E-Motor, Batterie und Leistungselektronik
EPTS 2026: Wo die Produktion der Elektromobilität konkret wird
Hairpin-Schweißen, Batterieproduktion, Leistungselektronik, Wireless Charging und KI: Die EPTS 2026 zeigt am 8. und 9. Dezember in Nürnberg, welche Fertigungstechnologien die nächste Generation elektrifizierter Systeme prägen.
Themen rund um die Elektromobilität sowie die Zukunft der daran involvierten Industrieunternehmen in Deutschland sorgten für reges Interesse bei den Teilnehmenden der EPTS 2025.
Laila Tkotz
Wer über Elektromobilität spricht, landet schnell bei Reichweiten, Ladeleistungen oder neuen Fahrzeugmodellen. Dazwischen liegt jedoch eine Ebene, auf der viele Fortschritte erst industriell möglich werden: die Produktion. Wie lassen sich Hairpins zuverlässig fügen? Welche Isolationssysteme halten höheren Spannungen stand? Wie werden Batterieelektroden schneller verarbeitet, Kupfer und Aluminium sicher verbunden oder Leistungsmodule großflächig gesintert?
Genau um solche Fragen geht es auf der EPTS – Production Technologies and Systems for E-Mobility, die am 8. und 9. Dezember 2026 in der Meistersingerhalle Nürnberg stattfindet. Mercedes-Benz, BorgWarner, Bosch, Ford, Schaeffler, Trumpf und Valeo: Das vorläufige Programm der Konferenz bringt zahlreiche bekannte Namen aus Industrie und Forschung zusammen. Zu den bestätigten Keynote-Speakern gehören Dr. Uwe Keller, Head of Battery Development bei Mercedes-Benz, und Dr. Jürgen Adam, Vice President & General Manager Europe PowerDrive Systems bei BorgWarner. Hinzu kommen Kumar Rajasekhara von Marsilli North America, Philipp Tielmann von Jungheinrich und Andreas Tschürtz von V4Smart.
Auch jenseits der Keynotes ist die industrielle Beteiligung breit. Beiträge kommen unter anderem von Ford, BMW, Bosch Manufacturing Solutions, Schaeffler, Trumpf, Valeo, Elantas und Kern Liebers. Auf Forschungsseite sind RWTH Aachen, KIT, FAU, TU München und mehrere Fraunhofer-Institute vertreten. Insgesamt umfasst das vorläufige Programm derzeit 72 wissenschaftliche und industrielle Beiträge.
Welche Fertigungsthemen stehen auf der EPTS 2026 im Mittelpunkt?
In der Agenda besonders stark vertreten ist die Produktion elektrischer Maschinen. Dabei geht es um Hairpin- und Flachdrahtwicklungen, Isolation, Kontaktierung und Qualitätssicherung. Die RWTH Aachen untersucht unter anderem neue Strategien für das Laserschweißen von X-Pin-Statoren, Ford betrachtet Elektronenstrahlschweißen für Kupfer-Hairpins und Trumpf zeigt Ansätze mit adaptiven Lasersystemen und Multi-Sensor-Fusion. Schaeffler beschäftigt sich mit PFA-isolierten Drähten für Hochvolt-Traktionsmotoren, Bosch Manufacturing Solutions mit Statoren mit kurzen Wickelköpfen.
Einige Eindrücke vom ersten EPTS-Kongress in Karlsruhe 2025
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Batterieproduktion. Das KIT bringt Themen wie Zellstapeln, Elektrodenhandling und On-the-fly-Laserschneiden ein. Die RWTH Aachen untersucht datenbasierte Prozessüberwachung bei der Elektrodenbeschichtung, während die TU München den Einfluss von Prozessstörungen auf lasergeschweißte Kontakte großer zylindrischer Batteriezellen analysiert. Weitere Beiträge befassen sich mit Stromableitern für Festkörperbatterien und automatisierter Folienhandhabung.
Auch Leistungselektronik und Verbindungstechnik spielen eine zentrale Rolle. Schaeffler untersucht die Laserreinigung von Kupferoberflächen vor dem Sintern, die HAW Kiel großflächige Sinterverfahren für Leistungsmodule. Elantas zeigt Materialien und dielektrische Beschichtungen für Power-Electronics-Anwendungen. Kern Liebers bringt zudem Friction Stir Spot Welding für hybride Kupfer-Aluminium-Busbars ins Programm.
Was zeigt die EPTS bei Laden, KI und nachhaltiger Produktion?
Beim Thema Energieübertragung reicht das Spektrum von 11-kW-Wireless-Charging bei Valeo bis zum Megawatt-Laden. Das Fraunhofer IWU beschäftigt sich mit Hochstromsteckverbindern und einem Megawatt-Ladesystem, während das Fraunhofer IISB und die Universität Tokio Dynamic Wireless Power Transfer und Electric Road Systems untersuchen.
KI zieht sich ebenfalls durch mehrere Beiträge. Deep Learning soll Fehler beim Hairpin-Schweißen klassifizieren, die FAU untersucht KI-basiertes End-of-Line-Monitoring für lasergeschweißte Bimetallverbindungen. Hinzu kommen datengetriebene Modelle für Produktionsprozesse, digitale Produktionssysteme und automatisierte Qualitätskontrolle.
Daneben widmet sich die EPTS auch Fragen der Kreislaufwirtschaft. Ein Beitrag der RWTH Aachen untersucht beispielsweise, welche Informationen für die automatisierte Demontage von Elektromotoren notwendig sind und welche Rolle digitale Produktpässe dabei spielen können. Auch Brennstoffzellen und Wasserstoff bleiben Teil des Programms, unter anderem mit Arbeiten zu Bipolarplatten, Membranen und Elektrolyseuren.