Zweite Verhandlungsrunde der Metall- und Elektroindustrie

Metall-Tarifverhandlungen 2026: IG Metall lehnt Angebot ab

In der zweiten Verhandlungsrunde legen die Arbeitgeber ein erstes Angebot mit einer möglichen Einmalzahlung und einer späten Entgelterhöhung vor. Die IG Metall lehnt ab. Wie geht es nach Ende der Friedenspflicht weiter?

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Dreieckiges IG-Metall-Logo an der Außenwand eines Gebäudes.
In den Tarifverhandlungen für rund 3,7 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie liegen die Positionen zu Entgelten, betrieblichen Ausnahmen und Beschäftigungssicherung weiterhin weit auseinander.
Hochformatige Vergleichsinfografik zur Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2026 mit dem Titel „Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2026“ und der Unterzeile „Die Standpunkte im Vergleich“. Darunter steht „Stand: 28. Oktober 2026“. Im hellgrauen Hintergrund sind stilisierte Industriesilhouetten zu sehen: links eine Fabrik mit Schornsteinen, rechts ein Roboterarm und Zahnräder. Die Grafik ist in zwei farblich getrennte Spalten aufgebaut: links rot für „IG Metall“, rechts blau für „Arbeitgeber“. Dazwischen befindet sich eine schmale Mittelspalte mit Symbolen und Kategorienamen. In der ersten Vergleichszeile „Entgelt“ steht links neben einem roten Münzsymbol: „Fordert 5 % mehr Geld“. Rechts steht neben einem blauen Münzsymbol: „Bieten 1,3 % mehr Geld erst ab Juli 2028“. In der zweiten Zeile „Einmalzahlung“ steht links neben einem Dokumentensymbol mit rotem Kreuz: „Keine Einmalzahlung als Ersatz für eine dauerhafte Erhöhung“. Rechts steht neben einem Münzsymbol: „1 % des durchschnittlichen tariflichen Jahresbrutto im Juli 2027“, darunter kleiner: „Je Tarifgebiet berechnet“. In der dritten Zeile „Sicherheit der Zahlung“ steht links neben einem Schutzschild mit rotem Kreuz: „Kritisiert Reallohnverlust und unsichere Perspektive“. Rechts steht neben einem blauen Schutzschild: „Einmalzahlung soll differenzierbar sein“, darunter: „Also nicht automatisch für alle Beschäftigten sicher“. In der vierten Zeile „Laufzeit“ steht links neben einem Kalender: „12 Monate“. Rechts steht neben einem Kalender: „26 Monate bis Ende 2028“. In der fünften Zeile „Weitere Forderungen“ steht links neben einem Personensymbol mit roten Aufzählungspunkten: „Gewinnbeteiligung in gut laufenden Unternehmen“ sowie „Soziale Komponente für niedrige Einkommen und Azubis“. Rechts steht neben einem Zahnrad mit blauen Aufzählungspunkten: „Mehr Differenzierung“, „Gespräche über Krankenstände“ und „Gespräche über den Einsatz von KI“. In der sechsten Zeile „Standorte und Jobs“ steht links neben einem Fabriksymbol: „Will Arbeitsplätze und Standorte sichern“. Rechts steht neben einem blauen Fabriksymbol: „Will betriebliches Instrument für Investitionen, Innovationen, Standorte und Beschäftigung“. In der siebten Zeile „Wirtschaftliche Lage“ steht links neben einem Balkendiagramm mit roten Punkten: „Verweist auf hohe Preise und Kaufkraftverlust“ sowie „62 % der Betriebe laut IG Metall wieder gut bis sehr gut ausgelastet“. Rechts steht neben einem blauen Balkendiagramm mit blauen Punkten: „Verweist auf hohen Wettbewerbsdruck und schwierige Lage vieler Betriebe“ sowie „Unterschiede je nach Branche“. Am unteren Rand befindet sich ein gelb hinterlegter Warnkasten mit orangefarbenem Warnsymbol und der Überschrift „Nächster möglicher Eskalationspunkt“. Darunter steht: „Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober 2026. Ab 1. November sind Warnstreiks möglich.“ Unten links ist die Quellenangabe zu lesen: „Quelle: Angaben von IG Metall und Arbeitgeberverbänden“.
In der Tarifrunde 2026 liegen IG Metall und Arbeitgeber bei Entgelt, Laufzeit, Zusatzforderungen und der Bewertung der wirtschaftlichen Lage weiterhin deutlich auseinander. Mit dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober rücken Warnstreiks näher.

In der Tarifrunde für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber am 27. Oktober 2026 erstmals ein bundesweit abgestimmtes Angebot vorgelegt. Es sieht eine Einmalzahlung im Juli 2027 und eine dauerhafte Entgelterhöhung von 1,3 Prozent erst ab Juli 2028 vor. Die IG Metall hat das Angebot zurückgewiesen und bereitet Warnstreiks vor.

Die Arbeitgeberverbände übermittelten ihre Offerte zum Auftakt der zweiten Verhandlungsrunde zeitgleich in fünf Tarifgebieten, darunter Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die übrigen Tarifgebiete sollen folgen. Die Gewerkschaft hält an ihrer Forderung nach fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten fest.

Was bieten die Arbeitgeber in der Metall-Tarifrunde 2026?

Das Arbeitgeberangebot sieht eine einmalige Zahlung im Juli 2027 in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im jeweiligen Tarifgebiet vor. Dabei handelt es sich um einen regional berechneten Betrag, der nicht individuell anhand des jeweiligen Jahresgehalts ermittelt wird. Die Einmalzahlung soll zudem nach den Regeln der sogenannten automatischen Differenzierung angepasst werden können. Unternehmen mit einer schwierigen wirtschaftlichen Lage könnten demnach von der Zahlung abweichen. Die vorgesehene Sonderzahlung wäre somit nicht für alle Beschäftigten gleichermaßen gesichert.

Eine dauerhafte Anhebung der Entgelttabellen um 1,3 Prozent soll erst zum 1. Juli 2028 erfolgen. Bis dahin sehen die Arbeitgeber keine reguläre tabellenwirksame Entgelterhöhung vor. Die vorgeschlagene Laufzeit beträgt insgesamt 26 Monate und endet am 31. Dezember 2028. Damit liegen die Vorstellungen beider Seiten weiterhin deutlich auseinander. Die IG Metall fordert fünf Prozent höhere Entgelte und Ausbildungsvergütungen für zwölf Monate. Hinzu kommen eine soziale Komponente für Beschäftigte mit niedrigeren Einkommen sowie eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen.

Warum lehnt die IG Metall das Angebot ab?

Die IG Metall hält das Angebot angesichts der Preisentwicklung für unzureichend. Insbesondere die späte dauerhafte Entgelterhöhung und die lange Laufzeit stehen in der Kritik. Nach Auffassung der Gewerkschaft würde der Vorschlag zu Reallohnverlusten führen.

Hinzu kommt, dass die Gewerkschaft bislang keine ausreichenden Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten erkennt. Eine tarifliche Gewinnbeteiligung für besonders erfolgreiche Unternehmen ist im Arbeitgeberangebot ebenfalls nicht vorgesehen. Thorsten Gröger, Verhandlungsführer der IG Metall in Niedersachsen, kritisiert das Verhältnis zwischen angebotenen Entgelterhöhungen und zusätzlichen Forderungen der Arbeitgeber: „Die Wunschliste der Arbeitgeber ist lang, ihr Angebot ist karg.“

Auch KI und Krankenstände werden zum Verhandlungsthema

Neben der Entgeltfrage wollen die Arbeitgeber weitere tarifliche Regelungen verändern. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall soll die automatische Differenzierung ausgeweitet und dauerhaft fortgeschrieben werden. Dadurch könnten Unternehmen bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten stärker von bestimmten tariflichen Leistungen abweichen.

Außerdem fordern die Arbeitgeber ein neues betriebliches Instrument zur Sicherung von Investitionen, Innovationen, Standorten und Beschäftigung. Dieses soll den Betrieben zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, ihre Kosten- und Wettbewerbsfähigkeit zu beeinflussen. Wie das Instrument konkret ausgestaltet werden soll, ist bislang offen.

Weitere Themen sind der Krankenstand in den Unternehmen und der Einsatz künstlicher Intelligenz. Die Arbeitgeber möchten über Maßnahmen zur Senkung der Krankheitskosten und eine beschleunigte Einführung von KI in den Betrieben sprechen. Gesamtmetall bezeichnet beide Punkte ausdrücklich als Gesprächswünsche.

Die IG Metall kritisiert die Verknüpfung des Entgeltangebots mit zusätzlichen Forderungen nach betrieblichen Ausnahmen. Die Arbeitgeber begründen ihre Position dagegen mit dem wirtschaftlichen Druck auf die Industrie und dem fortschreitenden Beschäftigungsabbau.

Unterschiedliche Wirtschaftslage erschwert die Einigung

Die Tarifverhandlungen finden unter sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen statt. Während insbesondere die Automobilindustrie und Teile der Zulieferbranche unter schwacher Nachfrage und Stellenabbau leiden, entwickeln sich andere Industriezweige günstiger.

Die IG Metall verweist auf ihre Betriebsrätebefragungen, nach denen 62 Prozent der Betriebe wieder eine gute bis sehr gute Auslastung aufweisen. Besonders die Luft- und Raumfahrt, die Medizintechnik, die Elektrotechnik und die Wehrtechnik profitieren demnach von einer vergleichsweise starken Nachfrage.

Die Arbeitgeber zeichnen ein kritisches Bild. Nach einer aktuellen Umfrage des Arbeitgeberverbands Metall NRW beurteilen 44 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen ihre Geschäftslage als schlecht, während nur 17 Prozent sie als gut bewerten. Rund 45 Prozent rechnen mit weiterem Arbeitsplatzabbau. Die beiden Befragungen erfassen unterschiedliche Unternehmensgruppen und wirtschaftliche Kennzahlen.

Die Arbeitgeber verweisen außerdem darauf, dass die Tabellenentgelte zuletzt im April 2026 um 3,1 Prozent gestiegen sind. Angesichts des internationalen Wettbewerbsdrucks benötigten die Betriebe nun eine tarifpolitische Atempause.

Wann beginnen die Warnstreiks in der Metallindustrie?

Die Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie endet am 31. Oktober 2026. Damit sind ab dem 1. November Warnstreiks zulässig. Die IG Metall hat bereits angekündigt, den Druck auf die Arbeitgeber mit Arbeitsniederlegungen erhöhen zu wollen.

Nach der Ablehnung des ersten Angebots bereiten sich die regionalen Gewerkschaftsbezirke entsprechend auf Warnstreiks vor. Welche Betriebe konkret betroffen sein werden und wann die ersten Arbeitsniederlegungen stattfinden, hängt von den weiteren regionalen Planungen ab.

Die zweite Verhandlungsrunde wird unterdessen fortgesetzt. Am 28. Oktober stehen Verhandlungen unter anderem in der Mittelgruppe sowie in Thüringen an. Am 29. Oktober folgen Berlin-Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Für den 30. Oktober sind weitere Gespräche im Tarifgebiet Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim vorgesehen.