Ein neues Coil-Design-Tool optimiert die Entwicklung induktiver Positionssensoren durch automatisierte Simulation, präzises Spulendesign und hohe Integration – besonders geeignet für anspruchsvolle Industrie- und Automotive-Anwendungen.
Ruggero LeoncavalloRuggeroLeoncavallo
4 min
Bei der induktiven Positionsmessung wird durch Sendespulen ein wechselndes Magnetfeld erzeugt.Sheraz - @stock.adobe.com
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In dem sich ständig
weiterentwickelnden Umfeld der Positionssensortechnologien hat sich die
induktive Sensortechnik als robuste, präzise und kostengünstige Alternative zu
herkömmlichen magnetischen und optischen Verfahren etabliert. Im Gegensatz zu
Magnetsensoren, die auf Permanentmagnete angewiesen sind, und optischen
Encodern, die saubere Umgebungen und exakte Ausrichtung erfordern, arbeiten
induktive Sensoren nach dem Prinzip der elektromagnetischen Kopplung. Dabei
erfolgt die Positionserfassung durch Wechselwirkungen zwischen Spulen und
metallischen Zielobjekten. Dieser magnetfreie Ansatz macht sie unempfindlich
gegenüber Streufeldern, tolerant gegenüber Fehlausrichtungen und hoch
widerstandsfähig in rauen Umgebungen – und damit geeignet für den Einsatz in
Automobil- und Industrieanwendungen.
Mit dem Position Sensor
Coil Optimizer präsentiert Renesas ein Werkzeug mit dem Entwickler induktive
Sensorelemente mit bisher unerreichter Präzision und Leichtigkeit entwerfen,
simulieren und optimieren können.
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Technologische Grundlagen der induktiven Positionsmessung
Bei der induktiven
Positionsmessung wird durch Sendespulen ein wechselndes Magnetfeld erzeugt.
Während sich ein leitfähiges Zielobjekt darüber hinwegbewegt, werden die in
Empfangsspulen induzierten Spannungen erfasst. Das Muster der induzierten
Signale entspricht dabei der Position des Zielobjekts. Für hochpräzise
Anwendungen, insbesondere solche, die eine absolute Positionsrückmeldung und hohe
Auflösung erfordern, ist ein System mit zwei Empfängerspulen entscheidend.
Diese Konfiguration ermöglicht Verfahren wie die Vernier-Interpolation. Dabei
erzeugen zwei Empfängerspulen mit leicht unterschiedlichen Geometrien
überlappende Signale, die mathematisch kombiniert werden können. So ist eine
ultrafeine Winkel- oder Linearauflösung möglich. Das Dual-Coil-Design
verbessert nicht nur die Messgenauigkeit, sondern ermöglicht auch die absolute
Positionsbestimmung, ohne dass eine Referenzfahrt („Homing“) erforderlich ist.
Bild 1: Sensorelement mit zwei Spulen.Renesas
Welche Vorteile bringen induktive Positionssensoren ?
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Induktive
Positionssensoren bringen eine Reihe von Vorteilen. Im Gegensatz zu
Magnetsensoren sind induktive Sensoren von Natur aus unempfindlich gegenüber
externen magnetischen Störfeldern. Sie gewährleisten eine stabile Leistung,
selbst in elektromagnetisch anspruchsvollen Umgebungen. Optische Sensoren
erfordern häufig eine exakte Ausrichtung und saubere Umgebungsbedingungen.
Induktive Sensoren hingegen tolerieren mechanische Fehlausrichtungen und
Verschmutzungen, was die Fertigung vereinfacht. Da außerdem keine teuren
Magnete oder optischen Komponenten benötigt werden, senken induktive Sensoren
die Materialkosten (BOM), ohne Kompromisse bei der Leistung einzugehen. Durch
den Verzicht auf bewegliche Teile und dank robuster, PCB-basierter
Spulendesigns zeichnen sich induktive Sensoren durch eine außergewöhnliche
Beständigkeit gegenüber Vibrationen, Staub, Feuchtigkeit und extremen
Temperaturen aus. Diese Eigenschaften machen die induktive Sensortechnologie
besonders attraktiv für Anwendungen, in denen Zuverlässigkeit, Genauigkeit und
Kosteneffizienz entscheidend sind.
Anwendungen in
Automobil- und Industrieumgebungen
Die induktiven
Positionssensoren von Renesas kommen bereits in einer Vielzahl von Anwendungen
zum Einsatz. Im Automobilbereich bieten induktive Sensoren von
Steer-by-Wire-Systemen über Motor-Kommutierung bis hin zum Ersatz herkömmlicher
Resolver hochdynamische und präzise Rückmeldungen. Dabei sind sie vollumfänglich
konform mit der Norm ISO 26262 für funktionale Sicherheit. In der Industrie ermöglichen
induktive Sensoren in Robotik-, Automatisierungs- und Fertigungsanlagen exakte
Winkel- und Längenerfassungen, die Closed-Loop-Regelungen und vorausschauende
Wartung (Predictive Maintenance) unterstützen.
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Während der
Automobilsektor insbesondere von der Robustheit und den Safety-Features dieser
Technologie profitiert, entfaltet sie ihr volles Potenzial vor allem im
industriellen Umfeld. Insbesondere in der Robotik und
Präzisionsmaschinentechnik, wo höchste Genauigkeit und Zuverlässigkeit gefragt
sind, spielt sie ihre Stärken aus.
Dieser
Dual-Coil-Induktivsensor unterstützt Konfigurationen wie den Vernier-Modus, bei
dem zwei Spulensysteme mit leicht unterschiedlichen Polpaarzahlen (N und N–1)
kombiniert werden. Diese Anordnung ermöglicht absolute Positionsbestimmung,
denn das Vernier-Prinzip erlaubt es dem Sensor, die Position über mehrere
Perioden hinweg eindeutig zu bestimmen – ganz ohne Referenzfahrt („Homing”).
Außerdem erreicht der RAA2P3226 eine Auflösung von bis zu 19 Bit und eine Genauigkeit
von 15 Bit. Dadurch eignet er sich ideal für Anwendungen, die eine
Sub-Grad-Präzision erfordern. Insbesondere in der industriellen Robotik ist
diese Dual-Coil-Fähigkeit von großem Nutzen, da nun Winkelmessungen mit einer Genauigkeit
von bis zu 0,01° realisierbar sind.
Das Sensorelement
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Im Kern jedes induktiven
Positionssensors befindet sich das Sensorelement. Dabei handelt es sich um
einen Satz von Sende- und Empfangsspulen, die in eine Leiterplatte (PCB)
eingeätzt sind. Die Geometrie, der Abstand und das Layout dieser Spulen
beeinflussen die Leistungsfähigkeit des Sensors maßgeblich.
Die Entwicklung dieses
Elements ist eine komplexe Ingenieursaufgabe, bei der zahlreiche Faktoren zu
berücksichtigen sind. So beeinflussen Form und Größe der Spulen Induktivität,
Signalstärke und Auflösung. Außerdem muss der Sensor über den gesamten
Bewegungsbereich hinweg eine konstante Genauigkeit gewährleisten. Und Aspekte
wie Luftspalt, Materialeigenschaften und Umgebungsbedingungen müssen sorgfältig
in das Design einbezogen werden.
Bislang erforderte dieser
Prozess umfangreiche Simulationen, manuelle Anpassungen und mehrfache
Prototyping-Schleifen.
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Wie verändert das Renesas Coil
Design Tool den Entwicklungsprozess induktiver Sensorelemente?
Das neue Inductive Coil
Design Tool (ICDT) von Renesas verändert den Entwicklungsprozess induktiver
Sensorelemente. Auf Basis einer flexiblen, Template-gesteuerten Architektur bietet
das Tool den Nutzern folgende Möglichkeiten:
Bild 2: Renesas Inductive Position Sensor Coil Optimizer.Renesas
Design: Auswahl aus Rotations-, Bogen- oder
Linearbewegungs-Templates sowie Konfiguration von einfachen, dualen oder
redundanten Spulenaufbauten.
Simulation: Durchführung von Echtzeit-Simulationen mit
3D-Visualisierungen, Induktivitätsabschätzungen und prognostizierten
Signalspannungen, unterstützt durch Machine-Learning-Modelle.
Optimierung: Automatische Erstellung leistungsoptimierter
Spulenlayouts inklusive Gerber-Dateien für die Leiterplattenfertigung.
Das Tool unterstützt
verschiedene Konfigurationsmodi:
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Einzelspule: Einfach und kosteneffizient für grundlegende
Messanwendungen
Doppelspule: für hochauflösende und absolute
Positionsmessungen
Redundante
Spule: Galvanisch getrennte
Systeme für sicherheitskritische Anwendungen
Renesas stellt jedem
Anwender einen eigenen Arbeitsbereich bereit, in dem sich Simulationen nachverfolgen,
Ergebnisse überprüfen und Dateien schnell und einfach herunterladen lassen.
Bild 3: Mit den Dual-Coil-Induktivsensoren und dem Inductive Coil Design Tool (ICDT) können Entwickler in der Robotik die erforderliche Präzision erreichen.Renesas
In der Robotik ist
Präzision von entscheidender Bedeutung. Ob bei der Gelenkwinkelrückmeldung, der
Motor-Kommutierung oder der Positionierung von Endeffektoren – selbst kleinste
Ungenauigkeiten können zu Leistungseinbußen oder Sicherheitsrisiken führen.
Mit den
Dual-Coil-Induktivsensoren und dem Inductive Coil Design Tool (ICDT) von
Renesas können Entwickler künftig:
Präzise
Winkelmessungen erreichen: mit
einer Genauigkeit von bis zu 0,01°, was eine fein abgestufte Steuerung von
Roboterarmen und autonomen Systemen ermöglicht.
Kompakte
Integration realisieren: dank PCB-basierter
Spulen, die schlanke, integrierte Designs erlauben und sich mühelos in kompakte
mechanische Umgebungen einfügen.
Robusten
Betrieb sicherstellen: durch
Unempfindlichkeit gegenüber Staub, Feuchtigkeit und Vibration. Dies
gewährleistet eine zuverlässige Leistung in rauen Industrieumgebungen.
Diese Kombination setzt
einen neuen Standard in der induktiven Positionsmesstechnik und ermöglicht es
Entwicklern im Bereich der Robotik, neue Möglichkeiten in der Automatisierung
zu erschließen.
Zukunftsperspektiven für Sensorik-Entwickler
Das neue Coil-Design-Tool
von Renesas markiert einen Meilenstein in der Weiterentwicklung der induktiven
Positionssensortechnologie des Unternehmens. Durch die Automatisierung von
Design, Simulation und Optimierung der Sensorelemente beseitigt es
Einstiegshürden und beschleunigt Innovationen.
Ganz gleich, ob es sich
um die Entwicklung eines Robotergelenks, eines industriellen Aktuators oder
eines sicherheitskritischen Automobilsystems handelt – Renesas bietet die
erforderliche Präzision, Flexibilität und Zuverlässigkeit, die für den Erfolg
entscheidend sind.
Da die Industrie
zunehmend nach noch intelligenteren, sichereren und effizienteren Systemen
verlangt, werden Tools wie das Coil Design Tool in der Zukunft der
Sensortechnologie eine zentrale Rolle spielen. (bs)
Autor
Ruggero Leoncavallo,
Director of Inductive Position Sensors bei Renesas