Zahlen vom Institut der deutschen Wirtschaft (IWD)

Kostendruck verschärft Lage der M+E-Industrie

Während die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie anläuft, zeigen neue Zahlen des IWD, wie stark die Branche wirtschaftlich unter Druck steht. Produktion, Beschäftigung, Energiepreise, Steuern und Bürokratie belasten den Standort Deutschland.

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Der Industriestandort Deutschland steht unter Druck: Hohe Energiepreise, Bürokratie, Steuern und internationale Konkurrenz belasten laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IWD) die Metall- und Elektroindustrie.

Ausgerechnet zum Start der Verhandlungen in der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie kommt eine neue Bestandsaufnahme des Institut der deutschen Wirtschaft (IWD) zur wirtschaftlichen Lage der Branche zur Unzeit – oder genau zur richtigen Zeit, je nach Perspektive. Während die IG Metall die Entgelttarifverträge gekündigt hat und für rund 3,8 Millionen Beschäftigte höhere Einkommen verhandeln will, liefert der aktuelle Strukturbericht für die M+E-Industrie den Arbeitgebern reichlich Argumentationsmaterial: sinkende Produktion, steigende Kosten, teure Energie, hohe Steuern und ein Standort Deutschland, der im internationalen Wettbewerb zunehmend unter Druck gerät.

Warum steht die M+E-Industrie unter Druck?

Die Metall- und Elektroindustrie ist eine Schlüsselbranche der deutschen Wirtschaft. Das wird keine der beiden Seiten bestreiten wollen. Laut IW arbeiten fast vier Millionen Menschen in der Branche, die rund 14 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland erwirtschaftet. Zugleich zeigt der Strukturbericht, dass die Entwicklung seit Jahren rückläufig ist: Zwischen 2018 und 2024 sank die Produktion in der M+E-Industrie jährlich um durchschnittlich 2,3 Prozent. Die Beschäftigung ging im selben Zeitraum im Schnitt um 0,3 Prozent pro Jahr zurück.

Der Rückgang trifft eine Branche, die traditionell stark exportorientiert ist. Nach Einschätzung des IW gerät die Globalisierung jedoch zunehmend ins Stocken. Höhere Zölle, Exportbeschränkungen und eine langsamer wachsende Nachfrage nach M+E-Produkten erschweren das internationale Geschäft. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb durch staatlich unterstützte Unternehmen aus China.

Infografik mit dem Titel „Die deutsche M+E-Industrie: (Kosten-)Druck von allen Seiten“. Die Grafik vergleicht zentrale Standort- und Kostenfaktoren der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland mit der EU und den USA. Dargestellt sind vier Bereiche: Unternehmenssteuern, Stromkosten, langfristige Zinssätze und Bürokratie. Die Werte sind als Indexwerte angegeben, wobei der Mittelwert der 45 betrachteten Industrie- und Schwellenländer 100 beträgt. Bei den Unternehmenssteuern liegt Deutschland 2015 bei 121 und 2024 bei 132 Indexpunkten. Die EU liegt 2015 bei 92 und 2024 bei 96, die USA sinken von 158 im Jahr 2015 auf 113 im Jahr 2024. Bei den Stromkosten liegt Deutschland 2015 bei 135 und 2023 bei 149 Indexpunkten. Die EU steigt von 104 auf 126, während die USA von 65 auf 45 sinken. Bei den langfristigen Zinssätzen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit steigt Deutschland von 12 im Jahr 2015 auf 45 im Jahr 2024. Die EU steigt von 47 auf 68, die USA von 63 auf 82. Beim Faktor Bürokratie, gemessen als Anteil der Unternehmen, die Regulierungen als größeres Investitionshemmnis sehen, steigt Deutschland von 93 im Jahr 2016 auf 211 im Jahr 2024. Die EU liegt 2016 bei 102 und 2024 bei 100, die USA steigen von 55 auf 94. Die Grafik verdeutlicht, dass die deutsche Metall- und Elektroindustrie insbesondere bei Unternehmenssteuern, Stromkosten und Bürokratie deutlich stärker belastet ist als Wettbewerber in der EU und den USA. Quellen der Grafik sind Europäische Investitionsbank, International Energy Agency, OECD und Institut der deutschen Wirtschaft. Veröffentlicht wurde die Infografik 2026 von IW Medien beziehungsweise iwd. Die Darstellung eignet sich zur Einordnung von Kostendruck, Standortnachteilen, internationaler Wettbewerbsfähigkeit, Deindustrialisierung und Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie.
Deutschland schneidet bei zentralen Standortkosten im internationalen Vergleich schwach ab: Unternehmenssteuern, Stromkosten und Bürokratie liegen deutlich über den Vergleichswerten von EU und USA, während sich auch die langfristigen Zinsen verschlechtert haben.

Welche Kosten belasten den Standort Deutschland?

Ein zentraler Punkt des Strukturberichts sind die Kostenbedingungen in Deutschland. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Lohnstückkosten. Weil die Arbeitskosten gestiegen sind, die Produktivität aber nicht im gleichen Maß zulegte, haben sich die Lohnstückkosten seit 2022 deutlich erhöht.

Auch bei der Energie sieht das IW erhebliche Standortnachteile. Strom ist für die M+E-Betriebe die wichtigste Energiequelle. 2024 kostete eine Kilowattstunde Strom für die deutsche Industrie laut Bericht knapp 25 Cent. In den USA lag der Preis dagegen bei gut 7 Cent je Kilowattstunde. Damit produzieren deutsche Betriebe bei einem zentralen Kostenfaktor deutlich teurer als wichtige internationale Wettbewerber.

Hinzu kommen Unternehmenssteuern und Finanzierungskosten. Deutschland zählt laut Strukturbericht weiterhin zu den Hochsteuerländern für Unternehmen. Im Vergleich von 45 Industrie- und Schwellenländern landet die Bundesrepublik im Steuerranking nur auf Platz 42. Auch das Zinsumfeld hat sich verschlechtert: Seit 2015 seien die Zinssätze in Deutschland prozentual stärker gestiegen als im Durchschnitt der betrachteten Länder.

Wie stark wirkt Bürokratie als Investitionshemmnis?

Infografik zur Bürokratiebelastung der Metall- und Elektroindustrie mit dem Titel „M+E-Industrie: Hemmschuh Bürokratie“. Die Grafik vergleicht den Anteil der Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, die Regulierungen im Jahr 2024 als größeres Investitionshemmnis einstufen. Dargestellt werden Deutschland, die EU und die USA mit jeweiligen Flaggen und farbigen Kreisen. Die Werte sind Indexwerte, der Mittelwert der 45 betrachteten Industrie- und Schwellenländer beträgt 100. Deutschland erreicht einen Indexwert von 211 und liegt damit deutlich über dem internationalen Mittelwert. Die EU liegt bei 100 und entspricht damit genau dem Vergleichsmittel. Die USA liegen mit einem Indexwert von 94 leicht darunter. Die Grafik verdeutlicht, dass Bürokratie und Regulierung in Deutschland von Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie deutlich stärker als Investitionshemmnis wahrgenommen werden als in der EU und den USA. Der Abstand zwischen Deutschland und den Vergleichsräumen ist besonders groß: Der deutsche Wert ist mehr als doppelt so hoch wie der EU-Wert und deutlich höher als der US-Wert. Die Daten stammen von der Europäischen Investitionsbank und vom Institut der deutschen Wirtschaft, veröffentlicht von IW Medien beziehungsweise iwd im Jahr 2026. Die Infografik eignet sich zur Illustration von Standortnachteilen, Bürokratiekosten, Investitionshemmnissen, Wettbewerbsfähigkeit und Kostendruck in der deutschen Metall- und Elektroindustrie.
Regulierungen werden in Deutschland deutlich häufiger als Investitionshemmnis wahrgenommen als in der EU und den USA. Der Indexwert für die deutsche M+E-Industrie liegt 2024 bei 211 und damit mehr als doppelt so hoch wie der Vergleichswert der EU.

Neben Energie, Steuern und Arbeitskosten nennt der Bericht auch Bürokratie als erheblichen Belastungsfaktor. Regulierungen, Berichtspflichten und lange Genehmigungsverfahren erschweren Investitionen. Laut IW ist der Anteil der Unternehmen, die Bürokratie als größeres Investitionshemmnis einstufen, in Deutschland deutlich höher als in vielen anderen Vergleichsländern.

Gerade für eine Branche, die stark von Investitionen in neue Technologien, Automatisierung, Digitalisierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit abhängt, ist das problematisch. Wenn Unternehmen Investitionen verschieben oder an andere Standorte verlagern, verstärke sich der Druck auf Produktion und Beschäftigung zusätzlich.

Was fordert der Strukturbericht von der Politik?

Grafik zur Kostenentwicklung in der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland von 2015 bis 2024 mit dem Titel „Teurer Standort“. Die Balkengrafik zeigt indexierte Werte auf Basis 2015 = 100 für drei Kennzahlen: Arbeitnehmerentgelt je Stunde, Produktivität und Lohnstückkosten. Schwarze Balken stehen für das Arbeitnehmerentgelt je Stunde, rote Balken für die Produktivität und gelbe Balken für die Lohnstückkosten. Im Jahr 2015 liegen alle drei Werte bei 100. Bis 2024 steigt das Arbeitnehmerentgelt je Stunde deutlich auf rund 135 Indexpunkte. Die Produktivität legt im gleichen Zeitraum deutlich schwächer zu und liegt 2024 bei etwa 117 Indexpunkten. Die Lohnstückkosten steigen ebenfalls und erreichen 2024 ungefähr 116 Indexpunkte. Besonders auffällig ist der zunehmende Abstand zwischen Arbeitskosten und Produktivität ab 2022. Die Grafik macht deutlich, dass die Arbeitskosten in der deutschen M+E-Industrie stärker gewachsen sind als die Produktivität und dadurch die Lohnstückkosten gestiegen sind. Die Daten stammen vom Statistischen Bundesamt und vom Institut der deutschen Wirtschaft, veröffentlicht von IW Medien beziehungsweise iwd im Jahr 2026. Die Grafik dient der Einordnung des Kostendrucks auf die Metall- und Elektroindustrie in Deutschland im Kontext von Standortdebatte, Wettbewerbsfähigkeit, Tarifrunde und industrieller Produktion.
Seit 2015 sind die Arbeitnehmerentgelte je Stunde in der deutschen Metall- und Elektroindustrie deutlich stärker gestiegen als die Produktivität. Dadurch haben sich auch die Lohnstückkosten erhöht, was einen zentralen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche darstellt.

Der Strukturbericht sieht die Politik in der Pflicht, die Standortbedingungen für die Metall- und Elektroindustrie zu verbessern. Zu den genannten Ansatzpunkten gehören niedrigere Lohnnebenkosten, weniger Bürokratie und schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Auch eine stärkere Digitalisierung staatlicher Stellen soll die Unternehmen entlasten.

Zudem fordert der Bericht eine faire und regelbasierte internationale Wettbewerbsordnung. Deutschland und die EU müssten stärker gegen Wettbewerbsverzerrungen vorgehen und zugleich den europäischen Binnenmarkt stärken. Hintergrund ist der zunehmende Druck durch chinesische Anbieter, die nach Einschätzung des IW auf internationalen Märkten von staatlicher Unterstützung profitieren.

Welche Rolle spielen die Zahlen in der Tarifrunde?

Für die laufenden Tarifverhandlungen liefern die Zahlen eine wirtschaftliche Einordnung. Die IG Metall argumentiert mit der Kaufkraft der Beschäftigten und den Belastungen durch gestiegene Lebenshaltungskosten. Die Arbeitgeberseite dürfte dagegen auf schwache Produktion, sinkende Beschäftigung, hohe Energiepreise und wachsenden internationalen Wettbewerbsdruck verweisen.

Damit geht es in der Tarifrunde nicht nur um Entgelte, sondern auch um die Frage, wie viel zusätzliche Kosten die Unternehmen in der aktuellen Lage tragen können. Der Strukturbericht zeigt, dass die M+E-Industrie konjunkturell wie strukturell unter Druck steht. Dass der aktuelle Strukturbericht zur M+E-Industrie ausgerechnet mitten in der laufenden Tarifrunde erscheint, dürfte der Arbeitgeberseite nicht ungelegen kommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Denn zur Wahrheit dieser Meldung gehört: Der Strukturbericht wurde für den Arbeitgeberverband Gesamtmetall erstellt. Das IW gilt als arbeitgebernah; die IG Metall bezeichnet es sogar ausdrücklich als „arbeitgeberfinanziertes Wirtschaftsforschungsinstitut.“