C-ITS: Wie V2X den Verkehr jetzt und in Zukunft digitalisiert
C-ITS kann Verkehr sicherer, effizienter und klimafreundlicher machen. Doch spätestens mit dem ÖPNV-Systemwechsel bis 2028 wird aus der Option eine Infrastrukturaufgabe.
Marcus AndersMarcusAndersZVEI-Fachgruppe Verkehrsmanagementanlagen
C-ITS vernetzt Fahrzeuge, Ampeln, ÖPNV, Einsatzkräfte und Infrastruktur in Echtzeit. So entsteht ein digitaler Informationsraum, der Verkehr sicherer, flüssiger und besser steuerbar machen kann.KI-generiert
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Jährlich sterben weltweit rund 1,19 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen. Ein Großteil dieser Unfälle, etwa 94 Prozent,
ist auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Diese Zahlen machen deutlich: Klassische
Sicherheitsansätze stoßen an ihre Grenzen.
Gleichzeitig ist die technologische Antwort auf dieses
Problem längst vorhanden. Cooperative Intelligent Transport Systems (C‑ITS)
sind europaweit standardisiert, technisch ausgereift und grundsätzlich
einsatzbereit. Sie schaffen die Basis für einen vernetzten Straßenverkehr, in
dem Fahrzeuge und Infrastruktur Echtzeitinformationen teilen, über
Systemgrenzen hinweg.
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Was ist C‑ITS und was macht es so relevant?
C‑ITS beschreibt Systeme, bei denen Fahrzeuge,
Verkehrsinfrastruktur und weitere Verkehrsteilnehmende kontinuierlich
miteinander kommunizieren. Über sogenannte V2X‑Kommunikation (Vehicle‑to‑Everything)
tauschen sie sicherheitsrelevante Informationen aus; zum Beispiel über
Gefahrenstellen, Ampelphasen, Baustellen oder sich nähernde Einsatzfahrzeuge:
Der entscheidende Mehrwert liegt in der Erweiterung der
Wahrnehmung: Während Fahrzeugsensoren wie Kamera, Radar oder LiDAR auf das
direkte Sichtfeld begrenzt sind, ermöglicht C‑ITS einen Blick über Sicht‑ und Sensorgrenzen hinaus.
Fahrzeuge erhalten Informationen über
Situationen, die für den Menschen am Steuer oder für automatisierte Systeme noch nicht sichtbar sind.
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Gerade an unfallträchtigen Knotenpunkten, Kreuzungen,
Einmündungen oder unübersichtlichen Streckenabschnitten entsteht so ein
entscheidender Informationsvorsprung. Sekunden, die im Ernstfall Leben retten
können.
Was lässt sich mit C‑ITS erreichen?
C‑ITS ist dabei weit mehr als ein Sicherheitsbaustein. Ob vernetztes und automatisiertes Fahren oder
ein effizienterer und klimafreundlicherer Verkehr, die Technologie ist
ein zentraler Enabler der zukünftigen Mobilität.
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Durch kooperative Kommunikation entstehen gleichmäßigere
Verkehrsflüsse, weniger Stop‑and‑Go‑Verkehre und eine bessere Integration aller
Verkehrsteilnehmenden. Gleichzeitig eröffnen sich für die Automobil‑
und Zulieferindustrie neue Möglichkeiten für datenbasierte Dienste und digitale Geschäftsmodelle, und damit ein klarer Mehrwert für den Standort Deutschland.
Warum der Handlungsdruck jetzt steigt.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf im öffentlichen
Personennahverkehr. In vielen Städten basiert die Priorisierung von Bussen und
Straßenbahnen an Lichtsignalanlagen noch immer auf analogen Funkverfahren aus den 1980er‑Jahren. Diese Systeme sind
technologisch überholt, unverschlüsselt und sicherheitskritisch.
Die Abschaltung der entsprechenden Funkfrequenzen ist durch
die Bundesnetzagentur zum 31. Dezember 2028
festgelegt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird ein Systemwechsel unumgänglich.
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C‑ITS bietet hierfür die zukunftssichere Alternative: digital, standardisiert,
interoperabel und skalierbar. Damit wird der ÖPNV nicht nur schneller und
zuverlässiger, sondern auch deutlich besser in den Gesamtverkehr integriert.
2028 ist damit kein fernes Datum, sondern ein klarer Wendepunkt.
In der C‑ITS‑Landschaft haben sich zwei technologische
Ansätze etabliert:
ITS‑G5 für direktes, latenzkritisches Messaging und C‑V2X über Mobilfunknetze
für reichweitenstarke, netzgestützte Dienste. Die Frage, welche
Technologie sich „durchsetzen“ wird, greift zu kurz. Für eine moderne
Verkehrssteuerung ist ein hybrider
Ansatz entscheidend, abgestimmt auf den jeweiligen Anwendungsfall.
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Die entscheidende Botschaft: Alle notwendigen Standards und
Normen existieren bereits. C‑ITS ist keine Zukunftstechnologie. Sie ist heute
verfügbar, erprobt und einsatzbereit.
Warum ist C‑ITS dennoch noch nicht flächendeckend im
Einsatz?
Dass C‑ITS bislang nicht flächendeckend ausgerollt ist,
liegt nicht an fehlenden technischen
Lösungen. Die zentralen Bausteine: Standards, Kommunikationsverfahren
und Sicherheitsmechanismen, sind vorhanden und werden bereits im Realbetrieb
eingesetzt, etwa im Rahmen der europäischen C-Roads-Plattform.
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Der Engpass liegt vielmehr in der bisherigen Umsetzung:
fragmentiert, projektweise und häufig nicht miteinander verzahnt. Verantwortung
und Betrieb verteilen sich über mehrere Ebenen, wodurch funktionierende
Lösungen nebeneinander existieren, ohne ihr gemeinsames Potenzial
auszuschöpfen.
Das zeigt sich auch bei der Public Key Infrastructure (PKI).
Damit wird beispielsweise überprüfbar, ob ein Bus oder Einsatzfahrzeug
tatsächlich berechtigt ist, in einer bestimmten Region eine Bevorrechtigung an
Lichtsignalanlagen zu erhalten.
Die technischen Konzepte und europäischen Vorgaben
existieren und sind belastbar. Entscheidend ist nun, diese nicht isoliert zu
betrachten, sondern als integralen Bestandteil einer dauerhaft betriebenen,
vernetzten Verkehrsinfrastruktur.
Kurz gesagt, C‑ITS ist kein Erkenntnisproblem mehr, sondern
eine Frage der konsequenten Anwendung. Und genau hier beginnt der nächste
Schritt.
Save the Date: AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress 2027
Am 22. und 23. Juni 2027 findet zum 31. Mal der Internationale AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress (AEK) statt. Dieser Netzwerkkongress ist bereits seit vielen Jahren der Treffpunkt für die Top-Entscheider der Elektro-/Elektronik-Branche.
C‑ITS steht heute an einem Wendepunkt. Die Technologie ist
nicht nur verfügbar, sie ist real im
Einsatz, international etabliert und zunehmend selbstverständlich.
Fahrzeuge, Infrastrukturbetreiber und Verkehrssysteme wachsen schrittweise in
ein gemeinsames digitales Ökosystem hinein.
Gleichzeitig steigt der externe Druck: der notwendige
Technologiewechsel im ÖPNV bis 2028, steigende Anforderungen an
Verkehrssicherheit, Klimaziele und Automatisierung. Was früher optional war,
wird zunehmend betriebliche
Notwendigkeit und Infrastruktur.
Und wie jede Infrastruktur entfaltet sie ihren Wert dann,
wenn sie breit genutzt wird. Nicht als Einzelmaßnahme, sondern als gemeinsames
System. Genau das erleben wir aktuell in vielen europäischen Nachbarländern und
internationalen Märkten: Der Übergang vom Ob zum Wie schnell.
Für Entscheiderinnen und Entscheider bedeutet das: Wer jetzt
handelt, gestaltet aktiv.
Wer wartet, läuft Gefahr, sich später an bestehende Systeme anpassen zu müssen.
Die gute Nachricht: Niemand beginnt bei null. Die
Technologie ist da, die Erfahrungen sind da, die Standards sind gesetzt. Der nächste Schritt ist kein technologischer
Sprung, sondern das konsequente Skalieren vorhandener Lösungen.
Autor
Marcus Anders
Geschäftsführer von Swarco Traffic Systems, stellv. Vorsitzender der ZVEI-Fachgruppe Verkehrsmanagementanlagen und ab Mai 2026 Mitglied des ZVEI-Vorstands