Bohr von City Labs

Nuklearbatterie im All vor dem Härtetest

Mit Bohr ist ein Kleinsatellit gestartet, der eine langlebige Tritium-Batterie im All erprobt. Nuklearbatterien fliegen dort allerdings schon seit Jahrzehnten. Die eigentliche Premiere liegt an anderer Stelle.

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Ki-generierte symbolische Darstellung eines Satelliten im niedrigen Erdorbit mit zwei großen, blau schimmernden Solarmodulen vor der gekrümmten Erde. Unter dem Raumfahrzeug sind Wolken, Ozeane, Küstenlinien und beleuchtete Städte auf der Nachtseite des Planeten zu erkennen, während Sonnenlicht den Horizont und Teile des Satelliten erhellt. Das Bild steht für die BOHR-Mission von City Labs, bei der ein Kleinsatellit eine betavoltaische Nuklearbatterie auf Basis des radioaktiven Wasserstoffisotops Tritium im All testet. Die Solarzellen versorgen weiterhin den Satellitenbus und damit die grundlegenden Systeme des CubeSats, während die Tritium-Batterie ausschließlich eine separate experimentelle Nutzlast mit sehr geringer, über viele Jahre verfügbarer elektrischer Leistung speist. Bei der NanoTritium-Technologie werden die beim radioaktiven Zerfall des Tritiums freigesetzten Beta-Teilchen von einer Halbleiterstruktur direkt in elektrischen Strom umgewandelt. Die Mission soll zeigen, wie zuverlässig eine solche langlebige Mikrostromquelle unter den Strahlungs-, Temperatur- und Vakuumbedingungen des Weltraums arbeitet. Das abgebildete Raumfahrzeug ist eine illustrative Darstellung und zeigt nicht den tatsächlichen BOHR-CubeSat.
Symbolfoto: Mit Bohr testen City Labs eine kommerzielle Tritium-Nuklearbatterie in einem CubeSat unter realen Weltraumbedingungen. Die Solarzellen versorgen den Satelliten, während die Batterie eine separate Testnutzlast speist.

Bohr testet Tritium-Batterie im Orbit

  • Der Kleinsatellit Bohr ist am 7. Juli 2026 mit SpaceX Transporter-17 gestartet. Er soll die betavoltaische Energiequelle NanoTritium unter realen Weltraumbedingungen erproben.
  • Die Tritium-Batterie an Bord wandelt Beta-Strahlung direkt im Halbleiter in Strom um und soll über viele Jahre nur kleine, aber konstante Leistungen liefern.
  • Neu an der Mission ist vor allem der kommerzielle und regulatorische Rahmen. Bohr gilt als erste kommerzielle US-Mission mit radioaktivem Material nach dem vorgesehenen Genehmigungsweg, während der Satellitenbus weiterhin mit Solarzellen versorgt wird.

Diese Infobox wurde von Labrador AI generiert und von einem Journalisten geprüft.

Am 7. Juli 2026 ist der Kleinsatellit Bohr an Bord der SpaceX-Mission Transporter-17 von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien gestartet. Der Name Bohr steht für „Betavoltaic Orbital High-Reliability“. Der CubeSat gehört zu einer Gruppe von 81 Nutzlasten, die eine Falcon-9-Rakete von SpaceX im Rahmen des Rideshare-Flugs in einen niedrigen Erdorbit gebracht hat.

Technisches Diagramm zur Integration der Tritium-Nuklearbatterie in den BOHR-CubeSat von City Labs. Links ist das geöffnete, würfelförmige Satellitengehäuse mit seitlich angebrachten Solarzellen, inneren Leiterplatten und mechanischen Halterungen dargestellt. Rechts ist ein gestapelter Aufbau aus mehreren grünen Leiterplatten zu sehen, auf denen gelbe, rechteckige NanoTritium-Batteriemodule montiert sind. Ein großer weißer Pfeil mit roter Umrandung zeigt vom Elektronikstapel auf den vorgesehenen Einbauort im Inneren des Satelliten. Die Darstellung veranschaulicht, wie die betavoltaischen Energiequellen in die experimentelle Nutzlast des Kleinsatelliten integriert werden. Die NanoTritium-Module wandeln die beim radioaktiven Zerfall von Tritium freigesetzten Beta-Teilchen mithilfe von Halbleitern direkt in geringe Mengen elektrischen Stroms um. Der Satellitenbus selbst wird weiterhin über die außen angebrachten Solarzellen versorgt.
Das Schema zeigt die Integration mehrerer NanoTritium-Batteriemodule in die elektronische Nutzlast des Bohr-CubeSats. Die betavoltaischen Stromquellen sollen im Orbit unter realen Weltraumbedingungen erprobt werden.

Entwickelt wurde Bohr vom US-Unternehmen City Labs aus Florida. Im Mittelpunkt der Mission steht die Erprobung der betavoltaischen Energiequelle NanoTritium im Weltraum. Bei dieser Technologie treffen die beim radioaktiven Zerfall von Tritium entstehenden Beta-Teilchen auf eine Halbleiterstruktur und erzeugen dort elektrischen Strom. Die Leistung fällt vergleichsweise gering aus, steht dafür jedoch kontinuierlich über viele Jahre zur Verfügung.

Die Solarzellen übernehmen weiterhin die Versorgung des Satellitenbusses und damit den eigentlichen Betrieb des CubeSats. NanoTritium liefert den Strom für eine separate Testnutzlast. Im Orbit soll sich zeigen, wie zuverlässig die Nuklearbatterie unter realen Weltraumbedingungen arbeitet.

Was ist an der Bohr-Mission neu?

City Labs bezeichnet Bohr als ersten kommerziellen nuklear betriebenen Satelliten und als ersten nuklearen CubeSat. Die technische Grundidee, radioaktive Zerfallsenergie zur Stromversorgung von Raumfahrzeugen zu nutzen, ist allerdings deutlich älter. Die Besonderheit bei der neuen Mission liegt vor allem im kommerziellen und regulatorischen Rahmen. Nach Angaben des Unternehmens ist Bohr die erste kommerzielle Mission mit radioaktivem Material, die den im US-amerikanischen National Security Presidential Memorandum 20 festgelegten Genehmigungsweg genutzt hat. Das Dokument regelt in den USA unter anderem die Zuständigkeiten für Starts von Raumfahrzeugen mit nuklearen Energiesystemen.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA erteilte am 30. September 2025 die Nutzlastgenehmigung für Bohr. Die dafür erstellte Sicherheitsanalyse wurde laut City Labs mit technischer Unterstützung der Sandia National Laboratories geprüft und in das Genehmigungsverfahren eingebracht. Damit erprobt Bohr neben der Stromquelle auch einen möglichen Weg für weitere kommerzielle Weltraummissionen mit kleinen nuklearen Energiequellen. Jede künftige Nutzlast dürfte dennoch erneut bewertet werden. Die Freigabe von Bohr ist keine pauschale Zulassung für beliebige radioaktive Systeme.

Wie funktioniert die Tritium-Batterie?

Tritium ist ein radioaktives Isotop des Wasserstoffs und spielt auch in der Idee der Fusionsenergie eine tragende Rolle. Sein Atomkern besteht aus einem Proton und zwei Neutronen. Beim Zerfall entsteht Helium-3, wobei ein Elektron als Beta-Teilchen freigesetzt wird. Die Halbwertszeit von Tritium beträgt rund 12,3 Jahre. In einer betavoltaischen Zelle werden diese Elektronen zur Stromerzeugung genutzt. Treffen sie auf das Halbleitermaterial, erzeugen sie dort bewegliche Ladungsträger. Eine elektrische Struktur führt diese Ladungen ab und stellt sie als nutzbaren Strom bereit.

Das Prinzip erinnert an eine Solarzelle. Bei der Photovoltaik lösen Photonen die Ladungsträger im Halbleiter aus, bei der Betavoltaik übernehmen Beta-Teilchen diese Aufgabe. Die Stromerzeugung erfolgt direkt aus der Zerfallsstrahlung. Eine thermische Zwischenstufe wie bei einem Radioisotopengenerator ist nicht erforderlich.

City Labs bindet das Tritium in Metallhydriden, die auch als Metalltritide bezeichnet werden. Der radioaktive Wasserstoff befindet sich dadurch in einem festen Material und muss nicht als komprimiertes Gas gespeichert werden. Die feste Einbindung ermöglicht kompakte Bauformen und soll den Umgang mit dem Isotop vereinfachen. Da eine betavoltaische Stromquelle keine beweglichen Teile benötigt, kann sie über lange Zeiträume arbeiten. Ihre Stärke liegt allerdings nicht in einer hohen Leistung. Sie eignet sich vor allem für Elektronik, die dauerhaft sehr wenig Strom benötigt.

Wie viel Strom liefert NanoTritium?

City Labs bietet verschiedene NanoTritium-Ausführungen an. Die verfügbare P100-Serie arbeitet laut Hersteller mit Spannungen von 0,8, 1,6 oder 2,4 Volt. Der Ausgangsstrom liegt je nach Ausführung zwischen 50 und 350 Nanoampere. Eine P200-Serie befindet sich noch in Entwicklung. Für sie nennt City Labs Ströme zwischen 52 und 156 Mikroampere bei denselben Spannungsstufen. Welche Variante im Bohr-Satelliten eingesetzt wird, hat das Unternehmen bislang nicht öffentlich angegeben.

Damit lässt sich auch die elektrische Leistung der Testnutzlast nicht genau bestimmen. Je nach Spannung und Strom bewegt sich eine solche Energiequelle typischerweise im Nano-, Mikro- oder unteren Milliwattbereich. Für den Betrieb eines vollständigen Satelliten reicht das nicht aus. Geeignet ist die Technik beispielsweise für Sensoren, Speicher, Zeitgeber oder Überwachungsschaltungen, die dauerhaft aktiv bleiben sollen.

Welche Leistung steckt theoretisch in Tritium?

Der Raumfahrtexperte Michael Khan hat auf SciLogs die Größenordnung der in Tritium enthaltenen Zerfallsleistung berechnet. Ein Gramm Tritium weist demnach eine Aktivität von etwa 3,6 × 10¹⁴ Zerfällen pro Sekunde auf. Aus der mittleren Energie der freigesetzten Beta-Teilchen ergibt sich eine theoretische Zerfallsleistung von ungefähr 0,33 Watt pro Gramm Tritium. Dieser Wert beschreibt die insgesamt frei werdende Energie und noch nicht die elektrische Ausgangsleistung einer fertigen Batterie.

Nur ein Teil der Energie lässt sich im Halbleiter in elektrischen Strom umwandeln. Hinzu kommen die Masse der Metallhydridstruktur, die Kapselung und weitere Bauteile. Die Leistungsdichte des vollständigen Systems fällt deshalb deutlich geringer aus als die theoretische Zerfallsleistung des reinen Isotops. Außerdem sinkt die Leistung mit dem radioaktiven Zerfall. Nach einer Halbwertszeit von rund 12,3 Jahren ist noch etwa die Hälfte des ursprünglichen Tritiums vorhanden. Entsprechend steht auch nur noch ungefähr die halbe anfängliche Zerfallsleistung zur Verfügung.

Wie viel Tritium Bohr an Bord hat, ist öffentlich nicht bekannt. Ohne diese Angabe und ohne Daten zum Wirkungsgrad lässt sich keine genaue Ausgangsleistung für den Satelliten ableiten. Die Rechnung zeigt jedoch, warum Tritium vor allem für langlebige Anwendungen mit sehr geringem Energiebedarf interessant ist.

Nuklearbatterien fliegen seit 1961 ins All

Fertig montierter BOHR-CubeSat von City Labs auf einer blauen Arbeitsfläche während der Vorbereitung auf seinen Weltraumeinsatz. Der kompakte Kleinsatellit besitzt ein würfelförmiges graues Metallgehäuse mit verstärkten Ecken, zahlreichen Schraubverbindungen und dunklen Solarzellen auf den sichtbaren Seitenflächen. Auf der Oberseite befinden sich eine geschlossene Metallplatte, Befestigungselemente und ein kleiner elektrischer Anschluss. Die Solarflächen liefern die Energie für den Betrieb des Satellitenbusses. Im Inneren des CubeSats ist eine separate experimentelle Nutzlast mit der betavoltaischen NanoTritium-Batterie untergebracht. Diese erzeugt aus dem radioaktiven Zerfall des Wasserstoffisotops Tritium über eine Halbleiterstruktur kontinuierlich geringe Mengen elektrischen Stroms. Die BOHR-Mission soll zeigen, wie zuverlässig die langlebige Nuklearbatterie den Start und den Betrieb unter Vakuum, Strahlung und starken Temperaturschwankungen im Erdorbit übersteht.
Der fertig montierte Bohr-CubeSat trägt Solarzellen auf seinen Außenseiten. Im Inneren befindet sich dieTestnutzlast mit der Tritium-Nuklearbatterie NanoTritium.

Radioisotopenbasierte Stromquellen werden bereits seit mehr als sechs Jahrzehnten in der Raumfahrt eingesetzt. Der US-Navigationssatellit Transit IV-A war das erste Raumfahrzeug, das mit einer Radioisotopen-Stromquelle gestartet wurde. Er gelangte am 29. Juni 1961 in den Orbit. Sein SNAP-3-Generator nutzte Plutonium-238. Die beim Zerfall entstehende Wärme wurde über thermoelektrische Elemente in elektrischen Strom umgewandelt. Diese Radioisotopengeneratoren, kurz RTG, funktionieren damit anders als die betavoltaische Zelle von Bohr.

Auch die Sowjetunion setzte nukleare Energiesysteme im Weltraum ein. Zwischen 1967 und 1988 startete sie zahlreiche Radaraufklärungssatelliten des RORSAT-Programms. Viele davon verwendeten Kernspaltungsreaktoren der Typen BES-5 beziehungsweise Buk. Sie erzeugten erheblich höhere elektrische Leistungen als Radioisotopenbatterien, brachten jedoch auch andere technische und sicherheitsrelevante Anforderungen mit sich.

Zu den bekanntesten Raumfahrzeugen mit Radioisotopengeneratoren gehören die beiden Voyager-Sonden. Sie starteten 1977 und beziehen ihre Energie bis heute aus Plutonium-238. Auch der Marsrover Curiosity nutzt seit seiner Landung im Jahr 2012 einen Multi-Mission Radioisotope Thermoelectric Generator (RTG). Bohr setzt sich von diesen Missionen vor allem durch seine geringe Größe, das Isotop Tritium, die direkte betavoltaische Stromerzeugung und die kommerzielle Ausrichtung ab.

Was passiert bei einer Beschädigung des Satelliten?

Tritium sendet Beta-Strahlung mit vergleichsweise niedriger Energie aus. Diese Strahlung hat nur eine geringe Reichweite und kann bereits durch dünne Materialschichten abgeschirmt werden. Von außen kann sie die menschliche Haut nicht durchdringen. Gesundheitlich relevant wird Tritium vor allem dann, wenn es in den Körper gelangt, etwa durch Einatmen oder die Aufnahme tritiierten Wassers. Deshalb kommt der festen Einbindung und Kapselung des Isotops eine wichtige Rolle zu.

City Labs speichert das Tritium in einer Metallhydridstruktur. Bei einer Beschädigung des CubeSats ist eine Freisetzung dennoch grundsätzlich denkbar. Wie groß die dabei mögliche Menge wäre, lässt sich anhand der öffentlich verfügbaren Daten nicht beurteilen. Das Unternehmen nennt weder die Tritium-Masse noch Einzelheiten zur Kapselung.

Feststeht jedoch, dass eine Kollision von BOHR wäre nicht im Ansatz mit der Zerstörung eines Kernreaktors oder eines plutoniumhaltigen RTG vergleichbar. Für eine belastbare Risikobewertung wären jedoch die vollständige Sicherheitsanalyse, die genaue Isotopenmenge und Daten zum Verhalten der Quelle bei einem Wiedereintritt erforderlich. Dass die FAA die Nutzlast genehmigt hat, zeigt, dass entsprechende Start- und Unfallscenario untersucht wurden. .

Wo könnten Tritium-Batterien eingesetzt werden?

Betavoltaische Energiequellen spielen ihre Vorteile überall dort aus, wo über Jahre hinweg geringe Strommengen benötigt werden und ein Batteriewechsel kaum möglich ist. In der Raumfahrt kommen dafür etwa autonome Sensoren, Überwachungsschaltungen, Speicherbausteine oder Zeitgeber infrage. Interessant ist die Technik auch für Orte, an denen Solarenergie nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Dazu gehören permanent verschattete Mondkrater, lange Mondnächte, weit von der Sonne entfernte Missionen oder abgeschirmte Systeme im Inneren eines Raumfahrzeugs.

Für energieintensive Bordcomputer, Funkanlagen oder elektrische Antriebe reicht die Leistung heutiger Tritium-Batterien nicht aus. Sie könnten jedoch einzelne kritische Funktionen aktiv halten, während andere Energiequellen ausfallen oder abgeschaltet sind. Bohr soll nun zeigen, ob eine kommerziell gefertigte Tritium-Batterie den Start, die Strahlungsumgebung, die Temperaturschwankungen und den langfristigen Betrieb im Orbit zuverlässig übersteht. Gelingt der Nachweis, könnte die Mission den Weg für weitere Kleinsatelliten und autonome Systeme mit langlebigen Mikrostromquellen ebnen.