ZVEI-Umfrage zeigt technologische Aufbruchstimmung
Elektro- und Digitalindustrie setzt auf industrielle KI
Eine Umfrage des ZVEI zeigt, das fast jedes zweite Unternehmen industrielle KI-Anwendungen produktiv einsetzt, hohe Investitionen plant und kurze Amortisationszeiten erwartet. So könnte die Branche 2026 nach drei schwierigen Jahren erstmals wieder wachsen.
Europa braucht endlich mehr gezieltes Datenteilen, das den Schutz von Knowhow im Unternehmen wahrt und zugleich entstehende Wertschöpfung fair verteilt.
KI
Wie
eine aktuelle ZVEI-Mitgliederbefragung zeigt, verändern industrielle
KI-Anwendungen die Unternehmen in hohem Maße. Denn nahezu alle
Unternehmen befassen sich mit industrieller KI und wollen
Wachstumschancen nutzen. Folglich planen sie hohe Investitionen. Mehr
als die Hälfte der Befragten kann dies bereits konkret
quantifizieren und will zwischen 10 und 25 Prozent der
Gesamtinvestitionen für industrielle KI aufwenden. Dabei gehen 60
Prozent der Unternehmen davon aus, dass sich diese Investitionen nach
spätestens ein bis zwei Jahren wirtschaftlich auszahlen.
Bevor
sich das Potenzial von industrieller KI aber vollends entfalte,
müssten die Unternehmen noch Hausaufgaben erledigen, mahnt
ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel an. Weiterhin sei die Bereitschaft zum Datenteilen
entlang der Wertschöpfungskette unzureichend. Die Umfrage lässt
erkennen, dass kleine Unternehmen hier besonders zurückhaltend sind.
Knapp 80 Prozent teilen ihre Daten bisher nicht; bei den Großen sind
es nur 10 Prozent.
Ohne
mehr gezieltes Datenteilen, das den Schutz von Knowhow im Unternehmen
wahrt und zugleich entstehende Wertschöpfung fair verteilt, würde
das Potenzial industrieller KI unausgeschöpft bleiben und der
deutsche und europäische Industriestandort gegenüber China an
Stärke verlieren, dem größten Wettbewerber bei industrieller KI
laut Umfrage. Passen müsse aber auch der rechtliche Rahmen.
KI-Regulatorik im EU AI Act müsse industrietauglicher werden, damit
die hiesige Industrie ihre Stärken im globalen Wettbewerb ausspielen
kann.
2026:
Reales Produktionsplus erwartet
Aber
auch in vielen anderen Bereichen drückt die Last überbordender
Regularien. Hier sei Bundesregierung im Obligo und müsse den
Reformstau endlich auflösen, um die überfällige Effizienzwende
beherzt umzusetzen. Deutschland brauche mehr Freiheit für
Unternehmergeist: niedrigere Steuern, kein unnötiges ‚Gold
Plating‘ wie beim Lieferkettensorgfaltsgesetz und konsequentes
Weiterverfolgen der Elektrifizierung, um resilienter zu werden.
Das
ergebe sich aus der geopolitischen Weltlage und sei insbesondere
deshalb wichtiger denn je, weil Deutschland die dafür erforderlichen
Hebel selbst in der Hand halte. Unter der Voraussetzung, dass sich
die Lage im Iran im zweiten Quartal normalisiert, hält der ZVEI an
der Jahresprognose für 2026 fest. Der Verband erwartet demnach ein
reales Produktionsplus von 2 Prozent. Bislang lägen die
Auftragseingänge der Branche über den Vorjahreswerten. Abzuwarten
blieben aber die Effekte des Irankrieges, die in den ausgewerteten
Daten noch keinen Niederschlag finden. „In diesen weltpolitisch
herausfordernden Zeiten erkennen wir den hohen Wert des
EU-Binnenmarkts. Hier spiegelt sich ein auffällig starker Anstieg,
während das Geschäft mit dem Rest der Welt schwieriger wird“,
betont Dr. Kegel. Europa müsse alles daransetzen, die eigene
Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz zu stärken.
Plattform
für Sicherheits- und Verteidigungsindustrie
Europa
und Deutschland stehen vor der Aufgabe, ihre Verteidigungsfähigkeit
eigenständig zu gewährleisten. Dabei wird deutlich: Diese entsteht
nicht mehr nur bei den klassischen Systemhäusern der Sicherheits-
und Verteidigungsindustrie (SVI), sondern entlang der gesamten
industriellen Wertschöpfungskette. Der notwendige Hochlauf zur
Verteidigungsfähigkeit erfordert eine breite industrielle Basis. Der
Elektronikanteil an Verteidigungsgütern steigt kontinuierlich –
von rund 10 Prozent im Jahr 2000 auf perspektivisch rund 25 Prozent
im Jahr 2035.
Derzeit
erschweren aber die spezifischen rechtlichen und regulatorischen
Anforderungen, hohen Sicherheitsauflagen sowie gesonderte
Zertifizierungen, Normen und Standards den Zugang zum SVI-Markt. Diese Vorgaben müssen gerade für
neue Akteure aus dem zivilen Bereich besser erschließbar werden.
Dazu gehöre unter anderem die Modernisierung des Beschaffungswesens – mit klaren
Verantwortlichkeiten, standardisierten Vertrags- und Vergabemodellen
sowie professionellem Lieferketten-Risikomanagement. Zentral sei etwa
ein strukturierter Marktdialog, der die vorhandenen Fähigkeiten der
gesamten Industrie frühzeitig einbindet.
Moderne
Verteidigungssysteme basieren zunehmend auf Elektronik und Software.
Schlüsseltechnologien wie Sensorik, Leistungselektronik, Software
und Datenkommunikation stammen dabei überwiegend aus der zivilen
Industrie. Vor diesem Hintergrund hat der ZVEI die Plattform
„Sicherheit und Verteidigung“ ins Leben gerufen. Deren Ziel ist
es, Mitgliedsunternehmen Orientierung beim Eintritt in die
Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu geben und ihre Position im
Markt zu stärken.