Technologiepartner statt klassischer EMS

Das fehlende Teil im EMS- Modell

Was unterscheidet einen klassischen EMS-Dienstleister von einem echten Technologiepartner? Für viele Unternehmen beginnt die Antwort genau dort, wo Standardlösungen nicht mehr ausreichen. Kunden suchen heute einen Partner, der Probleme erkennt, und der sie über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg begleitet.

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links: Mehr als EMS: TQ beschäftigt mehr als 300 Entwickler für Hardware, Software und Mechanik. rechts: Von klassischer Bestückung bis zum 360-Grad-Service: TQ betreut Kunden seit über 30 Jahren ganzheitlich in der Elektronikfertigung und -entwicklung.

Als einer der größten EMS-Anbieter Deutschlands kombiniert TQ die Stabilität eines gewachsenen Familienunternehmens ohne Beteiligung von Investoren mit technologischem Know-how. Mit insgesamt 15 Standorten weltweit, darunter 10 in Deutschland und weiteren in Slowenien, Ungarn, China und den USA, hat das Unternehmen den Ansatz „Made in Germany“ global weitergedacht und trotzdem nie seine Wurzeln verloren. TQ betrachtet Projekte ganzheitlich und betreut Kunden auf Wunsch bereits von der Ideenfindung bis hin zur Produktpflege mit Langzeitverfügbarkeit.

Vom EMS-Dienstleister zum Problemlöser

„Die Anforderungen unserer Kunden haben sich deutlich verändert. Heute sucht kaum jemand einen klassischen EMS-Dienstleister. Gefragt sind Partner, die Verantwortung übernehmen und Lösungen liefern, egal wie groß oder komplex die Herausforderungen auch sein mögen. Einen echten Problemlöser eben“, sagt Markus Luschnig, Gesamtproduktionsleiter von TQ. Das Unternehmen begegnet dieser Erwartung mit einer engen Verzahnung von Entwicklung, Fertigung und Testing. Schon vor über 30 Jahren legte TQ damit den Grundstein für ein Modell, das klassische EMS-Dienstleistung mit umfangreicher Entwicklungskompetenz verbindet.

Cobots, Robotik oder SPS-Steuerungen: TQ verfügt über zwei Automatisierungsteams, die laufend Prozesse im Unternehmen optimieren.

Die über 300 Entwickler für Hardware, Software und Mechanik können mit ihrem umfangreichen Know-how ein breites Branchenspektrum bedienen. Projekte mit hohen Normenanforderungen zählen zu den Kernstärken, wie in der Medizintechnik oder Luft- & Raumfahrt üblich. Gerade hierfür ist die konsequente Einhaltung von Prinzipien wie Design for Excellence, Design for Manufacturing sowie Design for Testability entscheidend. Diese Ansätze reduzieren Risiken und bereiten die Produkte optimal auf eine effiziente Serienfertigung vor.

Entwicklung als Schlüssel zur kostenoptimierten Fertigung

Die sorgfältige Herangehensweise in der Entwicklung bei TQ setzt sich unmittelbar in der Fertigung fort. Was hier gefertigt wird, ist von Anfang an darauf ausgelegt, stabil, effizient und automatisierbar produzierbar zu sein. Das Stichwort Automatisierung hat dabei einen besonderen Stellenwert: „Wir müssen heute zwei Dinge gleichzeitig liefern: Qualität und Geschwindigkeit. Ohne Automatisierung geht das nicht“, erklärt Luschnig. Daher beschäftige TQ extra eigenes Personal, das sich nur darum kümmert, dieses Thema voranzutreiben. „Wir haben zwei Automatisierungsteams bei TQ, die Prozesse automatisieren, ob mit Cobots, Robotik oder SPS-Steuerungen. So können wir dafür sorgen, dass wir stets so ressourcenschonend und effizient wie möglich für unsere Kunden produzieren.“

Digital, transparent, papierlos

Effizienz, Transparenz und Rückverfolgbarkeit seien heute zentrale Anforderungen in der Fertigung. „Wir haben ein Team, das sich seit sieben Jahren mit unserem eigenen MES beschäftigt“, so Luschnig weiter. „Unser Manufacturing Execution System ermöglicht es, dass alle wichtigen Informationen für eine Produktion digital abgelegt sind, um die Effizienz, Qualität und Rückverfolgbarkeit zu verbessern. Wir haben eine 100-Prozent-Lebenslaufakte, sodass wir dem Kunden jederzeit auf Knopfdruck eine Seriennummer mit allen Daten schicken können.“

Die Integration von einsatzbereiten skalierbaren Embedded-Lösungen verkürzt Entwicklungszeiten erheblich.

Neben dem MES trägt auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz erheblich zur Produktivität bei. Das Ziel von TQ lautet: KI übernimmt 80 Prozent der Routine-Aufgaben, damit sich kompetente Fachkräfte um die restlichen anspruchsvollen 20 Prozent kümmern können. „Eine KI ersetzt den Menschen nicht, sondern verschafft Raum, sich um komplexe und nicht standardisierbare Sachverhalte kümmern zu können“, erklärt der Gesamtproduktionsleiter. Ein Beispiel: Früher war die Feinplanung der SMD-Linien eine anspruchsvolle, manuelle Aufgabe, die eine Fachkraft viele Stunden kosten konnte. Heute übernimmt eine KI die Planung über Nacht und schlägt eine optimale Linienauslastung vor. Kann man diesem System blind vertrauen? Nein, lautet die Antwort des Technologieführers. Aber die Zeitersparnis von stundenlanger Planung hin zu wenigen Minuten der Überprüfung spreche für sich.

Außerdem trägt die KI maßgeblich zur Vermeidung von Fehlern bei. Gemäß dem Grundsatz Poka Yoke führt das System an unterschiedlichen Stellen im Produktionsablauf automatische Kontrollen durch und meldet selbst kleine Abweichungen oder Veränderungen, die später zu einem Fehler werden könnten. So kann von außen sofort nachjustiert werden, ohne den Produktionsfluss zu unterbrechen.

TQ entwickelt und produziert Antriebssysteme, die in Gewicht, Größe, Leistung und Effizienz überzeugen.

Auch im Einkauf beschleunigt die KI administrative Prozesse. Eingehende E-Mails zu Bestellungen oder Sendeverfolgungen werden automatisiert gelesen und in das ERP-System übertragen. Werden Lieferabweichungen festgestellt, gibt das System automatisch eine Warnung aus. Gerade im administrativen Bereich sieht TQ noch viel Potenzial, um künftig weitere Kapazitäten freizusetzen und mehr Raum für Sonderfälle oder komplexe, agile Projekte zu schaffen.

Zulassung als kritischer Faktor – Vorteil eigenes Prüflabor

Das Prinzip „Mehr als ein klassischer EMS-Dienstleister“ beschränkt sich aber nicht nur auf die Fertigung. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg vom Prototyp zur Serie ist die Produktzulassung. Hier lauern oftmals versteckte Risiken, die Projekte verzögern oder verteuern können. Mit dem eigenen akkreditierten Prüflabor, dem TQ-Product-Compliance-Center (TQ-PCC), übernimmt TQ diese kritische Phase vollständig intern. Dort werden Produktzulassungen und internationale Zertifizierungen durchgeführt oder derlei Prozesse in beratender Funktion begleitet. Für Kunden bedeutet das: Sie müssen sich nicht selbst durch komplexe Normen und Vorgaben kämpfen, sondern profitieren von einem erfahrenen Spezialistenteam und dem direkten Austausch zwischen Entwicklung und Prüflabor. So lassen sich Zeit, Kosten und Abstimmungsschleifen spürbar reduzieren.

Zeit sparen durch fertige Bausteine

Die Feinplanung der SMD-Linienauslastung übernimmt bei TQ eine Künstliche Intelligenz, sodass sich Fachkräfte auf komplexe Projekte konzentrieren können.

Einen weiteren Zeitgewinn bietet die Integration fertiger, erprobter Technologien. TQ verfügt über ein breites Portfolio eigener Embedded-Module – skalierbare, langzeitverfügbare Baugruppen auf Basis der neuesten Prozessorplattformen von NXP, Texas Instruments, Intel und Renesas. Von kompakten Mini-Modulen bis zu voll ausgestatteten Box-PCs erhalten Kunden sofort einsetzbare Bausteine, die Entwicklungsrisiken minimieren und einen schnellen Projektstart ermöglichen.

Auch im Bereich der Antriebstechnik ist das Unternehmen ständig auf Fortschritt bedacht. Die Frameless-Servomotoren von TQ-Robo Drive basieren auf einer Stator-Rotor-Technologie, die ursprünglich vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt für die Internationale Raumstation entwickelt wurde. Ihr hoher Kupferfüllfaktor und das optimierte Design ermöglichen eine hohe Drehmomentdichte, geringe Verluste und hohe Dynamik bei sehr guter Wärmeableitung. Die Motoren können als Direktantriebe eingesetzt werden und lassen sich bei Bedarf flexibel an spezifische Anforderungen anpassen – bei gleichzeitig minimalem Gewicht und kompakter Bauform.

Zertifizierungen als Eintrittskarte in komplexe Märkte

Mit dem hauseigenen akkreditierten Prüflabor (TQ-PCC) begleitet TQ Kunden schnell und sicher zur Produktzulassung

Doch selbst mit modernster Technologie bleibt eine Tatsache bestehen: Wer in anspruchsvollen Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik oder Defense tätig ist, benötigt umfangreiche Zertifizierungen. Viele Unternehmen stoßen hier an ihre Grenzen. TQ ist dank langjähriger Erfahrung und einer Vielzahl relevanter Zulassungen – darunter ISO 9001, ISO 13485, EN 9100 sowie A-DOA, POA und MOA – sehr gut aufgestellt. Die Kunden haben somit die Gewissheit, mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der die regulatorischen Anforderungen kennt und seit Jahren erfüllt.

Flexibilität ist gefragt

Markus Luschnig betont vor allem auch die Flexibilität seines Unternehmens darauf reagieren zu können, wohin der Markt sich bewegt. „Innovationszyklen werden kürzer, Produkte komplexer, Anforderungen strenger und Projekte individueller. Unsere Kunden haben keine 08/15-Projekte“, heißt es abschließend von ihm. „Wir sprechen hier von hoch technologischen Produkten aus komplexen Branchen, die mit großer Innovationskraft entwickelt werden. Unsere größte Stärke ist unsere Flexibilität. Wir setzen beim Kunden dort an, wo wir gebraucht werden. So sorgen wir dafür, dass der Kunde am Ende ein ausgefeiltes fehlerfreies Produkt erhält.“

Autor:

Thomas Zimmermann,
Leiter Produkte, Dienstleistungen und Kundencenter, TQ-Systems