Wenn ERP-Systeme beim Elektronikfertiger an ihre Grenzen stoßen
Nach einem ERP-Rollout stand der EMS-Dienstleister Krüger & Gothe vor einem Scherbenhaufen. Binnen weniger Tage drohte der Betrieb ins Stocken zu geraten. Eine Ergänzungslösung brachte schließlich die Wende.
Petra GottwaldPetraGottwaldPetra GottwaldChefredakteurin Elektronik-Titel
2 min
Als webbasiertes Modul kommt MiG ohne lokale Installation aus, lässt sich einfach an bestehende ERP-Systeme andocken und bietet eine Google-ähnliche Suchfunktion.Krüger & Gothe
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Der EMS-Dienstleister Krüger & Gothe mit Sitz in Neugattersleben und Standorten in Staßfurt sowie einer Tochter in Kunshan/China ist Industriepartner von der Produktentwicklung bis zur Validierung. Wie bei so vielen Unternehmen in der Branche sollte zur Ablösung veralteter Systeme ein neues ERP-System eingeführt werden, das die Standardisierung, Automatisierung und Optimierung von Geschäftsprozessen unterstützt, die Datenqualität verbessert und die Effizienz erhöht.
Die ERP-Umstellung bei Krüger & Gothe hatte einen engen Zeitrahmen – der Systemumstieg verlief unter hohem Zeitdruck: Freitag Abschaltung des Altsystems, Montag erste Buchungen im neuen. Doch schnell zeigte sich, dass die Datenbasis brüchig war. Was zunächst wie ein technisches Detail wirkte, entwickelte sich rasch zum operativen Engpass: Aufträge wurden fehlerhaft und isoliert dargestellt, Statusangaben waren kaum verlässlich. Eingabefehler und das Fehlen einer übergreifenden Übersicht führten zu erheblichen Rückständen und großer Unsicherheit in Einkauf, Disposition und Fertigung.
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Add-on als Rettungsanker
Um die Kontrolle zurückzugewinnen, suchte Krüger & Gothe nach einer pragmatischen Lösung. Die Wahl fiel auf das webbasierte Add-on MiG (Materialwirtschaft im Gleichgewicht) von Perzeptron, das sich ohne Eingriff ins ERP-System anbinden ließ. Installation und erste Analysen dauerten nur einen Tag. Eine kurze Validierungsphase von 1-2 Wochen schloss sich an – doch bereits ab dem ersten Einsatz stellte sich Transparenz ein.
„Mit MiG haben wir heute drei zentrale Werkzeuge an der Hand: eine Lieferübersicht mit allen Aufträgen inklusive Einmalkosten und Rahmenbestellungen, eine Fertigungsübersicht mit Abrufaufträgen und aktuellem Materialstatus sowie ein Dashboard mit Effizienzanalyse. Letzteres zeigt uns auf einen Blick kritische Positionen und Rückstände in Auftragsmanagement, Einkauf und Fertigung. Die Preis- und Rahmenübersicht war zu Beginn besonders wertvoll – so konnten wir zahlreiche Importfehler schnell erkennen und korrigieren“, erklärt Andreas Janele, Head of Purchasing bei Krüger & Gothe.
Die Auswirkungen ließen nicht lange auf sich warten. Innerhalb von vier Wochen konnten rückständige Aufträge im Wert von 8,4 Mio. Euro auf 2,6 Mio. Euro reduziert werden. Nach vier Monaten lag der Wert bei nur noch 345.000 Euro. Auch die Zahl offener Fertigungsaufträge schrumpfte deutlich – von 300 auf 60, später auf durchschnittlich drei. Fehlteile im Einkauf reduzierten sich von 28 auf eines. Gleichzeitig sank der Lagerbestand von 8,6 auf 6 Mio. Euro. Selbst vergessene Einzelkosten im sechsstelligen Bereich konnten nachträglich abgerechnet werden – ein Nebeneffekt der wiedergewonnenen Datenhoheit.
Akzeptanz durch Sicherheit und einfache Nutzung
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Einer der Erfolgsfaktoren war die einfache Integration. Da MiG keine Änderungen in der ERP-Datenbank vornimmt, entfiel die Sorge, versehentlich etwas zu beschädigen. Die Bedienoberfläche ist webbasiert, mit Filterfunktionen und Exportmöglichkeiten nach Excel. Über ein integriertes Kommunikationsfeld lassen sich Datenabstimmungen direkt zwischen Abteilungen abwickeln. „Das Tool hat von Anfang an gut funktioniert und wurde von allen akzeptiert“, so Janele. „Unsere Verbesserungsvorschläge wurden schnell umgesetzt – das hat Vertrauen geschaffen.“
Vom Krisenwerkzeug zur Dauerlösung
Inzwischen ist MiG fester Bestandteil der Unternehmens- prozesse. Einkauf, Disposition und Fertigung arbeiten dauerhaft mit dem System. Aktuell erweitert Krüger & Gothe den Einsatz um ein Kapitalbindungscockpit, das eine vollständige Auftragsübersicht inklusive Bestandsbewertung und Ladenhüter-Analyse bietet. Ziel ist es, gebundenes Kapital weiter zu reduzieren und Entscheidungsgrundlagen zu verbessern.
Autorin
Petra Gottwald
Chefredakteurin Elektroniktitel, nach Unterlagen von Perzeptron, Eschborn