Zukünftige Steckverbindungen für effizientere Antriebe
Die Miniaturisierung industrieller Antriebe stellt etablierte Schnittstellen infrage. Während der M23 lange als Standard galt, rücken kompaktere Lösungen wie M17 in den Fokus. Neue Konzepte kombinieren Leistung und Daten und verändern die Verbindungstechnik grundlegend.
Christian BährChristianBähr
3 min
Warum ersetzt M17 den M23 als Standard für Antriebe und treibt kompakte, effiziente Verbindungstechnik voran?Harting
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Rundsteckverbinder der Baugröße M23 sind gegenwärtig der
Quasistandard, wenn es um die Leistungsversorgung und den Signalanschluss von
Antrieben und Stellmotoren geht. Über diverse Leistungsklassen der Antriebe
hinweg, galt der M23 als universeller Anschluss. Robust, einfach zu bedienen,
gute EMV-Eigenschaften in Metallausführung und immer genug Leistungsreserven.
Aber die Anforderungen wandeln sich.
Steigende Dezentralisierung bei Antrieben
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In modernen Produktionen halten die Megatrends wie
Digitalisierung und Dezentralisierung auch bei Antrieben Einzug. Während früher
wenige große Motoren den Antrieb langer miteinander verbundener Förderstrecken
übernahmen, geht der Trend klar zu mehreren, kleineren und dezentralen Motoren.
Diese lassen sich individueller ansteuern und steigern die Effizienz im
gesamten Prozess. Auch die Betriebssicherheit ist hier ein wichtiges Thema. So
reduzieren viele kleine Einzelantriebe die jeweils an einem Punkt angreifende
Kraft, im Gegensatz zu einem zentralen Großantrieb, der über Bänder und Ketten
verbunden ist. Kommt es hier zu einem Störfall ist die Zerstörungskraft bis zum
Notabschalten ungleich höher.
Antriebshersteller entwickeln ihr Portfolio dahingehend
kontinuierlich weiter und setzen ebenso auf die Miniaturisierung ihrer
Produkte. Antriebe werden kleiner, effizienter und verrichten bei geringerer
Leistungsaufnahme die gleiche Arbeit. Das sorgt für Einsparungen im
Energieverbrauch, im Ressourcenverbrauch und steigert gleichzeitig die
Flexibilität der eigenen Anlagen. Mit immer kleineren Antrieben werden M23-Verbindungen allerdings inadäquat groß zum zukünftigen Antrieb und stehen einer
sinnvollen Miniaturisierung im Wege.
Die nächstkleineren Größen im Bereich robuster
Rundsteckverbinder sind die metrischen Größen M17 und Size 15. Wenn es noch
etwas kompakter sein soll, können Anwender auf die M12-Powerkodierungen L und K
zurückgreifen. Dabei können von klein nach groß folgende Motorleistungen
angeschlossen werden: M12 bis 5,5 kW, Size 15 bis 7,5 kW, M17 bis 11 kW. Durch
Effizienzsteigerung und den häufigeren Einsatz kleinerer Antriebe durch die
Dezentralisierung sind die möglichen 15 kW Übertragungsleistung eines M23
oftmals nicht mehr notwendig.
Große Auswahl bei M12
Durch die große Auswahl an möglichen M12-Powerkodierungen K,
L, S und T und deren Leistungsklassen stehen Antriebsherstellern alle
Möglichkeiten für zukünftige, kompakte Lösungen offen. Gleichzeitig stehen mit
den M12-Kodierungen A, B, D und X genügend Optionen für die Anbindung von
Signalen, Feldbussen oder Ethernet zur Verfügung.
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M17 schließt die Lücke
M17 schließt leistungstechnisch sinnvoll die Lücke zwischen
M12 und M23, bei annähernd gleichen Abmessungen wie ein M12-Powersteckverbinder. Damit ist M17 voll im Trend was miniaturisierte Anschlüsse
für Servos und Antriebe angeht und spart sinnvoll Ressourcen ein. Die mögliche
Leistungsübertragung bis 7,5 kW reicht für den Großteil der kommenden
Antriebsgenerationen mehr als aus. Der Fokus liegt, wie vormals bei M23, auf
der Anwendung in Servoantrieben, Bedienpanels und Steuereinheiten. Um im
gleichen Form,- und Größenfaktor auch die Signalanbindung sicherzustellen,
bietet HARTING M17 Steckverbinder im Power und Signalvarianten bis 17 Pole an. Wie
bei anderen Rundsteckverbindern üblich ist der M17 geschützt nach IP Klasse
65/67 also absolut Staub und Wasserdicht. Zusätzlich erfüllt er die IEC-Standards für die Resistenz gegen Schock (IEC 60512-6-3) und Vibration (IEC
60068-2-6).
Size-15-Verbindungen kommen vorrangig für Anwendungen in Asynchronmaschinen
zum Einsatz. Durch ihr Funktionsprinzip und den Einsatz als drehzahlgesteuerte Dauerantriebe
ohne feste Drehwinkelposition, ist im Gegensatz zu Servoantrieben keine
besondere Schirmung über ein Metallgehäuse notwendig. Daher können Size-15-Steckverbinder aus Kunststoff statt Metall hergestellt werden. Standardisiert
ist auch diese Lösung in der IEC-Norm 61076 – 2-115. Diese umfasst drei
verschiedene Kodierungen:
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• 630 V bei 16 A, 3 Power + 1 PE Kontakt + 2 Signalkontakte
63 V
• 48 V bei 20 A, 2 Power + 1 PE Kontakt + 3
Signalkontakte 48 V
• 24 V bei 20 A, 2 Power + 1 PE Kontakt + 3 Signalkontakte
24 V
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Für den sicheren Anschluss kommt ausschließlich eine
Bajonettverriegelung zum Einsatz.
Bisher immer zu zweit
Neben der Leistungsversorgung benötigen Antriebe eine
zusätzliche Steuerschnittstelle. Üblich in der Praxis sind in der Anwendung
bisher zwei M23-Schnittstellen, eine für die Spannungsversorgung und eine für
die Ansteuerung. Ob über diese Signale, BUS oder Ethernet-Protokolle übertragen
werden, ist dabei unerheblich. Somit werden aktuell immer zwei
Steckverbindungen benötigt. Das kostet Platz auf dem Antrieb und Ressourcen in
der Herstellung. Hier wollen erste Hersteller entgegensteuern und alle
Lebensadern eines Antriebs in einer Schnittstelle kombinieren.
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Hybride Lösungen für die One Cable Automation (OCA)
Um zukünftig weiteren Platz einzusparen, liegt der Fokus
ganz klar auf hybriden Anschlusskonzepten. Diese vereinen die Versorgung von
Power und Signalen/Daten und setzen damit die Ziele der One-Cable-Automation-Initiative um. Diese hat zum Ziel, dass jedes Device über nur noch eine
zentrale, standardisierte Schnittstelle versorgt wird.
Um zukünftig weiteren Platz einzusparen, liegt der Fokus ganz klar auf hybriden Anschlusskonzepten. Diese vereinen die Versorgung von Power und Signalen/Daten und setzen damit die Ziele der One-Cable-Automation-Initiative um.Harting
Die entsprechenden Normen für hybride Rundsteckverbinder in
diversen Größen sind die IEC 61076-2-117 und die IEC 61076-2-118. Erstere
beschreibt metrische Lösungen diverser Größen (M12 bis M40), die kombinierbar
Schraub- und Bajonettverriegelungen bieten. Die Zweite (-118) beschreibt die
Bajonettlösungen (B12 bis B40). Sie alle vereint die gleichzeitige Übertragung
von Power und Signalen/Daten. Dazu wird es verschiedene Anzahlen an
Powerkontakten geben, kombiniert mit 2 oder 4 Steuerkontakten. Diese übertragen
wahlweise BUS-Protokolle, Single Pair Ethernet (SPE) oder ein passendes Ethernetprotokoll.
Zur Hannover Messe 2024 zeigte HARTING erste standardisierte
hybride B23 Lösungen. Der Standard -117 für hybride Lösungen mit metrischem
Gewinde wird voraussichtlich im Mai 2026 verabschiedet und veröffentlicht.
Nahezu alle Rundsteckverbinder vereint die internationale
Standardisierung nach IEC, die eine herstellerübergreifende Kompatibilität
gewährleistet. Das schafft Vertrauen bei Anwendern, die Zugriff auf Second
Sources haben und nicht auf proprietäre Lösungen bauen müssen. Denn eins hat
sich in der Vergangenheit gezeigt, Anwender setzen auf standardisierte Lösungen. (ts)
Autor:
Christian Bähr,
Global Product Manager Connectivity bei Harting