Interview mit Dr. Hans Beyer, Battery Manager bei Webasto

„Immersionskühlung reduziert direkte Wärmeübertragung deutlich“

Mit steigender Ladeleistung wächst die thermische Belastung von EV-Batterien. Webasto-Experte Dr. Hans Beyer erklärt, welche Vorteile Immersionskühlung hier bieten kann und welche Hürden bis zum Serieneinsatz bleiben.

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Nahes Porträt eines Mannes in blauem Sakko vor unscharfem Innenraumhintergrund.
Hans Beyer studierte Chemie an der TU München, wo er später im Bereich Umwelt- und heterogene Katalyse promovierte.

Mit höheren Ladeleistungen und steigenden Anforderungen an die Batterieperformance wächst auch die Bedeutung eines leistungsfähigen Thermomanagements. Hier gewinnt die Immersionskühlung, bei der die Batteriezellen direkt von einem elektrisch isolierenden Kühlmedium umgeben sind, zunehmend an Bedeutung.

Dr. Hans Beyer, Manager Battery Cell Integration, Materials & Bonding bei Webasto, hält dazu auf der Automotive Battery Conference 2026 die Keynote „Immersion Cooling: Raising the Bar for Battery Performance“. Im Vorab-Interview erläutert er, unter welchen Bedingungen Immersionskühlung konventionellen Kühlkonzepten überlegen sein kann und welche Herausforderungen bei Materialverträglichkeit, Fertigung, Sicherheit und Skalierbarkeit noch bestehen.

Herr Dr. Beyer, die Agenda der Automotive Battery Conference 2026 umfasst Themen wie Resilienz, skalierbare Fertigung, Batteriesicherheit, Lebenszykluswert und Laden. Welches Thema wird die Batterie- und E-Mobility-Branche in den kommenden fünf Jahren am stärksten prägen und warum?

Batteriesicherheit, Lebenszykluswert und Ladeperformance sind allesamt entscheidend. Der wichtigste Differenzierungsfaktor in den kommenden fünf Jahren wird jedoch die Fähigkeit sein, Fortschritte in der Zelltechnologie auf Systemebene in einen messbaren Kundennutzen zu überführen.

Webasto hat mit der Batteriefertigung in großem Maßstab in Deutschland, der Slowakei und Südkorea seine Kompetenz bei Industrialisierung und Resilienz unter Beweis gestellt. Fertigungskompetenz allein wird jedoch nicht ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Zelltechnologie benötigen OEMs zunehmend Systempartner, die in der Lage sind, die jeweils besten verfügbaren Zellen unabhängig von Format, Chemie oder Lieferant in sichere und leistungsfähige Batteriesysteme zu integrieren.

The Automotive Battery Conference

Werbegrafik zur International Conference Automotive Battery mit futuristischem Elektroauto und Konferenzdaten.

Die Elektromobilität wird in den nächsten Jahren einer der Haupttreiber in der Automobilindustrie sein. Dabei spielt die Batterie eine der wichtigsten Rollen bei der weltweiten Verbreitung von Elektrofahrzeugen, wobei die entscheidenden Faktoren die Reichweite der Batterie, die Lademöglichkeiten und die Finanzierung der Produktionskosten sind. All diese Themen vereint die 8. Auflage der Automotive Battery Conference vom 21. bis 22. Oktober 2026 in München.

Weitere Infos und Tickets zur Automotive Battery Conference finden Sie hier. 

In diesem Umfeld wird es zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil, das volle Potenzial aktueller und zukünftiger Hochleistungszellen für ultraschnelles Laden auf Systemebene auszuschöpfen und dabei gleichzeitig Sicherheit, Lebensdauer und Kosteneffizienz zu gewährleisten.

Wie lässt sich Immersionskühlung Großserie einsetzen?

Da auch Thermal-Runaway-Bildgebung, Brandschutzmaterialien und Hochleistungsladen auf der Agenda stehen: Welche zentrale Frage auf Systemebene muss die Immersionskühlung beantworten, bevor OEMs sie in großem Maßstab einsetzen können?

Die entscheidende Frage ist, ob die Immersionskühlung ihre Leistungsvorteile bei einer Systemkomplexität, Kostenstruktur und Fertigbarkeit bieten kann, die für Anwendungen in hohen Stückzahlen geeignet sind.

Nach der erfolgreichen Industrialisierung der Batterie-Modul- und Packfertigung für ein Hochleistungsfahrzeug hat Webasto seine Kompetenz in der anspruchsvollen Batteriefertigung unter Beweis gestellt. Aufbauend auf dieser Erfahrung liegt der Fokus nun auf der Entwicklung schlanker Immersionskühlungsarchitekturen, die spürbare Vorteile bei Ladeleistung und Performance bieten und gleichzeitig die Anforderungen der Großserienfertigung an Kosten, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit erfüllen.

Da Hochleistungsladen ebenfalls auf der Agenda steht: Ab welcher Wärmestromdichte, Ladeleistung oder Temperaturdifferenz auf Zellebene ist die Immersionskühlung konventionellen Kühlplattenkonzepten technisch überlegen – und welcher Nachteil auf Systemebene hebt diesen Vorteil am häufigsten wieder auf?

Die Immersionskühlung spielt ihre Stärken überall dort aus, wo thermische Lasten zum begrenzenden Faktor für Ladeleistung, Leistungsfähigkeit oder Temperaturhomogenität auf Zell- oder Packebene werden. Die wesentlichen Zielkonflikte liegen in der höheren Komplexität bei Konstruktion und Fertigung, hohen Anforderungen an die Abdichtung sowie der Notwendigkeit, das Volumen der dielektrischen Flüssigkeit zu minimieren. Der Erfolg der Immersionskühlung hängt daher davon ab, ihre thermischen Vorteile mit diesen praktischen Herausforderungen bei der Umsetzung in Einklang zu bringen.

Warum erfolgreiche Immersionskühlung langfristige Materialverträglichkeit braucht

Welche Kompatibilitätsprobleme zwischen dielektrischem Kühlmittel und Zellen, Stromschienen, Dichtungen, Klebstoffen, Kunststoffen und Beschichtungen werden über eine Batterielebensdauer von zehn Jahren oder mehr kritisch?

Die langfristige Materialverträglichkeit ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung der Immersionskühlung. Mit zunehmend integrierten Batteriearchitekturen spielen Strukturklebstoffe und Dichtmittel eine entscheidende Rolle für die Integrität des Systems. Jede Wechselwirkung zwischen diesen Materialien und der dielektrischen Flüssigkeit muss über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs stabil bleiben.

Dafür ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich, der die Auswahl der Flüssigkeit, die Materialverträglichkeit und die Auslegung der Fügeverbindungen bereits in den frühesten Entwicklungsphasen berücksichtigt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Batterieentwicklern, Materiallieferanten und Herstellern dielektrischer Flüssigkeiten ist unerlässlich, um robuste und langlebige Lösungen zu entwickeln.

Angesichts des Konferenzschwerpunkts auf Thermal Runaway und Brandschutz: Kann die Immersionskühlung die Ausbreitung eines Thermal Runaway wesentlich unterdrücken, oder verlagert sie die Herausforderung hauptsächlich auf Gasfreisetzung, Verunreinigung des Kühlmittels und Druckmanagement?

Die Immersionskühlung ist sehr wirksam bei der Unterdrückung der Ausbreitung, da sie Wärme schnell abführt und gleichzeitig die direkte Wärmeübertragung von Zelle zu Zelle während eines Fehlerereignisses deutlich reduziert.

Welches andere Thema der Agenda weist die größten Überschneidungen mit Ihrem eigenen Thema auf, und was würden Sie den entsprechenden Referenten oder das Panel fragen?

Als Teil der deutschen Batterieindustrie und aufgrund unserer Arbeit an Technologien, die die Leistungsfähigkeit von Batterien erheblich steigern können, interessiert mich besonders die Podiumsdiskussion „Quo Vadis Battery Industry in Germany?“.

Über die zentralen Themen Sicherheit, Kostenwettbewerbsfähigkeit und industrielle Skalierung hinaus würde mich die Einschätzung des Panels zum besonderen Wertversprechen eines europäischen und speziell eines deutschen Batterieökosystems interessieren.

Meine Frage wäre: Durch welche Fähigkeiten kann sich Europa im kommenden Jahrzehnt realistischerweise differenzieren, und wie können OEMs, Batterielieferanten und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten, um diese Stärken in einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu überführen?