Sicherheit im Fahrzeug entsteht heute nicht mehr isoliert. Erst die Verknüpfung von Fahrerzustand, Umfelderkennung und HMI ermöglicht eine situationsgerechte und proaktive Unterstützung.
Stephan PreussStephanPreuss
3 min
Beispielhafte Darstellung der von Harman Ready Care ermittelten Daten zum Zustand des Fahrers in Bezug auf Müdigkeit, Ablenkung und Stress.Harman
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Freitag, 17:30 Uhr. Stadtautobahn, Stop-and-Go. Es
regnet stark, die Dämmerung setzt ein. Die Sicht ist eingeschränkt,
Bremslichter spiegeln sich diffus auf der nassen Fahrbahn. Der Fahrer kommt aus
einem langen Arbeitstag, ist müde, gleichzeitig unter Zeitdruck.
Push-Nachrichten auf dem Smartphone lenken zusätzlich ab.
Was hier entsteht, ist kein singuläres Risiko, sondern
ein gekoppeltes Risikosystem: eingeschränkte Wahrnehmung, reduzierte kognitive
Leistungsfähigkeit und ein dynamisches Verkehrsumfeld. Klassische,
regelbasierte Assistenzsysteme stoßen hier an Grenzen, da sie Ereignisse häufig
isoliert betrachten. In solchen Situationen zeigt sich, dass Sicherheit
systemisch gedacht werden muss. Heterogene Einflussfaktoren – Fahrerzustand,
Umweltbedingungen und Verkehrsdynamik – müssen in Echtzeit erfasst, bewertet
und als Gesamtbild zusammengeführt werden. Hier setzt das Zusammenspiel der HARMAN
Ready Produkte an: durch domänenübergreifende Datenfusion und
kontextbasierte Bewertungsmodelle verbinden sie Innenraum-Intelligenz,
vernetzte Situational Awareness und eine robuste, adaptive HMI-Ausgabe zu einer
Safety Experience, die proaktiv unterstützt, statt nur zu reagieren.
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Fahrerzustand als Ausgangspunkt der Sicherheitslogik
Noch bevor ein konkretes Ereignis eintritt, beginnt die
kritische Phase im Fahrzeug selbst. Moderne Driver-Monitoring-Systeme wie
HARMAN Ready Care analysieren kontinuierlich den Fahrerzustand. Im
beschriebenen Szenario überwacht Ready Care kontaktlos und
kamera-basiert die Vitalzeichen wie Herzfrequenz und Atemintervalle, um
Stresslevel und beginnende Müdigkeit zu erkennen. Parallel bewertet das System
den Aufmerksamkeits- und Ablenkungszustand („Eyes & Mind on Road“)
und differenziert dabei u.a. zwischen visueller, manueller und kognitiver
Ablenkung.
Das Ergebnis ist kein binärer Alarm, sondern eine laufende
Einordnung des Fahrerzustands (beispielsweise „aufkommende Müdigkeit und
erhöhter Stress; Trend: zunehmend“). Dadurch kann das System nicht nur Gefahren
erkennen, sondern auch beurteilen, wie gut der Fahrer in der konkreten
Situation noch reagieren kann. Robuste Ergebnisse entstehen durch Machine-Learning-Modelle
und die Fusion von Sensordaten, die auch bei schwierigen realen Randbedingungen
wie Sitzposition, Lichtwechsel, Brille oder teilweise verdeckte Gesichtspartien
stabile Zustandsparameter liefern.
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Kontextbasierte Risikobewertung durch
vernetzte Systeme
Parallel zur Analyse des Fahrers bewertet das Fahrzeug
seine Umgebung. HARMAN Ready Aware ergänzt die klassische
Onboard-Sensorik um Vehicle-to-Network-Daten (V2N) zum Fahrzeugumfeld und erweitert
das Situationsverständnis so um kontextuelle Echtzeitinformationen über das
Fahrersichtfeld hinaus. Eingehende Meldungen werden gefiltert und priorisiert.
Eine Situational-Awareness Engine verarbeitet und filtert kontextbasierte
Ereignisse, während eine Analytics-/Confidence-Engine diese bewertet und einen
Confidence Score ableitet. Das Ziel sind weniger Fehlalarme und
Informationsrauschen, geringere Alarmmüdigkeit und höhere Akzeptanz.
Im Szenario meldet das System basierend auf Cloud (V2N)-Datenfeeds
mit Verkehrs- und Infrastrukturereignissen ein Stauende in 500 Metern sowie
erhöhte Bremsaktivität – früh genug, um Handlungsspielraum zu schaffen.
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Der kritische
Moment: Datenfusion und orchestrierte Systemintervention
Harman Ready Aware erkennt eine sich abzeichnende Gefahr (starkes Bremsen voraus) und zeigt eine Warnung im Head-up-Display an.Harman
Entscheidend ist jetzt, Fahrerzustand und Umfeldlage in
Zusammenhang zu bringen. In der zustandsgekoppelten Regelung übergibt Ready
Care den Driver-State an Ready Aware. Ready Aware wechselt in
einen Stress-/Müdigkeits-adaptiven Awareness-Modus, in dem Trigger-Schwellen
für kritische Events (z.B. Stauende, Unfall/Gefahrenstelle, abruptes Bremsen
voraus) angepasst und die Onboard-Sensorik und V2N-Informationen stärker auf
„near-term collision risks“ priorisiert wird.
Wie werden Fahrerzustand und Umfeld gemeinsam bewertet?
Die dahinterliegende Logik: wenn der Fahrer weniger
kognitive Reserven hat, muss das System früher und selektiver unterstützen.
Entsprechend werden nicht sicherheitsrelevante Hinweise (Comfort/Convenience)
unterdrückt; Meldungen fokussieren auf sicherheitskritische Ereignisklassen.
Die Ausgabe erfolgt dort, wo sie den Fahrer am zuverlässigsten erreicht, etwa
über das Head-Up-Display direkt im Sichtfeld. Ergänzend können beispielsweise
gerichtete akustische Signale die schnelle und gezielte Wahrnehmung des
Gefahrenhinweises erhöhen. Ergebnis: der Fahrer kann frühzeitig seine
Geschwindigkeit und Abstand anpassen, wodurch das Risiko eines Auffahrunfalls
sinkt.
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Die Herausforderung liegt dabei in der konsistenten,
latenzarmen End-to-End-Kette: Datenerfassung im Fahrzeug, lokale Bewertung/Filterung
angereichert durch relevante Informationen aus der Cloud und eine mit anderen
Inhalten orchestrierte HMI-Ausgabe, die in der Situation verständlich und
belastbar bleibt.
Konnektivität als Rückgrat der Architektur
Für Notfallszenarien ist eine Eskalationskette
vorgesehen: Kommt es trotz Intervention zum Ereignis (Auffahrunfall/Abkommen
von der Straße), erkennt das Fahrzeug den Unfall (Crash-Detection) und die
Telematics Control Unit startet automatisch den eCall und sendet das Minimum‑Set‑of‑Data
(z. B. Position/Fahrtrichtung etc.). HARMANs Ready Connect TCU
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unterstützt hierbei 4G und 5G Konnektivität aber auch Satelliten-Kommunikation
(NB-NTN) mit Text und Sprache, um in Regionen mit eingeschränkter
Mobilfunkabdeckung sicherheitsrelevante Kommunikation, wie Messaging oder
Notruf-SOS-Funktionen, zu ermöglichen.
Dies bildet den systemischen Abschluss der einer „Wer
kümmert sich wann?“-Logik folgenden Safety Experience: vor dem kritischen
Moment durch die Analyse des Fahrerzustands, beim Risikoaufbau durch adaptive
Awareness‑Bewertung, in der Aktion durch kognitiv angepasste Führung, bis hin
zu, im Worst Case, Notfallkonnektivität und automatisiertem eCall.
Wie entsteht ein systemischer Sicherheitsansatz?
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Im dichten Feierabendverkehr bei schlechten
Sichtverhältnissen entscheidet nicht mehr allein die Reaktionsfähigkeit des
Fahrers, sondern die Qualität der Systemunterstützung. Das Szenario zeigt die
Verschiebung von isolierten Funktionen hin zu einem zustands- und
kontextgekoppelten System für mehr integrierte Sicherheit. Der ermittelte
kognitive Fahrerzustand (Ready Care) moduliert die Awareness‑Bewertung (Ready
Aware), die wiederum die Ausgabe- und Interventionsstrategie (HMI/Display +
Cabin‑Signale) steuert – und im Ausnahmefall in eine robuste Notfallkette (Ready
Connect, eCall) überführt wird. Sicherheit wird damit proaktiv, kontext-
und fahrerzustandsbasiert, nicht als Einzelwarnung, sondern als orchestrierte
End‑to‑End‑Funktion. (bs)
Autor
Stephan Preuss, Senior
Vice President, Division Technology und Product Management, Automotive bei Harman