Das Software Defined Vehicle stellt die Industrie neu auf
Die Transformation zum Software Defined Vehicle verändert Aufbau, Entwicklung und Verantwortlichkeiten in der Fahrzeugindustrie grundlegend. Neue Hardwarekonzepte, Softwareintegration und Standardisierung rücken ins Zentrum der Systemarchitektur.
Hartwig SchwerdtleHartwigSchwerdtle
Klaus JungbauerKlausJungbauer
3 min
Welche Herausforderungen bringt das Software Defined Vehicle? OEMs und Zulieferer stehen vor tiefgreifenden technischen und strukturellen Veränderungen.Secor
Anzeige
Software Defined Vehicle (SDV), unter diesem Begriff gibt es eine sehr
breite Varianz an Deutungen. Jeder stellt sich etwas anderes darunter vor,
vermutlich von den eigenen Bedürfnissen und Erwartungen getrieben. Der
gemeinsame Nenner ist: Es ist ziemlich anders als die heutigen Autos.
Allgemein wird erwartet, dass die Anzahl der Steuergeräte drastisch
abnimmt und dadurch die Möglichkeiten über Software das Fahrzeug zu steuern und
zu konfigurieren dramatisch zunehmen. Laut mitgedacht bedeutet das: alle bisherigen Steuergeräte werden
komplett durch wenige zonale und High Performance Computer (HPC) ersetzt.
Anzeige
Risiken für Tier-1-Zulieferer: Der stille Strukturwandel
Grundsätzlich werden sämtliche bisherigen Bauteile mit ECUs durch Standard-Bauteile
ohne ECUs ersetzt. Die Elektronik samt der Steuerungssoftware wandert in die
zonalen Rechner. Im Vergabeprozess der OEMs werden die Cost Breakdowns für Standard-Bauteile
reduziert, und damit sinkt der Verkaufspreis je Bauteil. Die neuen ECU-SW-Module (Abbildung unten: dritte Säule von links) sind vorwiegend in zonalen
Microcontrollern enthalten.
Fragen eines Tier-1-Zulieferers am Rande der IAA Mobility 2025:
Anzeige
Wie viele Bauteile mit ECUs werden aus meinem aktuellen Angebot zu Standard-Bauteilen
ohne ECU?
Was hat dies für Auswirkungen auf mein Unternehmen bzgl. Umsatz, Ertragskraft
und Anzahl benötigter Mitarbeiter?
Wie verändert sich die Wettbewerbsposition meines
Unternehmens?
Anzeige
Welche Bedeutung hat mein Unternehmen künftig dann noch in der
Lieferkette?
Chancen für „ Software-driven-Unternehmen “
Zonale Rechner könnten von sogenannten „System-Lieferanten“ geliefert
werden, die durch Funktionssimulationen die Entwicklung absichern und
beschleunigen. Ein OEM wird bei der Auswahl dieser Lieferanten auf deren Integrationskompetenz
bzgl. Software-Module achten. Um die Komplexität der Tests und der
Kommunikation im Fahrzeugnetz einzugrenzen und somit handhabbar zu gestalten
sind Standardisierungen der nicht markenprägenden Software-Module samt der
betroffenen API-Schnittstellen zunehmend von Bedeutung. Darüber hinaus bietet
das SDV für kreative OEMs und Tier-1s vielfältige Möglichkeiten durch Software-Applikationen
(Apps) einen Zusatznutzen für den Kunden anzubieten.
Fragen eines OEMs, bzw. mehrerer Tier-1:
Anzeige
Haben wir die Kompetenz aktuell im Haus, um die Chancen des SDVs zu
nutzen und somit einen Ausgleich für die oben genannten Risiken zu schaffen?
Was bleibt von der Softwarestandardisierung übrig, wenn die nächste
Hardwaregeneration ansteht? Stichwort: Wiederverwendbarkeit der aktuellen
Software.
Secor SDV Concept
Das Herzstück
der Innovation von Secor ist das SDV Concept. Dieses Konzept basiert auf einem
zonalen Ansatz, bei dem ein Zentralrechner im Fahrzeug mit Controllern in
verschiedenen Zonen kommuniziert. Dadurch wird die Anzahl der benötigten
Electronic Control Units (ECUs) drastisch reduziert, was zu einer vereinfachten
E/E-Architektur führt. Die standardisierten Halbleiter von Secor sind durch
Software konfigurierbar und universell einsetzbar, was den OEMs erhebliche
Kostenersparnisse und Flexibilität bietet.
Die technische Herausforderung: Integration als Königsdisziplin
Seit Jahrzehnten wurden zunehmend komplexere Aufgaben von den OEMs an
die Zulieferer ausgelagert. Die Wissenskompetenz wurde bei den Zulieferern aufgebaut.
Bisher wurde die Innovationskraft durch den Verkauf von spezifischen
Steuergeräten inklusive Hardware und Software belohnt. Wie kann künftig im SDV die
Innovationskraft belohnt werden? Wie kann aus 100+ Bauteilen mit ECU die
Software im zonalen Rechner integriert werden?
Anzeige
Einfache Antwort: VDA-Middleware-Standardisierung (Eclipse S-CORE) und auf
EU-Ebene Shift2SDV übernehmen die Standardisierungsarbeit und erleichtern die Integration.
Die Middleware mit der User Experience und der Hardware Abstraction zu
verbinden, liegt weiterhin in der Verantwortung der OEMs, und dies bei
unterschiedlichen E/E-Architekturen und Hardware-Generationen.
Aber wie so häufig sind einfache Antworten im Detail alles andere als
einfach.
Komplexe Software wie beim SDV mit verschiedenen Software-Zulieferern zu
einem funktionierenden Software-Paket zu schnüren ist alles andere als trivial.
Es braucht klar definierte, generische Application Programming Interfaces (API)
– nach dem Motto KISS „keep it simple, stupid“ , damit die Software-Module von diversen
Tier-1s überhaupt miteinander interagieren können. Die Integrations- und
Funktionstests der Software-Module erfordern eine sauber definierte und
getestete Toolchain. So kann die ursprüngliche Planung, welches Modul was
machen soll, Schritt für Schritt bestätigt werden.
Anzeige
Die offenen Fragen: Was zu entscheiden ist
Die Initiativen wie Eclipse S-CORE und auch Shift2SDV zielen in die
richtige Richtung – Standardisierung OEM-übergreifend. Jedoch …
Wie kann ein innovativer Tier-1 in diesem Ökosystem motiviert werden
weitere Forschungsanstrengungen zu unternehmen?
Wie kann unsere Automobilindustrie ohne innovative Zulieferer
langfristig im Wettbewerb bestehen?
Wie erlebt künftig ein SDV-Fahrer einen „App-Store-Effekt“ ohne
Standardisierung der Applikationen?
Das Secor SDV Concept und seine Vorteile im Überblick.Secor
Ein ganzheitlicher Lösungsansatz
Das auf der IAA
Mobility 2025 vorgestellte Secor SDV Concept gibt Antworten auf diese Fragen
und bietet darüber hinaus eine resiliente Supply-Chain-Versorgung. Das Secor SDV Concept besteht aus zwei Komponenten:
Hardware: Funktionskompatible, austauschbare Control Units, die eine
generationsübergreifende Nutzung gewährleisten. Die HW-Schnittstellen zu
Sensoren und Aktuatoren sind standardisiert und beliebig tausch- und
erweiterbar.
Software: Eine Library erleichtert die effiziente Entwicklung von
Applikationen für den SDV App Store. Diese Apps sind hardwareunabhängig,
zertifiziert und generationsübergreifend. Nicht endkundenrelevante Software ist
als Open-Source geplant, kompatibel zur VDA-Initiative. Die SW-Schnittstellen
der SECOR Control Units zu Sensoren und Aktuatoren sind standardisiert und
beliebig tausch- und erweiterbar. (na)
Autoren:
Klaus Jungbauer, Geschäftsführer und Gründer Secor Group,