CFK-Multilayerabsorberschirmung in einem weiten Frequenzbereich
Neuartige EMV-Schirmung auf Basis eines Multilayer-CFK-Materials
Elektronische Systeme leiden bei hohen Frequenzen unter „Resonanzkatastrophen“, bei denen die EMV-Schirmdämpfung stark einbricht. Ein CFK-Multilayerabsorber mit magnetischen Füllstoffen reduziert Resonanzen und verbessert die Schirmdämpfung über kHz- bis GHz-Bereiche.
Frank GräbnerFrankGräbner
5 min
Bild 1: Aufbau der E-Mobilitätsnachbildung mittels eines elektromotorischen Antriebstandes bei der magnetischen Feldstärkemessung.IMG Electronic & Power Systems
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Die ständige Zunahme von Frequenzen
und Bandbreiten der Störsender macht es vor allem in sensiblen technischen
Bereichen erforderlich, neue und effektivere Schirmungen zu entwickeln.
Bei den Schirmeffekten durch
Reflektion, bei welchen der elektrischen Leitfähigkeit eine herausragende Rolle
zukommt, spielt die Absorption elektromagnetischer Wellen eine untergeordnete Rolle.
Die multiple Reflektionsdämpfung wirkt unter bestimmten Bedingungen ebenso.
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Diese Schirmeffekte haben jedoch bei
rein metallischen Schirmen auch große Nachteile, es sinkt mit steigender
Frequenz die Schirmdämpfung und es gibt die Schirmdämpfungsresonanzeinbrüche.
In vielen Anwendungsbereichen, Kfz-Technik,
E-Mobilität, PC-Technik, Gbit-Switch-Technik, Bahnelektronik, Funkanwendungen
WLAN, Multimediageräte, Medizintechnik, Industrie PC, 5G / 6G Kommunikation und
Luftfahrt, spielen diese Nachteile der heutigen ausschließlich leitfähigen
Schirmaufbauten eine große Rolle.
Nachteile heutiger Metallschirme
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Am Beispiel eines metallischen
Steckers werden die Nachteile der heutigen Metallschirme und die
Lösungsmöglichkeit der Schirmprobleme dargestellt.
In Bild 2 ist die Schirmdämpfung eines
Metallsteckers zu sehen. Die Messung wurde im Absorberraum der IMG realisiert.
Bild 2: Schirmdämpfung eines Metallsteckers.IMG Electronic & Power Systems
Eindeutig sind die Resonanzen in der blauen
Kurve bei 1300 MHz, 1480 MHz, 1570 MHz u.v.m. in der Bild 2 zu sehen.
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Bei diesen realen „Resonanzkatastrophen“
bricht die Schirmdämpfung von 43 dB bei 1050 MHz auf 22 dB bei 1300 MHz ein. Viele
metallische Schirmungen von kommerziell erhältlichen Produkten besitzen diesen
Nachteil der sinkenden Schirmdämpfung und der Resonanzminima, wobei
Hohlraumresonanzen hierfür verantwortlich sind.
Bisher werden hauptsächlich
metallische Schirme verwendet. Im Leichtbaubereich finden häufig Carbonfasern
als leitfähige Füllstoffe Verwendung und werden bereits zur EMV-Schirmung
eingesetzt. Um die erläuterten Probleme zu vermeiden, ist ein neuartiger Ansatz
zum Materialdesign notwendig, bei dem die leitfähigen Schichten mit
magnetischen Schichten kombiniert werden. Diese Herangehensweise geht aus den
theoretischen Überlegungen in Tabelle 1 hervor, bei der ein Zylindergehäuse mit
einem magnetischen Absorbermaterial betrachtet wird. Somit lassen sich die
Nachteile der Schirmdämpfungseinbrüche durch die Nutzung eines neuartigen CFK-Multilayermaterials mit Absorberwirkung nach Gleichung 3 minimieren.
Tabelle 1: Berechnung der GesamtbeschirmungIMG Electronic & Power Systems
Durch Einarbeitung geeigneter Füllstoffe in die Kunststoffmatrix sollte
es gelingen, die Raumresonanzen zu glätten und somit die Dämpfungseinbrüche
entscheidend zu minimieren. Dadurch ist dem Anwender ein neuartiges Material der
Schirmung zur Verfügung gestellt, dass die Nachteile der vorhandenen EMV-Kunststoffe
minimiert und die Gesamtanordnung EMV-CE-kompatibel gestaltet, auch bei höheren
Frequenzen.
Wie ist die CFK-Multilayerabsorberschirmung aufgebaut?
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Bild 3: Neuartiges CFK-Multilayersystems als realer Gehäuseaufbau für E-Mobilitätsanwendungen. Herstellung: ASGLAWO technofibre GmbH (ehem. ASGLAFORM composites GmbH)IMG
Um leitfähige Carbonfaserschichten
herzustellen, wurden CF/Polypropylen-Hybridvliese mit 45 Prozent CF-Gehalt zu
Plattenhalbzeugen verpresst. Magnetische Füllstoffe wurden mit dem gleichen
Füllgrad in eine Polypropylenmatrix compoundiert und das erhaltene Granulat
ebenfalls zu Plattenhalbzeugen verpresst. Durch Kombination dieser leitfähigen und magnetischen Schichten wurden
Multilayerhalbzeuge erhalten, die anschließend zu Gehäusen umgeformt werden
konnten (Bild 3). Anwendungen im
E-Mobilitätsbereich waren hierbei im Fokus.
Ergebnisse der Schirmdämpfung
Die in
Bild 4 dargestellten Messergebnisse stellen eindrucksvoll das Potential des
neuen Materialsysteme dar.
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Bild 4: Absorberraum VG-Messung des Multilayers (orange) vertikal 550 - 900 MHz mit Vergleich zum reinen CF-Material (grau).IMG Electronic & Power Systems
Die „EMV-Schirmdämpfungskatastrophen“
nach Schwab/Kürner, oder Schirmdämpfungsresonanzen, in denen die Schirmung
extrem stark abnimmt, sind dem Referenzmaterial aus reinen CFK-Schichten (graue
Kurve) bei den Frequenzen 620 MHz, 680 MHz, 720 MHz, 790 MHz, und 830 MHz zu
finden. Das Multilayermaterial (orange Kurve, innen Absorberschicht/ außen
leitfähige CFK-Schicht) dämpft diese schädlichen Schirmeinbrüche signifikant
und erhöht die Gesamtschirmdämpfung.
In einem
breiten Frequenzbereich können teilweise breitbandig sehr gute Verbesserungen
der Schirmdämpfung um + 10 bis +15 dB mit dieser neuen Schirmphilosophie
erreicht werden. Durch die im Inneren angeordneten Absorberlayer erhöht sich
die Schirmdämpfung stark und eine hohe Minimierung der Resonanzeinbrüche findet
statt. Nachteilig sind ein notwendiger Materialmehreinsatz und eine gewisse geringe
Erhöhung des Gewichtes der Schirmanordnungen.
Mit der Gleichung 3 als theoretisches
Fundament und dem Nachweis der Messkurven (Bild 2) konnte die These bewiesen
werden, dass der Einsatz von neuartigen CFK-Multilayern einen sehr positiven
Effekt auf die Schirmung bewirkt.
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Dadurch können EMV-Störungen,
welche sich vom kHz – MHz Bereich und vom MHz- bis GHZ-Bereich ausbreiten,
minimiert werden.
Weiterhin wird mittels einer
Messung der Schirmdämpfung von 550 MHz bis 900 MHz am neuen
Multilayer-CFK-Aufbau nach VG-Norm 95373/T15 der Nachweis der neuen
EMV-Schirmkonzepte weiter validiert.
Messergebnis bei E-Mobilitätsanwendungen
Laut
Veröffentlichung der deutschen Strahlenschutzkommission wird das induktive
Laden in einem Frequenzbereich von rund 20 bis 200 kHz definiert. Bei den
Automotiveeinsatz werden Feldleistungsübertragungen bei Bussen von 200 kW
realisiert. Aber außer den induktiven Ladefrequenzen sind auf den
Stromleitungen in den Leitungsnetzen des E-Fahrzeuges viele Störfrequenzen und
Funkstörungen vorhanden. Somit sind CFK-Multilayermaterialien einerseits für
die Abschirmung im kHz Bereich notwendig, aber andererseits auch im
Frequenzbereich von MHz – 1 GHz. Im
Folgenden soll der praktische Messaufbau der Versuchsanordnungen erläutert
werden.
Schirmung
einer E-Mobilitätsnachbildung im Frequenzbereich 9 kHz – 30 MHz:
Der Messaufbau einer E-Fahrzeugnachbildung
mit einer elektromotorischen Prüfstandslösung wurde in der IMG mit und ohne CFK-Multilayer
getestet.
Es wurde mittels magnetischer
Rahmenantennen und mit EMV-Messempfängern die magnetische Funkstörfeldstärke
mit und ohne Schirmung an der E-Mobilitätsnachbildung ausgemessen. Die Frage
sollte beantwortet werden, inwiefern ein CFK-Multilayerschirm bessere
Ergebnisse liefert, als ein Schirm aus reinen CFK-Materialien.
Bild 5: Magnetische Schirmwirkung von CFK-Monolayer (grün) im Vergleich zu CFK-Multilayermaterialien (blau, grau, orange, gelb) und Materialien ohne EMV-Schutz (rot).IMG Electronic & Power Systems
In Bild 5 wurde die magnetische
Schirmwirkung eines CFK-Multilayerwürfelgehäuses im Absorberraum nach VG-Norm
ausgemessen. Die bessere
Wirksamkeit der Multilayermaterialien gegenüber dem Monolayermaterial in der
magnetischen Schirmwirkung ist eindeutig zu erkennen.
In Bild
1 ist die E-Mobilitätsnachbildung abgebildet.
In den Messkurven in Bild 6 ist die
Störfeldverteilung vor und nach dem Einsatz der Teilschirmungen zu sehen. Es
ist eindeutig die positive Schirmwirkung von rund 15 dB zu erkennen. Somit ist
diese Geometrie, neben der eigentlichen Schirmwirkung, auch ein Beitrag zur
EMVU in der Elektromobilität.
Ohne
Multilayerschirm sind eindeutige Störfeldstärken bei 0,4 MHz mit 62 dB µA / m und bei anderen Frequenzen zu sehen. Mit
Schirm sind die Amplituden der Störer stark gedämpft, dies im Vergleich
zwischen blauer und grauer Kurve zu sehen. Beim Einsatz der
Multilayerschirmmaterialien gegenüber der Störfeldstärke ohne Schirm ist eine
Dämpfung von 10 – 15 dB erkennbar. Beim Einsatz des CFK-Monolayermaterials nur
rund 8 dB. Somit wirkt der CFK-Multilayerschirmaufbau besser als der CFK-Monolayerschirmaufbau.
Bild 6: Messkurven der magnetischen Störfeldstärke ohne (blau) und mit CFK-Multilayer- Schirmanordnung (gelb und grau).IMG Electronic & Power Systems
Fazit
Mit
dem neuen CFK-Multilayerabsorberschirmaufbau von EMV-Störquellen besitzen diese
Teilschirm- und Schirmaufbauten den Vorteil größerer Schirmdämpfungen in einem
Frequenzbereich > 100 kHz bis 1000 MHz und den Vorteil der Minimierung der
Schirmresonanzen. „Schirm-dämpfungskatastrophen“ (Einbruch der Schirmdämpfung
auf Grund der Geometrieresonanzen leitfähiger technischer Anordnungen wie
Gehäuse) werden somit weitgehend vermieden. Der Nachteil der größeren Anzahl an
Materialarten und der gewissen Gewichtserhöhung wird gerechtfertigt durch die
sehr guten elektromagnetischen Schirmeigenschaften.
Ein eindeutiger Vorteil
der Anwendung eines neuartigen CFK-Multilayergehäuseaufbaus ist die Dämpfung
der Schirmdämpfungsresonanzen (Einbrüche) um 15 dB (Bild 4) und die
Erhöhung der Gesamtschirmdämpfung. Dies ist mit Metallschirmen schwer möglich.
Mit
den CFK Multilayern war ebenso eine Dämpfung der magnetischen
Funkstörfeldstärke von rund 15 dB gegenüber der Dämpfung der magnetischen
Funkstörfeldstärke von rund 8 dB, in der E-Mobilitätsnachbildung
(elektromotorischer Prüfstand) möglich.
Das
neue Schirmdämpfungsverfahren und das neue Zusatzprodukt (CFK-Multilayer)
werden in Zukunft bei noch höheren Frequenzen > 1000 MHz die
Schirmcharakteristik von realen E-Mobilitätsaufbauten noch weiter verbessert.
Gerade in den Höchstfrequenzbereichen wie WLAN, 5G, 6G werden die Probleme der
Schirmdämpfungsresonanzen noch weiter zunehmen Auch bei den heute meist
wirksamen Frequenzen im Bereich von 100 MHz – 1000 MHz wirken die neuen Schirmkonzepte
herausragend. Diese Schirmdämpfungsabsenkung ist mit dem neuen CFK-Multilayersystem
größtenteils verhinderbar. Es können Teilschirmungen in der Elektromobilität in
der Nähe der Sendespulen / Empfangsspulen, im E-Fahrzeug innerhalb der Sensor- oder
Elektronikaufbauten, bei Teilauskleidungen der Gehäuse hilfreich sein, ebenso
wie die Auskleidung von Kabeln, Steckverbindern und Steckern, bzw. Leitungen.
Der beschriebene
praktische Aufbau der neuartigen CFK-Multilayersysteme kann die EMV-Sicherheit
außerhalb und innerhalb des E-Mobils erhöhen. Dies stellt dem Anwender eine
stark erhöhte Schirmdämpfungsstufe zur Verfügung.
Vorteile von neuartigen CFK-Multilayerabsorberschirmungmaterialaufbauten sind:
Hohe Aufbaufreiheit
Minimierung von Schirmdämpfungseinbrüchen
Einfache Bearbeitung
Eindeutige Schirmeigenschaften unabhängig von
Schwankungen
Ausblick
Somit
wurde eine intelligente Schirmung der Zukunft für die E-Mobilität geschaffen. Ein
erweitertes Potential besitzt das neue Schirmmaterial, neben den dargestellten
Frequenzbereichen von 100 kHz – 30 MHz und 500 MHz - 1000 MHz, auch für die
neuen Anwendungsbereiche der KI, VR, AR, der Radarsteuerung der Sensorik in der
Industrie, Industriefunk, in den Frequenzbereichen 5 – 8 GHz, 26 GHz und in
höheren Frequenzbereichen der 5G/6G Kommunikation. Hier wird der Aufbau der
Materialien aber anders zu realisieren sein.
Autoren
Frank Gräbner, Leiter EMV Forschung
Entwicklung und Test bei IMG Electronic & Power Systems *; Kallmeyer,Ch. * # Dipl.-Ing. ; Ronny Kemter, * B. Eng.
M.Sc. Juliane Voigt§, M.Sc. Fabian Schubert§, Dipl.-Ing. Mirko Spieler§, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Nendel§, Dr.-Ing. T. Liedke; M.Sc. C. Köthe, Dr. Erik Wächtler#, Dipl.-Wi.-Ing. Sebastian Nendel#
*IMG Electronic & Power Systems GmbH , # Institut Cetex gGmbH, §Steinbeis Innovationszentrum – Automation in Leichtbauprozessen (ALP), Chemnitz