IG Metall kündigt die Entgelttarifverträge
Tarifrunde in Metall und Elektro startet in schwieriger Lage
Die IG Metall kündigt die Entgelttarifverträge der Metall und Elektroindustrie und bringt die Tarifrunde für 3,8 Millionen Beschäftigte in Gang. Doch die Verhandlungen starten in einer Branche, die wirtschaftlich tief gespalten ist.
Die IG Metall hat die Entgelttarifverträge der Metall und Elektroindustrie gekündigt und damit die Tarifrunde für 3,8 Millionen Beschäftigte eingeleitet. Die Verhandlungen starten in einer schwierigen Branchenlage, in der Gewerkschaft und Arbeitgeber die wirtschaftliche Situation unterschiedlich bewerten.
Adobe Stock – Ardan Fuessmann
IG Metall kündigt Entgelttarifverträge
Die Tarifbewegung in der Metall und Elektroindustrie ist gestartet. Die Tarifkommissionen der IG Metall haben am 24. Juni 2026 die Kündigung der derzeitigen Entgelttarifverträge beschlossen. Damit ist der formale Weg für die Tarifverhandlungen frei, die ab Oktober für rund 3,8 Millionen Beschäftigte der Branche beginnen sollen.
Zum Auftakt schalteten sich die Tarifkommissionen aller sieben IG Metall Bezirke bundesweit zusammen. Betriebsräte und Vertrauensleute berichteten dabei aus sehr unterschiedlichen betrieblichen Situationen. Während einige Unternehmen unter Auftragsmangel, Kurzarbeit, Beschäftigungsabbau sowie drohenden Verlagerungen oder Schließungen leiden, melden andere Betriebe eine stabile oder langfristig gesicherte Auftragslage.
Unterschiedliche Lage prägt die Tarifrunde
Nach Einschätzung der IG Metall ist die wirtschaftliche Situation in der Branche stark gespalten. Besonders schwierig stellt sich die Lage demnach in der Automobilindustrie und im Maschinenbau dar. Besser laufen laut der Gewerkschaft derzeit unter anderem Luft und Raumfahrt, Rüstungsindustrie, Halbleiter sowie Erneuerbare Energien.
IG Metall Vorsitzende Christiane Benner warb zum Auftakt für eine Tarifrunde, die Kaufkraft, Beschäftigung und industrielle Zukunft zusammendenkt. Die Gewerkschaft argumentiert, dass höhere Einkommen die Binnennachfrage stabilisieren können. Zugleich verweist sie auf den Transformationsdruck in vielen Betrieben und fordert industriepolitische Unterstützung für Investitionen und Innovationen.
Arbeitgeber sehen M+E Industrie weiter in der Rezession
Die Arbeitgeberseite bewertet die Ausgangslage deutlich angespannter. Gesamtmetall verweist auf das vom ifo Institut erhobene Geschäftsklima für die Metall und Elektroindustrie. Der Indikator lag im Juni 2026 bei minus 10 Punkten und damit seit 37 Monaten ununterbrochen im Rezessionsbereich. Das ist laut Gesamtmetall die längste Negativphase seit den frühen 1990er Jahren.
Zwar hellten sich die Erwartungen der Unternehmen im Juni leicht auf, die aktuelle Lage wurde aber wieder etwas schlechter beurteilt. Nachfrage und Auftragsbestände bleiben nach Angaben des Arbeitgeberverbands schwach. Auch Produktions und Exportpläne zeigen aus Sicht von Gesamtmetall bislang keine belastbare Trendwende.
Gesamtmetall Chefvolkswirt Lars Kroemer spricht von einer dramatischen Strukturkrise. Aus Sicht der Arbeitgeber belasten vor allem hohe Kosten für Arbeit, Energie, Steuern, Sozialabgaben und Bürokratie die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Deshalb blieben Investitionen aus, während Arbeitsplätze weiter unter Druck gerieten.
Tarifkonflikt zwischen Kaufkraft und Kosten
Damit zeichnen sich die Konfliktlinien der kommenden Tarifrunde bereits ab. Die IG Metall will Entgelte stärken, Beschäftigte entlasten und Perspektiven für Arbeitsplätze schaffen. Die Arbeitgeber betonen dagegen die anhaltende Rezession der Branche, die schwache Nachfrage und die hohen Standortkosten.
Beide Seiten beschreiben damit eine schwierige Ausgangslage, ziehen daraus aber unterschiedliche Schlüsse. Für die IG Metall steht die Stärkung der Kaufkraft auch als wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor im Mittelpunkt. Für die Arbeitgeber geht es vor allem darum, zusätzliche Kostenbelastungen zu vermeiden und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern.
Wie geht es in der Tarifrunde weiter?
In den kommenden Wochen diskutiert die IG Metall in Betrieben und auf Versammlungen über mögliche Forderungen. Parallel läuft bis 28. August eine Beschäftigtenbefragung in rund 3200 Betrieben.
Am 22. September wollen die Tarifkommissionen der sieben IG Metall Bezirke ihre Forderungen beschließen. Anschließend verabschiedet der Vorstand der IG Metall die gemeinsame Tarifforderung für die Verhandlungen im Oktober. Die Tarifrunde dürfte von Beginn an von der Frage geprägt sein, wie sich Entgeltsteigerungen, Beschäftigungssicherung und die angespannte wirtschaftliche Lage der M+E Industrie zusammenbringen lassen. Keine einfache Aufgabe für beide Seiten.