FBDi meldet Wachstum mit Warnzeichen
Elektronikdistribution wächst trotz fragiler Lage
Die deutsche Elektronikdistribution wächst im zweiten Quartal deutlich. Laut FBDi steigen Umsatz und Auftragseingang stark, doch der Boom bleibt von Preis- und Lieferkettenrisiken geprägt.
Der FBDi meldet für Q2 starkes Wachstum in der Elektronikdistribution. Besonders Halbleiter und Speicher treiben Umsatz und Bookings.
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Die Elektronikdistribution in Deutschland hat im zweiten Quartal 2026 deutlich zugelegt. Laut FBDi erreichte der Umsatz 1,0 Milliarden Euro und lag damit 25,5 Prozent über dem Vorjahresquartal. Noch stärker entwickelte sich der Auftragseingang, der im Vergleich zu Q2 2025 um 113,3 Prozent stieg. Das Book-to-Bill-Verhältnis erreichte 1,54. Damit erinnert die Dynamik in Teilen an die Auftragseingänge aus dem Jahr 2021. Der Verband warnt jedoch vor einem Boom auf wackligen Füßen. Kapazitätsbedingte Verfügbarkeitsrisiken, fragile Lieferketten, ein stark wachsender globaler Halbleitermarkt und deutliche Preisbewegungen im Speicher-Segment prägen die Lage.
Kurz erklärt: Book-to-Bill-Verhältnis
Das Book-to-Bill-Verhältnis setzt Auftragseingang und Umsatz ins Verhältnis. Werte über 1 zeigen, dass mehr neue Bestellungen eingehen als aktuell ausgeliefert oder fakturiert werden. In der Elektronikdistribution gilt das als Frühindikator für Nachfrage, kann bei starken Ausschlägen aber auch auf Preissteigerungen, Engpässe und Bevorratung hindeuten.
„Die Umsatzentwicklung und Stärke der „Bookings“überrascht wenn man die Wirtschaftsnachrichten aus Industrie mit dem Auftragseingang abgleicht. Ein großer Teil dieses Wachstums scheint somit getrieben von massiven globalen Preissteigerungen einzelner Segmente, Bestandsaufbau und nicht von realer Endnachfrage.“ konstatiert Andreas Falke, Geschäftsführer FBDi. „Die Sorgen über Verfügbarkeit und Resilienz der Lieferkette sind wieder groß. Globale Instabilität, globalisierende Konflikte und unklare Energiemärkte schaffen Unsicherheit. Das zugrunde liegende Wachstumspotenzial Europas bleibt stärker an industrielle Anwendungen gebunden als an die KI-getriebenen Nachfragewellen in den USA und Asien. Das macht unsere Nachfrageentwicklung stabiler, aber wir bleiben aufgrund unserer Abhängigkeiten insbesondere bei Energie auch weiterhin anfällig für externe Schocks.“
Halbleiter treiben Umsatz und Auftragseingang
Halbleiter blieben im zweiten Quartal der wichtigste Wachstumstreiber der deutschen Elektronikdistribution. Der Umsatz lag bei 642,4 Millionen Euro und damit 29,9 Prozent über dem Vorjahresquartal. Der Auftragseingang erreichte 1,1 Milliarden Euro, was einem Plus von 162,0 Prozent entspricht. Das Book-to-Bill-Verhältnis stieg auf 1,74.
Die Entwicklung zeigt eine hohe Dynamik, bleibt aber volatil. Neben aktuellem Bedarf spielt laut FBDi auch strategische Bevorratung eine wichtige Rolle. In nahezu allen Halbleiter-Produktkategorien liegt das Book-to-Bill-Verhältnis über 1. Zugleich verzeichnen viele Kategorien Umsatzsteigerungen von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Speicher-Segment sorgt für extreme Ausschläge
Besonders stark fiel die Entwicklung im Speicher-Segment aus. Der Umsatz sprang auf 151,0 Millionen Euro und lag damit 232,1 Prozent über dem Vorjahresquartal. Der Auftragseingang erreichte 373,6 Millionen Euro, ein Plus von 751 Prozent. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 2,47.
Der FBDi führt diese Entwicklung auf die globale KI-Nachfrage bei Speichern zurück. Sie verursacht Kapazitätsengpässe, steigende Preise und außergewöhnlich hohe Bookings. Auch Teile der Logik-Bauelemente zeigen ähnliche Muster. Für die kommenden Quartale hält der Verband daher deutliche Marktverwerfungen nach oben wie nach unten für möglich. Energiepreisschocks, Supply-Chain-Risiken und geopolitische Spannungen verstärken diese Volatilität.
IP&E-Segmente wachsen berechenbarer
Die IP&E-Segmente folgen laut FBDi stärker der industriellen Dynamik und zeigen sich berechenbarer als der Halbleitermarkt. Der Gesamtumsatz lag bei 322,3 Millionen Euro und damit 11,8 Prozent über dem Vorjahresquartal. Das Book-to-Bill-Verhältnis erreichte 1,21.
Passive Bauelemente kamen auf 139,2 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 16,5 Prozent. Der Auftragseingang stieg breit und linear um 53,6 Prozent. Gleichzeitig sieht der Verband auch hier erste Anzeichen von Verknappungen bei MLCCs, die ebenfalls in großer Zahl in KI-Servern eingesetzt werden.
Elektromechanik bleibt stabiler Wachstumspfeiler
Die Elektromechanik erzielte im zweiten Quartal 150,5 Millionen Euro Umsatz und lag damit 20,7 Prozent über Q2 2025. Das Book-to-Bill-Verhältnis betrug 1,17, der Auftragseingang erreichte 176,0 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 43,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Das Segment bleibt damit ein verlässlicher Wachstumspfeiler für Automatisierung, Energie- und Gebäudetechnik. Insgesamt bewertet der FBDi die IP&E-Entwicklung als robust und nachhaltiger als die aktuell stark von globalen Preis- und Kapazitätseffekten beeinflusste Halbleiterdynamik.
Prognose steigt trotz fragiler Rahmenbedingungen
Die starken Auftragseingänge lassen die Prognosen für 2026 steigen und deuten auf eine spürbare Erholung der Nachfrage hin. Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld schwer planbar. Geopolitische Spannungen, volatile Lieferketten sowie steigende Energie- und Rohstoffkosten erschweren die Einschätzung der weiteren Entwicklung.
Wachstumschancen sieht der FBDi in mehreren Bereichen. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur steigt, ebenso Investitionen in Defense- und Aerospace-Programme. Energie- und Mobilitätswende schaffen zusätzliche Impulse für Leistungselektronik und Systemtechnik. Zugleich gewinnt Systemintegration an Bedeutung, weil Unternehmen stärker nach ganzheitlichen Lösungen suchen.
Falke abschließend: „Wir leben in interessanten Zeiten mit umfangreichen, herausfordernden Aufgaben. Diese könnten leichter fallen, wenn unser Ziel für die Zukunft klarer wäre und wir selbst auch bereit sind alte Ziele und Erreichtes zu hinterfragen. Unsere europäischen Werte werden von Populisten und autoritären Mächten massiv in Frage gestellt und attackiert. Europa muss sich hinter gemeinsamen Ideen und Werten als Versprechen für die Zukunft versammeln und diese mit Energie und Entschlossenheit verfolgen, zum Einen um diese Werte zu sichern aber auch um gleichzeitig eine bessere Position im globalen Wettbewerb zu entwickeln. Hier zu Erlahmen spielt den Falschen in die Karten.“