Warum 2026 für RISC-V zum entscheidenden Serverjahr wird
Erste leistungsfähige RVA23-Systeme sollen RISC-V aus der Embedded-Nische in Server, Rechenzentren und anspruchsvolle AI-Systeme führen. Chefarchitekt Krste Asanović erklärt, welche Standards dafür stehen, wo das Software-Ökosystem noch nacharbeiten muss und warum Automotive-Mikrocontroller stärker vereinheitlicht werden sollen.
RISC-V erreicht 2026 Server, AI-Systeme und Automotive-MCUs. Krste Asanović erklärt RVA23, Matrix-Erweiterungen und neue Sicherheitsstandards.MR - stock.adobe.com
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RISC-V ist in eingebetteten Systemen bereits fest etabliert
und dient in zahlreichen AI-Beschleunigern als Steuerungsarchitektur. Nun soll
die offene Befehlssatzarchitektur den nächsten Schritt vollziehen: 2026 werden
nach Einschätzung von RISC-V-Chefarchitekt Krste Asanović erstmals mehrere
leistungsfähige, serverfähige Systeme auf Basis des RVA23-Profils verfügbar.
Auf dem RISC-V Summit Europe 2026 im Juni in Bologna bezeichnete
Asanović den Zustand des Ökosystems als stark. Gleichzeitig machte er deutlich,
dass verfügbare Server-Hardware lediglich den Ausgangspunkt bildet. Bis RISC-V
hinsichtlich Leistung, Funktionsumfang und Software-Reife mit etablierten
Serverarchitekturen konkurrieren kann, seien mehrere Produktgenerationen und
eine langfristige Zusammenarbeit von Hardware- und Softwareanbietern
erforderlich.
2026 soll RISC-V Einzug in den Serverbereich halten.RISC-V International
Der Vortrag
„RISC-V State of the Union“ fand am 10. Juni 2026 statt und behandelte
die Entwicklung der Architektur von Embedded-Systemen über AI-Beschleuniger bis
hin zu Serverplattformen. (cfp.riscv-europe.org)
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RVA23 schafft eine gemeinsame Basis für RISC-V-Server
Eine zentrale Voraussetzung für ein funktionierendes
Server-Ökosystem ist eine gemeinsame technische Basis. Diese Rolle soll das
64-Bit-Anwendungsprofil RVA23 übernehmen. Es definiert, auf welche
Befehlssatzerweiterungen Betriebssysteme, Compiler und binäre Software bei
entsprechenden Prozessoren verbindlich zurückgreifen können.
Das Profil wurde im Oktober 2024 ratifiziert. Dass weniger
als zwei Jahre später erste entsprechende Siliziumprodukte und Systeme
erscheinen, wertete Asanović als Zeichen dafür, dass sich die beteiligten
Unternehmen bereits während der Standardisierung auf die Anforderungen
vorbereitet haben. Die offizielle Spezifikation beschreibt RVA23 ausdrücklich
als Grundlage für binäre Softwaremärkte mit hohen Leistungsanforderungen,
darunter Client-, Mobil- und Serveranwendungen. (docs.riscv.org)
Ergänzt wird das ISA-Profil durch die inzwischen ebenfalls
ratifizierte RISC-V Server Platform Specification. Sie legt Anforderungen fest,
die über den eigentlichen Befehlssatz hinausgehen. Dazu zählen unter anderem
Funktionen für Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Wartbarkeit, Sicherheit,
Performance und Quality of Service.
Erst das Zusammenspiel aus ISA-Profil und Plattformstandard
ermöglicht es, Server unterschiedlicher Anbieter mit einer möglichst
einheitlichen Softwarebasis zu betreiben. Entwickler sollen Anwendungen und
Betriebssystemkomponenten dadurch nicht für jede einzelne Hardwareplattform
erneut anpassen müssen.
Weshalb reicht verfügbare Server-Hardware noch nicht aus?
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Asanović warnte vor der Erwartung, dass erste RVA23-Systeme
unmittelbar etablierte x86- oder Arm-Server ersetzen könnten. Die neuen Systeme
seien zunächst vor allem Entwicklungsplattformen. Sie schaffen die
Voraussetzung, um Betriebssysteme, Compiler, Laufzeitumgebungen, Bibliotheken
und Anwendungen unter realen Bedingungen zu optimieren.
Bislang ließ sich ein großer Teil der Portierungsarbeit mit
Emulatoren wie QEMU durchführen. Für eine wettbewerbsfähige Performance genügt
das jedoch nicht. Software lediglich auf RISC-V lauffähig zu machen,
unterscheidet sich grundlegend davon, sie für konkrete Prozessoren,
Speicherhierarchien und Vektoreinheiten zu optimieren.
Benötigt werden daher nicht nur einzelne Boards, sondern
auch leistungsfähige Cloud-Instanzen mit vielen Prozessorkernen. Sie könnten
beispielsweise Continuous-Integration-Prozesse unterstützen und
Softwareprojekte in die Lage versetzen, ihre RISC-V-Versionen regelmäßig auf
realer Hardware zu testen.
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Dabei besteht ein klassisches Henne-Ei-Problem: Die
Entwicklung sehr leistungsfähiger Prozessorkerne ist teuer und setzt einen
kommerziellen Markt voraus. Anwender investieren jedoch erst dann in
entsprechende Hardware, wenn genügend ausgereifte Software vorhanden ist. Die
ersten Serverplattformen sollen helfen, diesen Kreislauf schrittweise in Gang
zu setzen.
Optimierungsoptionen sollen Hardware und Software besser
abstimmen
Die bisherigen RISC-V-ISA-Kennzeichnungen beschreiben in
erster Linie funktionales Verhalten. Sie legen beispielsweise fest, welche
Instruktionen vorhanden sind und welches Ergebnis deren Ausführung liefert. Ob
eine Funktion schnell in Hardware oder langsam über eine Ausnahmebehandlung
ausgeführt wird, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
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Das kann die Softwareoptimierung erschweren. Ein Beispiel
sind nicht ausgerichtete Speicherzugriffe, sogenannte Misaligned Loads und
Stores. Ein Prozessor kann solche Zugriffe formal unterstützen, sie intern
jedoch über einen Trap und eine Softwareemulation abarbeiten. Für Programme ist
der Zugriff dann funktional korrekt, aber möglicherweise sehr langsam.
Softwareentwickler vermeiden deshalb häufig grundsätzlich
nicht ausgerichtete Zugriffe. Dadurch nutzen sie allerdings auch auf
Prozessoren mit schneller Hardwareunterstützung nicht den effizientesten Weg.
Die Performance des gesamten Software-Ökosystems orientiert sich somit am
schwächsten möglichen System.
Mit sogenannten Optimization Guidance Options will RISC-V
künftig funktionale ISA-Eigenschaften um Performance-Erwartungen ergänzen.
Entsprechende Kennzeichnungen beginnen mit einem „O“, da sie keine neuen
Instruktionen definieren, sondern Hinweise für Hardware- und Softwareentwickler
geben.
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Die Option OILSM soll Software signalisieren, dass
ein nicht ausgerichteter Speicherzugriff direkt ausgeführt werden sollte. Die
Implementierung verspricht damit sinngemäß, dass kein aufwendiger Workaround
schneller ist als der eigentliche Zugriff. Hardwareanbieter erhalten zugleich
den Hinweis, dass wettbewerbsfähige RVA-Systeme eine effiziente
Hardwareunterstützung benötigen.
Eine weitere Option bezieht sich auf die Ausführung von
RISC-V-Vektorcode. Software soll die Registergruppierung LMUL nicht fortlaufend
an die jeweilige Vektorlänge anpassen, sondern die in der Vektorerweiterung
vorgesehene VL-Steuerung verwenden. Künftige Mikroarchitekturen sollen so
ausgelegt sein, dass dieser programmiertechnisch einfachere Ansatz zugleich
leistungsfähig ist.
Zunächst sollen diese Optionen als Entwicklungshinweise
dienen. In späteren Generationen der RVA-Profile könnten entsprechende
Performance-Eigenschaften verbindlich werden.
Welche Matrix-Erweiterungen sind für AI vorgesehen?
Für AI- und Machine-Learning-Anwendungen arbeitet die
RISC-V-Community an mehreren Ansätzen zur Beschleunigung von Matrixoperationen.
Dazu gehören Batch-Dot-Product-Instruktionen sowie die drei Matrixkonzepte IME,
VME und AME.
Batch Dot Products erweitern die Vektorarchitektur um die
Möglichkeit, mehrere Skalarprodukte parallel zu berechnen. Dieser
vergleichsweise schlanke Ansatz eignet sich laut Asanović für kleinere
Implementierungen und Applikationsprozessoren, die nur begrenzte Chipfläche für
AI-Funktionen vorsehen. Auch Matrix-Vektor-Multiplikationen lassen sich damit
effizient beschleunigen.
Für AI- und Machine-Learning-Anwendungen arbeitet die RISC-V-Community an mehreren Ansätzen zur Beschleunigung von Matrixoperationen.RISC-V International
Die drei eigentlichen Matrixansätze unterscheiden sich vor
allem darin, wie Daten und Zwischenergebnisse im Prozessor abgelegt werden:
IME fügt keinen neuen architektonischen Zustand
hinzu. Stattdessen werden vorhandene Vektorregister als Matrixkacheln
interpretiert und für Matrixoperationen verwendet.
VME ergänzt spezielle Matrixakkumulatoren.
Eingangsdaten werden über Vektorregister bereitgestellt, während
Zwischenergebnisse innerhalb der Matrixeinheit verbleiben. Dadurch lässt sich
mit einer vergleichsweise einfachen Mikroarchitektur ein hoher Rechendurchsatz
erreichen.
AME sieht vollständig eigenständige Matrixregister
beziehungsweise einen separaten Matrixzustand für Ein- und Ausgaben vor.
Implementierungen sind damit weniger stark an die Organisation der bestehenden
Vektorerweiterung gebunden.
Alle Ansätze befanden sich zum Zeitpunkt der Keynote noch in
Arbeit. Asanović rechnete damit, dass ein großer Teil der Spezifikationen im
Verlauf des Jahres 2026 ratifiziert werden könnte.
RISC-V verbindet Host-Prozessor und AI-Beschleuniger
Die heute dominierende Architektur für AI-Rechenzentren geht
historisch auf Grafikprozessoren zurück. Dabei übernimmt meist eine Host-CPU
die Ablaufsteuerung und übergibt große Rechenblöcke an eine GPU. Diese führt
hochparallele Operationen aus, während Kontrollfluss und Systemmanagement
weitgehend auf dem Host verbleiben.
RISC-V kann nach Asanovićs Einschätzung beide Rollen
abdecken. Die ISA lässt sich sowohl für allgemeine skalare Verarbeitung als
auch für Vektor- und Matrixoperationen verwenden. Entwickler können das
Verhältnis zwischen Kontrollfluss, Vektorverarbeitung und Matrixleistung an den
jeweiligen Einsatzzweck anpassen.
Damit sind weiterhin klassische Offload-Beschleuniger
möglich, bei denen RISC-V-Kerne innerhalb eines AI-Prozessors arbeiten. Ebenso
lassen sich selbstgehostete Systeme entwickeln, in denen RISC-V sowohl die
Orchestrierung als auch die numerischen Berechnungen übernimmt.
Diese Skalierbarkeit reicht vom MMU-losen Embedded-Prozessor
bis zum Rechenzentrum. Trotz stark unterschiedlicher Implementierungen können
Entwickler innerhalb derselben ISA-Familie bleiben und Teile des
Software-Ökosystems wiederverwenden.
Gerade die Softwareentwicklung ist nach Asanovićs
Einschätzung der größte Kostenfaktor. Eine skalierbare Architektur kann deshalb
wirtschaftlich wichtiger sein als die reine Rechenleistung einer einzelnen
Prozessorkonfiguration.
RISC-V kann nach Asanovićs Einschätzung die Rollen von CPU und GPU abdecken. Die ISA lässt sich sowohl für allgemeine skalare Verarbeitung als auch für Vektor- und Matrixoperationen verwenden.RISC-V-International
Im anschließenden Gespräch äußerte sich der Chefarchitekt
zudem skeptisch gegenüber einer Übertragung des GPU-typischen
SIMT-Ausführungsmodells auf reine lineare Algebra. SIMT sei für Grafikaufgaben
sinnvoll, für dichte Matrixberechnungen jedoch nicht zwingend der effizienteste
Ansatz. Dass moderne GPUs Matrixoperationen zunehmend in separaten
Tensor-Einheiten ausführen, stützt aus seiner Sicht diese Einschätzung.
Welche Sicherheitsfunktionen entstehen für RISC-V?
Parallel zur Performance arbeitet die Community an mehreren
Sicherheits- und Isolationsmechanismen. Die Ansätze adressieren sowohl kleine
Embedded-Systeme als auch komplexe SoCs, Server und Automotive-Plattformen.
SPMP soll es einem Supervisor ermöglichen,
Benutzertasks in Embedded-Systemen voneinander zu isolieren. Die Erweiterung
richtet sich damit unter anderem an Systeme, die mehrere Softwarekomponenten
mit unterschiedlichen Vertrauensstufen auf einem Mikrocontroller ausführen.
RISC-V Worlds, ursprünglich unter der Bezeichnung
WorldGuard entwickelt, soll ein SoC in voneinander getrennte Ausführungswelten
aufteilen. Komponenten einer Welt können dadurch nicht ohne Weiteres auf
Ressourcen einer anderen Welt zugreifen.
IOPMP kontrolliert Transaktionen von
Peripheriegeräten und Busmastern innerhalb des Systems. Damit lässt sich
begrenzen, auf welche Speicherbereiche oder Ressourcen einzelne Einheiten
zugreifen dürfen.
Supervisor Domains sollen voneinander isolierte
Supervisor-Umgebungen ermöglichen. Neben Confidential Computing in Servern
sieht Asanović auch mögliche Anwendungen in Automotive- und Embedded-Systemen,
etwa zur Trennung mehrerer Hypervisor- oder Betriebssystemdomänen.
Auch die Standardisierung von CHERI schreitet voran.
CHERI erweitert Architekturen um sogenannte Capabilities, die Speicherzugriffe
genauer begrenzen und damit speicherbezogene Schwachstellen erschweren sollen.
Innerhalb von RISC-V wird CHERI nicht als gewöhnliche Erweiterung, sondern als
neue ISA-Basis eingeordnet. Dadurch kann sie grundlegende Eigenschaften der
Architektur verändern, ohne bestehende RISC-V-Basen zu beeinflussen.
Weitere Arbeiten betreffen Memory Tagging und zusätzliche
kryptografische Funktionen.
Zwei Erweiterungen decken unterschiedliche
DSP-Leistungsklassen ab
Für DSP-Anwendungen entstehen zwei unterschiedlich skalierte
Erweiterungen. Die P-Erweiterung richtet sich an kleine Prozessorkerne und
ergänzt Integer- sowie Fixed-Point-SIMD-Operationen innerhalb der allgemeinen
Register. Sie ist für kompakte Mikrocontroller und Signalverarbeitungsaufgaben
mit begrenzten Ressourcen vorgesehen.
Für größere Prozessoren wird eine Vector-DSP-Erweiterung
entwickelt. Sie nutzt die skalierbare RISC-V-Vektorarchitektur und kann neben
ganzzahligen Operationen auch Gleitkommaberechnungen umfassen.
Die Aufteilung folgt damit dem modularen Grundprinzip von
RISC-V: Kleine Implementierungen müssen keine umfangreiche Vektoreinheit
integrieren, während leistungsfähigere Systeme auf eine skalierbare gemeinsame
Vektorbasis zurückgreifen können.
Warum braucht Automotive ein einheitliches MCU-Profil?
Während sich die Community bei Servern auf RVA23 und eine
gemeinsame Plattformdefinition verständigt hat, ist die
Mikrocontrollerlandschaft weiterhin stark fragmentiert. Das ist teilweise
gewollt: Tief eingebettete Systeme profitieren davon, dass Entwickler unnötige
Funktionen weglassen und Prozessoren exakt auf eine Anwendung zuschneiden
können.
Für Automotive-Systeme reicht maximale Flexibilität jedoch
nicht immer aus. Software wird häufig getrennt von der Zielhardware entwickelt,
muss zertifiziert werden und soll anschließend auf Mikrocontrollern
unterschiedlicher Anbieter lauffähig sein. Dafür werden verbindliche Vorgaben
benötigt.
RISC-V arbeitet deshalb gemeinsam mit der
Automotive-Community an einem Mikrocontrollerprofil. Nach Asanovićs Vorstellung
sollte sich dieses zunächst auf die funktionsreichere Seite des MCU-Marktes
konzentrieren. Der Versuch, durch zahlreiche optionale Funktionen einzelne
Gatter einzusparen, könne dem Ziel einer standardisierten Plattform
entgegenstehen.
Ein solches Profil müsste mehr als den Befehlssatz
festlegen. Auch Interruptsystem, Schutzmechanismen und weitere
Plattformfunktionen müssen einheitlich beschrieben werden, damit
Betriebssysteme, Compiler, Middleware und zertifizierte Binärsoftware zuverlässig
eingesetzt werden können.
Die hohe Anpassbarkeit von RISC-V bleibt trotzdem erhalten.
Hersteller können weiterhin spezialisierte Kerne außerhalb des Profils
entwickeln. Das standardisierte Profil wäre eine zusätzliche Option für
Anwendungen, die ein breiteres Software-Ökosystem und reproduzierbare
Zertifizierungsprozesse benötigen.
Längere Instruktionen sichern Raum für künftige
Erweiterungen
Die RISC-V-Architektur wurde von Beginn an für Instruktionen
unterschiedlicher Länge konzipiert. Kurze, komprimierte Instruktionen
reduzieren den Speicherbedarf des Programmcodes. Längere Formate sollen
hingegen langfristig ausreichend Kodierungsraum für neue Funktionen schaffen.
Andere Architekturen mit ursprünglich festen
32-Bit-Instruktionen stoßen laut Asanović zunehmend an Grenzen ihres
verfügbaren Opcode-Raums. Nachträglich eingeführte Präfixe oder mehrteilige
Kodierungen führen faktisch ebenfalls zu variablen Instruktionslängen.
Eine neue Arbeitsgruppe untersucht daher, wie längere
RISC-V-Instruktionen effizient kodiert werden können. Ein Schwerpunkt liegt auf
sehr breiten Superskalarprozessoren, wie sie für leistungsfähige Server
vorgesehen sind. Deren Fetch-Einheiten müssen lange Instruktionen mit hohem
Durchsatz erkennen und bereitstellen können.
Bestehende Instruktionskodierungen sollen vollständig
kompatibel bleiben. Für die neuen Formate wird Kodierungsraum genutzt, der
bereits früh für variable Instruktionslängen reserviert worden war. Die
Verfügbarkeit des Raums bedeutet allerdings nicht, dass beliebig neue Befehle
ergänzt werden. Voraussetzung soll weiterhin ein konkreter technischer und
kommerzieller Bedarf sein.
Große Cloud- und Rechenzentrumsanbieter beobachten RISC-V
nach Einschätzung Asanovićs aufmerksam. Eine breite Nutzung als zentrale
Host-CPU erwartet er jedoch nicht kurzfristig. Denkbar sei zunächst ein Einsatz
in spezialisierten Bereichen, bevor die Architektur in allgemeine
Server-Workloads vordringt.
Dafür müssen sowohl die Prozessorkerne als auch die
Plattformfunktionen und der Software-Stack weiter reifen. Insbesondere
außerhalb Chinas sei mit einem schrittweisen Aufbau über mehrere Generationen
zu rechnen. Ein höherer wirtschaftlicher oder strategischer Druck in China
könnte die Entwicklung dort beschleunigen und indirekt auch dem globalen
Ökosystem zugutekommen.
Die ersten RVA23-Boards des Jahres 2026 sind daher weniger
als fertiger Ersatz für heutige Rechenzentrumsprozessoren zu verstehen. Sie
markieren den Moment, ab dem die Community Portierung, Optimierung und
Integration auf realer, weitgehend standardisierter Hardware vorantreiben kann.
RISC-V tritt damit in eine neue Entwicklungsphase ein. In
Embedded-Systemen und AI-Beschleunigern ist die Architektur bereits angekommen.
Mit RVA23, der Server Platform Specification, Matrixerweiterungen,
Sicherheitsfunktionen und einem geplanten Automotive-MCU-Profil soll nun ein
konsistenteres Ökosystem für leistungsfähige und zertifizierbare Systeme
entstehen. Ob daraus eine ernsthafte Alternative zu etablierten
Serverarchitekturen wird, hängt weniger von einzelnen Spezifikationen ab als
von der Ausdauer, mit der Hardware- und Softwareanbieter diese gemeinsame Basis
ausbauen.
Zur Person Krste Asanović
Krste Asanović ist ein US-amerikanischer Informatiker und einer der maßgeblichen Entwickler der offenen Befehlssatzarchitektur RISC-V. Er ist emeritierter Professor und Professor of the Graduate School an der University of California, Berkeley. Zuvor lehrte er am Massachusetts Institute of Technology; 1998 promovierte er an der UC Berkeley im Bereich Computerarchitektur. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Prozessorarchitekturen, VLSI-Design, parallele Programmierung und Betriebssysteme.
Asanović leitete das ursprüngliche RISC-V-Projekt in Berkeley und entwickelte die Architektur ab 2010 gemeinsam mit weiteren Forschern, darunter Yunsup Lee und Andrew Waterman. Heute ist er Chief Architect von RISC-V International und prägt damit die technische Weiterentwicklung und langfristige Ausrichtung des Standards. Zudem gründete er 2015 SiFive mit, um RISC-V-Prozessorkerne und darauf basierende Chipdesigns kommerziell verfügbar zu machen.