Interview mit Antonia Stephenson, Director of Operations & Finance bei Cox Automotive

„Batteriereparatur braucht den richtigen Softwarezugang“

Hohe Kosten für den Batterietausch werden für gebrauchte E-Autos zum Risiko für Restwerte und Kundenvertrauen. Antonia Stephenson von Cox Automotive erklärt, warum es in der EV-Branche eine Repair-first-Strategie braucht.

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Lächelnde Frau im schwarzen Blazer vor grauem Hintergrund.
Frau der Zahlen: Antonia Stephenson studierte Accounting and Finance an der Newcastle University.

Mit der wachsenden Zahl alter(rnder) Elektrofahrzeuge gewinnt der Themenkomplex rund um Batteriezustand, Reparierbarkeit und Lebenszykluswert für den Gebrauchtwagenmarkt enorm an Bedeutung. Antonia Stephenson, Director of Operations & Finance bei Cox Automotive, fokussiert die operativen und wirtschaftlichen Herausforderungen rund um EV-Batterien.

Auf der Automotive Battery Conference 2026 wird sie gemeinsam mit Russel Perry, Director of Engineering, EV Battery Solutions bei Cox Automotive, den Vortrag „Building a Scalable Battery Strategy – A Repair First Mindset“ halten.

Im Vorfeld der Konferenz haben wir mit Stephenson über den Lebenszykluswert von Batterien, Batteriediagnostik und die Voraussetzungen für eine skalierbare Batteriereparatur gesprochen.

Frau Stephenson, welches der Themen der Automotive Battery Conference 2026 wird die Batterie- und E-Mobilitätsbranche in den kommenden fünf Jahren am stärksten prägen – und warum?

Der Lebenszykluswert wird in den kommenden fünf Jahren zu einem entscheidenden Thema für die Branche werden. Mit der steigenden Zahl gebrauchter Elektrofahrzeuge (EVs) wächst auch die Zahl gebrauchter EV-Batterien, deren Herstellergarantie abgelaufen ist. Eine der wichtigsten Herausforderungen besteht daher darin, wie die Branche einen nachhaltigen, kreislauforientierten Ansatz für die Batteriereparatur unterstützen kann.

Zu lange bestand der Ansatz der Branche bei einem Defekt darin, die Batterie direkt dem Recycling zuzuführen und sie durch eine neue zu ersetzen. Langfristig ist das weder für die Verbraucher kosteneffizient noch für die Branche nachhaltig. Stattdessen sollten wir ein Ökosystem anstreben, das Batterien so lange wie möglich im Kreislauf hält. Das ist sowohl aus ökologischer als auch aus finanzieller Sicht besser und unterstützt zugleich den Gebrauchtwagenmarkt, wenn Elektrofahrzeuge älter werden. Das ist besonders relevant angesichts der rasanten Entwicklung der Batterietechnologie, durch die viele direkte Ersatzlösungen künftig möglicherweise nicht mehr verfügbar sein werden.

Was schafft Vertrauen in die Batteriereparatur?

Ihr Vortrag setzt bei der Sorge vor einem teuren Batterietausch im EV-Gebrauchtwagen-Markt an. Welcher Einzelnachweis würde das Käufervertrauen am stärksten fördern, dass eine alternde Batterie sicher repariert werden kann, anstatt sie kostspielig ersetzen zu müssen?

Ein vom Hersteller freigegebener Reparaturpfad würde wesentlich dazu beitragen, mehr Vertrauen in den Gebrauchtmarkt zu schaffen. Käufer wollen die Gewissheit, dass eine Batterie unabhängig geprüft und als sicher eingestuft wurde, dass eine nachvollziehbare Historie erfolgreicher Reparaturen an der Batterie vorliegt und dass die Techniker, die diese Arbeiten durchgeführt haben, entsprechend geschult wurden. Ein Prozess, der Käufern Transparenz über all diese Faktoren bietet, wäre ein positiver Schritt für den Gebraucht-EV-Markt.

Da die Batteriereparatur auf der Agenda als fehlendes Bindeglied in einem nachhaltigen EV-Ökosystem betrachtet wird: Welche Entscheidungen beim Packdesign bestimmen am stärksten, ob eine Reparatur technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist – Fügeverfahren, Zugang zu den Modulen, Diagnostik, Abdichtung oder Softwarezugang?

Ohne eine präzise Diagnostik und den richtigen Softwarezugang ist eine Reparatur deutlich schwieriger – unabhängig vom physischen Design. Wirtschaftlich am besten reparierbar sind jedoch Batterien, bei deren Entwicklung die Reparatur bereits berücksichtigt wurde. Diese Batterien verfügen über zugängliche Module, reparaturfreundliche Fügeverfahren und freigegebene Verfahren zur Wiederabdichtung.

Wenn ich also einen Faktor auswählen müsste, wäre es eine präzise Diagnostik. Idealerweise sollte die Reparaturfähigkeit jedoch über den gesamten Lebenszyklus der Batterie hinweg berücksichtigt werden. Letztlich ist Reparierbarkeit eine Designphilosophie und kein einzelnes technisches Merkmal.

Welche Daten entscheiden über Reparatur oder Recycling?

Wie entscheiden Sie, ob eine beschädigte Batterie auf Packebene repariert, für den Austausch von Modulen geöffnet, einer Zweitnutzung zugeführt oder direkt recycelt werden sollte – und welche diagnostischen Informationen sind für diese Entscheidung entscheidend?

Diese Entscheidung können wir erst treffen, nachdem wir festgestellt haben, ob eine Batterie sicher gehandhabt werden kann. Ist das der Fall, beginnen wir mit einer präzisen Diagnostik, um den Fehler, die wahrscheinliche Ursache und den verbleibenden Wert der Batterie zu verstehen. Auf dieser Grundlage können wir die technisch, wirtschaftlich und ökologisch beste Lösung bestimmen.

Unser Ziel ist es immer, die Batterie auf der höchstmöglichen Stufe der Werthierarchie zu halten: zunächst durch Reparatur, anschließend durch eine Zweitnutzung, wenn eine Reparatur nicht möglich ist, und Recycling erst als letzte Option.

Batterypass-Session findet unmittelbar vor Ihrem Vortrag statt. Welche verifizierten Lebenszyklusdaten – State of Health, Schadenshistorie, Reparaturereignisse, Eigentümerwechsel oder Nutzungsdaten – sind erforderlich, bevor eine gebrauchte EV-Batterie hinsichtlich Sicherheit, Reparierbarkeit und Wert beurteilt werden kann?

Daten aus dem Batterypass können das Vertrauen und die Entscheidungsfindung deutlich verbessern, die meisten dieser Datenpunkte sind jedoch nicht zwingend erforderlich, bevor eine Batterie bewertet werden kann. Schon heute werden viele Batterien anhand einer Kombination aus physischer Inspektion, diagnostischen Tests und Daten des Batteriemanagementsystems beurteilt – häufig ohne Zugriff auf eine vollständige Lebenszyklushistorie.

Was Batterypassdaten liefern, ist zusätzlicher Kontext. Wenn ich die wertvollsten Informationen priorisieren müsste, wären das ein verifizierter State of Health, die Reparaturhistorie und Aufzeichnungen über erhebliche Schadensereignisse. Sie helfen dabei, nicht nur den aktuellen Zustand der Batterie zu verstehen, sondern auch die Risiken und die wahrscheinlichen Ergebnisse einer Reparatur.

Ein Batterypass sollte die Bewertung und Diagnostik nicht ersetzen. Er sollte sie ergänzen, indem er zusätzlich zu den technischen Nachweisen eine verlässliche Historie bereitstellt.

Wie lassen sich Batteriereparaturen skalieren?

Was begrenzt derzeit die Skalierbarkeit von Batteriereparaturen am stärksten: technischer Zugang, Teileverfügbarkeit, Qualifikation der Techniker, Logistik, Garantievorgaben, Haftung, Diagnosedaten oder uneinheitliche Packdesigns?

Es gibt keine einzelne, allgemeingültige Einschränkung. In den meisten Fällen können wir die technischen Fähigkeiten zur Reparatur einer Batterie entwickeln, wenn eine ausreichende Nachfrage besteht. Die größere Herausforderung besteht darin, ein System zu schaffen, in dem Reparaturen sicher, konsistent und wirtschaftlich in großem Maßstab durchgeführt werden können.

The Automotive Battery Conference

Werbegrafik zur International Conference Automotive Battery mit futuristischem Elektroauto und Konferenzdaten.

Die Elektromobilität wird in den nächsten Jahren einer der Haupttreiber in der Automobilindustrie sein. Dabei spielt die Batterie eine der wichtigsten Rollen bei der weltweiten Verbreitung von Elektrofahrzeugen, wobei die entscheidenden Faktoren die Reichweite der Batterie, die Lademöglichkeiten und die Finanzierung der Produktionskosten sind. All diese Themen vereint die 8. Auflage der Automotive Battery Conference vom 21. bis 22. Oktober 2026 in München.

Weitere Infos und Tickets zur Automotive Battery Conference finden Sie hier. 

Wenn ich die größten Hürden heute benennen müsste, wären das der Zugang zu Diagnosedaten, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und die Haftung. Ohne präzise Diagnostik ist es schwierig, die tatsächliche Ursache eines Fehlers zu identifizieren. Ohne eine verlässliche Versorgung mit Ersatzkomponenten können selbst reparierbare Batterien unwirtschaftlich werden. Und ohne eine klare Verantwortung für die künftige Leistungsfähigkeit einer reparierten Batterie zögern Unternehmen möglicherweise, in groß angelegte Reparaturprogramme zu investieren.

Auch uneinheitliche Packdesigns spielen eine wichtige Rolle. Die Branche hat Batterien im Hinblick auf Leistung, Kosten und Herstellbarkeit optimiert, jedoch nicht immer im Hinblick auf ihre Reparierbarkeit. Deshalb müssen Reparaturprozesse häufig für jedes Batteriepack einzeln entwickelt werden, anstatt sich breit auf verschiedene Fahrzeugplattformen übertragen zu lassen.

Welches andere Thema der Event-Agenda weist die größten Überschneidungen mit Ihrem eigenen auf – und welche Frage würden Sie dem betreffenden Referenten oder Panel stellen?

Das ist eine schwierige Frage, da viele Sessions mit unserer Arbeit zusammenhängen. Wenn ich jedoch eine auswählen müsste, wäre es „Architecting Trusted Mobility: Unlocking the True Value of EIS“, da wir ständig nach Möglichkeiten suchen, unsere Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Eine der größten Herausforderungen bei der Reparatur besteht darin, den tatsächlichen Zustand einer Batterie präzise zu verstehen. Entscheidungen über Reparatur, Wiederverwendung, Zweitnutzung und Recycling werden häufig durch die Qualität und Detailtiefe der verfügbaren Diagnoseinformationen begrenzt. Je besser wir eine Batterie beurteilen können, desto sicherer können wir Entscheidungen treffen, ihren Wert zu erhalten und unnötigen Ersatz zu vermeiden.

EIS hat das Potenzial, ein deutlich tieferes Verständnis des Batteriezustands und der Degradationsmechanismen zu ermöglichen als herkömmliche Diagnoseverfahren allein. Wenn wir Probleme früher erkennen, Fehler präziser eingrenzen und unser Verständnis der verbleibenden Nutzungsdauer von Batterien verbessern können, könnte dies das Vertrauen in Reparaturentscheidungen erheblich erhöhen und zu einer stärkeren Kreislaufführung über den gesamten Batterielebenszyklus beitragen.

Meine Frage an Marc und das Team von Analog Devices wäre daher: Wie weit sind wir davon entfernt, dass sich EIS von einer Technologie für Batterieentwicklung und Batteriemanagement zu einem praktischen Diagnosewerkzeug entwickelt, das in Service-, Reparatur- und Wiederaufbereitungsumgebungen eingesetzt werden kann, um die Reparierbarkeit zu bewerten, die verbleibende Lebensdauer vorherzusagen und Entscheidungen darüber zu unterstützen, ob eine Batterie repariert, einer Zweitnutzung zugeführt oder recycelt werden sollte?