Retro-Welle 2026

Wie Entwickler Z80, Apple Lisa und 6502-Laptop neu bauen

Der Z80 wird 50, LisaFPGA nähert sich der Fertigstellung und der LT6502 erhält eine schlankere zweite Revision. Diese und weitere Projekte zeigen, wie Retro-Entwickler historische Computerarchitekturen mit modernen Werkzeugen weiterführen.

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Stimmungsvolle, breitformatige Darstellung eines mit historischer Computertechnik gefüllten Arbeitsraums. Im Mittelpunkt steht ein beigefarbener Retro-Computer mit großem, tiefem Röhrenmonitor, abgerundeter Bildröhre und dunkler, ausgeschalteter Bildschirmfläche. Der Monitor steht auf einem ebenfalls beigefarbenen Rechnergehäuse mit horizontalem Diskettenlaufwerk. Davor liegt auf einem Holztisch eine kompakte Tastatur mit hohen, hellen Tasten. Rechts neben dem Rechner verläuft ein spiralförmig aufgewickeltes Kabel. Am rechten Bildrand sind mehrere schwarze und helle Disketten beziehungsweise Datenträger aufeinandergestapelt. Eine große schwarze Diskette lehnt aufrecht vor dem Stapel.

Auf dem Tisch liegen weitere magnetische Datenträger aus verschiedenen Computerzeitaltern. Zu sehen sind mehrere lose Disketten, teilweise ohne Gehäuse oder mit sichtbaren runden Magnetscheiben, außerdem helle Papieretiketten und einzelne Kunststoffhüllen. Im vorderen rechten Bildbereich befindet sich eine grüne Leiterplatte mit zahlreichen schwarzen integrierten Schaltungen, elektronischen Bauteilen, Leiterbahnen und Steckverbindungen. Die Platine ist im Vordergrund leicht unscharf dargestellt und verweist auf die elektronische Hardware im Inneren der historischen Rechner.

Links neben dem Hauptrechner stehen eine helle Kaffeetasse, ein aufgeschlagenes beziehungsweise geschlossenes Spiralnotizbuch und ein Stift auf dem Holztisch. Im Hintergrund sind mehrere weitere ältere Computer und Monitore zu erkennen. Links steht ein beigefarbener Rechner mit integrierter Tastatur und grünlich leuchtendem Röhrenbildschirm. Daneben befinden sich kleinere Monitore mit bläulich und grünlich schimmernden Anzeigen. Die Geräte sind bewusst unscharf gehalten und lassen sich keinem bestimmten Hersteller oder Modell eindeutig zuordnen.

Eine schwarze Schreibtischlampe beleuchtet den Arbeitsplatz mit warmem Licht. Zusätzlich fällt von links Sonnenlicht durch waagerechte Jalousien in den Raum. Regale, weitere elektronische Geräte und schwach leuchtende Lampen verschwimmen im Hintergrund. Die warmen Braun-, Beige- und Goldtöne, die geringe Tiefenschärfe und das weiche Licht erzeugen eine nostalgische Werkstattatmosphäre, die an Heimcomputer, Diskettenlaufwerke und Elektronikarbeitsplätze der 1980er- und frühen 1990er-Jahre erinnert. Das Bild enthält keine Personen, keine Logos, keine erkennbaren Markennamen und keine lesbaren Bildschirminhalte.
Retro-Computer erleben 2026 neue Aufmerksamkeit: Projekte rund um Z80, Apple Lisa und 6502 verbinden historische Computerarchitekturen mit FPGA-Technik, modernen Schnittstellen und aktuellen Entwicklungswerkzeugen.

Retro-Computer haben gerade wieder einen erstaunlichen Lauf. Das dürfte viel mit Nostalgie zu tun haben: mit dem Rattern eines Diskettenlaufwerks, pixeligen Menüs und Rechnern, bei denen man die Bauteile mit Namen kannte. Ich kann diesen Reiz bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Einen Teil meiner Kindheit habe ich mit dem Amiga meines Vaters verbracht – der Klassiker eben. Auch einige DOS-Befehle sind bis heute irgendwo im Kopf abgespeichert. Offenbar halten sich dir, cd und copy hartnäckiger als so manches Wissen, das man später vermeintlich fürs Leben gelernt hat.

Solche Erinnerungen erklären, weshalb Namen wie Commodore, Amiga, Z80 oder Apple Lisa noch immer Aufmerksamkeit erzeugen. 2026 häufen sich die passenden Schlagzeilen: So etwa das auf der Projektseite von Meatloaf dokumentierte ESP32-System, das  den C64 ins Internet bringt, während Historiker laut Microsofts Open Source Blog frühe DOS-Quelltexte aus alten Ausdrucken rekonstruiert haben. Mit NostOS entsteht zudem ein neues Betriebssystem für Rechner mit Z80 oder 8080. Commodore kündigt wiederum einen C64C Ultimate an, für dessen Gehäuse laut Mitteilung des Unternehmens wieder historische Spritzgusswerkzeuge zum Einsatz kommen.

Viele dieser Projekte begleiten die Retro-Szene schon länger. Neue Entwicklungsstände, Veröffentlichungen und Produktankündigungen bringen sie 2026 nun wieder verstärkt in die Schlagzeilen. Die Nostalgie ist dabei vor allem der Türöffner. Dahinter steckt ernsthafte Entwicklungsarbeit: offene Halbleiterprozesse, HDL-Design, FPGA-Implementierungen, kundenspezifische Leiterplatten, Spannungsversorgung und die Anbindung moderner Peripherie.

Drei Projekte zeigen besonders anschaulich, wie sich historische Computertechnik heute bewahren, rekonstruieren und weiterentwickeln lässt.

Ein Open-Source-Nachfolger des Z80 nimmt Gestalt an

Der Z80 feierte im Juli 2026 sein 50-jähriges Jubiläum. Zugleich nimmt ein offener Nachfolger Gestalt an – allerdings noch nicht als frei verfügbarer Serienchip. Ausgangspunkt war die Abkündigung der Z84C00-Familie: In einer im April 2024 veröffentlichten Product Change Notification wurde das Ende des Foundry-Supports mitgeteilt. Letzte Bestellungen waren nur noch bis Juni 2024 möglich.

Deshalb möchte das FOSS-Z80-Projekt einen quelloffenen und langfristig pinkompatiblen Ersatz für Systeme wie den ZX Spectrum oder moderne RC2014-Rechner entwickeln. Als Basis dient der in Verilog beschriebene TV80-Core. Die ersten beiden Tape-outs wurden 2025 ausgeliefert, funktionieren und werden weiterhin getestet. Dabei kamen offene Entwicklungsflüsse und unterschiedliche 130-nm-Prozesse von SkyWater und IHP zum Einsatz. Für die angestrebte Version im klassischen 40-poligen DIP-Gehäuse ist ein Chip-on-Board-Aufbau im 180-nm-Prozess GF180MCU vorgesehen.

Bis zum echten Drop-in-Ersatz bleibt dennoch Arbeit. Neben dem dokumentierten Befehlssatz müssen auch undokumentierte Funktionen, Signalverläufe und das zeitliche Verhalten zu historischer Peripherie passen. Gerade alte Rechner und Erweiterungskarten verlassen sich teilweise auf Eigenschaften, die nie offiziell spezifiziert wurden.

LisaFPGA rekonstruiert einen kompletten Computer

LisaFPGA rekonstruiert einen kompletten Rechner von 1983 in programmierbarer Logik. Das offene Projekt bildet eine Apple Lisa 1 beziehungsweise Lisa 2/5 auf einem Xilinx Artix-7-100T nach. Die Hardware sitzt auf einer eigens entwickelten sechslagigen Leiterplatte und verbindet die historische Systemarchitektur mit Anschlüssen, die im Alltag deutlich praktischer sind.

Neben dem FPGA arbeitet ein externer 2-MByte-SRAM, der sich zur Laufzeit auf eine Speicherkapazität zwischen 512 KByte und 2 MByte konfigurieren lässt. Bild und Ton werden über HDMI mit 1080p ausgegeben, USB-Tastatur und -Maus werden unterstützt und ein integrierter ESP32 übernimmt die Emulation der ProFile-Festplatte.

Ein zweiter ESP32 übernimmt die Floppy-Emulation. Einzelne Funktionen befinden sich laut Projektdokumentation weiterhin in Entwicklung. Die Leistungsaufnahme der gesamten Platine liegt bei rund 2,8 Watt. Außerdem lässt sich die emulierte CPU während des Betriebs auf bis zu das 3,75-Fache der Originalgeschwindigkeit schalten.

Der FPGA übernimmt einen großen Teil der System- und Schnittstellenlogik, arbeitet auf der Platine jedoch nicht allein. Ein USB-Hub, Programmier- und USB-zu-Seriell-Bausteine, Spannungswandler sowie die beiden ESP32 ergänzen das Design.

Der LT6502 macht aus dem Achtbitter einen Laptop

Der LT6502 geht einen anderen Weg: Er rekonstruiert keinen bestimmten historischen Rechner, sondern baut einen neuen Laptop um einen 65C02. Der Achtbitprozessor läuft mit 8 MHz und greift auf 46 KByte RAM zu. Als Massenspeicher dient eine CompactFlash-Karte; auf dem System läuft EhBASIC, ergänzt um Befehle für Dateien und einfache Grafik.

Zum Rechner gehören ein klappbares 9-Zoll-Display, eine selbst entwickelte Tastatur, eine achtstellige alphanumerische Anzeige und mehrere externe Schnittstellen. Ein serieller Anschluss erleichtert unter anderem die Entwicklung und Fehlersuche.

Wie der Projektbericht bei Hackaday erläutert, versorgt ein Akku mit 10.000 mAh das System. Geladen wird über USB-C. Hauptplatine und Tastaturplatine sind Eigenentwicklungen, das Gehäuse stammt überwiegend aus dem 3D-Drucker. Inzwischen arbeitet die Entwicklerin bereits an einer schlankeren zweiten Revision. Diese (LT6502b) verändert mehrere Hardwareparameter, darunter Displaygröße, Energieversorgung und Prozessortakt

Die Projektbeschreibung stellt vor allem den Spaß am Eigenbau in den Vordergrund. Für Elektronik-Entwickler liegt der Reiz zusätzlich in der Transparenz: Speicheraufteilung, Buszugriffe und Peripherieanbindung bleiben auf einem Achtbitsystem vergleichsweise überschaubar, während moderne Leiterplattenfertigung, Akkutechnik und Gehäusebau hinzukommen.

Der LT6502 ist somit kein ausdrücklich als Schulungsplattform konzipiertes Lernsystem. Er liefert aber reichlich Anschauungsmaterial dafür, wie sich eine alte Prozessorarchitektur mit heutigen Entwicklungs- und Fertigungsmethoden zu einem eigenständigen Gerät verbinden lässt.

Weitere Retro-Projekte, die 2026 auffallen

Meatloaf bringt den C64 ins Internet

Meatloaf verbindet den seriellen IEC-Bus von Commodore-Rechnern mit einem ESP32, einer SD-Karte und WLAN. Die Erweiterung emuliert unter anderem ein Diskettenlaufwerk und kann Programme über Netzwerkprotokolle direkt von Servern laden. Das Projekt existiert bereits seit mehreren Jahren, erhält 2026 durch einen Bericht im Make-Magazin aber neue Aufmerksamkeit.

Früher DOS-Code wird aus Papier rekonstruiert

Ein Team aus Historikern und Softwarebewahrern hat Quellcode-Ausdrucke von DOS-Entwickler Tim Paterson lokalisiert, gescannt und transkribiert. Der Bestand umfasst unter anderem den Kernel von 86-DOS 1.00, Zwischenstände von PC-DOS 1.00 und Programme wie CHKDSK. Die Ausdrucke dokumentieren einzelne Entwicklungsstände einschließlich handschriftlicher Anmerkungen und wirken damit wie eine auf Papier erhaltene Commit-Historie.

NostOS ist ein neues Betriebssystem für alte CPUs

NostOS wird für RC2014-Systeme und ähnliche Rechner mit Z80, 8080 oder 8085 entwickelt. Das Betriebssystem erinnert bewusst an CP/M oder HDOS, verwendet jedoch ein eigenes Dateisystem und ist nicht zu CP/M-Programmen oder -Datenträgern kompatibel. Es passt in einen 64-KByte-Adressraum und kann direkt aus dem ROM laufen.

Der C64C Ultimate soll in historischen Formen entstehen

Der C64C Ultimate bildet die Rechnerarchitektur des Commodore 64 mit moderner FPGA-Hardware nach und ergänzt unter anderem HDMI, USB und Netzwerkfunktionen. Nach Angaben von Commodore kommen für das flachere C64C-Gehäuse wieder die Spritzgusswerkzeuge zum Einsatz, mit denen bereits vor rund 40 Jahren Gehäuse gefertigt wurden. Nach Angaben von Commodore wurden bereits Tausende Gehäuse mit den restaurierten Originalwerkzeugen gefertigt. Eine unabhängige Bestätigung dieser Produktionszahlen liegt bislang nicht vor.

THEA1200 trifft auf Probleme der Gegenwart

Der emulationsbasierte THEA1200 mit funktionierender Tastatur, HDMI und USB sollte zunächst im Juni 2026 erscheinen. Auf der Produktseite von Retro Games wird der Marktstart inzwischen für den 4. Dezember genannt.

Als Gründe für die Verschiebung führte das Unternehmen Chipengpässe, gestiegene Kosten für Kunststoffteile und zusätzlichen Entwicklungsbedarf beim Betriebssystem an, wie ein Bericht von Tom’s Hardware dokumentiert. Ausgerechnet die Neuinterpretation eines Rechners aus den 1990er-Jahren kämpft damit mit Lieferketten- und Softwareproblemen des Jahres 2026.

Lazarustorm verlegt den PiStorm nach außen

Der Lazarustorm-Adapter ermöglicht es, einen PiStorm über den seitlichen Erweiterungsanschluss mit einem Amiga 500 zu verbinden. Dadurch kann der originale Motorola 68000 auf dem Mainboard verbleiben, während ein Raspberry Pi als leistungsfähige CPU-Emulation dient.

Die Konstruktion stammt allerdings nicht aus dem Jahr 2026. Das öffentliche Repository reicht mehrere Jahre zurück; auch erste Diskussionen über unterschiedliche Amiga-Revisionen stammen bereits aus dem Jahr 2022. Anfang 2026 wurde das Projekt lediglich wieder stärker von Technikmedien aufgegriffen.