Integration in industrielle Chipfertigung
Ferroelektrische Speicher sichern Daten schnell und dauerhaft
Energie sparen, schneller rechnen und Daten dauerhaft speichern: dem Fraunhofer-IPMS ist es gemeinsam mit GlobalFoundries gelungen, ultraschnelle ferroelektrische FRAM-Speicher auf Basis von Hafniumoxid in eine industrielle Fertigungstechnologie zu integrieren.
Aus Industriesicht ist die neue Speichertechnologie entscheidend: Eine bezahlbare Ultra-Low-Power-Technologie mit einer dafür ideal passenden Speicherlösung ist gerade für Anwendungen wie Edge-KI hochattraktiv.
Fraunhofer/Piotr Banczerowski
Digitale
Systeme stellen immer höhere Anforderungen an Speicher: schnell,
langlebig, nicht flüchtig und zugleich extrem stromsparend. Gerade
bei Anwendungen im Automotive-Bereich, der Industrieautomation oder
der Medizintechnik stoßen bisherige Speicherlösungen dabei an
Grenzen. Im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts haben das
Fraunhofer IPMS und GlobalFoundries eine neuartige
Speichertechnologie etabliert, die energieeffiziente Elektronik und
neue Rechenarchitekturen ermöglicht.
Es ist ein großer Schritt, wenn man zeigen kann, dass das, woran man intensiv forscht, auch tatsächlich auf hochskalierten industriellen Strukturen gefertigt werden kann.
Dr. Maximilian Lederer, Lead Scientist am Fraunhofer IPMS
Im
Zentrum der Arbeiten steht ein FRAM-Speicher (Ferroelectric Random
Access Memory), der das ferroelektrische Material Hafniumoxid nutzt,
um Informationen dauerhaft zu speichern. Bei der ferroelektrischen
Speichertechnologie werden Ionen sehr schnell in einem Kristallgitter
verschoben, was zu einer veränderten Polarisation führt. Genau
diesen Effekt kann man zum Speichern von Informationen nutzen. Der
große Vorteil dieser Methode: Die Information bleibt auch ohne Strom
erhalten und kann beliebig oft ausgelesen werden, ohne dabei verloren
zu gehen.
Ein
zentraler Erfolg des Projekts ist die Integration der Speicher in
eine bestehende industrielle Fertigungstechnologie. Die Forschenden
entwickelten einen reproduzierbaren Ansatz, um ferroelektrische
FRAM-Zellen in den 22FDX-Technologieknoten von GlobalFoundries
einzubetten – eine Plattform, die auf die Herstellung von
Ultralow-Power-Mikrochips ausgelegt ist. Die neuartigen
Speicherzellen arbeiten mit energiesparenden Betriebsspannungen unter
einem Volt, schalten in wenigen Nanosekunden und weisen eine hohe
Zyklenfestigkeit auf, überstehen also zuverlässig viele Schreib-
und Löschvorgänge.
Grundlage
für Edge-KI und neue Anwendungen
Die
neue Speichertechnologie ist besonders für Anwendungen relevant, bei
denen Energieeffizienz entscheidend ist – etwa autonome Sensoren,
batterie- oder akkubetriebene Systeme oder Künstliche Intelligenz
direkt im Gerät. Denn der Leistungsverbrauch ist mit dieser
nichtflüchtigen Speichertechnologie viel kleiner als bei bestehenden
Lösungen. Das macht es möglich, Künstliche Intelligenz nicht nur
in Rechenzentren, sondern direkt in Edge-Anwendungen einzusetzen, bei
denen Daten lokal im Gerät verarbeitet werden.
Das
Projekt baut auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen
Fraunhofer IPMS und GlobalFoundries am Standort Dresden auf.
Material, Prozess, Bauelement und Fertigung wurden gemeinsam im
Innovationsökosystem Silicon Saxony entwickelt.