EFI-Gutachten 2026 und Merz Worte im Realitätscheck

Technologieführerschaft in Deutschland: Anspruch und Realität

Bundeskanzler Merz beansprucht Technologieführerschaft für Deutschland. Das EFI-Gutachten 2026 zeigt jedoch: Bei KI und Mikroelektronik droht ein Rückstand. Forschung ist stark – doch reicht das für die industrielle Zukunft?

Infografik „Technologieführerschaft 2026: Anspruch vs. Wirklichkeit“ zum EFI-Gutachten 2026: Gegenüberstellung von politischem Ziel (3,5 % FuE-Quote, Fokus auf KI, Quanten, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Mobilität) und wirtschaftlicher Realität mit stagnierender FuE-Intensität bei 3,13 %, Transferschwäche sowie Rückstand Deutschlands bei KI und Mikroelektronik im Vergleich zu USA und China.
Politischer Führungsanspruch und wirtschaftliche Indikatoren klaffen laut EFI-Gutachten 2026 auseinander. Während die Bundesregierung beispielsweise auf 3,5 % FuE-Quote und Schlüsseltechnologien setzt, verharrt die reale FuE-Intensität bei 3,13 % – begleitet von Rückständen bei KI und Mikroelektronik.

EFI-Gutachten 2026: Deutschlands KI-Lücke als Risiko für die Elektronikindustrie

  • Das EFI-Gutachten 2026 bestätigt Deutschlands starke Forschungsbasis in Schlüsseltechnologien, sieht aber Defizite beim Transfer in marktreife Produkte. Besonders in KI und Mikroelektronik verliert Deutschland im internationalen Vergleich an Dynamik.
  • Im Bereich Künstliche Intelligenz fordert die Kommission den massiven Ausbau von Recheninfrastruktur und europäischen Rechenzentrumsstrategien. Zudem empfiehlt sie ein leistungsfähiges europäisches Open-Source-Grundlagenmodell und rechtssicheren Zugang zu Trainingsdaten.
  • Für die Elektronikindustrie ist der Aufbau eigener KI- und Infrastrukturkompetenz strategisch entscheidend. Embedded-KI, Edge-Computing und industrielle Automatisierung hängen davon ab, ob Europa unabhängiger von außereuropäischen Plattformanbietern wird.

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EFI-Gutachten 2026: Wird Deutschland wieder Technologieführer?

„Wir haben den Anspruch, wieder Technologieführerschaft zu übernehmen.“ Mit diesem Satz setzte Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Übergabe des EFI-Gutachtens 2026 ein bewusst starkes Signal. Forschung und Innovation hätten für die Bundesregierung „vielleicht sogar die höchste Priorität“. (Anm. d. Red.: Bleibt natürlich die Frage, welche Bedeutung die Worte noch haben, wenn das "vielleicht" eingeschoben wird.) Deutschland verfüge über eine hochinnovative Forschungslandschaft – von der Chipforschung in Dresden über Batterietechnologie in Münster bis zu Supercomputing in Jülich.

Der politische Anspruch ist klar formuliert. Allerdings liefert das Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) liefert eine differenziertere Bestandsaufnahme.

Hightech Agenda Deutschland: Reichen Schlüsseltechnologien für mehr Wettbewerbsfähigkeit?

Die Hightech Agenda Deutschland stellt sechs Schlüsseltechnologien in den Mittelpunkt: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien für klimaneutrale Mobilität.

Die EFI bewertet die Fokussierung auf Schlüsseltechnologien grundsätzlich positiv. Gerade für eine exportorientierte Industrienation ist technologische Spezialisierung ein strategischer Hebel. Doch der internationale Vergleich zeigt: Deutschland verfügt zwar über eine starke Forschungsbasis, verliert jedoch an Dynamik bei der industriellen Umsetzung.

Bei wissenschaftlichen Publikationen liegt Deutschland in den meisten Schlüsseltechnologien im internationalen Mittelfeld. In klimaneutraler Energieerzeugung und Mobilität bestehen sichtbare Stärken. Bei Patentanmeldungen als Indikator für die technologische Verwertung sieht es anders aus. In den Bereichen KI und Mikroelektronik hinkt Deutschland hinterher.

China verzeichnet in diesen Feldern deutlich höhere Wachstumsraten, sowohl bei Publikationen als auch bei Patenten. Die USA dominieren weiterhin bei KI-Modellentwicklung und kommerzieller Skalierung. Deutschland dagegen zeigt eine vergleichsweise geringe Entwicklungsdynamik, vor allem in der Mikroelektronik.

Die Kommission spricht hier indirekt von einer Transferschwäche: Forschungsergebnisse gelangen zu selten schnell und breit in marktfähige Produkte und Wertschöpfungsketten. Also, noch viel Luft nach oben.

FuE-Quote von 3,5 Prozent: Wie realistisch ist das Ziel?

Der Kanzler bekräftigte das Ziel, 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung zu investieren. Man sei seit Jahren über der Drei-Prozent-Marke und komme dem Ziel schrittweise näher. Die Zahlen des Gutachtens zeigen jedoch ein anderes Bild: Die FuE-Intensität liegt bei 3,13 Prozent – und stagniert seit mehreren Jahren.

Zwei Drittel der FuE-Ausgaben stammen aus der Wirtschaft. In anderen Worten: Die Dynamik hängt maßgeblich von Investitionsentscheidungen der Unternehmen ab. Förderprogramme allein können diese Quote nicht auf das angestrebte Niveau heben. Entscheidend sind wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, von steuerlicher Ausgestaltung über Energiepreise bis hin zu Planungs- und Genehmigungsprozessen.

Künstliche Intelligenz in Deutschland: Darum entsteht eine strukturelle Lücke

Künstliche Intelligenz bezeichnete Merz als „Schlüsseltechnologie“ und als nächste große Innovationsstufe für Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit. Die EFI teilt die Einschätzung der strategischen Bedeutung – sieht aber deutliche strukturelle Defizite.

Deutschland und Europa verfügen über exzellente KI-Forschung, liegen jedoch bei der Entwicklung leistungsfähiger Grundlagenmodelle und bei der industriellen Umsetzung hinter den USA und China zurück.

Die Kommission fordert deshalb:

  • den massiven Ausbau leistungsfähiger KI-Infrastruktur,
  • europäische Rechenzentrumsstrategien mit global relevanter Kapazität,
  • Förderung eines europäischen Open-Source-Grundlagenmodells,
  • besseren rechtssicheren Zugang zu Trainingsdaten.

Gerade für die Elektronikindustrie ist das entscheidend. Embedded-KI, Edge-Computing und industrielle Automatisierung hängen langfristig davon ab, ob Europa eigene Modell- und Infrastrukturkompetenz aufbaut oder dauerhaft auf außereuropäische Plattformanbieter angewiesen bleibt.

Innovationshemmnis Bürokratie: Was braucht der Mittelstand wirklich?

Der Kanzler betonte die Fortschritte beim Bürokratieabbau und verwies auf vereinfachte Verfahren etwa bei Anlagengenehmigungen und Fachkräfteeinwanderung. Das EFI-Gutachten zeigt dagegen, wie stark administrative Hürden weiterhin Innovationsaktivitäten bremsen.

 Bürokratische Belastungen, komplexe Förderanträge und regulatorische Unsicherheiten gehören laut Analyse zu den zentralen Hemmnissen für mittelständische Unternehmen. Die Kommission empfiehlt deshalb strukturelle Vereinfachungen: schlankere Verfahren bei der Forschungszulage, konsequente Umsetzung des Once-Only-Prinzips, digitale Verwaltungsprozesse und praxisnahe Regulierungschecks. Das Once-Only-Prinzip bedeutet, dass Bürger und Unternehmen bestimmte Daten gegenüber Behörden nur einmal angeben müssen und diese Informationen anschließend von den zuständigen Stellen digital untereinander weiterverwendet werden.

Sicherheitsforschung und EU-Strategie: So wird Europa innovationsstärker

Mit deutlichen Worten positionierte sich der Kanzler zur Sicherheits- und Verteidigungsforschung als Innovationsmotor. Dahinter steht mehr als ein politisches Signal. Historisch betrachtet gingen zahlreiche Schlüsseltechnologien – von Halbleitern über Satellitentechnik bis hin zu Internetinfrastruktur – aus sicherheitsgetriebener Forschung hervor. Die EFI greift diesen Gedanken auf und empfiehlt, innovationsorientierte Beschaffungsinstrumente stärker zu nutzen, funktionale statt detaillierte Leistungsbeschreibungen vorzusehen und gezielt Sprunginnovationen zu fördern.

Für die Elektronikindustrie eröffnet das ein relevantes Feld: Sensorik, sichere Kommunikationssysteme, KI-gestützte Auswertung, Cybersecurity oder resiliente Halbleiterarchitekturen sind klassische Dual-Use-Technologien. Eine strategisch ausgerichtete Sicherheitsforschung kann hier Skaleneffekte erzeugen, die weit über den Verteidigungssektor hinausreichen.

Parallel dazu rückt die europäische Ebene stärker in den Fokus. Das geplante zehnte EU-Forschungsrahmenprogramm soll enger mit dem Europäischen Wettbewerbsfonds verzahnt werden. Ziel ist es, Forschung, Skalierung und industrielle Umsetzung nicht länger institutionell getrennt zu denken. Hinzu kommt das sogenannte „28. Regime“ – ein einheitlicher EU-Rechtsrahmen für Start-ups, der Fragmentierung abbauen und grenzüberschreitendes Wachstum erleichtern soll.

Im Kern geht es damit um eine strategische Neuausrichtung: weniger kleinteilige Projektförderung, mehr industriepolitische Hebelwirkung. Ob Europa innovationsstärker wird, entscheidet sich nicht nur an der Höhe der Fördermittel, sondern an der Fähigkeit, technologische Exzellenz schneller in industrielle Wertschöpfung zu überführen – und das koordiniert über nationale Grenzen hinweg.

Zwischen politischem Anspruch und technologischer Realität

Der politische Führungsanspruch ist klar formuliert. Das EFI-Gutachten zeigt jedoch, dass Deutschland in zentralen Technologiefeldern zwar über starke wissenschaftliche Grundlagen verfügt, aber bei Skalierung, Transfer und industrieller Dynamik aufholen muss.

Technologieführerschaft entsteht nicht durch Strategiepapiere allein; sondern durch konsequente Umsetzung, Investitionsbereitschaft und internationale Wettbewerbsfähigkeit.