ZVEI-Standpunkt: Open Source macht Europas Automobil-Industrie unabhängiger
Open Source könnte zum Befreiungsschlag für Europas Autoindustrie werden. Offene Software, RISC-V und skalierbare Ökosysteme versprechen mehr Tempo, geringere Abhängigkeiten und neue technologische Stärke.
Azar MottaleAzarMottale
2 min
Open Source soll Europas Automobilindustrie unabhängiger machen und zugleich schnellere Softwareentwicklung ermöglichen.Catsby_Art - stock.adobe.com
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Die Automobilindustrie steht im Zentrum geopolitischer Spannungen und technologischer Umbrüche. Abhängigkeiten, etwa bei Halbleitern und Batterien, aber auch bei Software-Plattformen, sind zu strategischen Risiken geworden. Das macht digitale Souveränität zu einer industriellen Notwendigkeit. Open Source kann helfen, technologische Abhängigkeiten zu verringern und die eigene Wertschöpfung gezielt zu stärken.
Wirklich „nicht serienreif“?
Zwar ist Open-Source-Software in einigen Bereichen der Automotive-Industrie längst angekommen. Dennoch wird sie häufig noch als „nicht serienreif“ wahrgenommen. Das greift zu kurz. Moderne Open-Source-Projekte stehen für hochgradig effiziente, mittlerweile zertifizierte Entwicklungsprozesse, automatisierte Toolchains und global verteilte Zusammenarbeit. Insbesondere Eclipse S-CORE ist hier hervorzuheben: Open-Source Automotive Middleware, die relevanten Safety- und Security-Standards entspricht, Hardware-unabhängig einsetzbar ist und gemeinsam von der Community aus OEMs, Tier 1 und Tier 2 entwickelt wird. Methoden wie CI/CD und „Everything-as-Code“ ermöglichen schnellere Zyklen und höhere Softwarequalität. Entscheidend: Effizienzgewinne sind hier nicht an die Offenlegung des eigenen Quellcodes gebunden. Sie lassen sich auch rein unternehmensintern nutzen.
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Save the date: 31. AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress
Am 22. und 23. Juni 2027 findet zum 31. Mal der Internationale AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress (AEK) statt. Dieser Netzwerkkongress ist bereits seit vielen Jahren der Treffpunkt für die Top-Entscheider der Elektro-/Elektronik-Branche und bringt die Automotive-Verantwortlichen und die relevanten High-Level-Manager der Tech-Industrie zusammen, um gemeinsam das ganzheitliche Kundenerlebnis zu ermöglichen, das für die Fahrzeuge der Zukunft benötigt wird. Trotz dieser stark zunehmenden Internationalisierung wird der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress von den Teilnehmern immer noch als eine Art "automobiles Familientreffen" bezeichnet.
Die Prozesse sind Voraussetzung für den nächsten Produktivitätssprung durch KI in der Softwareentwicklung. Sie sind eine Basis für KI-gestützte Software-Entwicklung, die weitere signifikante Effizienzgewinne ermöglicht, bei gleichzeitiger Einhaltung von automobilen Qualitätsanforderungen wie Automotive SPICE oder der funktionalen Sicherheit.
Während neue Marktteilnehmer diese Ansätze konsequent einsetzen und damit Geschwindigkeit und Kostenstrukturen verändern, nutzt die europäische Automobilindustrie dieses Potenzial bislang nicht systematisch. Das muss sich schnell ändern, wenn Europa im Wettbewerb um softwaredefinierte Fahrzeuge bestehen will.
Europa nutzt Potenzial noch nicht systematisch
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EU und Bundesregierung fördern Open Source, fokussieren sich dabei aber vor allem auf die Entwicklung einzelner Technologien. Was fehlt, sind tragfähige Geschäftsmodelle und die Fähigkeit, skalierbare Ökosysteme aufzubauen. Sie entscheiden über den Markterfolg.
Digitale Märkte funktionieren nach Plattformlogiken: Wer ein funktionierendes End-to-End-Ökosystem etabliert, sichert sich Skaleneffekte, Innovationsdynamik und Marktzugang. Open Source bietet dafür ideale Voraussetzungen, von kollaborativer Entwicklung bis zur schnellen Integration von Nutzerfeedback. Doch gerade hier herrscht in der Automobilindustrie Unsicherheit: beim Aufbau von Communities, bei Governance-Modellen und bei der Monetarisierung. Kurz: Europa investiert in Technologie, aber nicht ausreichend in deren Skalierung.
Open Source bedeutet nicht automatisch, den eigenen Quellcode
offenzulegen.
Azar Mottale, Leiterin des Bereichs Mobilität beim ZVEI
RISC-V steht bereit
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Die Debatte um technologische Souveränität wird bei Halbleitern besonders greifbar. Europa ist hier in hohem Maße von außereuropäischen Anbietern abhängig.
Mit RISC-V steht eine offene Architektur zur Verfügung, die strategische Unabhängigkeit ermöglichen kann. Während in anderen Regionen bereits RISC-V-basierte Lösungen in Serie gehen, verzetteln sich europäische Initiativen häufig in Komplexität und zu langen Planungsphasen. Ohne verfügbare, serienreife Produkte entsteht keine Nachfrage – und ohne Nachfrage keine Produkte. Die Konsequenz: Förderpolitik muss schneller, fokussierter und stärker auf Umsetzung ausgerichtet werden, inklusive Unterstützung der Unternehmen beim Technologiewechsel.
Die gute Nachricht: Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Jetzt müssen wir Open-Source-Methoden systematisch in der industriellen Softwareentwicklung verankern und stärker auf bewährte, skalierbare Prinzipien setzen, von modernen Toolchains bis hin zu passenden Organisationsstrukturen. Gleichzeitig müssen Förderprogramme künftig nicht nur einzelne Technologien unterstützen, sondern auch Geschäftsmodelle, Community-Aufbau und Skalierung gezielt in den Blick nehmen. Zugleich erfordert der Umstieg auf offene Technologien neue Modelle, um Risiken und Kosten entlang der Wertschöpfungskette gemeinsam zu tragen. Ebenso wichtig ist es, Standardisierung und Kooperation zu stärken, denn gerade bei offenen Architekturen ist Fragmentierung der größte Feind von Skalierung. (bs)