaren Energiesystemen immer beliebter und sind häufig
lokal integriert. BESS-Systeme können in hochproduktiven Zeiten überschüssige
Energie speichern und in Phasen mit geringer Produktion wieder ins Netz
zurückspeisen – so ist trotz fluktuierender Stromerzeugung eine konstante
Stromversorgung gewährleistet. Dies trägt dazu bei, die Stabilität
aufrechtzuerhalten, und Spannungsabfälle sowie Stromausfälle zu verhindern, die
infolge der verzögerten Reaktion herkömmlicher Stromverteilungsnetze auftreten
können. Dadurch werden BESS-Systeme zu einem Kernstück moderner
Netzmanagementsysteme.
BESS-Systeme
können auch in mobilen Anwendungen zur Stromversorgung eingesetzt werden, beispielsweise
in großen tragbaren Generatoren. Diese eignen sich ideal zur Deckung des
temporären Strombedarfs auf Baustellen und an entfernt liegenden Orten, an
denen der Zugang zum Stromnetz eingeschränkt ist.
Leistungsumwandlung
in BESS-Systemen
Eine der
größten Herausforderungen bei BESS-Systemen ist die Ineffizienz herkömmlicher
Energietechnologien. Um bei einem BESS-System eine nutzbare Effizienz und
Leistungsfähigkeit zu erzielen, mussten Techniker und Ingenieure jahrzehntelang
Kompromisse bei Gewicht, Größe und Kosten des endgültigen Designs eingehen.
Dies stellte bei stationären Anlagen in der Regel kein ernsthaftes Problem dar
– bei mobilen Anwendungen gab es jedoch erhebliche Nachteile. Demgegenüber
können moderne Designs von den Vorteilen neuerer Wide-Bandgap-Technologien
profitieren, die eine Verringerung von Größe und Gewicht bei gleichzeitiger
Steigerung von Effizienz und Leistung ermöglichen.
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Herkömmliche
Leistungselektronik-Technologien gehen oft mit erheblichen Abmessungen einher,
was die Entwicklung von Speicherlösungen mit hoher Dichte erschwert. Diese
physische Größe ist auch ein Grund für die hohen Kosten von BESS-Systemen, da
oft größere Anlagen benötigt werden, um den aktuellen Energie- und
Leistungsbedarf zu decken.
Dies lässt
sich zum Teil auf die Bauweise typischer Batterieladegeräte zurückzuführen.
Anders als bei modernen bidirektionalen Lösungen können ältere Systeme Strom
nur in eine Richtung übertragen: vom AC-Stromnetz zur DC-Batteriespannung. Um
den Batteriestrom ins Netz zurückspeisen zu können, ist deshalb ein separater
DC-AC-Wechselrichter erforderlich. Diese konstruktiv bedingte Einschränkung
erhöht die Kosten, Komplexität und Abmessungen des BESS-Systems.
Beim
bidirektionalen Laden (Bidirectional Charging; BDC) ist der Stromfluss
in beide Richtungen möglich: zum Aufladen vom Netz in die Batterie und zum
Entladen von der Batterie zurück ins Netz oder zu anderen Verbrauchern. Anders
als bei herkömmlichen Energiemanagementsystemen, die separate Leistungsumwandlungsschaltungen
für das Auf- und Entladen benötigen, wird beim bidirektionalen Laden nur eine
einzige Schaltung benötigt, die sowohl für den AC/DC- als auch für den
DC/AC-Betrieb ausgelegt ist.
Gegenüber
herkömmlicher, unidirektionaler Leistungselektronik bietet das bidirektionale
Laden zahlreiche Vorteile:
Weniger Platzbedarf, Gewicht, Leistung und Kosten (Size, Weight, Power and Cost; SWaP-C)
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Geringere Komplexität und einfachere Implementierung
Einfache Parallelschaltung für bessere Skalierbarkeit
Bild 2: Vergleich zwischen unidirektionalen und bidirektionalen Ladelösungen.BelFuse
BESS-Anwendungen in Netz und mobiler Stromversorgung
Einer der
interessantesten Aspekte des bidirektionalen Ladens ist, dass auch bei Geräten
und Anlagen, die traditionell nicht dafür ausgelegt sind, die
Leistungsrückspeisung ins Netz möglich ist. Da beispielsweise Elektrofahrzeuge
(EV) immer beliebter werden, können Netzbetreiber sie als
dezentrale Energiespeichersysteme nutzen. In Zeiten mit überschüssiger Energieproduktion können die
Elektrofahrzeuge aufgeladen werden. Wenn der Energiebedarf einen Peak erreicht,
können die Fahrzeuge zur Netzstabilität beitragen, indem sie die gespeicherte
Energie wieder ins Netz zurückspeisen.
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Die Vorteile
des bidirektionalen Ladens gehen weit über das Netzmanagement hinaus.
BDC-Schaltungen können die Leistung von Batteriesystemen im Bereich mobiler
Stromversorgungslösungen erheblich verbessern. So werden z. B. in
Schiffscontainern Batteriesysteme häufig an entfernt liegenden Orten
eingesetzt, um verschiedene Anwendungen mit Strom zu versorgen. Bei den
betreffenden Anwendungen ist Platz ein kostbares Gut. Daher ist es wichtig, die
Größe der Leistungselektronik zu minimieren, um die Energiedichte des Systems
zu maximieren. BDC-Lösungen machen separate Systeme für den Import und Export
von Energie überflüssig, was Platz einspart, der für zusätzliche Batteriezellen
genutzt werden kann.
Diese
Systeme sind so konzipiert, dass sie aufgeladen an entfernte Orte gebracht und
dort für einen bestimmten Zeitraum genutzt werden können. Anschließend werden
sie zum Wiederaufladen zur Ladestation zurückgebracht. Durch den Einbau von
BDC-Schaltungen kann das Gewicht jeder Lade- und Entladeeinheit reduziert
werden. So ist es möglich, mehr Batteriezellen zu installieren und die
Gesamtenergiekapazität des Systems zu erhöhen.
Der rasante
Fortschritt bei den Batterietechnologien hat die Energielandschaft dramatisch
verändert. BESS-Systeme spielen hierbei eine entscheidende Rolle: durch
Stabilisierung der Stromnetze und Umwandlung erneuerbarer Energien in eine
zuverlässige Energiequelle.
Die
Integration von BDC-Lösungen in BESS-Systeme ermöglicht es, die Nutzung
erneuerbarer Energien zu maximieren und die Abhängigkeit von fossilen
Brennstoffen gleichzeitig zu minimieren.
BDC-Lösungen
in BESS-Systemen bieten zudem erhebliche wirtschaftliche Vorteile. BDC-Lösungen
können dazu beitragen, die Gesamtkosten von Energiespeichersystemen zu senken,
indem sie die Infrastrukturkosten reduzieren und die Energieeffizienz
verbessern. Dies kann wiederum eine höhere Akzeptanz erneuerbarer
Energiequellen bewirken, die auf lange Sicht oft kostengünstiger als fossile
Brennstoffe sind. (bs)
Autor
Frank Vondenhoff, Global Director eMobility, Product &
Business Development bei Bel Power Solutions