Vorstandsvergütung im DAX
Vorstandsgehälter 2025: Was SAP, Siemens und Infineon zahlen
Die DAX-Vorstandsgehälter steigen 2025 im Schnitt. Doch SAP, Siemens, Infineon und die Autoindustrie unterscheiden sich deutlich. Und ausgerechnet KI spielt bei den Bonuszielen kaum eine Rolle.
Die DAX-Vorstandsgehälter sind 2025 im Durchschnitt gestiegen, doch hinter dem Plus verbergen sich deutliche Unterschiede zwischen Unternehmen und Branchen
charnchai saeheng
Die Vorstandsvergütung im DAX ist 2025 im Durchschnitt gestiegen. Ein Vorstandsmitglied einschließlich der Vorsitzenden erhielt im Schnitt 3,909 Millionen Euro und damit 4,0 Prozent mehr als 2024. Der Median sank dagegen um 1,6 Prozent auf 3,6 Millionen Euro. Die Zahlen verstehen sich ohne Pensionen. Dass Mittelwert und Median auseinanderlaufen, führen DSW und TU München vor allem auf wenige Sonderfälle zurück.
Für all-electronics.de ist weniger das komplette DAX-Ranking interessant als der Blick auf Technologie- und Industrieunternehmen. Dabei reicht die durchschnittliche Vorstandsvergütung bei den hier betrachteten Unternehmen von 2,331 Millionen Euro bei Infineon bis zu 5,822 Millionen Euro bei Volkswagen.
Wie unterscheiden sich SAP, Siemens und Infineon bei der Vorstandsvergütung?
Bei SAP lag die durchschnittliche Gesamtvergütung je Vorstandsmitglied einschließlich des Vorsitzenden 2025 bei 5,6 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang um 9,5 Prozent. Sowohl die kurzfristige als auch die langfristige variable Vergütung gingen zurück.
Eine Besonderheit gibt es dennoch: SAP-Chef Christian Klein war mit 10,851 Millionen Euro der bestbezahlte Vorstandsvorsitzende im DAX. Davon entfielen 5,957 Millionen Euro auf langfristige variable Vergütung. Als einer von zwei DAX-Chefs überschritt er damit 2025 die Marke von zehn Millionen Euro.
Bei Siemens sank die durchschnittliche Vorstandsvergütung um 6,2 Prozent auf 5,020 Millionen Euro. Die Fixvergütung blieb mit durchschnittlich 1,616 Millionen Euro unverändert, während die kurzfristige variable Vergütung um 5,4 Prozent und die langfristige um 11,8 Prozent zurückging.
Deutlich niedriger liegt Infineon. Dort stieg die durchschnittliche Gesamtvergütung leicht um 1,6 Prozent auf 2,331 Millionen Euro. Die kurzfristige variable Vergütung sank um 3,6 Prozent, die langfristige Komponente stieg um 3,2 Prozent.
Sondereffekt treibt Siemens Energy um 176,7 Prozent nach oben
Den größten prozentualen Anstieg im gesamten DAX verzeichnete Siemens Energy. Die durchschnittliche Gesamtvergütung erhöhte sich von 1,243 auf 3,441 Millionen Euro und damit um 176,7 Prozent.
Der Wert ist allerdings nur mit Blick auf die Hintergründe sinnvoll einzuordnen. Nach Angaben von DSW und TU München geht der Anstieg nahezu vollständig auf eine einmalige „Early Exit Komponente“ infolge der vorzeitigen Ablösung der Bundesbürgschaft zurück. Zuvor durfte das Unternehmen keine variablen Vergütungsbestandteile gewähren.
Bei Siemens Healthineers verlief die Entwicklung dagegen nahezu ohne Bewegung. Die durchschnittliche Gesamtvergütung sank um 0,3 Prozent auf 3,574 Millionen Euro.
In der Autoindustrie gehen die Vergütungen auseinander
Auch innerhalb der Automobilindustrie zeigt die Studie sehr unterschiedliche Entwicklungen. Bei Volkswagen sank die durchschnittliche Vorstandsvergütung um 6,7 Prozent von 6,240 auf 5,822 Millionen Euro.
Mercedes-Benz verzeichnete mit minus 18,8 Prozent den stärksten Rückgang aller DAX-Unternehmen. Die durchschnittliche Gesamtvergütung sank auf 3,535 Millionen Euro. Ausschlaggebend war insbesondere die kurzfristige variable Vergütung, die um 40,9 Prozent zurückging.
Bei BMW entwickelte sich die Vergütung in die Gegenrichtung. Sie stieg um 19,4 Prozent auf durchschnittlich 3,259 Millionen Euro. Besonders deutlich legte die langfristige variable Vergütung mit 78,2 Prozent zu.
Noch stärker war der Anstieg bei Continental. Die Gesamtvergütung erhöhte sich um 32,5 Prozent auf 3,512 Millionen Euro. Die kurzfristige variable Komponente nahm dabei um 106,1 Prozent zu. Daimler Truck verzeichnete dagegen ein Minus von 9,3 Prozent auf 2,750 Millionen Euro.
Warum Airbus nur eingeschränkt vergleichbar ist
Bei Airbus stieg die ausgewiesene durchschnittliche Vorstandsvergütung um 49,5 Prozent von 4,587 auf 6,859 Millionen Euro. Laut Studie hängt der Anstieg unter anderem mit einer 2025 beschlossenen Anpassung der Vergütungspolitik und einer höheren Zielerreichung bei der kurzfristigen variablen Vergütung zusammen.
Der Wert lässt sich allerdings nur eingeschränkt mit den deutschen DAX-Unternehmen vergleichen. Im Board of Directors von Airbus ist lediglich der CEO als exekutives Mitglied vertreten. Bei Rheinmetall erhöhte sich die durchschnittliche Gesamtvergütung dagegen moderater um 4,7 Prozent auf 3,358 Millionen Euro.
Welche Rolle spielt KI bei den Bonuszielen?
Für Technologieunternehmen liefert die Studie einen besonders interessanten Befund: Künstliche Intelligenz ist in den Vergütungssystemen der DAX-Vorstände bislang kaum explizit verankert.
Nur sechs der 40 DAX-Unternehmen berücksichtigen KI-bezogene Aspekte in der kurzfristigen variablen Vergütung: Bayer, Commerzbank, Deutsche Börse, Deutsche Telekom, RWE und Siemens Healthineers. In der langfristigen variablen Vergütung ist es lediglich die Commerzbank.
Digitalisierungsziele finden sich bei acht Unternehmen in der kurzfristigen Vergütung und ebenfalls nur bei der Commerzbank in der langfristigen Komponente. Noch auffälliger: In keinem der untersuchten Systeme gibt es eine eigenständige, explizit KI- oder digitalisierungsbezogene Kennzahl mit eigener Gewichtung. Stattdessen sind solche Aspekte in Sammelpositionen wie individuellen Zielen, Konzernzielen oder Strategie-Multiplikatoren enthalten.
Das steht im Kontrast zur strategischen Kommunikation der Unternehmen. Laut Studie gehörte KI in den Geschäftsberichten 2025 und auf den Hauptversammlungen zu den dominierenden strategischen Themen. In den langfristigen Vergütungskomponenten, die mehrjährige Transformationen steuern sollen, findet sie bislang jedoch kaum Berücksichtigung.
Damit stellt sich auch für Technologieunternehmen die Frage, wie stark strategische KI-Ziele tatsächlich in messbare Managementziele übersetzt werden.
Deutsche Vorstandsgehälter im internationalen Vergleich
Bei aller Diskussion über Millionenbeträge liegen die Vergütungen deutscher Konzernchefs im internationalen Vergleich deutlich niedriger. Ein DAX-CEO erhielt 2025 durchschnittlich rund 6,1 Millionen Euro. Bei den Unternehmen des Euro Stoxx 50 ohne die deutschen Gesellschaften waren es 9,5 Millionen Euro. Die CEOs der 30 Unternehmen im Dow Jones Industrial Average kamen im Schnitt sogar auf 30,5 Millionen Euro.
Auch die Struktur der Vergütung unterscheidet sich deutlich. Im Dow Jones Industrial Average entfielen durchschnittlich 78,3 Prozent auf langfristige, überwiegend aktienbasierte variable Vergütung. Im Euro Stoxx 50 ohne deutsche Unternehmen waren es 55,8 Prozent, im DAX 43,3 Prozent.
Die deutschen DAX-Unternehmen liegen damit nicht nur bei der absoluten Höhe zurück. Auch ihre Vergütungssysteme setzen weniger stark auf langfristige variable Komponenten als die Vergleichsunternehmen in den USA.
Für die Einordnung der Vorstandsgehälter bleibt deshalb entscheidend, nicht nur auf die absolute Summe zu schauen. Ebenso wichtig ist, welche Ziele an die variable Vergütung gekoppelt werden und wie stark sie die langfristige Unternehmensentwicklung abbilden.