Live von den Silicon Saxony Days 2026
Live-Ticker vom Sustainability Gate 2026
Drei Tage, vier Themenfelder, viele Fachimpulse: Unser Ticker zum Sustainability Gate 2026 zeigt, wie die Elektronikbranche Nachhaltigkeit in Regulierung, Design, Fertigung und Recycling übersetzt.
James @ AdobeStock
Nachhaltigkeit entscheidet sich in der Elektronikbranche nicht erst beim Recycling. Sie beginnt bei regulatorischen Vorgaben, setzt sich in Designentscheidungen, Materialauswahl und Fertigungsprozessen fort und endet idealerweise in funktionierenden Kreisläufen für Komponenten, Baugruppen und Rohstoffe. Genau diesen Bogen spannt das Sustainability Gate der Silicon Saxony Days 2026.
Der Ticker begleitet den Themenstrang vom 15. bis 17. Juni 2026 am Flughafen Dresden und bündelt die wichtigsten Impulse aus Vorträgen, Diskussionen und Praxisbeispielen. Im Mittelpunkt stehen vier Leitfragen: Wie kommen Unternehmen mit neuen gesetzlichen Anforderungen und Nachhaltigkeitsmanagement zurecht? Wie lässt sich Elektronik schon in der Entwicklung ressourcenschonender denken? Welche Stellhebel gibt es in der Fertigung vom Halbleiter bis zur Leiterplatte? Und wie realistisch ist Kreislaufwirtschaft, wenn Elektronikbaugruppen am Ende ihres ersten Lebenszyklus stehen?
Damit liefert der Ticker einen kompakten Überblick für alle, die nachhaltige Elektronik nicht als abstraktes Ziel verstehen, sondern als konkrete Aufgabe in Entwicklung, Fertigung, Beschaffung und Management. Von ESG, Green ICT und Ecodesign über Batteriepass, digitalen Produktpass und PFAS-/PFOS-freie Materialien bis zu Urban Mining und E-Waste-Reduktion: Hier werden die wichtigsten Aussagen des Sustainability Gate gesammelt, eingeordnet und auf den Punkt gebracht.
Sachsens Hightech-Sektor wächst weiter
Zum Auftakt der Silicon Saxony Days 2026 hat Silicon Saxony neue Zahlen zur Entwicklung des sächsischen Mikroelektronik- und IKT-Sektors vorgestellt. Demnach stieg die Zahl der Beschäftigten zum Stichtag 30. September 2025 auf rund 82.500. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von rund 1.500 Arbeitsplätzen beziehungsweise knapp zwei Prozent.
Das Wachstum verteilt sich nahezu gleichmäßig auf die Halbleiterindustrie und die Softwarebranche. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der schwachen gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland. Während viele Branchen weiter unter Druck stehen, baut Sachsens Hightech-Industrie Beschäftigung auf und bestätigt ihre Rolle als wichtiger Wachstumsmotor des Freistaates.
Getragen wird die Entwicklung nicht allein von großen Fabrikprojekten, sondern zunehmend auch vom Zulieferer-Mittelstand entlang der Halbleiterwertschöpfungskette. Investiert wird unter anderem in Reinraum- und Fabrikinfrastruktur, Spezialgase, Chemikalienversorgung, Messtechnik, Automatisierung, Robotik, Umwelttechnik und industrielle KI-Lösungen.
Die 20. Silicon Saxony Days erreichen 2026 zudem eine neue Größenordnung: Erstmals läuft die Veranstaltung über drei Tage, mehr als 2.000 Teilnehmende werden in Dresden erwartet. Internationale Delegationen, Taiwan als Special Partner, IPCEI Connect, die Silicon Europe Alliance und zahlreiche Start-ups machen die Veranstaltung zu einem zentralen Treffpunkt der europäischen Mikroelektronik-Community.
Auch Nachhaltigkeit rückt stärker in den Fokus. Mit dem von Hüthig Medien organisierten Sustainability Gate schaffen die Silicon Saxony Days erstmals eine eigene Plattform für Ressourceneffizienz, nachhaltiges Produktdesign, Kreislaufwirtschaft und die Reduzierung von Elektronikabfällen.
Sachsen will Chipdesign-Hub aufbauen
Ebenfalls im Rahmen der Pressekonferenz zu den Silicon Saxony Days 2026 wurde bekannt gegeben, dass das Barkhausen Institut gemeinsam mit vier Partnern aus Wissenschaft und Forschung einen Antrag beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt eingereicht hat. Ziel ist es, mit ChipDE-Digital einen der fünf geplanten Design-Hubs des neuen nationalen Kompetenzzentrums Chipdesign in Sachsen zu etablieren.
Der Hub soll ab 2027 Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Start-ups und Unternehmen beim Entwurf digitaler Chips unterstützen. Dafür sollen moderne Entwicklungswerkzeuge, europäische Designplattformen und Expertenwissen leichter zugänglich gemacht werden. So könnten Kosten und Einstiegshürden für neue Chip-Entwürfe deutlich sinken.
Strategisch zielt das Vorhaben auf mehr technologische Souveränität in der Mikroelektronik. Deutschland und Europa wollen Abhängigkeiten von externen Entwicklungen und Lieferketten verringern und eigene Schlüsseltechnologien stärken. Das Vorhaben fügt sich zugleich in die Ziele des europäischen Chips Act 2.0 ein, der Europas Halbleiterindustrie, Forschung, Entwicklung und Fertigung weiter stärken soll.
Für Sachsen wäre ChipDE-Digital ein weiterer Schritt, um den Mikroelektronikstandort über die Chipproduktion hinaus auszubauen. Prof. Dr. Gerhard Fettweis, Gründer des Barkhausen Instituts und Koordinator des Projekts, sieht darin eine besondere Chance: Mit Silicon Saxony zähle der Freistaat bereits heute zu den führenden Mikroelektronikstandorten Europas. Zusätzliche Chipdesign-Kompetenzen könnten diese Position langfristig festigen und erweitern.
Nach Bewilligung der Hub-Anträge und des Koordinationsantrags könnte das nationale Kompetenzzentrum Chipdesign am 1. Januar 2027 starten.
Was ist das Sustainability Gate?
Das Sustainability Gate ist ein eigener Themenstrang der Silicon Saxony Days 2026. Es widmet sich der Frage, wie Elektronik entlang ihrer Wertschöpfungskette nachhaltiger werden kann – von gesetzlichen Vorgaben und Nachhaltigkeitsmanagement über Entwicklung und Fertigung bis zu Recycling und Kreislaufwirtschaft.
Strukturiert ist das Gate in vier Themenfelder: gesetzliche Vorgaben und Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen, nachhaltige Elektronikentwicklung von der Designidee bis zum Prototyping, grün gedachte Herstellung vom Halbleiter bis zur fertigen Leiterplatte sowie Recycling von Elektronikbaugruppen in der Praxis.
Damit macht das Sustainability Gate sichtbar, dass nachhaltige Elektronik viele Stellhebel hat: regulatorische Anforderungen, Datenverfügbarkeit, Materialauswahl, Energieeffizienz in der Fertigung, schadstoffärmere Prozesse, digitale Produktpässe, Urban Mining und funktionierende Materialkreisläufe.